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Naturmuseum Augsburg

deutschlandweit das einzige Museum mit Schwerpunkten Geologie, Mineralogie, Botanik, Zoologie und Paläontologie, im gleichen Gebäude befindet sich auch das S-Planetarium

Allgemeines

Das Augsburger Naturmuseum gehört zu den größten naturwissenschaftlichen Sammlungen Deutschlands und ist deshalb auch für Naturwissenschaftler eine wichtige wissenschaftliche Anlaufstelle. Betrieben wird es heute von der Stadt Augsburg und befindet sich in den Augusta Arcaden (ehemals "Ludwigspassagen") im Norden der Altstadt von Augsburg. Vor allem die Molasse, eine Bodenschicht, die einen Großteil Süddeutschlands? unterfüttert, ist Ausstellungsschwerpunkt des Augsburger Naturmuseums.

Die Erforschung und das Sammeln von Naturalien geht in Augsburg bis in die reichsstädtische? Zeit Augsburgs zurück. Damals schrieb Paul von Stetten?: "Zahlreicher und kostbarer als die vorgebrachten Kunstsammlungen sind zwey Naturalien-Sammlungen." Er meinte die Sammlungen von Josef Paul Cobres? und von Philipp Jakob Steiner?.

Die Molasse, der Untergrund von Augsburg und großen Teilen Süddeutschlands?, bildet wie beschrieben den Schwerpunkt des Augsburger Naturmuseums. Die in diesen Sedimenten fossil überlieferten Lebewesen - meist viele Millionen Jahre alt – bilden die Grundlage für die einmalige Ausstellung. Das Naturmuseum Augsburg bietet aber weit mehr: Die zahlreichen Schauvitrinen der Dauerausstellung zeigen Themen aus den Bereichen Geologie, Paläontologie, Mineralogie und Biologie, darunter Funde wie ein Mesosaurus-Skelett oder einen Flugsaurier aus Solnhofen?.

Das Naturmuseum Augsburg wechselte mehrmals den Betreiber, Standort und Namen.

Geschichte

Im Maximilianmuseum

Nachdem 1846 der Naturhistorischer Verein Augsburg? gegründet worden war, stellte er 1854 seine Sammlung im Maximilianmuseum aus, zusammen mit der des Historischen Vereins für Schwaben?. Damals war die naturwissenschaftliche Sammlung Teil des ersten Augsburger Museums, des Maximilianmuseums. Der Naturhistorische Verein Augsburg? entwickelte sich erfolgreich und benannte sich 1887 in Naturwissenschaftlicher Verein für Schwaben und Neuburg? um. Mit dem Anwachsen des Vereins war auch eine Zunahme der zoologischen, botanischen, mineralogischen, paläontologischen und ethnographischen Ausstellungsstücke verbunden, die in entsprechenden Abteilungen geordnet waren. Unter den Wissenschaftlern der damaligen naturwissenschaftlichen Sammlung sind der Schmetterlingskundler Christian Friedrich Freyer? und unter den Präparatoren des Museums Johann Friedrich Leu? die herausragenden Gestalten.

Im Stettenhaus

1906 zog die Sammlung des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben? in das Stettenhaus am Obstmarkt, das 1944 zerstört wurde. Diesen Schritt hatte man schon 1904 beschlossen, doch musste man diesen Komplex mehrerer historischer Gebäude erst umbauen und für das Museum herrichten, was unter der Leitung des Vereinsvorstands Lorenz Gerstlauer stattfand. Die Eröffnung feierte man am 18. November 1906. Nun war das Naturmuseum Augsburg eigenständig und konnte in eigener Verantwortung Ankäufe tätigen und Schenkungen entgegennehmen. Das führte dazu, dass es bald als das bedeutendste naturkundliche Museum Bayerns und eines der reichhaltigsten und bekanntesten in Europa galt.

1929 konnte erstmals ein hauptamtlicher Kustos zur Leitung des Museums eingestellt werden: Ludwig Wegele.

Die Nazi-Zeit und die Jahre des Zweiten Weltkriegs brachten nicht nur die Zerstörung des Stettenhauses, sondern 1939 auch die Zusammenlegung des damaligen Tiergartenvereins mit dem Naturwissenschaftlichen Verein zum Naturkunde- und Tiergartenverein. Die nationalsozialistische Kulturpolitik hielt solche Großvereine für besser kontrollierbar. Der Verein wurde zu Kriegsende zwangsaufgelöst. 1946/1947 kam es zur Neugründung der 1939 zusammengeschlossenen Einzelvereine. So entstand parallel zum Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben e. V.?, der satzungsgemäß eng mit dem Tiergarten bzw. Zoo Augsburg zusammenarbeitete, die Naturforschende Gesellschaft Augsburg?.

