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Osttangente

auch Osttangente Augsburg; das vierspurige Gegenstück der Westtangente im Osten Augsburgs; eine geplante Straßenstrecke zur Umgehung Augsburgs

Allgemeines

Im Bundesverkehrswegeplan 2015 meldete der Freistaat Bayern? das Projekt "Bundesstraße 2 Osttangente Augsburg" an. Die geplante Osttangente soll von der Autobahn A 8 bei Friedberg-Stätzling? an Kissing und Mering vorbei bis zur B 17 bei Oberrottmarshausen? verlaufen. Die Osttangente ist als vierspurige, autobahnähnliche Bundesstraße auf einer Länge von insgesamt 24 Kilometer geplant. Zum Teil soll die Trasse auf bereits bestehenden Straßen verlaufen, die dann aber ausgebaut werden müssten. 2015 schätzte man die Kosten auf 180 Mio. Euro und den Flächenverbrauch auf etwa 250 Hektar.

Grobziel der Osttangente ist die Umfahrung des Großraumes Augsburg, um heutige und zukünftige Verkehrsströme besser bewältigen zu können. Noch ist nicht die genaue Trassenführung entschieden. Dies geschieht in einem späteren Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit.

Die derzeitige Trassenplanung führt an einigen Stellen direkt an der Augsburger Stadtgrenze entlang, berührt das Naturschutzgebiet? entlang des Lechs und quert im Süden Augsburger Stadtgebiet. Die geplante Straße verläuft über weite Teile des vierten Streckenabschnitts nahe der Trinkwasserversorgung? der Stadt Augsburg. Die an die geplante Trasse angrenzenden Ortsteile der Stadt Augsburg, etwa die Sankt-Anton-Siedlung? und Hochzoll, würden durch Lärm und Abgase belastet und möglicherweise könnte zudem das Projekt Licca liber? tangiert sein.

Die Osttangente Augsburg ist umstritten. Bisher sprachen sich Kissing, Friedberg und Augsburg dafür aus, Königsbrunn dagegen. Der Widerstand gegen die Verbindung von A 8 und B 17 auf der Ostseite Augsburgs ist vor allem im Süden der Route umstritten. Die Osttangente ist in der Region Augsburg vor allem deshalb umstritten, weil sie den Lebensraum Lechtal? tangiert und das Lechtal? ein sensibles ökologisches Gebiet ist. Für die Lechquerung braucht es eine Großbrücke von etwa 300 Metern Länge und im Bereich der Lechauen müsste sie eingehaust werden, um noch als gerade umweltverträglich gewertet zu werden. Die Befürworter der Osttangente argumentieren damit, dass die beiden Belastungsschwerpunkte Friedberg und Kissing verkehrstechnisch entschärft werden könnten. Den besonders umstrittenen Fahrbahnabschnitt zwischen Mering und Oberottmarshausen? (B 17) könne man beim Bau zunächst noch ausklammern.

Eine abgespeckte Osttangente brachte der Meringer Gemeinderat im November 2015 ins Spiel. Er wünschte sich eine zweispurige Ortsumfahrung von Kissing. Es dürfe jedoch kein autobahnähnlicher Ausbau erfolgen. Viele Gegner der Osttangente befürchteten, dass der zweispurige Ausbau der schleichende Einstieg in die vierspurige Osttangente ist. Eine durchgängige Verbindung von A 8 und B 17 stelle eine enorme Belastung durch zusätzlichen überregionalen Verkehr dar, denn die Osttangente werde sich zu einer Münchner Westumgehung entwickeln und zum Zubringer in Richtung Schweiz.

Geschichte

2012 legte das Staatliche Bauamt Augsburg? im Herbst eine Streckenführung für die Osttangente fest, für die es im Bedarfsplan für Fernstraßen seit 1985 eine Vorläuferroute gab.

2015 wurden die Planungen etwas konkreter und Politik wie betroffene Gemeinden und Bürger beschäftigten sich mit den Plänen für die Osttangente. Von verschiedenen Seiten kamen dabei Widersprüche. Etwa, dass die geplante Trasse angrenzenden Ortsteile der Städte Augsburg, Friedberg und Königsbrunn, der Gemeinde Kissing und des Marktes Mering durch Lärm und Abgase belasten würde. In Augsburg seien davon die Sankt-Anton-Siedlung? und Hochzoll betroffen. Mit dem Augsburger Stadtwald würde ein sehr bedeutendes Naherholungsgebiet für Augsburg und die anderen an der Trasse liegenden Gemeinden stark beeinträchtigt werden. Die Trasse würde unmittelbar entlang bedeutender Naturschutzgebiete? (u. a. Augsburger Stadtwald und Kissinger Heide?) führen. Und im Bereich südlich von Königsbrunn verliefe die Trasse durch Augsburger Trinkwasserschutzgebiete. Der Bau der Osttangente verursache einen massiven Flächenverbrauch und ginge zu Lasten der Landwirtschaft, für die allgemein die Flächen immer knapper würden.

