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Otto I.

auch Otto der Große; der deutsche Kaiser Otto I. und seine Beziehungen zu Bischof Ulrich? und zu Augsburg

Otto the Great
Der Magdeburger Reiter, um 1240; oft für ein Portrait Otto I. gehalten (Detail), Magdeburg. Von Furmeyer (From [1] and en Wikipedia) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Leben und Wirken

Weitläufig ist die Biographie Otto I. Hier wird das Leben Ottos des Großen im Blick auf Augsburg und den anderen großen Gestalter dieser Epoche, Ulrich?, Bischof von Augsburg betrachtet. Schon diese Fokusierung auf den Ottonen führt uns tief in die frühmittelalterliche Epoche und zeigt, welche Bedeutung Augsburg damals für die Entstehung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation hatte.

Abstammung Otto I.

Geboren wurde Otto I. im Jahre 912. Später wird er Otto der Große (Otto d. Gr.) genannt. Sein Geburtsort ist nicht bekannt. Otto I. gehört zum Geschlecht der Liudolfinger und war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches (regnum francorum orientalium), ab 951 König von Italien und ab 962 römisch-deutscher Kaiser.

Er stammt aus der zweiten Ehe seines Vaters, des Sachsenherzogs Heinrich I., der kurz nach der Geburt seines Sohnes Ottos König des Ostfrankenreiches wurde. Mathilde, die Ehefrau von Heinrich I. und Mutter von Otto I., war die Tochter des sächsischen Grafen Dietrich aus der Familie Widukinds.

Heinrich I. war 912 mit seiner schwangeren Frau durch ziemlich menschenleere Gegenden zur Königswahl nach Fritzlar (Hessen) gezogen. Größere Ortschaften waren damals nicht sehr häufig. In dieser Zeit hatten die fränkischen Könige keine feste Hauptstadt. Sie zogen mit ihrem Gefolge von Pfalz zu Pfalz. Pfalzen waren die über das ganze Königtum verteilten Stützpunkte des Königs. Darum wurden die Könige damals auch als Wanderkönige bezeichnet und eine Geburt wie die von Otto I. konnte irgendwo in der Landschaft geschehen.

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Otto I. in der Chronica regia Coloniensis (13. Jahrhundert) von Anonym [Public domain], via Wikimedia Commons

Stephan Freund meint in dem Buch "Otto der Große und das Römische Reich", das 2012 zu einer Ausstellung im Kulturhistorischen Museum zu Magdeburg erschien: "Die Durchsetzung der Königsherrschaft beruhte im 10. Jahrhundert vor allem auf der königlichen Präsenz und auf dem Ansehen des Königs. Der permanente Zug des Herrschers durch das Reich, das sogenannte Reisekönigtum war daher das bedeutendste Herrschaftsmittel. Die Einsetzung zuverlässiger Vertrauter, die anstelle des Königs die Sicherung seiner Interessen in allen Reichsteilen gewährleisten konnten, war ein weiteres."

Blick auf Ulrich und Augsburg

Im Augsburgwiki richten wir das Augenmerk besonders auf Otto I. Kontakte zu Augsburg und Schwaben. Dabei kommt Ulrich? in den Blick, ein Spross aus der wohlhabenden schwäbischen Sippe der Hupaldinger?. Er wurde 923 auf Fürsprache des schwäbischen Herzogs Burchard bei Ottos Vater Heinrich I. zum Fürstbischof von Augsburg? ernannt. Nach der Völkerwanderung? war Augsburg von der einstigen Römerstadt Augusta Vindelicum? zu einer kleinen Siedlung rund um den Dom zusammengeschrumpft, die nur noch ungefähr ein Drittel der Ausmaße der ehemaligen römischen Hauptstadt der Provinz Raetien II besaß. Durch Ulrich? wurden die Erdwälle und Holzzäune rund um ein bewohntes Gebiet von rund 300 mal 620 Meter nach und nach mit Mauern ersetzt. Zum besseren Schutz vor Feinden, besonders vor den Ungarn. Augsburg war damals noch keine Freie Reichsstadt?, aber durch das umliegende flache Lechfeld zwischen den beiden Flüssen Wertach und Lech ein idealer Sammelplatz für die Züge mancher Herrscher in den Süden.

