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Proviantbachquartier

das Gebiet einer ehemaligen Arbeiterkolonie, das zum Augsburger Textilviertel gehört; heute saniert und ein gutes Wohnumfeld

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Allgemeines

Der Name Proviantbach-Quartier bezieht sich auf das Werk III „Proviantbach“ (Fabrikschloss) der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg (SWA), das in den Jahren 1877/79 und 1896/98 entstand und 1892 durch ein Arbeiterquartier am Proviantbach mit Wohnhäusern für die Beschäftigten ergänzt wurde.

Das Proviantbachquartier liegt zwischen Berliner Allee?, Proviantbachstraße, Otto-Lindenmeyer-Straße und Amagasaki-Allee. Noch ist die Anbindung an umgebende Stadtviertel verbesserungswürdig.

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Beim Proviantbachquartier handelt es sich um ein kernsaniertes Denkmalensemble, das ein Zeugnis der Industrie- und Baugeschichte Augsburgs ist. Es bietet heute gut ausgestattete Wohnungen und viel Grün mitten in der Stadt. Das war noch vor Jahrzehnten anders. Als das Proviantbachquartier gegründet wurde, war es für Arbeiter ein Privileg hier zu wohnen, entkamen sie dadurch doch den oft katastrophalen Verhältnissen in anderen Augsburger Arbeiterwohngebieten. In den zwei Jahrzehnten vor der letzten Jahrtausendwende war es jedoch mit einem sozialen Abstieg verbunden hier einquartiert zu sein. Das hat sich durch eine grundlegende Sanierung des Quartiers total gewandelt, ist das Viertel heute doch lebenswert und mit vielen Vorteilen ausgestattet.

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Geschichte

Das Wohnviertel wurde um 1892 für die Arbeiter der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg errichtet. Es war das zweite Arbeiterwohnviertel, das die Firma für ihre Stammbelegschaft errichtete. Die Gebäude wurden in Klinkerstein-Bauweise errichtet. Das Wohnen im Proviantbachviertel war sehr günstig, hier zahlen die Arbeiter nur etwa die Hälfte dessen, was damals als "normal" galt. Bei "normalen" Wohnungen machte die Miete etwa den Wochenverdienst eines Arbeits aus. Hier nur die Hälfte, wobei allerdings verlangt wurde, dass sich die Arbeiter politisch zurückhielten und sonst nicht auffielen.

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Bis Ende des Zweiten Weltkriegs unterhielt die Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg (SWA) die Wohnungen selbst, danach übernahm eine Tochtergesellschaft den Unterhalt.

Nach Ende des Krieges stellte man zwischen den Klinkerstein-Gebäuden Baracken für Flüchtlinge auf. Es dauerte bis in die 1970er Jahre, bis die die Baracken niedergelegt wurden, denn nachdem die Flüchtlinge bis in die 1950er Jahre neue Wohnungen gefunden hatten, kamen schon die ersten Arbeitsmigranten nach Augsburg. Sie wurden von der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg angeworben und hier untergebracht. Nur ledige Frauen wurden besser behandelt. Für sie richtete die Firma in der Proviantbachstraße 10 ein so genannten "Ledigen-Mädchenheim".

1972 gingen die Häuser an die HC-Grundstücksgesellschaft.

Als in den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts die Augsburger Textilindustrie langsam starb, kam das Viertel herunter, bis man es 1986 unter Denkmalschutz? stellte. Die 1980er Jahre waren durch den Zuzug von Aussiedlern? und Asylanten? geprägt, was zu Spannungen zwischen Deutschen, die hier lebten, und den Migranten, aber auch unter den einzelnen Migrantengruppen führte. Der hohe Ausländeranteil und die Belegung mit Asylbewerbern? führten zu einem noch negativeren Image des Gebiets. Das wiederum hinderte nötige Investitionen und führte in der Folge zu zunehmendem Leerstand. Von den Fassaden blätterte das historische Flair des Quartiers. Lange passierte hier kaum eine Instandsetzungsarbeit, auch nicht in Selbsthilfe, weil sich die hier wohnenden Menschen nicht sicher waren, ob sie nicht eines Tages wegsaniert würden.

Bis 1992 bestand bei etwa der Hälfte der Wohnungen im Proviantbachquartier eine Sozialbindung.

2008 führte eine so genannte „Vorbereitende Untersuchung“ zur Feststellung von Mängeln und Qualitäten des Viertels, es wurden Sanierungsziele und Sanierungsmaßnahmen festgelegt.