Besonders die diskutierte Planung südlich von Königsbrunn erschien vielen aufgrund der Nähe zum Trinkwasserreservoir und zur Bebauung in Königsbrunn als nicht geeignet. Trassenvarianten mit einer südlicheren Lechquerung (Nähe Bundeswehrstandort und einer Führung entlang der Starkstromtrasse an der östlichen Lechseite) sahen 2015 manche als geeigneter an.

Schon im Frühjahr 2015 gründete sich eine Königsbrunner "Bürgerinitiative Keine Autobahn", die eine Osttangente ganz ablehnte. Und im Mai 2015 schlossen sich Osttangentengegner aus den Landkreisen Augsburg, Aichach-Friedberg und Landsberg/Lech zu einem weiteren Bündnis zusammen (Aktionsgemeinschaft Lechleite, Bund Naturschutz, Bündnis 90/Die Grünen, Lechallianz, ÖDP, Unabhängige, Bürger aus Schmiechen und Unterbergen?).

Befürworter der Osttangente kamen vornehmlich aus der Wirtschaft. So etwa die IHK Schwaben. Sie glaubte, die Osttangente würde zu "einer erheblich verbesserten Erschließung der Industrie- und Gewerbegebiete im Augsburger Osten sowie im Raum Friedberg und gleichzeitig zur Entlastung der innerörtlichen Verkehrsverhältnisse führen. Sie sah die Osttangente als einen weiteren Standortvorteil für die Augsburger Anrainerkommunen im Augsburger Osten und Süden.

Grund für die Auseinandersetzungen 2015 um die Augsburger Osttangente war die Tatsache, dass das Projekt zu 184 bayerischen Straßen-Grobplanungen gehörte, die sich um eine Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan bewarben.

Im Juni 2015 gab es erste Aktionen von Gegnern der Osttangente. Zum einen im Meringer Papst-Johannes-Haus eine Informationsveranstaltung von Bündnis90/Die Grünen, ÖDP, Die Unabhängigen, Bund Naturschutz, AG Lechleite, Lech-Allianz und Bika, der Bürgerinitiative "Keine Autobahn in Königsbrunn". Gegner und Befürworter tauschten dabei ihre Argumente aus.

Laut bayerischem Innenministerium Mai 2015 sollte der Bau der Osttangente Augsburg 157 Hektar Fläche verbrauchen, davon über 60 im Abschnitt von Mering zur B17. Auch rechnete das Ministerium grob mit Lärmschutzwänden in einer Gesamtlänge von rund 3,5 Kilometern und Kosten von 2,1 Millionen Euro für diese Wände.

Die Bürgerinitiative „Keine Autobahn“ (BIKA) führte Ende Juni 2015 eine Protestaktion gegen die als vierspurige Schnellstraße geplante Osttangente von Augsburg durch. Etwa 300 Gegner der Osttangente machten eine Radtour von Oberottmarshausen? zum Weitmannsee bei Kissing (vierter Teilabschnitt der Osttangente).

Ende Juni 2015 rührte sich auf einem Bürgergespräch, das die Stadtratsfraktion der GRÜNEN in Friedberg organisiert hatte, ebenfalls Widerstand gegen die Osttangente auf Friedberger Gebiet. Argumente gegen sie waren hier: Der vierspurige kreuzungsfreie Ausbau der AIC 25? zur Osttangente zerstöre Naherholungsgebiete in der Friedberger Au?. Im Bereich der Kreuzung bei Segmüller müssten die Kleingärten entfernt werden. Auch werde die B 300 nicht entlastet, sondern eine Abkürzung zur Osttangente.

Gleich Anfang Juli 2015 wehrte sich der damalige Friedberger Bürgermeister Roland Eichmann? gegen die Friedberger Grünen, die seiner Meinung nach gezielt falsche Informationen über die Osttangente verbreiteten. Obwohl noch keine konkreten Planungen bestanden, verbreiteten sie auf Grafiken verschiedene Planungen, die nicht bestünden.

