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Prückner, Tilo

ein Schauspieler und Theaterautor aus Augsburg

Leben und Wirken

Kindheit in Stadtbergen

Tilo Prückner, Schauspieler und Theaterautor, wurde am 26. Oktober 1940 in Augsburg geboren. An einem Samstag, wie manche wissen, die dabei wohl an das originelle "Sams" denken. Also mitten im Zweiten Weltkrieg. Sein Vater war der Kinderarzt Alfred Prückner. Dessen Ehefrau Dorothea geb. Krause, Tilos Mutter, wird rätselhafterweise nie ausführlich erwähnt. Tilo Prückner ging in Stadtbergen in die Volksschule. In Deutsch hatte der Knabe Tilo meistens hervorragende Noten.

Nach Prückners Bekunden war seine erste Schauspieler-Rolle der Joseph, der Vater des Christus-Kindes im Stall, bei einem Weihnachtsspiel auf der Bühne seiner damaligen Schule in Stadbergen?. "In einer dörflichen Situation aufzuwachsen ist für ein Kind das Schönste", meinte Prückner, als er im Herbst 2010 zu einem Klassentreffen extra von Berlin nach Stadtbergen kam, über seine ersten Jahren in Stadtbergen am westlichen Rand von Augsburg. In der ersten Klasse ging er wie viele seiner Mitschüler noch barfuß zur Schule. Zur Schulspeisung gab es für die Kinder dubiose Gerichte wie etwa Rote-Rüben-Suppe mit Rosinen. Für Schüler und Lehrer gab es an der Stadberger Volksschule kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nur ein einziges Holzklo.

Abitur und erste Schauspiel-Erfahrungen

Nach der Volksschule besuchte Prückner ein Gymnasium in Augsburg. Dann musste er seinen Wohnort wechseln und trat im Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg an. Allerdings lebte er dort im Waisenhaus. Warum weiß man nicht genau. Trotzdem machte er in Nürnberg 1960 sein Abitur. Allerdings warf er sein Jura-Studium in Erlangen?, weil er lieber Schauspieler statt Jurist werden wollte. Seine Schauspieler-Ausbildung bekam er in München bei Hans Josef Becher und Ellen Mahlke.

Im Alter von 22 Jahren hatte er am Theater der Jugend in München sein Schauspieler-Debüt in dem Shakespeare-Stück "Ein Sommernachtstraum". Mit 24 kletterte Prückner dann beim Stadttheater St. Gallen auf die Bühne. 1966 wurde er von den Städtischen Bühnen Oberhausen engagiert. Ein Jahr danach hatte er sein TV-Debüt in "Wilder Reiter GmbH". Gleich darauf wechselt er ans Züricher Schauspielhaus.

Verschiedene Karrieren

Nach Berlin an die Schaubühne am Halleschen Ufer kam Prückner mit 30 Jahren und profilierte sich dort als Mitbegründer. Als freiberuflicher Schauspieler stieg er später ins TV-Geschäft ein. Seine bekanntesten Rollen in Fernsehfilmen: "Die Verrohung des Franz Blum", "John Glückstadt", "Berlinger - ein deutsches Abenteuer". Sein Debüt als Drehbuchautor hatte er im Alter von 34 Jahren mit dem Bühnenstück "Gilgamesch und Engidu". Prückners Regiedebüt fand mit "William Ratcliff" 1973 am Münchner Residenztheater statt.

Tilo Prückner spielte in unzähligen Filmen und Theaterstücken mit. Viel gelobt wurde er für seine Mitwirkung als eingebildeter kranker Kriminalhauptmeister Gernot Schubert mit Evelyn Hamann und Heinz Baumann in der TV-Serie "Adelheid und ihre Mörder". Den Deutschen Darstellerpreis - einen Chaplinschuh in Bronze - erhielt er 1976 für seine Rolle als Stehgeiger Hännschen Wurlitzer in "Bomber & Paganini". Eine Gaunerkomödie, in der Prückner als "Paganini" an der Seite von Mario Adorf ("Bomber"), als erfolgloser Tresorknacker glänzt.

Mit seiner Rolle in einem Kluftinger-Allgäu-Krimi und auch als Paul Schönfärber in dem Heimatfilm "Wallers letzter Gang", der im Allgäu spielt, kehrte Prückner bei seinen Dreharbeiten an der stillgelegten Bahnstrecke von Kempten nach Isny? in die Region seiner Kindheit zurück. Auch in Schwaben, im Ulm, handelt der Film "Der Schneider von Ulm", den der Regisseur Edgar Reitz 1978 drehte. Prückner spielte darin den Schneidergesellen Albrecht Ludwig Berblinger, der Ende des 18. Jahrhunderts versucht, mit einer Flugmaschine wie ein Vogel zu fliegen, aber durch widerliche Umstände leider in der Donau landet.