In den Wassertürmen

1946 feierte der Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben? sein 100-jähriges Jubiläum. Damals wurde der Ernithologe, Entomologe und Präparator Anton Fischer, der zweiter Vereinsvorsitzender war, zum Ehrenmitglied der Naturforschenden Gesellschaft Augsburg? ernannt. Er hatte im Krieg viele seiner Präparate retten können und so traf es sich gut, dass dieser Verein nach der Zerstörung des Stettenhauses wieder ein naturwissenschaftliches Museum schaffen wollte.

Anton Fischer und sein Sohn Hans machten sich für das Projekt stark und so konnte 1948 in einem der Wassertürme am Roten Tor das naturwissenschaftliche Museum neu eröffnet werden. Es enthielt unter anderem mehr als 700 von Anton Fischer präparierte Vögel. Zunächst war das Museum in vier Stockwerken des Spitalturms untergebracht. Bald aber reichte der Platz nicht mehr, so dass sich das Museum zusätzlich auf den Kleinen Wasserturm ausdehnte. In dieser Form bestand das Nachkriegsmuseum bestand bis 1953 bzw. 1955. Dann machte die Stadt Augsburg die Wassertürme für eine andere Nutzung frei und das Naturmuseum in Augsburg musste erneut umziehen, nachdem die Stadt Augsburg 1954 die Trägerschaft des Naturmuseums übernommen hatte.

In den Fuggerhäusern

Die Stadt Augsburg wollte das etablierte Naturmuseum nicht aufgeben und plante ein städtisches Naturkundemuseum zu eröffnen. Deshalb stellte sie schon 1954 den Biologen Wilhelm Issel als Museumsleiter, obwohl die Öffentlichkeit ab 1955 das Naturkundemuseum nicht mehr besuchen konnte. Erst 1964 konnte das Naturmuseum in eines der Fuggerhäuser in der Maximilianstraße 36 einziehen. Dort standem dem Museum allerdings nur etwa 200 Quadratmeter zur Verfügung. Issel wurde außerdem 1960 Geschäftsführer des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben?. Die ersten Ausstellungsobjekte des zu eröffnenden städtischen Naturmuseums erwarb er für die Stadt aus dem 1955 aufgelösten Museum. 1978 wurde Issel im Naturmuseum verabschiedet und 1987 hatte sich der Raumbedarf des Museums so vergrößert, dass ein neuer Standort avisiert und das Museum vorübergehend geschlossen wurde.

Ludwigstraße

1991 zog das Augsburger Naturmuseum an den heutigen Standort in der Ludwigstraße (Augusta Arcaden) und eröffnete in Teilen. Damit wurde ein modernes und konzeptionell neuartiges Naturmuseum für die Öffentlichkeit in Bayern zugänglich. War das Naturwissenschaftliche Museum zuvor beengt und ohne Werkstätten oder Sammlungsdepots, so fanden sich im ehemaligen Druckgebäude der Augsburger Allgemeinen, das die Stadt Augsburg kaufte und für das neue Museum herrichtete genügend Platz. Es befindet sich an fast derselben Stelle wie das 1944 zerstörte Stettenhaus.

Seit 1996 ist das Naturmuseum Augsburg für jedermann in vollem Umfang geöffnet. Es hat vier Stockwerke und eine Fläche von knapp 1.000 Quadratmetern. Die Neugründung des Museums ist ein wesentlicher Verdienst von Michael Achtelig. Er war von 1978 bis 2003 Leiter des Naturmuseums und im gleichen Zeitraum auch Geschäftsführer des Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben war?.

Der Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben?, auf den das Naturmuseum zurückgeht, hatte noch bis zum Jahr 2012 die tatkräftige Unterstützung des Naturmuseums Augsburg sowie des Zoos Augsburg in seiner Satzung stehen. Mit der Satzung vom 29. März 2012 wurde dieser Vereinszweck gestrichen.

2014 hatte das Naturmuseum mit dem S-Planetarium zusammen 75.000 Besucher.