Ebenfalls im Juli 2015 veranstaltete die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Lechleite / Lebenswertes Lechtal? in Derching? eine Versammlung gegen die Osttangente Augsburg. Vor allem Derching?, Stätzling?, Wulfertshausen?, Friedberg-West?, die Sankt-Afra-Siedlung? und die Lechleitenanwohner? müssten bei Umsetzung mehr Lärm und Abgase ertragen. Der Norden von Friedberg sei durch die A 8, den Flughafen Augsburg und die AVA schon genug belastet.

Ende Oktober 2015 demonstrierten etwa 150 Menschen in Kissing gegen die autobahnähnliche vierspurige Osttangente. Bis dahin hatten die Osttangenten-Gegner etwa 10.000 Unterschriften gegen das Verkehrprojekt gesammelt. Gleichzeitig hatte das Bauamt Augsburg? eine Osttangenten-Variante für den Bundesverkehrswegeplan eingereicht.

Anfang 2016 sprach sich die FDP? Aichach-Friedberg für die Osttangente aus, weil sie eine positive Wirtschaftsentwicklung fördere und Anwohner der B 300 und der B 2 entlaste.

Seit März 2016 stand die Osttangente im Bundesverkehrswegeplan als "vordringlicher Bedarf".

Mitte März 2016 äußerte der Gemeinderat Merching Bedenken gegen die Osttangente, die laut Bundesverkehrswegeplans 2030 in Merchings unmittelbarer Nähe vier- statt zweispurig vorbeiführen sollte. Auch der Gemeinderat von Oberottmarshausen? protestierte gegen eine Trassenführung im Süden nahe an Königsbrunn vorbei und eine Anbindung an die bei Oberottmarshausen? protestiert. Hier wäre die Trassenführung zu eng, müsste doch zur Anbindung ein Straßenbauwerk in Form eines Kleeblatts in dem begrenzten Raum zwischen Ulrichkaserne? und Oberottmarshausen? gebaut werden.

Ebenfalls Mitte März 2016 sprachen sich für die Osttangente aus:

Als Novum bei diesem BVWP war eine Öffentlichkeitsbeteiligung vorgesehen. Dies hat die SPD im Koalitionsvertrag durchgesetzt.

Mitte März 2016 sprach sich auch der Kreistag Aichach-Friedberg? für die Osttangente aus, ohne diesen Begriff zu benutzen. Man spricht von einer kreuzungsfreien Entlastungsstraße und meint damit die abgespeckte Variante der Osttangente (eine zweistreifige Bundesstraße mit Überholspuren auf Teilabschnitten). Auch klammert der Kreistagsbeschluss das Teilstück von Mering bis Königsbrunn aus. Die Verbindung soll Friedberg und Kissing vom Durchgangsverkehr der Bundesstraßen B 300 und B 2 entlasten. Gleichzeitig will man flächensparend und mit Rücksicht auf Umwelt und Natur den Wirtschaftsstandort stärken.

Ende März 2016 meldeten sich Polizei und Bauamt? zu Wort und bezeichneten die Augsburger Osttangente als dringend notwendig. Der Raum Augsburg? brauche eine leistungsfähige Straße zur eigenen Entlastung und damit der Verkehr besser abfließe. In den letzten zehn Jahren sei es mehr als tausend Mal zu Unfällen von der Autobahnausfahrt Friedberg-Derching bis Königsbrunn gekommen, wodurch sechs Menschen starben und mehr als 800 verletzt wurden. Das zeige, dass es die Osttangente zur Entlastung und für mehr Verkehrssicherheit brauche.

Im April 2016 sprach sich die Gemeinde Schmiechen zum wiederholten Mal gegen den vierten Abschnitt der Osttangente aus. Auch die sogenannte "Ullrich-Variante" wurde von den Gemeinderäten und dem Bürgermeister von Schmiechen abgelehnt. Auch Prittriching und Merching schlossen sich der Ablehnung der Osttangente an. Ebenfalls im April 2016 übergaben Vertreter der Bürgerinitiativen gegen die geplante Augsburger Osttangente rund 11.000 Unterschriften gegen das Verkehrsprojekt in Landsberg? an Verkehrsminister Alexander Dobrindt.

Toni Hofreiter besuchte am Donnerstag, dem 7. April 2016, die Augsburger Frühjahrsausstellung afa. Der Verkehrsexperte und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag unterstützte mit seinem Besuch das "Aktionsbündnis keine Osttangente" und stand am Stand des Aktionsbündnisses in Halle 2 zu Gesprächen bereit. Er gab Auskunft zu Fragen des Bundesverkehrswegeplans und den Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung.

