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Rosenaustadion

auch Rosenau-Stadion; ein 1951 errichtetes Stadion in Augsburg (Antonsviertel), das mit Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde

Allgemeines

Das Rosenaustradion liegt unmittelbar an der Hangkante der Augsburger Hochterrasse? zur Wertach. Der Hauptzugang liegt im Osten, also in Richtung der Altstadt von Augsburg, oberhalb der Hangtribünen. Hier sind Kassenhallen, ein Ladenraum und sanitäre Anlagen untergebracht. Zwischen den Einganstoren finden sich schmale Dächer, dünne Stützen und dünne Betonwände, was eine Leichtigkeit der Konstruktion simuliert. Erst 1953 kam das so genannte Marathontor aus Anlass der 53. Deutschen Leichtathletikmeisterschaften an der Nordseite der gedeckten Sitztribüne dazu.

Im Rosenaustadion erlebten und erleben die Augsburger bis heute Fußball- Handball- und Leichtathletik-(Länder)-Wettkämpfe, kirchliche Großveranstaltungen, Feuerwerke, Vereinsspiele und viele Großveranstaltungen mehr. Es ist ein Mehrzweckstadion mit Leichtathletikanlage in klassischer Elipsenform. Der Bau orientiert sich am olympischen Stadion von Helsinki. Hier spielte Helmut Haller von 1973 bis 1979 für den FCA.

Erreichbar ist das Stadion folgendermaßen: mit der Straßenbahnlinie 1, Haltestelle "Polizeipräsidium" - von dort aus etwa 10 Gehminuten zum Stadion; bei Großveranstaltungen gibt es in der Regel Bus-Zubringerdienste von den Parkplätzen am "Plärrergelände" und am "Messegelände"; von Parkplätzen in der Nähe des Stadions aus: in beschränkter Anzahl an der Stadion- und der Gabelsberger Straße, außerdem Parkplatz bei der Sporthalle Augsburg an der Ulrich-Hofmaier-Straße.

Das Stadion besitzt folgendes Fassungsvermögen: 2.823 Sitzplätze unter einer überdachten Tribüne (davon 10 Rollstuhlfahrerplätze & 16 Reporterplätze), 3.088 nicht überdachte Sitzplätze, 26.443 Stehplätze, insgesamt also 32.354 Plätze.

Die Ausstattung: Haupt- und Nebenspielfeld, 8 x 400m-Kunststofflaufbahnen (Rekortanbelag) von 1971, Weit-, Drei-, Hoch-, Stabhochsprunganlage, Bocciabahnen und Flutlichtanlage mit einer fernsehgerechten Lichtstärke von 1.400 Lux.

Der Rosenauberg? begünstigte den Bau des Rosenaustadions, weil man nur für eine Tribüne einen kleinen Berg anlegen musste, der auch noch als beliebter Rodelberg genutzt wird. Das machte sich auch bei den Kosten bemerkbar: Der Bau des Rosenaustadions kostete nur etwa 1,8 Mio. Deutsche Mark, was auch für damalige Verhältnisse günstig war.

Geschichte

Wo heute das Rosenaustadtion steht, wurden schon früher Feste und sportliche Wettkämpfe veranstaltet. Sicher ist, dass schon 1430 hier in der Rosenau? Preisschießen mit Büchsen und Armbrüsten stattfanden. Darauf ging der Architekt Thomas Wechs in einer Denkschrift von 1926 zur Rosenau? als Ausstellungs- und Sportgelände ein.

1946 fuhr die erste Trümmerbahn der Augsburger Localbahn mit Kriegstrümmern aus Augsburg an den Rosenauberg?. Der Schutt kam von geräumten Ruinengrundstücken aus der Innenstadt. Die Feldbahn kippte ihren Schutt einfach den Berg hinunter. Langsam entstand daraus der Umriss eines Stadions in klassischer Ellipsenform, die an ein antikes Amphitheater erinnerte. Eigentlich wollte man ursprünglich eine Recyclinganlage ihre Arbeit aufnehmen lassen. Sie sollte die Mauer- und Betonreste zerkleinern und Baumaterial für den Wiederaufbau Augsburgs herstellen. Diese Pläne wurden jedoch im Juni 1948 nach der Währungsreform aufgegeben, weil es plötzlich wie durch ein Wunder überall genug günstiges Baumaterial zu kaufen gab. Im Herbst 1948 war der Schuttberg auf etwa 700.000 Kubikmeter angeschwollen und man fragte sich, was man nun damit machen sollte.

