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Portal West

der westliche Tunneleingang zum Hauptbahnhof Augsburg am Rande des Thelottviertels?; zu unterscheiden vom Augsburger Immobilienprojekt Portal Nord-West

Allgemeines

Das Portal West bezeichnet in städteplanerischem Marketingsprech den größten Baustein der Augsburger Mobilitätsdrehscheibe: den westlichen Tunneleingang zum Hauptbahnhof am Sebastian-Buchegger-Platz?. Ziel des Portals West sollte es sein, den Anwohnern des Rosenau- und Thelottviertels und Menschen aus Pfersee bisherige Umwege in Richtung Zentrum zu ersparen.

Das ermöglicht ein Tunnel mit drei Ebenen. Oben liegen die Bahnsteige der Deutschen Bahn?, nach unten folgt eine Verteilerebene und ganz unten verkehrt die Straßenbahn, die eine Straßenbahnhaltestelle unter dem Hauptbahnhof erhält. Die Verteilerebene verbindet die beiden Schienensysteme durch Aufzüge und Rolltreppen. Barrierefrei und direkt sind so die Schienensysteme verbunden. Durch einen neuen Bahnsteig F für den Regio-Schienen-Takt soll die optimal aufeinander abgestimmte Taktung der Straßenbahnen, Busse? und Regionalzüge? die Region Augsburg besser mit der Stadt verknüpfen.

Starke Kritik gegen das Portal West kommt vom Bürgerforum Thelott- und Rosenauviertel (dort nachzulesen).

Geschichte

Das Portal-West-Projekt hat eine lange Vorgeschichte, denn die Augsburger waren mit der Mobilitätssituation rund um den Hauptbahnhof schon lange nicht mehr zufrieden.

So kündigte ein Artikel der Augsburger Allgemeinen schon im Februar 2000 einen Umbau der Pferseer Unterführung noch ab Oktober 2000 an. Nach Jahre langen Diskussionen seit 1996 habe die Regierung von Schwaben die Zuschussfähigkeit des 75-Millionen-Projekts und einer Verbreiterung der der Pferseer Unterführung zugestimmt. Aus der "Pferseer Kohlenrutsche" sollte eine "moderne" Bahnhofspassage werden. Neben den Fahrbahnen für PKW sollten zwei Gleise Straßenbahnlinien liegen, neben denen eine Passage für Fußgänger liegen sollte, die durch eine Rolltreppe mit einem bestehenden Posttunnel verbunden werden sollte, der zu den Bahnsteigen des Hauptbahnhofs führte. Für Radverkehr? war ein eigener im Straßenbahntunnel höhergelegter Fahrradweg auf Stützen vorgesehen. Diese Variante ging damals als beste Variante aus einem Variantenvergleich hervor. Eine der unterlegenen Vergleichsvarianten war eine Unterfahrung des Hauptbahnhofs ähnlich dem Projekt "Portal West". Abgelehnt wurde sie damals aus Kostengründen und fehlender Förderfähigkeit.

Am 20.03.2002 berichtete die Augsburger Allgemeine, dass die Deutsche Bundesbahn? den Augsburger Hauptbahnhof "total umbauen" und mit breiteren Bahnsteigen, großzügigen Überdachungen, Aufzügen usw. ausstatten und dafür 40 Mio. Euro investieren wolle. Daraufhin gab die Stadt Augsburg nach sechs Jahren Planungen ihre eigenen Vorhaben hinsichtlich der Pferseer Unterführung auf und überließ der Deutschen Bundesbahn? das weitere Vorgehen. Es tat sich erst einmal - nichts.

Im August 2003 legte sich der Augsburger Stadtrat auf eine Untertunnelung des Hauptbahnhofs mit Straßenbahnhaltestelle in der zweiten Ebene fest, was, wie ein Prospekt der Stadtwerke Augsburg von 2003 zeigt, schon damals von den Stadtwerken weiterverfolgt wurde.

