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Neusidler, Melchior

auch Neusiedler, Neysidler, Newsidler; ein deutscher Lautenspieler und Komponist, der in Augsburg lebte und wirkte

Melchior Neusidler
Melchior Neusidler (ca. 1531 - ca. 1591), Lautenist, im Alter von 43 Jahren, Holzschnitt aus Teutsch Lautenbuch (Straßburg 1574) von Tobias Stimmer [Public domain], via Wikimedia Commons

Leben und Wirken

Melchior Neusidler wurde (um) 1531 in Nürnberg geboren. Er entstammte der Lautenisten-Familie Neusidler, die ihren Namen wohl von ihrer Herkunft aus der Gegend um den Neusiedler See hatte.

Melchior war der älteste Sohn des Lautenmachers, Lautenspielers und Komponisten Hans Neusidler (1510 – 1563). Mit 13 oder 17 anderen Geschwistern wuchs er im elterlichen Haus am Zotenberg beim Obstmarkt auf. Der jüngere Bruder Conrad (Konrad), geboren am 13. Februar 1541, schrieb, obwohl weniger begabt als Melchior, als Lautenist ebenfalls einige Werke für das Instrument. Melchior Neusidler erlernte das künstlerische Lautenspiel mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Vater, von dem auch Lehrwerke für die Laute stammen.

Das polyphone Spiel erlernte Melchior Neusidler wahrscheinlich bei dem Nürnberger Musiktheoretiker Sebald Heyden (1499 – 1561), der Rektor, Kantor, geistlicher Dichter und der erste Lutheraner Rektor der St. Sebaldusschule in Nürnberg war.

Melchior Neusidler ließ sich um 1552 in Augsburg nieder und gab dafür im Dezember 1552 sein Nürnberger Bürgerrecht auf. Schon bald hatte er im Augsburger Musikleben eine angesehene Stellung. Deshalb leitete er bei vielen häuslichen Festen die damals üblichen „Stillen Musiken“. Besonders zu den Fuggern bestanden enge Beziehungen.

Immer wieder versuchte Melchior Neusidler eine feste Anstellung bei verschiedenen europäischen Höfen zu finden. Allerdings so gut wie ohne Erfolg. 1565 reiste Melchior Neusidler, wahrscheinlich gefördert von den Fuggern, nach Venedig. Mit seinen Instrumentalstücken und der Musik seiner italienischen Kollegen waren die Fugger durch ihre geschäftlichen wie privaten Beziehungen nach Italien sicherlich vertraut. In Venedig veröffentlichte er seine beiden ersten Lautenbücher. Sie waren Johann Langnauer und Melchior Linck? gewidmet. Neusidler publizierte sie bei Antonio Gardano in italienischer Tabulatur. In ihnen entwickelte er sich auch über seinen Vater hinaus, indem er sich besonders den vom imitatorischen Motettenstil geprägten Ricercari widmete, eine Instrumentalform (auch als Fantasie bezeichnet), die in der 2. Hälfte des 16. Jh. wesentliche Bedeutung gewann.

1574 bewarb sich Melchior Neusidler um die Nachfolge des Lautenisten Sebastian Ochsenkhun in Heidelberg am Pfälzer Hofe der verwitweten Dorothea von Dänemark und Norwegen (1520 – 1580), erhielt die Stelle aber nicht. So hielt er sich im gleichen Jahr noch in Straßburg auf, wo er bei Bernhard Jobin sein "Teutsch Lautenbuch" in deutscher Tabulatur drucken ließ.

Allein 1580/81 hatte Melchior Neusidler kurzzeitig eine feste Stelle am Innsbrucker Hof inne. Ab 1583 war Neusidler Mitglied des Haushalts von Octavianus Secundus Fugger?. Der Komponist wirkte bei den Feierlichkeiten zur Hochzeit von Fuggers Schwester Ursula mit und komponierte für sie sogar einen "Fuggerin Danz".

Neusidler war zweimal verheiratet. Er starb 1591 als Almosenempfänger des Octavianus Secundus Fugger? in Augsburg. Aber schon Jahre zuvor schwächte ihn eine entzündliche Gelenkerkrankung. Und von dem jüngeren Hans Leo Haßler wurde er als führender Komponist bei den Fuggern in den Hintergrund gedrängt. Er hinterließ drei unmündige Kinder, deren Erziehung sein Bruder Conrad (Konrad) übernahm. Eine Tochter Neusidlers, Sabina Neusidler, war mit dem befreundeten Augsburger Lautenmacher Sixtus Rauwolf? liiert.

Neusidlers Werk

Melchior Neusidlers Lautentabulaturen sind gegenüber denen seines Vaters Hans verfeinert und vom italienischen Stil beeinflusst. Es sind etwa 250 Stücke von Melchior Neusidler in verschiedenen Manuskripten und Lautenbüchern erhalten. Sie zeugen zum großen Teil von einer hohen technischen Meisterschaft auf der Renaissancelaute. Der Komponist ließ u. a. in den höchsten Lagen der Laute spielen. Deshalb nimmt man an, dass Melchior Neusidler damals zu den besten Lautenisten in ganz Europa zählte.

Melchior Neusidler war wohl der bedeutendste Vertreter Augsburger Lautenkunst und ein Wegbereiter der italienischen Lautentabulatur in Deutschland. Lipowsky schrieb 1811 über ihn: "Er war ein vortrefflicher Lautenspieler, und schrieb zwei Bücher über die Laute in italienischer und deutscher Tabulatur ... Dieser Künstler war nicht nur als ein guter Musikus, sondern auch als Kompositeur in Augsburg sehr beliebt. Die Musik bestand damals aus einem Zinkenbläser, einem Pfeifer, einem Lautenspieler, einem Posaunisten, einem Organisten, der das Regal schlug, und einem Sänger. In seinem Werke, das die Aufschrift hat: "Deutsch Lautenbuch, darinnen kunstreiche Motetten etc. von Melchior Newsiedler, Burger und Lautenist zu Augsburg. Gedruckt zu Straßburg 1574." befindet sich auch von Josquin die Motette: Benedicta es etc. 6 vocum in der Lauten-Tabulatur.

Werke (Auswahl)

  • Intabolatura di Liuto. 2 Bände. Venedig 1566 (Digitalisate im Projekt Early Music Online: Band 1, Band 2)
  • Teutsch Lautenbuch. Straßburg 1574, Faksimile herausgegeben von Albert Reyerman, Tree Edition, Lübeck 2011
  • Einzelne Lautenstücke u. a. in den Lautenbüchern von Philipp Hainhofer?, im Herwarth-Manuskript etc.

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