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Otto I., Königssiegel, Marburg, Hessisches Staatsarchiv, Urkunde R I a Fulda, Stiftsarchiv 936 Oktober 14, aus: Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen, 1993, 2, II-1 S. 17 (R. Kahsnitz). Von unbekanntArmin P. at de.wikipedia [Public domain], vom Wikimedia Commons

Der Sachse Otto I. wurde 936 in Aachen zum König der Ostfranken bestimmt. Das Reich der Franken war damals bereits aufgeteilt in West-, Mittel- und Ostfranken. Augsburg gehörte damals zum Herzogtum Schwaben? in Ostfranken und war im Osten die Grenzstadt zum Herzogtum Bayern?, dessen Grenze zu Schwaben am Lech entlang verlief. Zum Herzogtum Schwaben? gehörten im 10. Jahrhundert auch fast das ganze heutige Baden-Württemberg und dazu noch Gebiete links des Rheins, das Elsass z. B.. Das Herzogtum Schwaben?, vorher Herzogtum Alamannien?, war mit dem von Sachsen, Franken, Niederlothringen und Bayern eines der Herzogtümer, die den Kern Ostfrankens bildeten.

Um ihre Unterordnung zu symbolisieren, übernahmen die Herzöge beim Festmahl nach der Königskrönung von Otto I. folgende Posten: Giselbert von Lothringen war der Kämmerer, Eberhard von Franken der Truchsess, Arnulf von Bayern der Marschall und der Schwabe Hermann der Mundschenk.

Otto I. erste Frau

Der Vater Ottos machte die erste Ehegattin seines Sohnes auf der britischen Insel aus: Edgitha von Wessex, Princess of England. Gründe für diese außergewöhnliche Brautschau in fernen Landen waren vielleicht der Stammbaum der damaligen Briten, die sich auf die Sachsen als Vorfahren beriefen. Zudem soll Edgitha aus einer Familie stammen, die den Heiligen Oswald als Stammvater ansah, der nach einer kriegerischen Niederlage der Öffentlichkeit zerstückelt gezeigt wurde. Die Chronistin Hrotswith (Roswitha) von Gandersheim schrieb: "Als die Knaben nach höfischer Sitte erzogen waren, beschloss ihr erlauchter Vater, der König Heinrich, während er noch die kräftige Lebensluft atmend gesund war, für den zuerst geborenen Sohn, den Erben des Thrones, Otto, eine würdige Ehegefährtin zu wählen, eine, die wahrhaft würdig sei einer solchen Verbindung. Doch Heinrich suchte sie nicht in dem eigenen Reiche, vielmehr entsandte er Boten, die treu und besonnen, hin übers Meer zu der köstlichen Insel der Angeln fuhren. Die Boten sollten nach seinem Auftrag sofort mit Geschenken werben um Edgitha, die Tochter Edwards, des englischen Königs ..." Edgitha gebar ihrem Gatten Otto I. den Sohn Liudolf. Edgitha starb 946 und wurde in Magdeburg beerdigt.

Heirats- und Machtpolitik Ottos I.

Übrigens war Heiratspolitik auch für Otto I. selbst eine bedeutsame Methode um seinen machtpolitischen Einfluss immer weiter zu stärken und auszudehnen. Seinen Sohn Liudolf verlobte Otto I. deshalb bereits 939 mit Ida, dem einzigen Kind des Schwabenherzogs Hermann und dessen Gemahlin Regelinda. Hermann hatte die Nachfolge von Burchard II. angetreten, der bei einem kriegerischen Überfall im Frühjahr 926 ums Leben gekommen war. Regelinda, die Witwe des schwäbischen Herzogs Burchard II., musste Burchards II. Nachfolger Heinrich heiraten. Man sieht an diesem Fall sehr gut, wie damals Mädchen und Frauen aus adligem Hause nur gehorchende Figuren im politischen Spiel der Verknüpfungen waren. Auf ihre Gefühle oder Wünsche wurde nicht eingegangen. Wenn Herrscher-Witwen damals ihren Lebensstandard halten wollten, mussten sie, wenn es möglich war, eben den Nachfolger zur Ehe nehmen.

