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Peutingerhaus

ein Augsburger Bürgerhaus, dessen Namen auf Konrad Peutinger, einen einstigen Bewohner, zurückgeht

Peutingerhaus
Peutingerhaus, Augsburg September 2008. Ansicht von Norden. Von Dark Avenger (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Da Peutingerhaus mit seinen drei Geschossen ist ein fein gegliederter Eckbau mit Walmdach. Die Fassade im Westen zur Schönfeldgasse? ist leicht konvex. Die Hauptfassade zeigt nach Norden und wird durch eine Toreinfahrt durchbrochen. Diese Schaufassade liegt zum ehemaligen Domfriedhof hin, der im 19. Jahrhundert zum Paradeplatz umgestaltet wurde. Nordöstlich des Peutingerhauses lag bis 1808 die ehemalige Tauf- und Seelsorgekirche Sankt Johannes?. Ihre Fundamente zeigt man heute als archäologisches Fenster: Teilweise wurden sie aufgemauert.

Nach Osten besitzt das Haus eine kürzere Abseite. Eine Rokoko? -Stuckdekoration von 1763 fasst den nördlichen und westlichen Baukomplex einheitlich zusammen. Das Gebäude hat zwei Obergeschosse, die im Norden durch einen Mittelrisalit mit großer Pilasterordnung gegiedert sind. Ähnlich gegliedert ist auch die westliche Gebäude- bzw. Abseite, wobei aber der Risalitvorsprung fehlt und zurückhaltende Parapetts (Brustwehren eines Walles) zu sehen sind. Der flache Rundbogen des Eingangs im Norden wird durch eine Giebelblende abgeschlossen, in die ein Medaillon mit einer Muttergottesdarstellung eingelassen ist. Im Bereich des Risalites sind die drei Fenster des ersten Obergeschosses mit Rocaillekartuschen abgeschlossen.

Peutinger Gedenktafel Augsburg
Gedenktafel am Wohnhaus von Konrad Peutinger in Augsburg, heute Peutingerstraße 11. 2009 aufgenommen von Thorsten Hartmann (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Konrad (IV.) Peutinger sammelte römische Münzen und Steindenkmäler, die er an der Tordurchfahrt und im Innenhof des Peutingerhauses beim Dom Unserer Lieben Frau zusammen mit mittelalterlichen jüdischen Steindenkmälern einmauerte. Unter anderem befindet sich hier ein römisches Grabmonument aus dem frühen 3. Jahrhundert.

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Römischer Grabstein im Innenhof des Peutingerhauses, Augsburg im September 2008. Von Dark Avenger (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Das Innere des geräumigen palaisartigen Gebäudes bot genügend Raum für Peutingers umfangreiche Privatbibliothek und seine Sammlungen antiker Steinmonumente, Münzen, Gemälde, Druckgrafiken und Kunstobjekte. Zum Beispiel bewahrte Konrad Peutinger hier die berühmte Tabula Peutingeriana auf. Die spätrömische Straßenkarte aus der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts n. Chr. zählt heute zum Weltdokumentenerbe der UNESCO. Große Teile der Peutingerschen Bibliothek sind heute im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek in München und der Studienbibliothek Dillingen?. Von den Peutingerschen Sammlungen sind sonst nur noch wenige Stücke nachweisbar. Ebenfalls im Inneren des Hauses gibt es eine vierläufige Treppe mit Holzbalustern, die wohl im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts eingebaut wurde.

An der Fassade des Peutingerhauses sind zudem Gedenktafeln für Konrad Peutinger, Martin Luther und Hans Adlhoch angebracht. Letzterer hatte hier im Katholischen Arbeitersekretariat als Arbeitersekretär gearbeitet.

Geschichte

Die frühesten Nachrichten zum Peutingerhaus sind aus dem 14. Jahrhundert überliefert. Damals gehörte das neben dem Dom Unserer Lieben Frau gelegene Grundstück der Augsburger Patrizier -Familie Ilsung?.