Im März 2009 beschloss der Stadtrat, das Proviantbachviertel als Sanierungsgebiet festzulegen. Seither entwickelt sich das Viertel zu einem gern besuchten und bewohnten Stadtteil.

Das Augsburger Tochterunternehmen der P&P AG, die auf die Sanierung von Denkmälern spezialisiert hat, trat 2009 mit Plänen an die Öffentlichkeit, das Quartier unter denkmalspflegerischen und ökologischen Gesichtspunkten umzugestalten. Es sollten in 19 Gebäuden mehr als 170 hochwertig ausgestattete Wohnungen für Eigennutzer und Kapitalanleger entstehen. Die Wohnflächen betragen 27 bis 170 Quadratmeter. Das Viertel sollte durch großzügige Grünflächen, verkehrsberuhigte Alleen, eine Liegewiese mit Strand, Spielplätze und Spielhaus für Kinder, Grillplatz und ein Gästehaus aufgewertet werden.

Details

Vor den eigentlichen Wohngebäuden stehen vor Wiesen und Kleingärten so genannte Waschhäuser, die mit der ursprünglichen Bebauung entstanden. Sie dient um die Jahrhundertwende der wöchentlich zu erledigenden Handwäsche und waren damals eine gern angenommene Erleichterung der Arbeit.

Richtung Berliner Allee? stehen Häuser in "Leichtbauweise", die mit staatlichen Zuschüssen in den 1950er Jahren für Flüchtlinge erbaut wurden. Mitte der 1990er Jahre lebten in ihnen mehr als zwei Drittel Ausländer?, was darauf zurückzuführen ist, dass Ende der 1950er Jahre die Anwerbung dieser Arbeitnehmer begann und sie hier einquartiert wurden, nachdem die Flüchtlinge nach und nach in anderen Stadtbezirken bessere Wohnungen gefunden hatten. Die Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg (SWA) versuchte möglichst viele ausländische Arbeitnehmer auf möglichst wenig Quadratmetern nahe der Fabrik unterzubringen, so dass hier große Enge herrschte und in den 1990er Jahren nur noch wenige Deutsche hier wohnten, meist nur ältere Menschen, die lange in der SWA gearbeitet hatten. Gerade ältere alleinstehende Frauen konnten sich mit ihren niedrigen Textilarbeiter-Renten oft keine andere Wohnung leisten.

In den Gebäuden Proviantbachstraße 15, 16 und 21 waren für die ehemaligen Meister und etwas höhere Angestellte so genannte "Meisterwohnungen" eingerichtet. Das Haus Proviantbachstraße 18 diente früher der Arbeiterkolonie als Lebensmittelgeschäft für den täglichen Einkauf. Im Haus Proviantbachstraße 20 war früher eine Metzgerei, später - in den 1990er Jahren - ein Stadtteilbüro.

Auch in der Otto-Lindenmeyer-Straße lagen Versorgungseinrichtungen. So befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg im Haus Nr. 40 eine Bäckerei, die nach ihrer Zerstörung durch Bomben einer Ladenzeile mit Bäckerei, Friseur und Lebensmittelladen Platz machen musste. Heute ist der Real an der Berliner Allee? die nächstgelegene Versorgungsmöglichkeit für den täglichen Bedarf.

Die Neuordnung des Proviantbachquartiers ab 2009 hat zur Sanierung denkmalgeschützter Gebäude geführt, die durch Neubauten ergänzt wurden. Ein Großteil der historischen Bausubstanz genießt Ensembleschutz?. Das Stadtviertel ist familienfreundlich durchgrünt, hat viele Freiflächen, Bäume und die Uferzonen des Proviantbachs, die Lebensqualität bieten.

An der Amagasaki-Allee hat sich eine Randbebauung mit Büronutzung zur Lärmabschirmung der empfindlichen Bereiche entwickelt, ebenso im Süden gegenüber dem Handelszentrum Fabrikschloss. Die Bestandsgebäude an der Berliner Allee? wurden lärmsaniert, vor dem Glaspalast hat man eine grüne Wiese geschaffen. Entlang der Trasse der Augsburger Localbahn ergriff man geeignete Lärmschutzmaßnahmen.

Links an den "Meisterwohnungen" entlang verläuft ein schmaler Weg Richtung Hanreiweg, wo schon zu Zeiten der Erbauung der Arbeiterkolonie Schrebergärten angelegt waren. Sie konnten von den Mietern zur Eigenversorgung bewirtschaftet werden. Auch in Krisenzeiten gelang es der SWA auf diese Weise der Naturalentlohnung ihre Stammbelegschaft zu halten. Heute heißen die Schrebergärten Kleingartenanlage am Proviantbach?.

Lage


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