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Glasfenster mit Darstellung Otto I. in der Kathedrale von Straßburg. Von http://www.crdp-strasbourg.fr/data/albums/bas_cotes/index.php?img=4&parent=20 [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Hochzeit von Liudolf und Ida wurde von Otto I. geschickt vorbereitet. Mit ihr sollte das große und wichtige Herzogtum Schwaben? fest an Otto I. gebunden werden. Die beiden heirateten auf Wunsch ihrer Eltern am Ende des Jahres 947. Liudolf wurde von seinem Vater Otto auf dem Reichstag in Worms (950) als Herzog von Schwaben? eingesetzt, nachdem der bisherige schwäbische Herzog Hermann im Dezember 949 verstorben war. Der Sohn des verstorbenen Herzogs war damals noch ein Kind. Aber Liudolf war nun Herzog und designierter Erbe seines Vaters. Da Königin Edgitha 946 verstorben war und Otto I. noch nicht wieder geheiratet hatte, war Ida die vornehmste Frau im Reich. Das Herzogtum Schwaben? war für Otto I., der wieder eine Machtfülle wie Kaiser Karl der Große anstrebte, eine starke Trumpfkarte im Spiel um seine wachsende Herrschaft, die er im Süden bis nach Italien auszudehnen gedachte. Daher bahnte er möglichste viel Verknüpfungen mit den einflussreichen Schwaben an.

König Otto I. hatte die Vorliebe, möglichst viele seiner Verwandten mit Herzogtümern ringsum zu versorgen, was natürlich die angestammten Herrscherhäuser, die diese macht- und gewinnbringenden Würden lieber für sich haben wollten, oft erboste und zu diversen Aufständen führte. Selbst Ottos Sohn Liudolf rebellierte mit Anhängern deshalb gegen seinen Vater. Allerdings erfolglos. Geschichtsexperten formulieren Ottos Aktivitäten so: "Indem er die herzoglichen Stammesinteressen brach und durch den staatspolitischen Einsatz der Reichskirche den Staat seiner Vorstellung aufbaute, gab er dem eigenständigen nationaldeutschen Königtum, das durch die Verbindung mit der Kaiseridee zur europäischen Vormacht wurde, eine feste Grundlage. Er belebte dadurch das Zusammengehörigkeitsgefühl des Abendlandes, das er durch die Gewinnung der Westslawen für die deutsche Kultur und das Christentum nach Osten erweiterte."

Otto, Ulrich und Augsburg

Zu dieser Zeit war Ulrich?, geboren 890 in Augsburg, schon länger als Fürstbischof an seinem Geburtsort zwischen Lech und Wertach aktiv. Er hatte als Sohn wohlhabender und einflussreicher Eltern sein fürstbischöfliches Amt 923 angetreten. Nicht nur als geistiges, sondern auch als weltliches Oberhaupt. Fürstbischof Ulrich? von Augsburg, der einige Jahre älter war als Otto I., gehörte zu den wichtigen Beratern des ostfränkischen Königs aus Sachsen. Immer wieder trafen sich die beiden Männer zum Austausch. Aber auch schriftliche Botschaften wurden untereinander durch Boten übermittelt. Beide Männer waren leidenschaftliche und unermüdliche Reliquien-Sammler, was sie zusätzlich verband. Während Ulrich? davon ausging, dass zu einem erfolgreichen Bischofssitz in Augsburg auch die Reliquien von Heiligen gehörten, wollte Otto durch das Sammeln von Reliquien sozusagen eine himmlische Truppe bilden, die ihm bei seinen irdischen Feldzügen beistehen sollte. Gegen die eigenen Leute und gegen die Heiden, wie damals Andersgläubige genannt wurden. Von seinem Vater hatte Otto I. die Heilige Lanze übernommen. Es war eine Lanze, in deren Spitze Material von den Nägeln eingearbeitet sein sollten, mit denen Jesus von seinen römischen Henkern ans Kreuz genagelt worden war. Mit der Heiligen Lanze war der König unbesiegbar, glaubte man damals. Bei seinem Kampf gegen den aufsässigen Bruder Heinrich 939 am Niederrhein hatte Otto I. die Heilige Lanze mitgeführt und präsentierte sie seinen Soldaten zur Aufmunterung vor der tödlichen Auseinandersetzung. Und tatsächlich war Otto I. damals gegen seinen Bruder siegreich.

König Otto I., der seine Königswürde als Fügung Gottes betrachtete, verehrte den heiligen Mauritius als obersten Kriegerheiligen seines Reiches. Barfuß soll Otto im Jahre 960 die Mauritius-Reliquien durch den weihnachtlichen Schnee in den Magdeburger Dom getragen haben. Nach der Legende war Mauritius ein römischer Legionärskommandeur, der Jesus anbetete und sich weigerte andere Christen zu töten. Deshalb wurde er von seinem Befehlshaber wegen Befehlsverweigerung hingerichtet und zum Märtyrer und Heiligen der katholischen Kirche. Fürstbischof Ulrich? zeigte Otto I. gern die vielen Reliquien im Augsburger Dom, die er sich auf seinen Reisen nach Rom besorgt hatte. Als Attraktion für Augsburger Wallfahrer galt der Schädel des Märtyrer Abundus, den Ulrich? bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion in Rom organisiert hatte.

