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Pfeffel, Johann Andreas

auch Pfiffel; Johann Andreas Pfeffel der Ältere; Verleger und Kupferstecher, lange in Augsburg tätig

Leben und Wirken

Johann Andreas Pfeffel wurde 1674 in Bischoffingen/Breisach geboren. An der Akademie in Wien bildete man ihn zum kaiserlichen Hofkupferstecher aus.

Seit 1711 lebte Johann Andreas Pfeffel in Augsburg, von wo er einen erfolgreichen Kunsthandel betrieb. Zusammen mit Christian Engelbrecht? hatte er eine Offizin gegründet, deren wirtschaftliche Grundlage der Druck von Devotionalienbildern war.

Daneben veröffentlichte die Offizin Ansichtenfolgen, zeitgeschichtliche und emblematische Werke sowie Architekturbücher wie etwa ein Werk über die Schönbornschlösser" oder das "Florierende Wien" (Salomon Kleiner). Auch die berühmte illustrierte Bibel von Johann Jakob Scheuchzer, die "Physica sacra", erschien bei Pfeffel. An diesem Buch arbeitete der Sohn Johann Andreas Pfeffel der Jüngere (geb. 1715 in Augsburg, gest. am 15. April 1768 ebenfalls in Augsburg) als Kupferstecher mit.

Mit Christian Engelbrecht? gab Johann Andreas Pfeffel auch theatralische Dekorationen heraus, die von dem kaiserlichen Theatermaler Joseph Bibiena stammten.

Johann Andreas Pfeffel starb am 14. Mai 1748 in Augsburg. Andere Quellen gehen 1750 als Todesjahr aus.

Werk

Das Werk von Johann Andreas Pfeffel dem Älteren ist sehr vielgestaltig. Vieles davon ist erhalten: Buchillustrationen, Ornamentstiche, Bildnisse, Andachtsbilder, Schabkunstblätter, Thesenblätter ...

Immer wieder arbeiteten bedeutende Künstler für ihn, so etwa Johann Evangelist Holzer?, der für Pfeffel nicht nur Thesenblätter entwarf, sondern auch Fresken für das Haus von Pfeffel (Deckenbild im Gartensaal und Fassade). Als man die 1880 an dieser Stelle die Hallstraße durchbrach, wurde das Haus Litera B 18 (entspricht heute Maximilianstraße 50), in dem Pfeffel wohnte, abgerissen.

Wiener Veduten

Johann Andreas Pfeffel der Ältere verlegte von 1724-1737 das Werk "Prospecte und Abriße einiger Gebäude in Wien ..." von Johann Adam Delsenbach, einem Künstler, der aus der Nürnberger Malerakademie hervorgegangen war und sich zwischen 1710 und 1721 wiederholt in Wien aufhielt. Als dieser wieder nach Nürnberg zurückkehrte, reiste Salomon Kleiner? von Augsburg nach Wien. Er war ein Schüler Johann August Corvinus´? und führte die von Delsenbach vor allem nach Zeichnungen von Joseph Emanuel Johann Fischer von Erlach begonnene Wiener Vedutenserie weiter. Den Auftrag dafür hatte ihm Pfeffel erteilt, der durch die von ihm verlegten großangelegten Vedutenserien, die zu den bekanntesten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gehörten, bekannt und beliebt wurde. Das Werk mit Wiener Veduten erschien in vier Teilen. Am Gelingen hatte die Augsburger Kupferstecherschule entscheidenden Anteil. Pfeffel selbst war dabei nicht nur als Verleger, sondern zeitweise auch als Stecher beteiligt, wobei Hauptstecher allerdings Johann August Corvinus? war.

Kupferbibel Physica sacra

Johann Jakob Scheuchzer, Physica sacra Johannis Jacobi Scheuchzeri ... Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) war Arzt in Zürich und einer der frühesten Erforscher der Schweizer Natur. Auf Wanderungen und Reisen sammelte er botanische, zoologische, geographische, paläontologische und meteorologische Erkenntnisse. Aus ihnen bildete sich bei ihm der Wunsch, eine Bibel zu veröffentlichen, das die naturwissenschaftlichen Implikationen der Bibel darstellen sollte. Seine Bibel ließ Scheuchzer von Johann Andreas Pfeffel in Augsburg verlegen, weil er im orthodox protestantischen Zürich keine Druckerlaubnis für sein Vorhaben erhielt.

Das Werk erschien zwischen 1731 und 1735 in lateinischer und deutscher Sprache zu jeweils vier Bänden mit insgesamt mehr als 2.000 Seiten Text und mehr als 750 ganzseitigen Kupferstichen von Augsburger und Nürnberger Stechern. Mit ihrer reichen Ausstattung ist die Kupferbibel eines der aufwendigsten Projekte in der Geschichte des Augsburger Verlagswesens dieser Zeit und ein Meisterwerk der Druckkunst des 18. Jahrhunderts.

In der Bibel stellte Scheuchzer alle Bibelstellen dar, die von Gegenständen der Natur handeln. Diese erklärte er mit den Erkenntnissen der neueren Naturforschung. Der Gedanke dahinter war, dass sich Vernunft und Glaube nicht widersprechen. Vernunft und Empirie sollten den Offenbarungsglauben stabilisieren, Naturwissenschaft und Theologie miteinander versöhnt werden. Die Kupferbibel erschien damit in der Tradition der so genannten Physikotheologie. Das sollte schon das Frontispiz der Frontispiz der lateinischen Ausgabe zeigen. Hier zeigte Hieronymus Sperling (1695–1777) nach Johann Daniel Preißler (1666–1737) den Glauben (oberes Bilddrittel) gemeinsam mit den Wissenschaften und Künsten: Medizin und Naturkunde (Bildmitte), Geologie und Mathematik (links unten), Geschichtsschreibung, Dichtkunst und Musik (rechts unten).

Die Scheuchzer-Bibel war in Augsburg sehr verbreitet. Joseph Paul von Cobres besaß sie ebenso wie die Schulbibliothek des Anna-Gymnasiums und Gottlieb Tobias Wilhelms Vater, der Kupferstecher Christian Wilhelm?.

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