Wie Magda Schneider, Sheryl Lee, Helmut Krauss, Harry Groener, Elmar Wepper, Hans Wilhelm Geissendörfer und Arthur Brauss gehört Tilo Prückner zu den bekanntesten Theater-, Film- und Fernsehleuten aus Augsburg. In dem Kino-Streifen "Der Sternsteinhof" nach dem gleichnamigen Heimat-Roman von Ludwig Anzengruber, spielte Prückner unter der Regie von Geissendörfer 1976 den armen Heiligenschnitzer Muckerl, der von seiner Frau durch Kälte, im doppelten Sinne des Wortes, ins Jenseits geschickt wird. In die Rolle des Lehrers Popow schlüpfte Prückner für Geissendörfers 1982 gedrehten Film "Der Zauberberg" nach Thomas Mann.

Ein Charakter

Oft drehte der Wahl-Berliner Prückner sieben bis acht Filme im Jahr und gehörte damit zu den präsentesten Schauspielern in Deutschland. Er musste. Sonst komme er nicht ordentlich über die Runden, behauptete er einmal. Tilo Prückner erklärte in einem Gespräch mit express.de dazu: "Ich kriege nur 800 Euro Rente. Das reicht vorne und hinten nicht - oder ich muss meinen Lebens-Stil extrem einschränken. Da arbeite ich lieber noch eine Weile. Das liegt daran, dass ich mich von meiner Frau scheiden ließ. Deshalb wurde meine Rente halbiert. Das Kuriose: Nun ist meine Ex-Frau tot. Aber ihr Teil wird trotzdem einbehalten. Protest zwecklos. Und wir Schauspieler arbeiten nicht so regelmäßig wie Beamte. Das hat meine Rente gedrückt. Selbst für einen Kino-Film bekomme ich sehr wenig, wenn ich eine Nebenrolle spiele. Bei uns verdienen ein paar Große Traum-Gagen. Der Rest krebst rum. Deshalb spiele ich, wo und wie und so oft ich kann, da bin ich nicht wählerisch. Eine doofe Serie hier, ein langweiliger Film da. Mich plagen längst Existenz-Ängste. Ich fürchte mich vor dem Jahr, in dem ich keine Angebote mehr bekomme. Statistisch erwischt das irgendwann jeden. Dann muss ich eben sehen, wo ich bleibe."

Über Tilo Prückner wird geschrieben: "Nach seinen Auftritten in Fernsehaufzeichnungen der Schaubühneninszenierungen wurde er immer öfter von den Regisseuren des Neuen Deutschen Films eingesetzt. Häufig spielte er Kranke oder Krüppel. In späteren Jahren bewies Prückner in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen enorme Wandlungsfähigkeit. Besonders markant verkörperte er jedoch immer wieder Exzentriker aller Art." Oder: "Der Schauspieler Prückner setzt nicht auf die Unterhaltung eines Massenpublikums, sondern überzeugt dieses mit seinem Qualitätsanspruch." Das bescheinigte ihm der Kulturredakteur Michael Althen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Im Internet-Portal steffi-line.de kann man über Prückner auch einige familiäre Dinge lesen: "Der beliebte Charakterdarsteller ist Vater zweier erwachsener Söhne aus seiner ersten Ehe; ein weiterer Sohn verstarb 1985 im Alter von drei Jahren. Nachdem Prückner eine Zeit lang auf einem Bauernhof in Niederbayern sowie in München lebte, hat er später Berlin zu seiner Wahlheimat gemacht, wo er mit seiner Lebensgefährtin wohnt. In seiner knapp bemessenen Freizeit reist der Schauspieler gerne, am liebsten nach Indien und in asiatische Länder und sammelt buddhistische Kunstgegenstände. Sein jüngerer Bruder Gerhard ist als Kirchenrestaurator tätig."

Prückner, der 2011 begann ein Anwesen am Bodensee zu renovieren, äußerte über sich: "Ich bin keine Frohnatur. Wenn ich in der Stadt bin, will ich aufs Land – und umgekehrt. Ich bin allerdings kein klassischer Stadtmensch."

Weblinks


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