Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | P | Peutinger, Konrad


Peutinger, Konrad

ein Augsburger Kaufmannssohn, der als Syndicus, Chronist? Augsburgs, Humanist und Berater von Kaiser Maximilian I.? und Kaiser Karl V.? bekannt wurde

Leben und Wirken

Geboren wurde der Augsburger Kaufmannssohn Konrad (IV.) Peutinger am 16. Oktober 1465 in Augsburg. Sein wohlhabender Vater, der um 1423 geboren und vor dem Oktober 1466 gestorben sein muss, hatte den gleichen Namen wie er. Die Mutter Barbara Frickinger stammte ebenfalls aus einer reichen Augsburger Kaufmannsfamilie. Geboren wurde sie um 1440; sie starb wohl nach 1493. Weil sein Vater, kaum dass sein Sohn geboren war, starb, übergab man den späteren Humanisten seinem Onkel Ulrich Höchstetter?. Er war einer der bedeutendsten Augsburger Fernhandelskaufleute im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts und fungierte als Vormund Konrad IV. Peutingers. Außerdem war Peutinger mit Erhard Wahraus?, der 1454/55 starb, Hector Mülich? (etwa 1420-1489/90) und Sigmund Gossembrot? (1417-1493) verwandt. Diese drei Männer waren wichtige Frühhumanisten und Augsburger Chronisten. Das bedeutet, dass der junge Peutinger in einem für Wissenschaft, Geschichte und Literatur fruchtbaren Umgebung aufwuchs, auch wenn wir sonst nicht viel über seine ersten Kindheitsjahre wissen.

Entweder 1479 oder 1480 begann der begüterte Kaufmannsohn in Basel zu studieren, um dann aber 1482 nach Italien zu ziehen, wo er bis 1488 in Padua und Bologna römisches Recht studierte. Durch Aufenthalte in Rom und Florenz drang er in den Humanismus ein und nahm 1490 eine Bildung mit sich nach Augsburg, die ihm eine Anstellung in der Augsburger Stadtverwaltung sicherte. 1497 wurde er sogar deren Leiter und Stadtschreiber? auf Lebenszeit. In dieser Funktion musste er Augsburg z. B. beim Schwäbischen Bund?, beim Kaiser oder auf Reichstagen vertreten. Zuvor aber ehelichte Konrad Peutinger die Tochter des Patriziers Anton Welser?, einem Teilhaber der Welser Vöhlin-Gesellschaft?. Durch die Heirat mit Margarete Welser (1481-1552) gehörte Peutinger zur obersten Schicht in Augsburg.

Welchen politischen Einfluss Konrad Peutinger hatte, macht die Tatsache deutlich, dass ihn Kaiser Maximilian I.? bereits 1491 in seinen engsten Beraterkreis aufnahm. Dort blieb Konrad Peutinger bis 1519, als Kaiser Maximilian I.? Regierung endete. In den Jahren, in denen er ihm diente, übernahm Peutinger neben politisch-diplomatischen Aufgaben auch solche aus dem Bereich der Kunst und Literatur. So soll er an den kaiserlichen Selbstdarstellungen „Theuerdank“ und „Weiskunig“ die Redaktion übernommen haben oder vermittelte Künstler und Handwerker für das Grabmal des Kaisers in Innsbruck. Aber auch in seiner Heimatstadt Augsburg erwies sich der Leiter der Stadtverwaltung als Gewinn, denn er reformierte tatkräftig die damalige Armenfürsorge?, das Stadtgericht? und die städtische Verwaltung. Als Stadtschreiber? war er von 1495 bis 1534 in seiner Heimatstadt angestellt.

Begeistert trug Konrad Peutinger lateinische Inschriften der römischen Stadt Augusta Vindelicum zusammen, stellte sie zunächst in dem Hof seines Hauses aus (Peutingerhaus) und publizierte sie später auch. Der Stadtschreiber sammelte römische Münzen und Steindenkmäler und begründete damit die Augsburger Römerforschung. An der Tordurchfahrt und im Innenhof des Peutingerhauses beim Dom in der Peutingerstraße 11 wurden von Peutinger gesammelte römische und jüdische Steindenkmäler wie das Grabmonument des Iulianus Iulius aus dem frühen 3. Jahrhundert eingemauert.

Konrad Peutingers erste Publikation geht in das Jahr 1505 zurück. Es war eine aufwändige Publikation mit 23 Inschriften aus dem römischen Augsburg. Als er die zweite Ausgabe dieser Schrift veröffentlichte, stellte er die Inschriften nicht nur als Text, sondern auch als antiquarische Objekte vor, was für die damalige Zeit neu war. Mit der Gleichrangigkeit von Text und Lokalisierung wollte Konrad Peutinger seine Heimatstadt erfassen und aufwerten. Ein weiteres wichtiges Werk von Konrad Peutinger ist das Buch "Caesares" (Die Kaiser). Es versammelte die Lebensläufe aller Kaiser von Caesar bis zu Maximilian I.?, ging aber leider zum größten Teil verloren.

1519 wurde Karl V.? Nachfolger Kaiser Maximilians I.?. In den folgenden Jahren blieb Peutinger zwar noch kaiserlicher Berater, doch schwand sein Einfluss und als er keinen Ausgleich zwischen den streitenden Religionsparteien zustande brachte und die Reformation in Augsburg eingeführt wurde, beendete er seine Tätigkeit als Chef der Verwaltung und als Stadtschreiber? im Jahr 1534.

