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Reinhard Gammel, Königsplatz

Da ich als Außerirdischer die Welt bekanntlich sub specie aeternitatis, unter dem Gesichtswinkel der Ewigkeit, sehe, juckt mich die gegenwärtige Architektur der Stadtratsfraktionen wenig. Ich rate zu Gelassenheit. Natürlich schmerzen die dauernd rumliegenden Leichen der 100.000 Fahrgäste, denen ein gefahrloses Umsteigen nicht möglich war, auch den abgebrühten Poetry-Slammer. Aber seht es mal so: Es muss eine Gesamtlösung her. Zusammen mit dem Bahnhof.

Warum nicht einfach das Problem verkleinern und den Bahnhof und den Königsplatz zusammenlegen? Ich habe darüber nachgedacht. Zuerst mal müsste man den Namen ändern. Der Streetworker Jürgen König hat ja getan, was er konnte. Jetzt nennen wir ihn Impuls-Platz. Da können sich dann erstmal alle Impulse, die Augsburg der Welt so zu geben hat, friedlich auf dieser städtebaulich wertvollen Platzsituation in Schienen, Gehwegen und Autospuren versammeln.

Am liebsten wäre mir eigentlich ein Rekurs auf meine Jugend, als das Rondell noch stand. Wirklich auf dem Platz, den jetzt ein ödes Kunstambaubrunnen-Abschreibungsprojekt einnimmt, nicht geeignet als Haschisch-Umschlagplatz und nicht geeignet zur Kommunikation. Es ist öd und blöd. Mal trocken, mal verrostet, mal voll gekotzt oder voll Flaschen. Dafür gibt es in Augsburg immer Geld. Die Taxis stehen jetzt schon wie getunnelt rum und wissen nicht, was sie tun sollen. Ein Hauch von Unterwelt. Genauso wie die frustrierten Teilnehmer des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Ganz sicher könnte man die Probleme bündeln, wenn man sie mit dem Bahnhof kombiniert.

Dafür bräuchte man nicht mal ein neues Wort, man nimmt einfach: Mobilitätsdrehscheibe. Übrigens, ihr wisst das wahrscheinlich nicht mehr, die Spelunke am Kö, hin zur Adenauer, bot auch schon in meiner Jugend ein bisschen Stoff, die knackige Bedienung sah genauso aus wie die Netzstrümpfe auf meiner ersten Beatles-Single. Da habe ich geahnt, worum es bei Sex gehen könnte. Es hat sich nichts geändert. Die Bedienung hat natürlich inzwischen gewechselt. Bedienungen pflanzen sich nicht fort, sondern sie wechseln.

Man könnte auf die Kinder losgehen. Man könnte sie berieseln. Mit elektronischen Geräten ausstatten, die auf der Quantentheorie basieren. Die braucht man nicht verstehen. Ein Bischof in Augsburg reicht. Aber man könnte den Konsum anreizen. Die Röcke kürzen, ein bisschen mit dem Arsch wackeln und den Jünglingen ihre Grenzen zeigen. Im Dreieck flanieren, rosa gebadete Pinscher an ellenlangen Leinen tänzeln lassen, die geheimen Lieblinge einer umfassenden Planung. Und alle andern unter die Erde. Augsburg ganz groß untertunneln. Verstehen? Bahnhof! Alles unter den Teppich. Für immer. Da sind wir Weltmeister. Immer.

(zuerst erschienen in Lauthals 3)


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