Das war die Stunde des städtischen Baudirektors Hans Brucker und des Stadtbaurats Georg Werner. Sie erinnerten sich an die 1926 veröffentlichte Denkschrift des Architekten Thomas Wechs, der darin am Rosenauberg? ein Sportzentrum für Augsburg vorgeschlagen hatte. So entwarfen die beiden Pläne für Stehwälle eines Stadions und Anfang 1949 bewilligte der Stadtrat für eine "Geländebereinigung" 110.000 DM. Mitarbeiter bei dem Entwurf waren auch Hans Bruckner, Jakob Heichele und Heinz Hilten. Im Mittelpunkt des Entwurfs lag das Spielfeld, umgeben von einer Aschenbahn, Stehtribünen Richtung Süden, Osten und Norden, im Westen die überdachte Haupttribüne.

Von einem Stadion war damals öffentlich nicht die Rede. Aber schon bald drangen die Pläne, hier ein Stadion zu errichten in die Öffentlichkeit, was Diskussionen über die Notwendigkeit zur Folge hatte. Sogar die Augsburger Sportvereine sprachen sich gegen den Stadionbau aus, weil sie befürchteten, die Stadt Augsburg würde sie von ihren Sportanlagen vertreiben, die auf städtischem Grund lagen und diesen städtischen Grund für den dringend notwendigen Wohnungsbau verwenden. Doch noch im Jahr 1949 stimmte der Stadtrat in Mehrheit für den Stadionbau, der etwa 40.000 Menschen fassen sollte und mit Zusatztribünen weitere 25.000.

Die Stehwälle baute man 1950, Sitzplätze wurden auf der Tribüne errichtet. Auch die Umzäunung, die Kassenhäuschen und sanitäre Anlagen entstanden in diesem Jahr. Unter dem Spielfeld legte man mehr als 1.300 Meter Drainagerohre. Die Spielfeldanlage mit den Ziegelsplitt-Laufbahnen nahm am Olympiastadion Berlin Maß. Treppen und Stehplätze fertigte man aus 13.000 Betonfertigteilen.

Im November 1950 bewilligte der Stadtrat weiteres Geld, um die Tribüne mit ihrer Stahlbetonkonstruktion und einem modernen frei auskragendem Dach zu errichten: 16 Meter tief und 120 Meter lang.

Am 16. September 1951 wurde das Rosenaustadion mit dem Fußball-B-Länderspiel Deutschland - Österreich vor 51.000 Zuschauern eröffnet. Für die Augsburger war es ein Symbol für den Wiederaufbau ihrer Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Rosenaustadion war der erste Neubau einer Großarena in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und war in den 1950er und 1960er Jahren eine wichtige Bühne für Großveranstaltungen. Nicht selten waren die damals 42.000 Plätze besetzt. Zwölf Leichtathletik-Länderkämpfe fanden hier statt. Nur das Stuttgarter Stadion und das Berliner Olympiastadion waren zur Zeit der Eröffnung im Bundesgebiet größer.

Den Sieg der deutschen Nationalmannschaft 1952 mit 5:1 gegen die Schweiz hier im Rosenaustadion vor fast 65.000 Zuschauern erschien vielen Fußballfans im Rückblick als Geburt der deutschen Weltmeister-Elf von 1954 in Bern. Man sprach lange von der "Augsburger Elf", die in Bern den Weltmeistertitel errang.

1953 kamen 50.000 Besucher zu den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in das Rosenaustadion.

1954 fand im Rosenaustadion das Feldhandball- Länderspiel Deutschland - Schweden mit 40.000 Zuschauern statt.

1957 spielten hier der FC Bayern und Fortuna Düsseldorf im Endspiel des DFB-Vereinspokals vor 43.000 Zuschauern.

1958 spielte Helmut Haller mit der Nationalmannschaft vor 56.000 Zuschauern gegen Bulgarien. Im Rosenaustadion spielte 1958 auch "Das Wunder in der Rosenau". Dort gewann die deutsche Mannschaft am 20./21. September überraschend den Leichtathletik-Länderkampf gegen die favorisierte UDSSR. Der Langstreckenläufer Ludwig Müller wurde damals zum „Helden von Augsburg“, weil er über die 5.000 und 10.000 Meter siegte und damit viel zum sportlichen Erfolgt der deutschen Mannschaft beitrug. An den zwei Tagen kamen 85.000 Zuschauer ins Rosenaustadion.

Bis 1961 zählte das Rosenaustadion 442 Veranstaltungen, an denen 3,4 Millionen Gäste teilnahmen.

1963 empfing Augsburg mit 23.000 Menschen die heimische Fechtolympia-Siegerin Heidi Schmid.

In den 1960er Jahren sank der Stern des Rosenaustadions jedoch. So bekam 1969 nicht das Rosenaustadion die erste Kunststoffbahn in Schwaben, sondern das neue Stadion in Haunstetten, das damals noch selbständig war.

Zu Zeiten, da Augsburg noch amerikanische Garnison war, spielten deutsche und amerikanische Militärkapellen viel Jahre lang zum Friedensfest im Rosenaustadion auf.

1971 fand mit etwa 18.000 überwiegend jungen Teilnehmern das "Augsburger Pfingsttreffen" hier statt.