Ende April 2016 deutete der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an, auch mit einer reduzierten Planungsvariante der Osttangente mit nur zwei Fahrstreifen um Kissing und Mering leben zu können, da dadurch der Bund Kosten sparen könne. Auch das Umweltbundesamt riet, das Projekt wegen der hohen Umweltschädigung aus dem Bundesverkehrswegeplan zu nehmen. Der Landverbrauch liege über 82 Hektar, von denen 19,1 Hektar als Naturschutzvorrangflächen galten.

Stand Anfang August 2016: Der Verkehrswegeplan spricht sich für die umstrittene Osttangente Augsburg aus, wogegen ein Aktionsbündnis Klagen ankündigte. Drei Abschnitte der Straße werden als vordringlicher Bedarf gewertet. Der Anschluss an die B 17 bei Königsbrunn, also der vierte Osttangenten-Abschnitt, wird als weiterer Bedarf mit Planungsrecht ausgewiesen. Das bedeutet, dass im vierten Abschnitt bis 2030 nur mögliche Trassen untersucht und Vorplanungen erstellt werden. Die ersten drei Abschnitte der Osttangente werden im Verkehrswegeplan mit Kosten in Höhe von rund 210 Millionen Euro geplant. Die IHK Schwaben kritisierte sogleich die Abstufung des vierten Straßenabschnitts, denn so bliebe ein Engpass bestehen und die B 17 würde nicht angemessen entlastet.

Im Oktober/November 2016 konnten Gegner der Osttangente eine Internetpetition unterzeichnen, die der Petitionsausschuss des Bundestages angenommen hatte. Der Text der Petition lautete:

Keine Osttangente Augsburg

Der Bundestag möge beschließen, dass die im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 (BVWP) enthaltene Osttangente Augsburg (OT) (Projektnummer B002-G080-BY) nicht in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wird und kein Planungsrecht geschaffen wird. Dies gilt für alle vier Teilabschnitte der Osttangente.

Begründung

Die OT soll als überregionale Schnellstraße zwischen A 96?/B 17 und A 8 durchs Lechtal bei Augsburg gebaut werden. Alternativen wurden nicht geprüft (intelligente Verkehrsleitsysteme, alternative Streckenführungen, Ausbau der B 17, Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahn und Ausbau des regionalen Personennahverkehrs usw.).

Die negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt wurden nicht ausreichend im BVWP berücksichtigt. Hierzu gehören insbesondere:

Es werden letzte Reste der ursprünglichen Lechauen (FFH-Gebiete) und ein wichtiger Lebensraumkorridor zwischen Alpen und Donau? zerschnitten.

Wichtige Naherholungsgebiete? werden stark beeinträchtigt. Diese sind rar im Ballungsraum München/Augsburg und jeder Eingriff bedeutet einen schweren Verlust an Lebensqualität für mehr als 200.000 Menschen. Die Region ist bereits jetzt durch eine hochfrequentierte Bahnlinie, die A 8 und die B 2 belastet.

Die Frischluftschneise für Augsburg wird mit zusätzlichen Immissionen belastet.

Königsbrunn verliert Entwicklungsmöglichkeiten. Streusiedlungen, Reiterhöfe, Landwirtschaft und Naherholung werden in ihrer Existenz bedroht.

Die Trinkwasserversorgung von 310.000 Menschen ist durch Immissionen und potentielle Unfälle gefährdet.

Gemeinden entlang der OT und an neuen Abkürzungsstrecken zur A 8 werden massiv durch Immissionen belastet.

Wertvoller Boden, der in Ballungsräumen ohnehin rar ist, geht für die Landwirtschaft verloren.

Weiterer überregionaler Verkehr, insbesondere auf der Großachse Schweiz/Österreich/Tschechien wird produziert. Dies steht im Widerspruch zu den erklärten Klimaschutz- und Umweltzielen der Bundesrepublik.