Details

Sammlungsaufbau

Das Naturmuseum Augsburg bietet mehrere zusammenhängende Einzelausstellungen zu thematisch verwandten Gebieten. Der Schwerpunkt liegt auf der Molasse, also der fossilen Tier- und Pflanzenwelt Süddeutschland? im Tertiär. Manche Fossilexponate sind schwer zu erkennen und zu deuten. Deshalb hat man für solche Sammlungsobjekte aufwändige Silhouetten erstellt und sie – wenn möglich – einem noch lebenden Vertreter der jeweiligen Gattung gegenübergestellt.

Weitere Ausstellungen sind auf eigenen Etagen untergebracht und zeigen Exponate aus den Bereichen der Geologie, Mineralogie, Ökologie und Zoologie, wobei diese auf umfassenden Informationstafeln erläutert werden. Die jeweiligen Ausstellungen sind möglichst interaktiv gestaltet und stellen damit den didaktischen Aspekt in den Vordergrund.

Neben der Dauerausstellung besitzt das Museum auch einen Raum für Wechselausstellungen und einen Seminarraum. Zum Museum gehören außerdem eine naturwissenschaftliche Hausbibliothek, deren Grundstock auf die Privatbibliothek von Georg Steinbacher zurückgeht, der sie 1979 dem Naturmuseum stiftete, Präparationswerkstätten und Magazinräume mit umfangreichen, großteils noch nicht erschlossenen Sammlungen.

Betrieb und Unterhalt

Die Stadt Augsburg ist für die Finanzierung der Einrichtung, der Ausstellungen und des Unterhalts zuständig und stellt damit auch die hauptamtlichen Mitarbeiter. Daneben engagiert sich der Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben? für den Erhalt und die Fortentwicklung des Naturmuseums. Er hat auch seine aktuelle Geschäftsstelle im Gebäude des Naturmuseums. Er unterstützt die Stadt Augsburg aber nicht nur finanziell, sondern stellt daneben auch ehrenamtliche Mitarbeiter für den Betrieb oder besondere Veranstaltungen (Exkursionen, Vorträge etc.).

Eine wichtige Besuchergruppe im Augsburger Naturmuseum sind Schulklassen.

Turnusführungen

Immer am ersten Sonntag eines Monats bietet das Naturmuseum Turnusführungen an. Während die Kinder auf unterhaltsame und kindgerechte Weise durch die Vielfalt der Natur geführt werden, können sich die Erwachsenen und Jugendlichen parallel auf eine Zeitreise durch die bewegte Erdgeschichte unseres Planeten begeben.

Auf den Expeditionen sollen die jungen Naturforscher Antworten auf Fragen finden wie: Gibt es drei Meter lange Tausendfüßer? Wohin sind die Dinos verschwunden? War die Säbelzahnkatze tatsächlich ein Raubtier? Und was haben Elefanten, Krallentiere, Affen und Bärenhunde in Augsburg zu suchen? Außerdem geht es mit dem magischen Eulen-Quiz auf die Suche nach den Geschöpfen der Dunkelheit. Unterdessen verfolgen die älteren Naturfreunde die Entwicklung des Lebens durch zahlreiche Naturkatastrophen hindurch über die Zeitalter der Riesen-Krabbeltiere und Dinosaurier bis hin zum eiszeitlichen Mammut und den bayrischen Ur-Elefanten.

Alle Teilnehmenden werden aktiv einbezogen, besondere Präparate dürfen „begriffen“ werden und wer möchte, kann auch hautnahe Erfahrungen mit lebenden Krabbeltieren machen. Die Abenteuerreisen für Groß und Klein beginnen zeitgleich um 14 Uhr und dauern eine gute Stunde. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, allerdings sollten sich Interessierte rechtzeitig an der Information einfinden, da eine Gruppenstärke zwischen 5 und maximal 25 Personen angestrebt wird. Die Jugendführung ist empfohlen für Kinder von 6 bis 12 Jahre. Teilnahme von Kindern unter 6 Jahren nur in Begleitung Erwachsener.

Öffnungszeiten

Dienstag – Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr
Führungen nach Vereinbarung

An folgenden Tagen ist das Naturmuseum geschlossen:
Dienstag, 12. Februar 2013, Fastnacht
Dienstag, 24. Dezember 2013, Heiligabend
Mittwoch, 25. Dezember 2013, 1. Weihnachtstag
Dienstag, 31. Dezember 2013, Silvester

Adresse

Naturmuseum Augsburg
Augusta Arcaden (ehem. Ludwigpassagen)
Ludwigstraße 2
86152 Augsburg

Tel. 0821/3246740
Fax. 0821/3246741
E-Mail: naturmuseum.stadt(@)augsburg.de


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