Dann kam es am 3. Januar 2006 zu einer Planungsvereinbarung zwischen den Stadtwerken Augsburg und der Deutschen Bundesbahn?. In dieser Planungsvereinbarung ist zu lesen, dass die Deutsche Bundesbahn? kein Interesse an einer irgendwie gearteten Verbesserung der Mobilität rund um den Augsburger Hauptbahnhof hat und sie keine Eigenmittel einsetzen wird. Damit blieb die Finanzierung des Bahnhofsumbaus im Rahmen der Mobilitätsdrehscheibe allein an den Stadtwerken Augsburg, der Stadt Augsburg und dem Bund hängen. Viele Augsburger werfen diesen Deal zu Lasten der Augsburger noch heute der Regenbogen-Koalition? vor. Doch auch die konservative Stadtregierung von 2008-2014 (CSU und Pro Augsburg?) änderte nichts an dem Deal zum Vorteil der Stadt. Während ihrer Ägide überlegte man sich nur einen klingenden Namen für die Millionenbaustelle unter dem Hauptbahnhof und fand ihn mit "Portal West".

Damals legte sich die Planungsvereinbarung auf die heutige Portal-West-Variante (damals Variante A1 genannt) fest. Trotz "relativ hoher Kosten in Bau, Betrieb, Er- und Unterhalt" wie es im Originaltext hieß. Das Bürgerforum Thelott- und Rosenauviertel bemängelt daran, dass man die Vorteile der Variante A1 bei anderen Varianten nicht eingearbeitet hat, obwohl dies ohne weiteres möglich gewesen wäre. Das würde bei der damaligen Variante B4, mit der Tramhaltestelle in der Viktoriastraße, direkt vor dem Hauptbahnhof bei Weiternutzung des Pferseetunnels deutlich. Die kleinen Planänderungen an der Variante B4 seien darüber hinaus noch kostengünstiger:

  • Durch Heranrücken der Haltestelle an die Ostkante des Bahnhofsvorplatzes müssten die Fahrgäste Viktoriastraße nicht überqueren; der Autoverkehr werde durch die Tramführung nicht behindert.
  • Eine großzüge Überdachung der Haltestelle sowie eines unmittelbar angrenzenden Abstiegsbauwerkes mit Fahrtreppen und Aufzügen auf dem Bahnhofsvorplatz? sichere den Wind- und Wetterschutz.
  • Eine Verlängerung der Verteilerebene nach Osten an dieses Abstiegsbauwerk verkürze die Wege zwischen Schiene und Tram und biete einen wettergeschützten und barrierefreie Verbindung zu den Zügen.
  • Ein Verlängerung der Verteilerebene als Gehwegtunnel nach Westen sichere den barrierfreien und wettergeschützten Westzugang zum Hauptbahnhof.

Eine solche Nachbesserung der Pläne der Variante B4 wurde bis 2014 nicht verfolgt.

2009 nahm der Bund der Steuerzahler? das Projekt Variante A1 in sein Schwarzbuch auf, rechnete es also unter die Projekte, die aus seiner Sicht Steuern verschwenden.

Für das Projekt "Portal West" wurden im Oktober/November 2013 mehr als 60 Bäume gefällt. Als Ausgleichsmaßnahme wollten die Stadtwerke Augsburg 73 neue Bäume in der Stätzlinger Straße und 35 neue Bäume am Sebastian-Buchegger-Platz? anpflanzen. Die Grünflächen sollten in einem 1:1,5 Verhältnis an der Stadtgrenze zwischen Hochzoll-Nord? und Friedberg-West? ausgeglichen werden.

Portal West - Werbefilm der Stadt Augsburg November 2013

Weil an der Rosenaustraße die Stadtarchäologie römische Gräber vermutete, fanden im Winter 2013/14 Ausgrabungen statt, um diese Vermutung zu überprüfen.

2014 sollte es für die Gestaltung des Bahnhofvorplatzes sowie für den neuen Platz am "Portal West" jeweils einen Architekturwettbewerb geben. 2013 gingen die Planer davon aus, dass der Rohbau des gesamten Projekts bis 2018 abgeschlossen werden könnte, um 2019 mit der Innenausstattung zu beginnen. 2019 sollte das Portal West als optimale Verknüpfung von Straßenbahn, Regional- und Nahverkehr in Betrieb gehen.