Otto I Manuscriptum Mediolanense c 1200
Otto I, Heiliger römisch-deutscher Kaiser, Manuscriptum Mediolanense (Weltchronik des Bischofs Otto von Freising), ca. 1200. "Otto I. (Thevconicor(um) REX) empfängt als Zeichen der Unterwerfung ein Schwert vom links knienden König, der mit Beringarius bezeichnet wird. Der Gefolgsmann Ottos rechts trägt ein Schwert mit der Spitze nach oben als Zeichen der Richtgewalt. Illustration einer Handschrift der Weltchronik Ottos von Freising (Mailand, Biblioteca Ambrosiana, Cod. S.P.48, olim F 129 Sup.)" Von Artwork: Creators of the Chronicle of Bishop Otto of Freising; Photo: Andreas Praefcke (Eigenes Werk) [Public domain], via Wikimedia Commons

Ein wichtiges Treffen von Ulrich? und Otto I. war der Reichstag von 952 zu Augsburg. Dieser dauerte vom 7. bis zum 8. August. Es galt weltliche und geistliche Angelegenheiten zu klären. Gekommen waren die Bischöfe aus Ostfranken und Italien. Besprochen wurde der Zustand des Imperium Christianum. Man bestätigte auf dem Augsburger Reichstag das Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester. Mit dem italienischen Herrscher Berengar II. und dessen Sohn Adelbert II. wurden Verhandlungen geführt. Am Ende mussten sich Berengar und sein Sohn Otto I. als Vasallen unterwerfen. Ottos Bruder, Herzog Heinrich von Bayern?, erhielt statt Berengar die Herrschaft über Verona und Aquileja. Damit hatte sich Otto I. in Augsburg die Kontrolle über den Brennerpass für den Weg über die Alpen nach Italien gesichert.

Zu diesem Augsburger Reichstag waren sogar Gesandte aus Byzanz gekommen. Sie berichteten in ihrer oströmischen Heimat über den beachtlichen Machtzuwachs von Otto I. Daraufhin wurde der ostfränkische König, der nun auch in Italien mitregierte, im Zeremonienbuch der Regierung von Byzanz mit dem Titel "Großer König des Frankenlandes" bedacht.

Innerfamiliärer Streit

Im November 950 starb König Lothar II. von Italien, weshalb sich Berengar von Ivrea der Krone bemächtigte und die Witwe Lothars, Adelheid, eine entfernte Verwandte der Liudolfinger und Schwester des mit Otto I. befreundeten Königs von Burgund, inhaftierte. Dadurch wollte Berengar eine neue Heirat Adelheids verhindern, denn dann wäre ihr neuer Ehemann Erbe Lothars gewesen. Liudolfs Vater Otto wollte Adelheid zu Hilfe zu eilen, um seinen Machtbereich zu erweitern.

Doch im Frühsommer 951, also noch vor seinem Vater, zog Liudolf, anscheinend ohne Wissen Ottos I., mit einem Heer von Schwaben nach Oberitalien. Adelheids Mutter Berta war eine Tochter der Mutter von Liudolfs Ehefrau Ida aus deren erster Ehe mit Burchard II. (Schwaben) und damit eine Verwandte der schwäbischen Herzogsfamilie, deren Haupt Liudolf durch die Ehe mit Ida geworden war. Das eigenmächtige Handeln des Sohnes kam bei Otto I. nicht gut an und bereitete den Boden für den späteren Aufstand des Sohnes.

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Otto I. im Meißner Dom neben seiner Gemahlin Adelheid von User:Kolossos (Eigenes Werk) [GFDL, CC-BY-SA-3.0 oder CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Luidolf bekam jedoch von der eigenen Verwandtschaft keine Unterstützung. Im Gegenteil: Sein Onkel Herzog Heinrich von Bayern intrigierte bei italienischen Adeligen gegen ihn, weil Norditalien Interessensgebiet der Bayern war. Und so musste Luidolf seinen Kriegszug abbrechen und seinem inzwischen heranrückenden Vater Otto I. entgegenziehen.