1538 fand Konrad Peutingers Einsatz Würdigung durch die Aufnahme in das Augsburger Patriziat? und 1547 erhob ihn Karl V.? in den erblichen Adelstand. Konrad Peutinger starb am 28. Dezember 1547 in seiner Heimatstadt Augsburg.

Würdigung

Nicht nur die Politiker und Juristen seiner Zeit achteten Konrad Peutinger. Auch die Humanisten wussten ihn zu schätzen. So war er in Augsburg die prägende Figur in der Sodalitas Augustana?, einem humanistischen Gelehrtenkreis, der deshalb auch Peutingeriana genannt wurde. Doch er stand weit darüber hinaus mit humanistischen Gelehrten in Verbindung – von Thomas Morus über Konrad Celtis, Sebastian Brant, Heinrich Bebel, Johannes Reuchlin, Beatus Rhenanus, Willibald Pirckheimer, Ulrich Zasius, Juan Luis Vives bis hin zu Erasmus von Rotterdam. Viele der damaligen Gelehrten widmeten ihm ihre Schriften.

Er selbst gab vor allem geschichtliche Werke heraus: 1507 den „Ligurinus“, ein Epos über Barbarossa von Gunther von Pairis oder 1515 die „Historia Langobardorum von Paulus Diaconus und die Gotengeschichte von Iardanes. Daneben unterstützte er die Herausgabe von Werken des Procopius, des Burchardus von Ursberg oder des Otto von Freising. Von den selbst geschriebenen Werken sind nicht mehr alle erhalten. Erwähnt seien hier die 1505 gesammelten Augsburger Römerinschriften („Romanae vetustatis fragmenta in Augusta Vindelicorum et eius dioecesi“), ein Vorbild für spätere Veröffentlichungen von Inschriften, 1506 die „Sermones convivales“ („Tischgespräche“), in denen er die linksrheinischen Gebiete zwischen Straßburg und Köln dem deutschen, nicht französischen Herrschaftsbereich zusprach. Ebenfalls erhalten ist ein Brief an Bernardino Lopez de Carvajal, einen Kardinallegaten, von 1507, eine Rede von 1520 für die Stadt Augsburg in Brügge vor Karl V.? (überliefert durch den Antwerpener Stadtschreiber 1521) und eine Übersetzung eines Werkes von Johannes Oecolampadius über das Almosen, die Peutinger 1524 aus dem Lateinischen vornahm. Dazu kommen noch ungefähr180 juristische Gutachten für Reichstände oder Privatleute, die er im Lauf seines Lebens verfasste. Darin ging es um Themen wie Handelsverträge, Ehe- und Erbschaftsverträge, Kapitaleinlagen, Vormundschaftsfragen, adeliges Lehensrecht etc. Mit Augsburg verbundene Städte fragten Peutinger ebenfalls um Rat, etwa Dinkelsbühl?, Kempten, Memmingen, Landsberg? und andere. Auch juristische Fragen grundsätzlicher Art behandelte der Augsburger Stadtschreiber?, etwa Fragen der Folter, der Zurechnungsfähigkeit oder der Nachlassverwaltung. Selbst zu verfassungsrechtlichen Fragen im Reich äußerte er sich mit Gutachten, die in kaiserlichem Auftrag entstanden.

Konrad Peutingers Hauptaugenmerk lag jedoch im Bereich der Geschichte und Altertumskunde. Hier verfasste er sein Hauptwerk „Kaiserbuch“, das alle Kaiser von der Römerzeit bis in seine Zeit behandelte, doch blieb es unvollendet. Seiner Frau schrieb er 1510/11 eine historische Abhandlung zu („Margaritae Velseriae ad Christophorum fratrem epistola“), um zu zeigen, dass auch eine Frau zur Wissenschaft fähig ist. Andere geschichtliche Peutingerschriften befassten sich etwa mit dem Namen Augustus, einer Heraklesdarstellung, einer griechischen Münze usw.

Was die Reformation anging, verfolgte Konrad Peutinger einen mittleren Weg zwischen den streitenden Parteien. Wirtschaftspolitisch verteidigte er die Zinsnahme und Kartellbildung. Indem er sich auf die Seite der damals expandierenden Handelsgesellschaften stellte, verteidigte er den frühen Kapitalismus.

Nur am Rand sei vermerkt, dass sich Konrad Peutinger noch für Botanik und Medizin interessierte. Als er 1526 an Kopfschmerzen und Schwindelanfällen litt, verfasste er dazu eine Schrift „Exzerpte zu Schwindel und Benommenheit“.

Sonstiges

Grundlage des Wissens und Wirkens von Konrad Peutinger war seine riesige Bibliotheca Peutingeriana. Die Bücher trug der Stadtschreiber? auf seinen Reisen zusammen. Heute ist seine Bibliothek leider über ganz Europa verteilt. Teile der Bibliothek Konrad Peutingers bildeten anderenorts die Grundlage neuer Bibliotheken.

Nach Konrad Peutinger benannte Markus Welser? die 1598 in Augsburg publizierte Tabula Peutingeriana, die Kopie einer römischen Weltkarte.

Weblinks


Hauptseite | Bevölkerung und Politik | P | Peutinger, Konrad


Korrekturen? Ergänzungen? Schreiben Sie an stoebener@augsburg-wiki.de




FacebookTwitThis