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Radegundis-Kapelle

eine katholische Kapelle zum Gedenken an Radegundis von Wellenburg im Bergheimer Ortsteil Radegundis

Allgemeines

Die Blütezeit der Radegundis-Kapelle war das 18. Jahrhundert, als die Wallfahrt? zur Stätte der Radegundis von Wellenburg wie nie zuvor und danach gelebt wurde. Hauptwallfahrtstage waren der Dreifaltigkeitssonntag und der vierte Sonntag nach Pfingsten, das Fest der Übertragung der Gebeine. Dieses nannte sich "Hoher Ablass", weil die Päpste für diesen Tag Ablässe verliehen. Graf Joseph Maria Fugger? bezahlte sogar einen eigenen Wallfahrtspriester an der Radegundis-Kapelle.

Geschichte

Die Radegundis-Kapelle wurde 1422 erstmals urkundlich erwähnt. 1450 soll die Kapelle mit Privilegien bedacht worden sein und sich seitdem zu einer Wallfahrtskirche? entwickelt haben.

Schon 1464 ersetzte man die erste Radegundis-Kapelle durch einen Neubau, auch 1521 baute man eine neue Radegundis-Kapelle. Aus diesem Jahr stammt eine Gedenkmünze mit der Aufschrift "Ora pro nobis deum sancta virgo Radiana". Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg?, der die gotisch gestaltete neue Radegundis-Kapelle hatte errichten lassen, gab auch den Auftrag für die Münzprägung. Diese vergrößerte Radegundis-Kapelle wurde 1530 Schauplatz eines bedeutenden politischen Ereignisses: Am 5. September des Jahres erteilte Kaiser Karl V.? seinen Bruder Ferdinand hier die Reichsbelehnung über die Österreichischen Erblande. Der so genannte Radegundis-Taler bestand entweder aus Gold oder Silber. Als 1538 Weihbischof Johann von Salzburg die Einweihung der wenige Jahre zuvor gebauten neuen Radegundis-Kapelle vollzog, wurde der Radegundis-Taler in einer zweiten Prägung neu aufgelegt. Einzelne Exemplare befinden sich noch in den Museen von Salzburg und Augsburg sowie im Besitz der Fugger.

1595 kaufte Jakob Fugger III.? die Wellenburg? mit der Radegundis-Kapelle und einer Herrschaft, die 110 Quadratkilometer umfassten. Der Kaufpreis betrug 70.000 Gulden. Er und die Nachfolger bauten den Kult und die Wallfahrt der Radegundis von Wellenburg in der Radegundis-Kapelle weiter aus.

1691 erhob man die Gebeine der hier begrabenen Radegundis von Wellenburg zum ersten Mal, nachdem man sie 1492 umgebettet hatte. Graf Anton Joseph Fugger? ließ die Gebeine der Radegundis von Wellenburg prachtvoll wie eine Fürstin der Zeit einkleiden. Dazu soll seine Frau, die Freifrau von Neuhaus außer edlem Schmuck ihr kostbares, ganz gewobenes Brautkleid, verziert mit Goldfäden und phrygischer Nadelmalerei, gestiftet haben. Außerdem ließ der Graf noch 15 Radegundis-Ölbilder malen, die zum Teil das Wappen der Fugger tragen und die Legende versinnbildlichen. Diese Ölbilder sind heute in der Kirche von Waldberg zu sehen. Die Gebeine der Seligen bekamen einen Glassarg und wurden im Hochaltar der Kapelle untergebracht.

1703 brachte man die Schaureliquie der Radegundis von Wellenburg wegen Kriegsgefahr zu den Dominikanern? nach Augsburg, wo sie zwei Jahre verblieben, bevor sie am vierten Sonntag nach Pfingsten zurück in die Radegundis-Kapelle transportiert wurde. Eine zweite Erhebung ihrer Gebeine fand 1772 statt. Damals wollte der Fürstbischof Clemens August von Augsburg? in der Kapelle mehr Raum gewinnen, um Gottesdienste zu feiern. Deshalb errichtete man für die Gebeine der Radegundis von Wellenburg einen neuen Seitenaltar. Gleichzeitig spendeten die Grafen Anselm? und Christoph Fugger? Geld, um die Gebeine neu fassen zu lassen. 1796 bestand ein zweites Mal Kriegsgefahr, weshalb die Gebeine der Radegundis von Wellenburg in den Fuggerhäusern Sicherheit fanden und nach der Gefahr wieder zurückgebracht wurden.

1810 musste man die Radegundis-Kapelle wegen Sturmschäden am 18. Juli des Jahres abreißen: Damals stürzte der Turm der Kirche ein und fügte dem Kirchenraum schwere Schäden zu. Wohl deshalb hat man die Gebeine der Radegundis von Wellenburg 1812 nach Waldberg (Bobingen) gebracht. Zuerst brachte man die verehrten Gebeine in der alten Vitus-Kirche? unter, bis diese wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Danach übertrug man die Körperreliquie am 12. Oktober 1818 in die Nachfolgerkirche und setzte sie auf dem rechten Seitenaltar bei. Die Stimmung der Zeit nach der Französischen Revolution sorgte jedoch für einen Niedergang des Wallfahrtswesens. Es herrschte Hass auf die Kirche, weshalb man die Radegundis-Kapelle bei Wellenburg? lange einfach liegen ließ. Irgendwann kaufte sie ein Privatmann zum Abbruch und erst 1885 errichtete man die heutige Radegundis-Kapelle im neugotischen Stil, um an Radegundis von Wellenburg, die nie heiliggesprochen wurde, zu erinnern.

Details

Lage

Weblinks


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