Der Erdaushub für einen weiteren Tunnelabschnitt begann Mitte Mai 2014 am Bahnhofsvorplatz?. Bagger hoben die Baugrube für den rund 30 Meter langen Abschnitt des Straßenbahntunnels unter dem Hauptbahnhof rund 14 Meter tief aus. Anschließend wurden die Bodenplatte sowie Wände und Decke des Tunnelteilstücks betoniert. In den Wochen vor dem Beginn des Erdaushubs wurden im Abstand von etwa zwei Metern um die Baugrube H-förmige Eisenträger in vorgebohrte Löcher in den Untergrund eingelassen. Mit dem Aushub der Baugrube wurden nach und nach Holzbohlen zwischen die Träger als Wände eingeschoben. Sie verhinderten, dass Erdreich in die immer tiefer werdende Baugrube fiel. Damit die Wände dem Druck der umgebenden Erde standhielten, trieben die Bauarbeiter bis zu 15 Meter lange Anker waagerecht in das Erdreich. Die ausgehobene Erde wurde zunächst auf der Wiese an der Perzheimstraße? zwischengelagert, wo sie blieb, bis die rechtlich vorgeschriebenen Bodenuntersuchungen abgeschlossen waren. Der ausgehobene Abschnitt war die Verlängerung des bereits 2013 zu weiten Teilen erstellten Tunnels samt Abfahrtsrampe von der Halderstraße bis auf den Bahnhofsvorplatz?.

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Der Blick im Tunnel Richtung Bahnhof auf die Arbeiten in der offenen Baugrube am Bahnhofsvorplatz, Oktober 2014. Dort werden die Wände betoniert und es laufen die Vorbereitungen zum Betonieren der Tunneldecke - (©) by swa/Thomas Hosemann

Am 2. Oktober 2014 meldeten die Stadtwerke Augsburg, dass der Straßenbahntunnel unter dem Hauptbahnhof bis zum Vorplatz ausgebaggert war und erste Vorarbeiten auf den Bahnsteigen anliefen.

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Der Blick aus dem Tunnel über die Rampe in der Halderstraße in Richtung Königsplatz. Nachdem der Tunnel ganz ausgebaggert ist, werden die halbrunden sichtbaren Bohrpfähle gereinigt und für die spätere Verschalung geglättet, anschließend die Bodenplatte betoniert - (©) by swa/Thomas Hosemann

Mitte Oktober 2014 starteten oberhalb der Rosenaustraße die Vorbereitungen für das West-Portal. Für den Straßenbahntunnel unter dem Augsburger Hauptbahnhof mit einer Haltestelle unter den Personenbahnsteigen der DB gingen nach Vorbereitungen in den Wochen zuvor die Arbeiten los. Auf der Hangkante an der Rosenaustraße wurden fünf Gebäude der Deutschen Bahn abgetragen. Zunächst wurden die Gebäude entkernt und anschließend mit Baggern schrittweise zurückgebaut. Damit wurden die Voraussetzungen für das Portal-West, die Tunnelein- und -ausfahrt an der Rosenaustraße auf Höhe des Sebastian-Buchegger-Platzes? geschaffen. Hier entstand ein knapp 80 Meter langer, trichterförmiger Einschnitt in den Hang sowie eine befestigte Fläche. Für die Gestaltung des Platzes lobte die Stadt Augsburg einen Gestaltungswettbewerb aus.