Aus verschiedenen Gründen verschechterten sich in der Folge die Beziehungen zwischen Luidolf und Otto I. Zum einen fürchtete Luidolf durch den Herzog Heinrich von Bayern bei seinem Vater verdrängt zu werden und stellte deshalb bei verschiedenen Gelegenheiten seine Anspruch auf die Königswürde provokant hervor. Außerdem heiratete sein Vater inzwischen Adelheid von Italien, die 952/953 einen Sohn zur Welt brachte, der ein potenzieller Rivale Liudolfs in der Erbfolge werden konnte. Liudolf befürchtete, die Kinder aus Ottos zweiter Ehe mit der jungen Witwe Adelheid, die von Otto aus dem Gefängnis des italienischen Herrschers Berengar befreit worden war, würden ihm die Thronfolge streitig machen.

Geboren wurde Adelheid 932 und schon mit 15 Jahren verheiratete man sie mit Lothar von Italien, der wahrscheinlich nach drei Ehejahren vergiftet worden war. Adelheid war die Tochter der Berta von Schwaben, ein Kind des schwäbischen Herzogs Burchard II. Italien war zu dieser Zeit ein Fleckenteppich verschiedenster Herrschaften bis hin zum Papst in Rom, den Byzantinern und auch den islamischen Arabern. Durch die Heirat mit Adelheid, in der schwäbisches Blut floss, war Otto I. nunmehr auch mit Ulrich? familiär verbunden.

Ottos Sohn, der sich von seinem Vater und seiner neuen Frau um die Königswürde gebracht sah, begehrte als Schwabenherzog? mit Unterstützung anderer Herzöge gegen seinen Vater auf. 953 belagerte Otto I. die von Liudolf besetzte Stadt Mainz zwei Monate lang. Auch die Bayern, an der Spitze die luitpoldingischen Verwandten von Heinrichs Frau unter der Führung ihres Bruders, des bayerischen Pfalzgrafen Arnulf II., rebellierten gegen den als Landfremden unbeliebten Heinrich. Nun kam es zu Verhandlungen. In ihnen war Otto I. zwar bereit, seinem Sohn zu verzeihen, aber er verlangte die Herausgabe der Mitverschworenen, woran die Verhandlungen scheiterten. Der Aufstand verlagerte sich in der Folge nach Bayern und begann erst 954 zu scheitern. Unter anderem, weil Bischof Ulrich von Augsburg?, der auf Seiten Ottos I. stand, einen militärischen Sieg über die Luitpoldinger errang. Der Einfall der Ungarn setzte dem Aufstand endgültig ein Ende. Bis dahin ging es im Herzogtum Schwaben? drunter und drüber. Liudolf, der sich 954 seinem Vater unterwarf, erlangte Verzeihung, musste aber Herzogtum Schwaben? aufgeben und durfte nur seine Allodien behalten. Mit Burchard III., dem Sohn von Burchard II., kam wieder ein Schwabe als Herzog zum Zug. Ironie des Schicksals ist, dass später ein Sohn des rebellierenden Liudolfs mit dem Namen Otto Herzog von Schwaben? wurde.

Ottos junge Frau Adelheid, die als italienische Königswitwe sehr wohlhabend war, gebar mehrere Kinder: Heinrich, Bruno und Otto, der später als Otto II. für zehn Jahre König und Kaiser wurde. Schon zu Lebzeiten hatte ihn sein Vater zum Mitkönig und Mitkaiser gemacht. Durch diese Methode, die man sich in Byzanz abgeschaut hatte, war die Nachfolge im Falle des Ablebens von Otto I. geklärt. Wahlen wurden damit hinfällig. Die Herrscherwürde blieb somit in der Familie - außer: es waren keine Kinder vorhanden.

Augsburgs Verwicklung in den Aufstand des Liudolf

Es wurde schon erwähnt, dass Ulrich? Otto I. half, den Aufstand von Liudolf niederzuschlagen. Der Hintergrund dazu bildeten folgende Ereignisse. Nachdem Liudolf, Ottos Sohn, während des Aufstands mit verbündeten Bayern das bayerische Regensburg? besetzt hatte, zog Fürstbischof Ulrich? mit seinen Soldaten nach Regensburg?, um seinem König bei der Belagerung und Rückeroberung von Regensburg? beizustehen. Regensburg war zu dieser Zeit als eine der ganz wenigen Städte in Ostfranken schon mit hohen Mauern, festen Türmen und Toren aus Steinen umgeben und damit sehr schwer einzunehmen.