1515 erwarb Konrad Peutinger das Gebäude, das später seinen Namen erhielt. Er wohnte bis 1547 in dem Haus, das bis 1719 im Besitz der Peutinger-Familie blieb. Peutinger hatte eine vielköpfige Familie hier unterzubringen und empfing im Haus bedeutende Gäste - 1518 z. B. den Reformator Martin Luther. Über seinen Besuch vom 10. November 1518 bei Peutinger schrieb Luther an seinen Freund Spalatin: "Ih habe bei Conrad Peutinger, dem Doktor, einem Bürger und Mann, ... zu Abend gegessen, welcher sich meine Angelegenheit ganz außerordentlich empfohlen sein lässt, wie auch andere Ratsherren."

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Römischer Grabstein im Innenhof des Peutingerhauses, Augsburg September 2008. Von Dark Avenger (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

In den Jahren 1762 bis 1798 wohnte der Stadtarzt? Ignaz Johann Frank? in dem Haus. Nach anderen Quellen soll der Arzt das Haus schon 1750 von den Nachkommen Peutingers erworben haben. Sicher ist, dass er 1763 die Fassade des Peutingerhauses neu im Stil des Rokoko? gestalten ließ und dabei die beiden Gebäudeflügel hinter einer gemeinsamen Fassade mit Pilastergliederung zusammenfassen ließ, was den repräsentativen Eindruck des Peutingerhauses verstärkte.

1871 zog der Drucker Philipp Jakob Pfeiffer mit seinem Druckerei-Betrieb in das Palais. 1889 erblickte dort der Altphilologe Rudolf Pfeiffer das Licht der Welt.

Am 26. Mai 2014 verlegte Gunter Demnig die ersten beiden Stolpersteine Augsburgs vor dem Peutingerhaus. Sie erinnern an die Katholiken Anna und Hans Adlhoch.

Details

Das Erdgeschoss des Peutingerhauses ist genutet und hat im Norden eine zentrale Toreinfahrt, die mit zentralem Korbbogen ausgestattet ist. So wirkt die Einfahrt repräsentativ. In einem schrägen Winkel öffnet sich der Bau zum schmalen Innenhof, der im Süden und Osten durch niedrigere Nebengebäude begrenzt ist. Flankierend begleiten flache, leicht konkave Nischen mit Muschelkalotte (kleine Kuppel aus Muscheln) die Durchfahrt, die im Intervall einer Pilastertravée toskanischer Ordnung gestaltet ist. Travée ist französische Bezeichnung für ein Joch, eine Gewölbeeinheit (z. B. für den Teil zwischen zwei Gurtbögen). Die erwähnten Nischen sind "Inschrift-Nischen" und erinnern an die berühmte Epigramm-Sammlung des Humanisten Konrad Peutinger. Die Inschriften der Steindenkmäler seiner Privatsammlung publizierte Peutinger 1520. Schon 1505 hatte er 23 römische Inschriften aus Augsburg veröffentlicht.

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Mittelalterliche hebräische Inschrift im Innenhof des Peutingerhauses, Augsburg im September 2008. Von Dark Avenger (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Schon 1686 hat M. F. Beck in seinem in Augsburg erschienenen Werk "Monumenta antiqua Judaica" die römischen und hebräischen Inschriften beschrieben, die sich in der Durchfahrt in den Hof und am südlichen Querriegelbau des Hauses befinden. Darunter befindet sich auch die erste Nachricht von der 1440 erfolgten Augsburger Judenvertreibung, die auf 1445 datiert ist.

Außerdem hat man in der Durchfahrt ein spätkaiserzeitliches Grabpfeilermonument (für Pervanos und Sabianus), das M. F. Beck ebenfalls schon 1686 beschrieb, als "Ortsstein" (Prellstein) verwendet. Es besitzt kein Schuppendach. 1534 soll es am Peutingerhaus aufgestellt worden sein. Gefunden wurde der Inschriftenstein in Biberbach. Zunächst stellte man ihn im ehemaligen Franziskanerinnenkloster Sankt Nikolaus? vor dem Roten Tor auf. Erst anschließend erhielt der Stein seinen heutigen Standort. Zwei weitere figurale Grabsteine aus der Eingangshalle wurden dem Römischen Museum zur Sicherung übergeben.

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Einfahrt des Peutingerhauses, Blick nach Norden im September 2008. Von Dark Avenger (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

In der Regel ist das Haus zugänglich.

Lage

Peutingerstraße 11


Weblinks


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