Mitte November 2014 begannen Arbeiter am Hauptbahnhof jeweils kurze Abschnitte der Bahnsteigdächer an den Personenbahnsteigen zu entfernen, weil für die Vorbereitungen zum Bau des Straßenbahntunnels unter dem Hauptbahnhof eine Behelfskonstruktion für die Oberleitungen geschaffen werden musste. Dazu brachte man technische Anlagen an den Hauptträgern an, baute Ersatzstützen ein und bereitete alles für den Rückbau der Dachabschnitte vor. Nach und nach entfernten die Arbeiter je Bahnsteig vier etwa acht Meter breite Segmente an den Bahnsteigdächern. Am Bahnsteig C war nur ein Abschnitt im Bereich des ehemaligen Posttunnels betroffen. Auf der Westseite des Hauptbahnhofs gingen die im Oktober 2014 begonnenen Abrissarbeiten der leerstehenden Betriebsgebäude der DB weiter. Die Archäologie schloss im Dezember 2014 ihre Arbeiten nach etwa einem Jahr Tätigkeit vor Ort ab.

Mitte Dezember 2014 hieß es in einer Pressemitteilung der Stadtwerke Augsburg, dass die Baugrube am Hauptbahnhof bis Weihnachten verfüllt und damit knapp ein Drittel des Straßenbahntunnels im Rohbau weitgehend fertig sei. 120 des insgesamt etwa 400 Meter langen Straßenbahntunnels seien damit fertiggestellt – zuzüglich der 120 Meter Langen Abfahrtsrampe in der Halderstraße. Im Westen, auf der Hangkante zur Rosenaustraße wurden seit einigen Monaten die ehemaligen Betriebsgebäude der DB abgebrochen. Bis Ende März 2015 sollten die Gebäude verschwunden sein. Anschließend wollte man von oben her die Hangkante für die künftige Tunnelausfahrt und den neuen Platz an der Rosenaustraße abgraben. Nach rund einem Jahr wurden zum Jahresende 2014 auch die archäologischen Arbeiten beendet.

swa Hauptbahnhofumbau Dokumentation Teil 1: "Zukunft? - Da gehts lang!" Anfang Februar 2015

Im Oktober 2015 waren die Arbeiten für den Straßenbahntunnel und die Wendeschleife an der Westseite des Augsburger Hauptbahnhofs voll im Gang. Etwa fünf Meter war die Baugrube von der Rosenaustraße aus bis zu den Personengleisen schon ausgehoben. Vom Sebastian-Buchegger-Platz? bis zu den Personenbahnsteigen waren 123 Betonbohrpfähle sowie 220 Stahlträger gesetzt, 12 Behelfsbrücken eingebaut und 30.000 der insgesamt 60.000 Kubikmeter Erde ausgebaggert. Die Behelfsbrücken für die Gütergleise waren notwendig, damit darunter das Erdreich für die Baugrube ausgehoben werden konnte, ohne den Güterverkehr zu beeinträchtigen. Für den Verbau der künftigen Tunnelbaugrube wurden die 220 bis zu 20 Meter langen Stahlträger im Abstand von etwa zwei Metern ins Erdreich eingebracht. Beim Ausbaggern der Baugrube wurden je nach Tiefe Holzbohlen zwischen die Stahlträger geschoben, so dass eine standsichere Wand für die Baugrube entstand. Die 123 Betonbohrpfähle wurden als Stützwand an der südlichen Böschung der Tunnelausfahrt an der Rosenaustraße eingebohrt.

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Links: Unter den Behelfsbrücken der Gütergleise ist die Baugrube für den Straßenbahntunnel schon fünf Meter tief ausgehoben. Rechts: Der künftige Straßenbahntunnel und die Wendeschleife sind an der Baustelle im Güterbahnhof schon gut zu erkennen. Fotos: swa / Thomas Hosemann

Details

Im Kern wird mit "Portal West" die Untertunnelung des Hauptbahnhofs mit einer Fußgängerpassage und einer Haltestelle umschrieben, die neben verkehrstechnischen Vorteilen auch die bessere Anbindung des Hauptbahnhofs an die westliche Stadtteile bringt. Deshalb sind auch die Halderstraße mit ihrer Tunnelrampe und dem Baubereich Ost, der Baubereich Mitte mit der Verteilerebene und der Straßenbahnhaltestelle Teil des Portals West. Portal West meint also nicht nur den Baubereich West, also den Bereich, wo die Straßenbahn am Sebastian-Buchegger-Platz? wieder oberirdisch verläuft.

Lage


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