Während im Dezember 953 Ulrich? mit Otto I. und dessen Bruder Heinrich vor Regensburg? an der Donau lagerte und es einnehmen wollte, eroberte der bayerische Liudolf-Partner Arnulf II. den ziemlich schutzlosen Ort Augsburg. Danach verteilte er Ulrichs? Besitztümer unter die Rebellen. Als Ulrich von Regensburg? zurückkam (die Belagerung der ostbayerischen Stadt war erfolglos aufgegeben worden), musste er das von Feinden besetzte Augsburg umgehen und verschanzte sich in der Gegend von Schwabmünchen in dem Kastell Haldenburg?. Schon im Februar 954 konnte aber Ulrichs? Bruder, Graf Dietpold, mit einigen Verbündeten Augsburg mit Waffengewalt wieder zurückgewinnen. Es gab dabei Gefangene und Tote.

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Liudolf, Herzog von Sachsen von anonymous (Chronica regia Coloniensis) [Public domain], via Wikimedia Commons

Nach den Aufzeichnungen des Augsburger Chronisten Gerhard? wurden die Diebe des Ulrich-Besitzes grausam vom göttlich gelenkten Schicksal bestraft: Einer der Rebellen stirbt im Wahnsinn, nachdem er sich selbst die Hände zerfleischt hat. Ein anderer wird ausgerechnet von dem Pferd totgetreten, das er gegen seine unrechtmäßige Beute eingetauscht hatte und der Räuber des Altartuches des Doms wurde vom Teufel in Besitz genommen, ohne dass der noch einmal vertrieben werden konnte. Viel glauben sollte man solchen Horror-Szenarien nicht, wurden sie doch damals nur verfasst, um zukünftige Kirchenräuber vor solch üblen Taten abzuschrecken.

Die Schlacht auf dem Lechfeld

Legendär für die Geschichte des Abendlands ist die Schlacht auf dem Lechfeld, die im Sommer des Jahres 955 stattfand. Die Ungarn, die sich als Reitervolk auf dem Flachland des Theiss- und Donaubeckens angesiedelt hatten, waren wieder auf einem ihrer gefürchteten Kriegs- und Beutezüge im Westen unterwegs. Dabei standen sie auch in Verbindung mit den Rebellen gegen König Otto I. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Rebellen die Ungarn zu Hilfe gerufen hatten, um so gegen Otto I. siegen zu können. Jedenfalls warf man dies den Verschwörern um Luidolf vor.

Obwohl die Ungarn große Reitertruppen versammelt hatten, konnten sie das befestigte Augsburg wegen des Widerstandes von Ulrich? und seinen Leuten nicht erobern. Schließlich kamen die Krieger von Otto I. und seinen Verbündeten den Augsburg-Verteidigern zu Hilfe. Jetzt waren um Ulrich? zäh kämpfende Ritter versammelt, die den Ungarn nicht nachgaben. Dazu kam, dass es die Ungarn nicht gewohnt waren Befestigungen länger zu belagern und dann einzunehmen. Der ostfränkische König Otto I. kam zwar nur mit einer geringen Zahl von Rittern aus Sachsen herangeeilt, weil er noch in Kämpfe mit den Slawen an der Ostgrenze seines Reiches verwickelt war, doch erhielten die Augsburger vom schwäbischen, fränkischen, bayerischen und böhmischen Herzog weitere hilfreiche Truppen.

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Die Lechfeldschlacht in Sigmund Meisterlins Codex der Geschichte Nürnbergs. Von Hektor Mülich (1490) [Public domain], via Wikimedia Commons

König Otto I., seine Verbündeten und Fürstbischof Ulrich? siegten am 10. August 955 in der historischen Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg gegen die Ungarn. Auch der Geschichtsschreiber Gerhard von Augsburg? berichtete in seinem Werk "Vita Udalrici", eine Biografie über Ulrich?, ausführlich darüber. Bei diesem Sieg der Einheimischen über die Eindringlinge soll nach manchen Legendenschreibern auch die Heilige Lanze des Königs mitgeholfen haben. Es gibt aber auch Leute, die die siegbringende Kraft der Heiligen Lanze anzweifelten und darauf hinwiesen, dass Ottos Söhne Otto II. und Otto III. trotz des Besitzes der Heiligen Lanze nicht immer siegreich waren. Der Feldzug Otto II. gegen die Araber in Italien, auch Sarazenen genannt, endete 982 zum Beispiel in einer verheerenden Niederlage. Schicksalhafter Weise begann Otto II. diesen Feldzug gegen die Sarazenen am Tag des heiligen Mauritius. Bei der Schlacht von Columna in der Nähe von Reggio di Calabria war Otto II. Heer zu gierig und zu wenig umsichtig. Als der gegnerische Emir im Kampf umkam, dachten die Abendländer, man könne schon die Toten fleddern und Beute machen. Jedoch drangen plötzlich neue sarazenische Truppen überraschend auf das Schlachtfeld und machten Otto II. Ritter fast völlig nieder. Otto II. hatte Glück im Unglück: Er konnte sich auf ein byzantinisches Schiff flüchten, wird berichtet. Als man auf dem Schiff erfuhr, welch kostbare Geisel der Gerettete war, sprang Otto II. rechtzeitig vom Schiff ins Meer. Ausgerechnet ein Jude aus Mainz soll Otto II. gerettet haben, als dieser entkräftet ans italienische Ufer geschwemmt wurde. Der Jude übergab dem besiegten Otto II. sein Pferd, damit dieser wieder zu seine Leuten reiten konnte. Übrigens musste sich Otto II. schon mit 28 Jahren von dieser Welt verabschieden.