Die Entscheidungsprozesse sind nicht nachvollziehbar und eine wirksame Öffentlichkeitsbeteiligung war nicht möglich: Zahlenmaterial, das zur Nachprüfung der Kalkulationen erforderlich war, wurde auf Anfrage des Petitenten nicht herausgegeben. Die Beurteilungsmethodik war für Bürger ohne technisches Spezialwissen nicht nachvollziehbar und damit nicht überprüfbar. Der verfügbare Zeitrahmen war viel zu kurz. Die Stellungnahme des BMVI stellt keine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Argumenten der Bürger und Verbände dar, sondern verschanzt sich hinter Formalien und Verfahrensregeln. Eine Änderung am Referentenentwurf der OT wurde pauschal mit „auf Wunsch“ begründet (siehe Antwort des BMVI auf die Anfrage der Grünen, Drucksache 18/09437) während der Rest der zahlreichen anderen öffentlichen Einwände sowie Beschlüsse lokaler Gemeinderäte ohne nähere Begründung unberücksichtigt blieben. Dieses Vorgehen erzeugt Misstrauen und steht im Widerspruch zu den Zielen der Öffentlichkeitsbeteiligung.

Die Nutzen-/Kostenanalyse beruht auf systematischen Fehlern, indem den tatsächlichen Kosten virtuell erwirtschaftete Erträgen gegenübergestellt werden, die durch angenommene Zeitersparnisse entstehen. Es wird verschwiegen, dass dieses Verfahren in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers gesehen wird.

Am 23. November 2016 forderten die GRÜNEN die Streichung der Osttangente Augsburg aus dem Ausbaugesetz zum Bundesverkehrswegeplan, weil durch diese vierspurige autobahnähnliche Bundesstraße die Erholungsgebiete der Menschen aus Augsburg und Umgebung erheblich beeinträchtigt und wichtige Naturschutzgebiete unwiederbringlich zerstört würden.

In seiner Sitzung am 2. Dezember 2016 beschloss der Deutsche Bundestag das Fernstraßenausbau- und das Bundesschienenwegeausbaugesetz. Für die Region Augsburg bedeutete dies, dass der Bahnausbau Ulm - Augsburg mit drei Gleisen, die B 300 Ortsumfahrung Diedorf / Vogelsang? und die B 2 -Osttangente gesetzlich als vordringlicher Bedarf festgezurrt wurden. Im Fall der Osttangente bedeutete dies, die Straßenabschnitte zwischen der Autobahn A 8 bei Derching? und der Staatsstraße St 2380? bei Mering wurden dem "vordringlichen Bedarf" und der Abschnitt zwischen Mering und der B 17 bei Oberottmarshausen? dem "weiteren Bedarf mit Planungsrecht" zugeordnet. Wesentliche Ziele der Osttangente wie die Bündelung des Nord-Süd-Verkehrs im südlichen Landkreis Aichach-Friedberg, die Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Verkehrsablaufs auf den Hauptverkehrsstraßen, die Entlastung der von Lärm- und Schadstoffen belasteten Straßenanlieger sowie die Verbesserung der kommunalen Entwicklungsmöglichkeiten, sollten auch ohne die Querverbindung über den Lech zur B 17 erreicht werden.

Nur wenige Tage später gab das Staatliche Bauamt Augsburg bekannt, im Januar 2017 die Vorplanung für die Strecke zwischen Derching? und Mering beginnen zu wollen. Für diesen Teilbereich waren damals 133 Millionen Euro im Haushalt veranschlagt. Gebaut werden sollte in zwei Abschnitten: zwischen der A 8 und Kissing auf einer Länge von 8,7 Kilometern zu Kosten von 73,2 Mio. Euro und Ortsumfahrung Kissing und Mering-Sankt Afra mit Anschluss an die B 2 auf 7,1 Kilometer Länge zu Kosten von 59,8 Mio. Euro.

Im Februar 2017 wurden die Ergebnisse des weltweiten INRIX Traffic Scorecard Reports 2016 bekannt. Danach gehörte Augsburg zu den Städten in Deutschland, die wenig von Staus belastet sind, was die Gegner der Osttangente zu ihren Gunsten auslegten. Münchener verbrachten laut der Studie zwei Drittel mehr Zeit in Staus als Augsburger. Wenn es zu Staus in Augsburg komme, dann in der Innenstadt, was gegen den Bau der Osttangente, aber für den Ausbau des ÖPNV spreche.

Im April 2017 sprach sich eine Bürgerversammlung in Prittriching gegen die sogenannte "Ulrichs-Variante" aus, die von Mering westlich an Unterbergen? in Richtung Prittriching vorbeiführen, den Lech südlich der Staustufe 22? queren und dann bei Graben in die B 17 münden sollte. Ebenfalls im April 2017 sicherte die Landtagsfraktion der Grünen dem Aktionsbündnis Keine Osttangente? ihre Unterstützung im Kampf gegen das Straßenbauprojekt zu.