1972 verlor durch den Bau des Olympiastadions München? die Rosenau-Arena noch weitere Veranstaltungen.

Gerhard Schröder, damals Bundeskanzler, und Edmund Stoiber, damals Ministerpräsident in Bayern, sprachen am 24. Juni 2000 auf der Abschlusskundgebung des Deutschen Feuerwehrtages im Stadion.

Nach der Einweihung der impuls arena am 26. Juli 2009 fiel das Rosenaustadion in einen Dornröschenschlaf.

Im Dezember 2013 genehmigte der Stadtrat 1,2 Mio. €, um die Leichtathletikanlagen im Rosenaustadion zu erneuern. Die Bauarbeiten dazu begannen im Mai 2014.

Das Landesamt für Denkmalpflege Bayern? folgte im August 2014 dem Antrag des Architekturforums Augsburg? und stellte das gesamte Rosenaustadion unter Denkmalschutz.

Details

Die Haupttribüne des Rosenaustadions ist 120 Meter lang und 16 Meter breit. Der Wall auf der Gegengeraden gegenüber misst 13 Meter Höhe. In ihrem Unterbau sind Umkleide- und Aufenthaltsräume für Mannschaften und Sportler untergebracht. Das weit vorkragende Betondach gibt der Anlage Schwung und liegt auf Unterzügen auf, die nach rückwärts an Stützen ansetzen, die sich nach oben verbreitern und sich nach vorn verjüngen. Verglasungen im Rücken und teilweise an den Seiten schützen die Zuschauer. Eine filigrane Erscheinung, die zur Eleganz der Gesamtanlage beiträgt. Für die Überdachung der Sitztribüne gelten die Bauten von Pier Luigi Nervi in Italien als Vorbilder, etwa das 1934 eröffnete Stadio Giovanni Berta in Florenz.

Mit dem modernen architektonischen Schwung der 1950er Jahre ausgestattet, stellte das Rosenaustadion gegenüber der NS-Architektur einen bewussten Bruch dar. Auch die Verwendung der Hinterlassenschaften der Nazis, nämlich Kriegsschutt und Trümmer, kann symbolisch verstanden werden: Aus den Trümmern der alten Ideologie bautet man etwas Neues.

Bedeutung für den deutschen Sport

Willi Daume, der ehemalige IOC-Vize und NOK-Chef, brachte es vor Jahren auf den Punkt: "Die Nachkriegsentwicklung des deutschen Sports ist ohne das Rosenaustadion nicht denkbar." Ein Stadion in Augsburg, das heute so gut wie unbeachtet ist, soll so bedeutend gewesen sein? Ein Privatmann widmet dem Station eine Webseite und schreibt: "Von 1951 bis 1972 besaß das Augsburger Rosenaustadion eine herausragende Bedeutung für den deutschen Sport, vor allem in den Disziplinen Fußball und Leichtathletik. Mit der Eröffnung des Münchner Olympiastadions schwand diese Stellung nach und nach. Heute ist das Stadion sanierungsbedürftig und nur noch selten Schauplatz großer Veranstaltungen mit mehr als 20.000 Zuschauern. Der FC Augsburg absolvierte im Rosenaustadion noch bis vor wenigen Jahren seine Heimspiele ... Dennoch ist aufgrund des Stadionneubaus des FC Augsburg die Zukunft des Rosenaustadions ungewiss, sogar ein Abriss steht in der Diskussion."

Ein Glück, dass das Rosenaustadtion durch die Aufnahme in die bayerische Denkmalliste 2014 gesichert wurde, denn hier wurde Sportgeschichte geschrieben.

Eintrag bayerische Denkmalliste

Christoph-von-Schmid-Straße? 10: Rosenau-Stadion, Mehrzwecksportanlage, geschwungene, ellipsoide Anlage mit Spielfeld und Aschenbahn, umfasst mit teils in einem aus Trümmerschutt künstlich angelegten Hügel eingefügten Stehwällen und teils über Funktionsräumen errichteter Sitztribüne mit weit vorkragendem Betondach, mit Eingangs- und Kassenbau, von der Stadtbauverwaltung Augsburg unter Leitung von Georg Werner und Walther Schmidt und unter Mitarbeit von Hans Bruckner, Jakob Heichele und Heinz Hilten, 1949-51, zweiter Eingangs- und Kassenbau, sog. Marathontor, von Walther Schmidt, 1953. FlstNr. 673/2 [Gemarkung Pfersee]

Anschriften

Rosenaustadion
Stadionstraße 21
D-86159 Augsburg

Telefon 0821/3 24 - 98 14
Fax 0821 / 3 24 - 98 15

Anschrift Gastronomie

Rosenaustadion "Die Gaststätte"
Stadionstraße 21
D-86199 Augsburg

Telefon 0821 / 57 44 95

Die Gaststätte hat ca. 500 Plätze


Weblinks


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