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Rosenau- und Thelottviertel

15. Stadtbezirk in Augsburg; bildet zusammen mit zwei weiteren Stadtbezirken den Planungsraum VIII (Pfersee)

Allgemeines

Das Rosenau- und Thelottviertel ist der 15. Stadtbezirk von Augsburg und gehört zum Planungsraum VIII (Pfersee). Der gewachsene Bezirk lässt sich noch einmal in das Rosenauviertel und das Thelottviertel unterteilen. Obwohl zwischen Pfersee und dem Stadtbezirk die Wertach als frühere Grenze der eigenständigen Orte liegt, hat man den immer zu Augsburg gehörenden Bereich nach der Eingemeindung Pfersees zu Augsburg dem Planungsraum Pfersee zugeschlagen. Neben der Wertach als westliche Grenze hat der Bezirk noch eine klare Grenze nach Nord-Osten: die Eisenbahngleise des Hauptbahnhofs. Nach Süden schließt Göggingen an. Die Eisenbahngleise sowie die Wertach lassen das Viertel nach Norden immer spitzer werden, so dass seine Form wie ein Dorn erscheint.

Geschichte

1905 erwarb der Architekt Sebastian Buchegger? da, wo sich jetzt das Augsburger Thelottviertel ausbreitet, 13 Tagwerke feuchte Wiesen. Die Augsburger wären nicht Augsburger gewesen, wenn sie ihn nicht für verrückt erklärt hätten, als er hier die erste „Gartenstadt“ Deutschlands plante. Der Begriff geht auf den britischen Stadtplaner Ebenezer Howard zurück, der mit „Gartenstädten“ sozialreformerische Gedanken verband. Er begann 1898 in England planmäßig Städte zu entwerfen, um die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse in den Großstädten zu bekämpfen. Damit, dass eine Gartenstadt besonders grün sein musste, hatte sein Garden-City-Konzept nichts zu tun. Er wollte, um die Spekulationsgewinne in den verdichteten Großstädten zu umgehen, außerhalb der Großstädte Trabantenstädte gründen, die genossenschaftlich organisiert werden sollten. Dass diese Gartenstädte grüner als verdichtete Innenstadträume waren, bildete lediglich eine wichtige Folge seiner Idee.

In Deutschland hatte es seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Gründung von Villenkolonien für das betuchte Bürgertum gegeben. Es wollte sich von Lärm, Dreck und Enge der Großstädte befreien. Dass auch für die Wohnprobleme von Arbeitern etwas passieren musste, zeichnete sich hier durch die Gründung gemeinnütziger Baugesellschaften ab etwa 1900 ab. 1902 gründete sich die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft, die für die Idee der Gartenstädte warb. So sollten weiträumig und niedrig gebaut werden, gesunde Wohnungen sollten Zugang zu einem Garten haben. Die Gartenstädte sollten genossenschaftlich strukturiert sein, um Bodenspekulation zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund müssen Sebastian Bucheggers? Planungen gesehen werden. Neben dem Thelottviertel in Augsburg beanspruchen auch Dresden-Hellerau (geplant ab 1906, gebaut ab 1909) und in Nürnberg die Wohnkolonie am Rangierbahnhof von German Bestelmeyer (gebaut ab 1907) die erste deutsche Gartenstadt zu sein.

Nachdem Sebastian Buchegger? 1905 den Baugrund gekauft hatte, ließ er das Auengebiet trockenlegen – und dennoch spottete ein Heimatdichter namens Gerhard Gail:

Einig aber waren alle,
In der Ansicht, dass im Falle
Er den Bau beginnt
Doch kein Mensch hier Wohnung nimmt.
Der es täte, würde schauen,
Wenn im Herbst die Nebel brauen
Oder wenn die Wertach steigt
Sich im Keller Wasser zeigt.
Leicht wird sich wohl keiner finden,
Seine Heimstätt hier zu gründen
Oder gar ein Haus hier zu kaufen,
Um hier elend zu versaufen …