Für die Unterstützung König Otto I. erhielt Ulrich? das regionale Münzrecht. Das bedeutete, dass er von da an in Augsburg sein eigenes Geld prägen konnte. Ein ganz besonderes Privileg, das für das Wachstum seiner Bistumsstadt enorm bedeutsam war. Otto I. traf den Augsburger Fürstbischof Ulrich? fünf Jahre nach der Schlacht auf dem Lechfeld wieder: Am Heiligen Abend, dem 24. Dezember 960, konnten sie sich in Regensburg? bei einer Reichsversammlung erneut unterhalten. Otto I. nahm hier für seine Magdeburger Stiftung Reliquien des heiligen Mauritus entgegen.

Romzug Otto I. ab Augsburg

961 schlug Otto I. das Lager für sein Heer im August vor Augsburg auf, um sich hier, auch durch Ratschläge von Ulrich?, auf seinen Zug nach Rom vorzubereiten, wo er sich mit seiner politisch interessierten Frau Adelheid durch den Papst Johannes XII. am 2. Februar 962 in der Peterskirche zum Kaiser krönen ließ. In den Botschaften, die davon in alle Welt getragen wurden, bezeichnete man den neuen Kaiser als "Otto divina favente imperator augustus". Also sozusagen als Nachfolger des römischen Kaisers Augustus, nach dem ja Augsburg benannt worden war. Mit diesem höchsten Adelsprädikat, das damals zu vergeben war, trat Otto I. in Konkurrenz zum oströmischen Kaiser in Byzanz, was dem nicht so besonders gefiel. Als Otto I. auch noch byzantinische Orte in Süditalien angriff, riss den Oströmern der Geduldsfaden und Otto I. wurde aus Byzanz ohne jegliche Scham überdeutlich mitgeteilt, dass man jederzeit andere Völker mit ihren Kriegern gegen sein Ostfränkisches Reich loshetzen könne und würde, wenn er nicht bald Ruhe gäbe. Dabei dachte der Herrscher in Byzanz sicher auch an die Reiterhorden der Ungarn, die schon öfters gegen Bezahlung Kriegsdienste für das Oströmische Reich erledigt hatten.

Das Siegel des frisch gekürten Kaisers Otto I. zeigte sein Porträt nicht mehr von der königlichen Seite, sondern das Gesicht kaiserlich von vorn. Daneben sah man Krone, Zepter und Globus, die Insignien des römisch-deutschen Kaisers abgebildet. Eigentlich sollte ein Kaiser die mächtigste Person auf der ganzen Welt sein. Wie eben einst die römischen Kaiser. Das traf aber auf Otto I. noch lange nicht zu. Zu klein war sein Reich, wenn man an das Riesenreich der Römer rund um das Mittelmeer zum Vergleich denkt. Byzanz, das sich immer noch als Römisches Reich sah, war zu Otto I. Zeit weitaus größer, kulturell fortgeschrittener und mächtiger. Adelheid wurde als Kaiserin als "consors regnie" oder "imperatrix augusta" bezeichnet. Der Papst bat schließlich Byzanz um Hilfe gegen Kaiser Otto I., als er erkannte, dass dieser gewillt war, auch in Italien alles zu beherrschen. Otto I. ließ sich das nicht gefallen, zog nach ein paar Tagen Belagerung und Verhandlungen friedlich in Rom ein und setzte einen ihm genehmen Papst ein.

Otto I. und Ulrich: letzte Begegnungen

Auf seiner Romreise im Jahr 963 besuchte Ulrich? seinen König und Kaiser im Heerlager von San Leo di Montefeltre. Eine Festung in der Nähe der heutigen Republik San Marino. Otto I. hielt sich mit seiner Gattin Adelheid lange und gern im südlichen Italien auf. Nach einigen Jahren ohne ihren König und Kaiser begannen die Regierenden in Ostfranken gegenüber Otto I. zu fremdeln. Bei seiner letzten Italienreise wurde Ulrich? 971 von Otto I. und dessen Gemahlin Adelheid in Ravenna empfangen.

