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Piechler, Arthur

ein deutscher Organist, Komponist und Dirigent, der lange in Augsburg lebte und arbeitete

Leben und Wirken

Geboren wurde Arthur Piechler am 27. (nach anderen Quellen am 31.) März 1896 in Magdeburg als jüngstes von vier Geschwistern. Piechlers Vater kam aus Osterhofen? (Niederbayern?) arbeitete als Opernsänger; die Mutter, eine bekannte Pianistin und Sängerin, stammte aus Würzburg. Als Arthur Piechler sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Landau an der Isar?, wo sie ein Haus mit Textilgeschäft erwarb. Dort besuchte der Knabe die Volksschule und bekam ab 1904 Gesangs- und Geigenunterricht. Nebenbei begann er die Orgel zu spielen und brachte sich das Orgelspielen im Selbststudium bei.

Ab 1906 besuchte Arthur Piechler kurz das humanistische Gymnasium der Abtei Metten?, anschließend ein Bamberger Gymnasium (in Bamberg? wohnte er bei Verwandten) und zum Schluss das Gymnasium in Straubing?, wo er 1915 das Abitur machte. Von 1916 ab muss Arthur Piechler im Ersten Weltkrieg Kriegsdienst leisten. Während seine beiden Brüder fielen, kehrte er als Leutnant der Reserve aus dem Ersten Weltkrieg zurück.

Von 1919 bis 1921 studierte Arthur Piechler an der Akademie der Tonkunst in München die Fächer Orgel und Kompositionslehre. Nach seinem Studium reiste Arthur Piechler als Orgelvirtuose durch Deutschland und fast ganz Europa und gab Konzerte. In der Zwischenzeit war sein Cousin, der Komponist Heinrich Kaspar Schmid?, der aus Landau an der Isar? stammte und an der Akademie der Tonkunst in München sein Kompositionslehrer war, in Augsburg Direktor des Konservatoriums (heute Leopold-Mozart-Zentrum) geworden und berief ihn als Lehrer an das Konservatorium Augsburg. Damit brach eine etwa 30 Jahre währende Zeit an, in der Arthur Piechler in verschiedenen Rollen das Augsburger Musikleben prägte.

Noch 1925 wurde Piechler Domorganist am Dom Unserer Lieben Frau und in der Basilika Sankt Ulrich und Afra. 1926 studierte er bei Karl Straube (Leipzig) und Franz Schreker (Berlin). 1927 wirkte er als Sachverständiger bei der Planung der größten Kirchenorgel der Welt im Dom zu Passau? mit.

1929 heiratete Arthur Piechler Rosl Schellenberger, eine Frau aus Landau an der Isar?. Im gleichen Jahr absolvierte er ein Konzert mit Albert Schweitzer in der Augsburger Barfüßerkirche, was der Beginn einer lebenslangen Freundschaft der beiden war. 1930/31 wurde Piechler Musikkritiker der Neuen Augsburger Zeitung?. 1931 berief ihn der Augsburger Oratorienverein? zu seinem Dirigenten, was er bis 1951 war. Im Jahr darauf wurde Piechler auch Chorregent an Sankt Ulrich und Afra.

1941 erteilten ihm die Nationalsozialisten? Berufsverbot, weil er halbjüdischer Abstammung war. Deshalb zog sich Arthur Piechler für einige Jahre in das Allgäu zurück. 1945 ernannte man ihn zum Direktor des Augsburger Konservatoriums (heute Leopold-Mozart-Zentrum). Noch im gleichen Jahr initiierte Piechler die Neugründung das städtischen Orchesters (heute Augsburger Philharmoniker?). 1951 ernannte man ihn zum Professor und 1955 schied er als Direktor des Konservatoriums auf eigenen Wunsch aus dem Dienst. Ein Jahr danach zog er nach Lechbruck?. Hier erlebte er 1956 den von ihm geleiteten Umbau der Jäger-Orgel in Sankt Mang Füssen? und 1957 die Weihe der von ihm konzipierten Marienorgel der Klosterkirche Ottobeuren?. 1961 zog er in seine Heimatstadt Landau an der Isar? zurück. Als er am 27. März 1961 dort seinen 65. Geburtstag feierte, verlieh ihm die Stadt Landau an der Isar? das Ehrenbürgerrecht.