Im Juli 2017 befürchtete Mering zum großen Verlierer im Gerangel um die Platzierung der Osttangente zu werden, vor allem wenn die so genannte "Ulrichs-Variante" durchgesetzt werden sollte. Ebenfalls im Juli 2017 traf sich das Aktionsbündnis Keine Osttangente (A-KO) zu einem Workshop, um Anforderungen an ein Verkehrskonzept für die Region Augsburg und angrenzende Landkreise zu entwickeln, die eine Alternative zur geplanten Osttangente darstellen. Ergebnisse waren unter anderem die Forderung, dass die Güter wieder von der Straße auf die Bahn verlagert werden. Besonders wichtig für das Bündnis ist die Entwicklung eines regionalen Fahrradschnellwegenetzes. Damit sollten Fahrten von Berufspendlern und Besorgungsfahrten leichter mit dem Rad möglich sein.

Ein besonderes Problem ist für das Bündnis die Ansiedlung von Logistikzentren und Großgewerbe entlang der Schnellstraßen. Dies führe zu einer Zersiedelung der Landschaft, zum Aussterben von Ortskernen, zu Flächenverbrauch und zu mehr Verkehr, der noch mehr und breitere Straßen benötige.

Statt durch die Osttangente wie das Bündnis folgende Maßnahmen zur Entlastung der Anlieger an B 300 und B 2: Tempolimit 30 km/h, Flüsterasphalt, Schallschutzwände, besser getaktete Ampelschaltungen, Nachtfahrverbote für Lkw, keine Gewerbeansiedlungen, wenn dies zu Verkehrszunahmen an den bestehenden Problemzonen führt, auch Untertunnelungen oder Tieferlegungen von Problemstellen wie in Lagerlechfeld? ...

Details

Als Ziele der Osttangente Augsburg gab das Staatliche Bauamt Augsburg, das erste Grobpläne ausarbeitete, folgende Punkte an:

  • Es sollte der Nord-Süd-Verkehrs wie im Westen Augsburgs durch eine leistungsfähige Verkehrsachse besser gebündelt und verteilt werden.
  • Der Verkehrsablauf auf den bereits weitgehend ausgelasteten Hauptstrecken (B 17 bzw. AIC 25? neu, Chippenham-Ring?, B 2 und St 2380? sollte verbessert werden.

Dadurch versprach man sich die Vermeidung von Stauungen, die Verkürzung von Reisezeiten und die Reduzierung der Betriebskosten. Auch die Verkehrssicherheit sollte verbessert werden - durch Entlastung unfallträchtiger Hauptverkehrsstraßen und der von Schleichverkehr betroffenen innerörtlichen Straßen sowie durch Trennung des überörtlichen Ziel-, Quell- und Durchgangsverkehrs vom örtlichen (Binnen-)Verkehr. Die Anwohner von überlastungsbedingten Durchgangs- und Schleichverkehren in Wohngebieten sollten von den damit verbundenen Lärm- und Schadstoffbelastungen entlastet werden und die kommunalen Entwicklungsmöglichkeiten entlang der neuen Osttangente sollten verbessert werden.

Die Osttangente sollte nach Planungen von 2015 in vier Teilabschnitten realisiert werden:

Die Osttangente kommt in ihrem Verlauf fünf Augsburger Trinkwasserbrunnen? in der Fohlenau? recht nahe. Durch den Verkehr kann Regen den Abrieb von Autoreifen von der Fahrbahn in den Boden schwemmen. Auch durch Unfälle kann das Gebiet verunreinigt werden, etwa durch auslaufendes Öl und Benzin oder durch pulvrige Transportgüter, die sich von einem umgestürzten Lkw im Wasserschutzgebiet verteilen und die Flachbrunnen schädigen können. So die Sicht der Osttangenten-Kritiker.

Die Stadtwerke Augsburg sehen in der Osttangente keine Gefahr. Sie komme den Trinkwasserbrunnen? in der Fohlenau? nur bis auf 600 Meter nahe. Es sei durch Wasserschutzzonen eine begleitende Kanalisation vorgeschrieben, wodurch Abwässer aus dem Schutzgebiet geleitet würden. Die Osttangente sei rechtlich zulässig, wenn sie vorschriftsmäßig gebaut werde. Auch die etwa 60 weiteren Augsburger Brunnen im Norden seien weit genug weg von der Osttangente.

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