Der greise Augsburger Fürstbischof Ulrich? sah den ostfränkischen Kaiser im Herbst 972 bei einer Synode in der königlichen Pfalz Ingelheim wohl zum letzten Mal. Ulrich? musste anreisen. Er hatte Missfallen unter den Bischöfen erregt: Noch zu seinen Lebzeiten wollte Ulrich? seinen Lieblings-Neffen Adalbero als bischöflichen Nachfolger in Augsburg einsetzen. Adalbero gebärdete sich damals bereits als Bischof. Otto I. wollte gegen seinen alten Helfer und Berater Ulrich? nicht strafrechtlich tätig werden und verhielt sich diplomatisch. Adalbero durfte unter der Oberaufsicht Ulrichs? den Bischofssitz Augsburg verwalten. Ohne Bischofsweihe. Allerdings musste Ulrich? seinen Neffen nach dem Osterfest 973 in Dillingen? als Leiche nach Augsburg transportieren und dort samt seinen Nachfolgeregelungsträumen bestatten. Adalbero soll wegen eines damals üblichen Aderlasses verstorben sein.

Otto I. Tod

Dann ging es Schlag auf Schlag. Durch einen Boten erhielt der greise Ulrich? in Augsburg die Nachricht, dass Otto I., "dem er stets in allem die Treue bewahrt hatte und für welchen er in seinem Herzen warme Liebe hegte" am 7. Mai 973 in der Pfalz Memleben aus dem Leben geschieden war. Nur wenige Wochen später, am 4. Juli 973, folgte ihm Ulrich?, der schon einige Zeit vorher seinen Sarg neben seinem zukünftigen Grab aufgestellt hatte, auf dem Weg ins ewige Jenseits nach. Damit endete eine Art Schicksalgemeinschaft, die für Augsburg eine große Rolle gespielt hatte. Auf der einen Seite Otto I., der hartnäckige Bursche mit viel Glück, den keine Niederlage aufhalten konnte, auf der anderen der vornehme Ulrich?, der sich nicht vor kriegerischen Auseinandersetzungen scheute und in Rom dubiose Reliquienkäufe tätigte, um seinen Bischofssitz Augsburg mehr Beachtung zukommen zu lassen.

Roswitha von Gandersheim, eine lateinisch schreibende Klosterfrau, urteilte sehr positiv über Otto I. und seine Wirkung: "Ihn hat die Gnade des Himmels bedacht mit so reichlichen Gaben, dass er, von allen zu Recht gefeiert, alle Könige übertraf an Ruhm seiner Taten, deren Länder des Ozeans Fluten bespülen. Auch hat die heilige Hand unsres mächtigen Gottes ihn so gütig bewahrt vor feindlichen Tücken und Listen, dass man fast glauben könnte, der gläubige David regiere und erneuere den Glanz seiner einstmals errungenen Siege." Kein Wunder: Schließlich war das Frauenkloster in Gandersheim von der Gnade und den Zuschüssen des Sachsenkönigs Otto I. abhängig.

Der Chronist Widukind von Corvey äußert in seiner Sachsen-Chronik ebenfalls viel Lob für Kaiser Otto: "Der Kaiser hat mit väterlicher Huld regiert, seine Untertanen von den Feinden befreit, die Awaren, die Sarazenen, Dänen und Slawen besiegt, Italien unterworfen, die Götzenbilder der heidnischen Nachbarn zerstört sowie Kirchen und geistliche Gemeinschaften eingerichtet." In der Ära der Ottonen hatten anscheinend die christlich orientierten Herrscher die Aufgabe Andersgläubige zu missionieren. Mit und ohne Gewalt. Das galt für Otto I. besonders bei seiner Reichsausdehnung nach Osten. Die Kirchen und Klöster waren für die Hege und Pflege ihrer Gläubigen zuständig.

Bei allen Überlieferungen und Beurteilungen soll man bedenken, dass die meisten Geschichtsschreiber nach dem Motto handelten "wes Brot ich ess, des Lied ich sing". Soll heißen, dass die Autoren der Historie den Herrscher lobten, der sie bezahlte, und auch die geschichtlichen Ereignisse in ihren Aufzeichnungen so beleuchteten, dass es für den jeweiligen Gönner besser aussah.

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