Seinen Lebensabend verbrachte er in Landau an der Isar?, wo er jedoch nicht untätig blieb, sondern viele bekannte Werke schuf. Die deutschsprachige Wikipedia nennt aus dieser Zeit folgende: Spanischer Tanz, Kirchenlieder (Lobe den Herren), Volkspassion, Benedikt-Messe op. 28, Ettaler Liebfrauenmesse (1972), Franziskusmesse, Orgelwerke: Suite op. 3, Italienische Suite op. 22, Orgelmusik op. 39 und Konzert für Orgel und Orchester op. 65 (Albert Schweitzer gewidmet).

1972 komponierte Piechler die Bläsermusik zur Münchener Olympiade. Ein Jahr später veröffentlichte er die „Ulrichsmesse“ zur Tausendjahrfeier des Augsburger Bischofs Ulrich?.

Arthur Piechler starb am 10. März 1974 in Landau an der Isar?.

Werke (Auswahl)

Zwar komponierte Arthur Piechler auch Messen, Werke für Klavier und Violine, ein Bläserquintett, ein Oratorium, eine Symphonie, Chorwerke und Passionen, doch sein Hauptaugenmerk richtete er auf die Orgelmusik.

Orgelwerke

  • Suite f-moll op. 3 (1921)
  • Italienische Suite op. 22 (1929)
  • Sechs Präludien für Orgel o. 45 (1933)
  • Drei Weihnachtspräludien op. 46 (Mit süßem Freudenschall - Vom Himmel hoch - Stille Nacht; 1934)
  • Fünf festliche Präludien. Augsburg op. 31 (1938)
  • Orgelmusik in 5 Sätzen op. 39 (1938)
  • Vademecum : 112 kurze u. leichte Orgelstücke : für angehende Organisten im zwei-, drei- und vierstimmigen Satz in allen Dur- u. Moll-Tonarten ; mit einem Anhang: Modulationen, Cadenzen, Finger- und Pedalübungen (1930)
  • Konzert für Orgel und Orchester op. 65 (1948) (Albert Schweitzer gewidmet)
  • Konzert für zwei Orgeln über "Wie schön leucht uns der Morgenstern" op.69 (1952)
  • Erstes Harmoniumspiel (Vorschule zum Orgelspiel): Ein methodischer Lehrgang (1954)
  • Orgel-Fantasie über "Lobe den Herren". Für einstimmigen Knaben- oder Frauenchor, 2 Trompeten und Pauken ad lib (auch für Orgel allein; 1965)

Andere Werke

  • Oratorium Sursum corda op. 18 für Soli, gem. Chor und großes Orchester (1926)
  • Volkspassion Evangelium nach Matthäus op. 51 für gem. Chor, Männerchor, Volksgesang, Bariton (Jesus), Alt (Magdalena), Sprecher, Orgel, Str. ad lib. (1938)
  • Messe zu Ehren des hl. Benedikt op. 28 für Männerchor und Orgel (1929)
  • St. Franziskus-Messe Missa orbis factor, op. 53 für gem. Chor, Orgel und Streicher (1936)
  • Ettaler Liebfrauenmesse für Soli, gem. Chor, Volksgesang, Orgel, 2 Klarinetten, Trompeten und Posaunen, Zither, Hackbrett, Streicher (1970)
  • Lobe den Herren, Choralfantasie für Orgel, 3 Trompeten, Pauken und Knabenchor (1964)

Auszeichnungen

  • 1921 Joseph-Rheinberger-Preis für Katholische Kirchenmusik
  • 1956 Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
  • 1973 Aufnahme in den Ritterorden vom Heiligen Grab und Privataudienz bei Papst Paul VI.; Bayerischer Poetentaler

Außerdem war Arthur Piechler Träger des Bayerischen Verdienstordens?.

Sonstiges

Arthur Piechler wurde in Landau an der Isar? auf dem Stadtfriedhof Heilig-Kreuz-Straße beigesetzt. Seit 1993 veranstaltet Landau an der Isar? in dreijährigem Turnus einen Orgelwettbewerb um den Arthur-Piechler- und Heinrich-Kaspar-Schmid-Musikpreis.

Neben der Freundschaft mit Albert Schweitzer verbanden Arthur Piechler Freundschaften mit Joseph Haas, Karl Straube, Karl Richter und Charles-Marie Widor. Schüler Piechlers waren Anton Göttler und Franz Lehrndorfer.

In Landau an der Isar? benannte man eine Straße nach ihm und auch in Augsburg gibt es die Arthur-Piechler-Straße?.

Einen Großteil der Werke Piechlers verlegte der Augsburger Musikverlag Böhm & Sohn?

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