Mit dem Bau auf den trockengelegten Wiesen wurde 1907 begonnen. Sebastian Buchegger? wollte vor allem zeitgemäße Kleinwohnungen bauen. Die Lenzhalde?, damals und heute eine Gaststätte mit Biergarten, war das erste errichtete Gebäude im Thelottviertel. Die Arbeiter benutzten sie beim Bau der weiteren Häuser des Viertels als Kantine. Nun entstanden bis 1929 in der „Buchegger'schen Einfamilienhäuser-Colonie“ 106 Einfamilienhäuser mit Vor- und Hauptgärten sowie begrünten Höfen. Die meisten dieser Häuser errichtete Buchegger in Reihenbauweise. Neben den Einfamilienhäusern bekam die Siedlungskolonie noch 76 Mehrfamilienmiets- und Geschäftshäuser. Zwischen 1906 und 1914 war neben Sebastian Buchegger? auch sein Mitarbeiter Heinrich Sturzenegger am Entstehen des Thelottviertels beteiligt, sowohl in der Planung als auch hauptsächlich in der Durchführung der Baumaßnahmen. Erstaunlich ist die Tatsache, dass die Erschließung des Areals Sebastian Buchegger? auf eigene Kosten gelang.

1910 überstand das Thelottviertel eine Hochwasserkatastropheohne? Schaden, was die Augsburger mehr und mehr von den Vorteilen der Siedlung überzeugte. Immer mehr entwickelte sich das Thelottviertel zu einem bevorzugten Wohngebiet der wohlhabenden Augsburger und heute ist es eine der teureren städtischen Immobilienlagen.

Wie ein Wunder erscheint es, dass die Bombenangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, bei denen auch der nahe gelegene Hauptbahnhof ein wichtiges Bombenziel war, dem Thelottviertel fast nichts schadeten.

1995 eröffnete das Architekturmuseum Schwaben im ehemaligen Wohnhaus von Sebastian Buchegger?.

Im November 2013 wurde der Hang der Wertachleite beim Sebastian-Buchegger-Platz? abgeholzt, weil hier ein so genanntes „Portal West“ im Zuge des Hauptbahnhofumbaus entstehen sollte. 20 Meter breit und etwa 100 Meter lang sollte der Einschnitt werden, der die Straßenbahn unter dem Hauptbahnhof abtauchen lassen sollte. Damals war jedoch noch unklar, wie die Straßenbahn durch das Thelottviertel geführt werden sollte.

Details

Thelottviertel

Das Thelottviertel ist architektonisch der interessanteste Teil des Stadtbezirks. Der Grund dafür liegt ins seiner Geschichte. Bei der Entstehung wurden die zeitgenössischen Vorstellungen von Zweckmäßigkeit, ansprechender Form und vertretbaren Baukosten berücksichtigt. Heute erscheint es als Glücksfall, dass die Augsburger Gartenstadt in Zentrumsnähe direkt hinter dem Hauptbahnhof liegt. Selbst jetzt kann man noch die städtebauliche Konzeption nachempfinden, die bei der Entstehung Pate stand: die gestaltete Wegführung und abwechslungsreiche Situierung der einzeln stehenden oder zu kleinen Baugruppen zusammengefassten Wohnhäuser. Bei den meisten Gebäuden besteht entweder Ensemble-? oder Denkmalschutz?. Das Ensemble Thelottviertel ist durch die folgenden Straßen umgrenzt:

Die Bewohner sind sehr gut an den ÖPNV angebunden, von hier aus lässt sich gut auch ohne Auto einkaufen. Verheerend sind jedoch die Parkmöglichkeiten für Autos im Viertel. Die meisten Häusergrößen liegen zwischen 140 und 170 Quadratmetern und die Grundstücke können bis zu 350 Quadratmeter groß sein.

Weil die Wertach nicht weit entfernt ist, ist man vom Thelottviertel schnell im Grünen – für Radfahrten, Wanderungen, Jogging. Auch der Wittelsbacher Park lädt ganz in der Nähe zur Entspannung ein.

Weblinks


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