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NAK

Neue Augsburger Kattunfabrik, eine ehemalige deutsche Stoffdruckerei mit Sitz in Augsburg

Allgemeines

Den Namen "Neue" Augsburger Kattunfabrik gab man der Firma, um sie von der "alten" Augsburger Kattunfabrik zu unterscheiden, als die man die Schülesche Kattunfabrik betrachtete. Die Augsburger NAK war eine Aktiengesellschaft und bedruckte Textilien aus Zell- und Baumwolle, Kunstseide und Synthetik. Die bedruckten Stoffe wurden vor allem für die Kleiderproduktion in alle Kontinente exportiert.

Geschichte

Gegründet wurde die NAK am 12. Januar 1885 mit einem Stammkapital von 1,5 Mio. Reichsmark. Sie ging aus der Firma Kattundruckerei Schöppler & Hartmann hervor, die schon 1781 gegründet worden war.

In den Jahren 1892 bis 1904 hatte die NAK wirtschaftliche Schwierigkeiten, die jedoch mit der Hilfe des Bankhauses Schmid? überwunden werden konnten.

Die Nationalsozialisten? "arisierten" die Anteile an der NAK, die den jüdischen Textilunternehmern Benno Kahn? und Arnold gehörten. Gleichzeitig enteigneten sie die Weberei am Sparrenlech Kahn & Arnold? und vereinigten sie mit der NAK.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Produktionshallen der NAK zu etwa 70 Prozent beschädigt, doch konnte man schon bald nach dem Krieg die Arbeit wieder aufnehmen. Schnell arbeiteten wieder Hunderte von Menschen in der NAK. Um 1950 beschäftigte sie fast schon wieder 1.000 Angestellte und Arbeiter bei einem Umsatz von etwa 30 Mio. DM, in den 1970er Jahren waren es etwa 1.200 Beschäftigte, bevor die Krise der Augsburger Textilindustrie? begann.

Während der Krise der Textilindustrie? versuchte man die Firma mehrmals zu sanieren, doch fand sie nicht mehr aus den roten Zahlen. Jahr für Jahr schrieb sie Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Zwar war die NAK noch 1990 einer der drei größten europäischen Stoffdrucker, doch während der Zeit des Ersten Golfkriegs bekam sie noch weniger Aufträge als zuvor.

Ende Juni 1996 wurde die Neue Augsburger Kattunfabrik, die damals den Namen NAK-Stoffe-AG trug, liquidiert. Zuletzt waren noch etwa 500 Menschen in ihr beschäftigt.

Details

Standort der NAK war das Gelände am Vogeltor, auf dem heute die City-Galerie steht.

Die Musterbuchsammlung

Die Textilindustrie Augsburgs hat in der Zeit ihres Bestehens einige Schätze hervorgebracht. Einer dieser Schätze ist die Musterbuchsammlung der Neuen Augsburger Kattunfabrik (NAK). Diese Sammlung geht noch in die vorindustrielle Zeit zurück. Die Augsburger schickten damals Spione bis nach Indien, wo das Geheimnis des Kattundrucks bewahrt wurde. Diese Späher brachten das Wissen um den Kattundruck in ihre Heimatstadt zurück, wo nun reine Baumwollgewebe auch vielfarbig bedruckt wurden, so dass sie wie edle Brokate oder Damaste funkelten und changierten.

Dieses Grundwissen um den Kattundruck brachte Augsburg im 18. Jahrhundert eine neue wirtschaftliche Blüte, die wie zur Zeit der Fugger auf die Herstellung und den Handel mit Textilien gegründet war. Große Textilkünstler und -techniker entwarfen Muster und entwickelten die Drucktechnik weiter. All diese Muster sammelte die NAK in ihrem Musterbucharchiv. Es enthält vom 18. bis 20. Jahrhundert mehrere Millionen Stoffmuster - nicht nur selbst produzierte, sondern auch die Muster aller wichtigen Stoffdrucker vom Elsass bis Moskau. Über 200 Jahre waren die Musterbücher für die Firma ein Kreativ-Archiv der Designkunst und des technischen Fortschritts.

Das Musterbucharchiv dokumentiert also auch Industriegeschichte, der man sich an Hand der Muster auch von der "menschlichen" Seite nähern kann. Nehmen wir z. B. das Musterbuch 8 mit seinen Golddruckstoffen im Stil der Schüleschen Kattundrucke mit ihrer großen Farbigkeit und Leuchtkraft. Johann Heinrich Edler von Schüle? war einer der bedeutenden Augsburger Unternehmer des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Am Roten Tor lag seine Manufaktur, die eine der größten in Europa war. Er soll so reich gewesen sein, dass er sein Domizil in einen Prunksaal verwandelte, als ihn Kaiser Joseph II.? besuchte. Angeblich trugen Mohren in leuchtendem Scharlachtuch das Essen mittels goldener und silberner Prunkgeschirre auf. Hunderte Kronentaler sollen von den Wänden der Treppen gefunkelt haben und von der Anfahrt bis zu seinem Schlafzimmer soll der Kaiser auf feinem roten Tuch gegangen sein. Johann Heinrich Edler von Schüle? erwarb seinen Reichtum dadurch, dass er komplexe Druckverfahren anwandte, als die meisten nur wenige Farben drucken konnten. Und was er nicht drucken konnte, ließ er von Kindern und jungen Mädchen malen. Sie verfügten über die Fingerfertigkeit, um z. B. feine Pflanzenadern mit Goldfarbe zu verzieren, wie sie im Musterbuch 8 zu sehen ist. Gerade solche veredelten Stoffe waren die Spezialität von Schüle?. Ein erfolgreicher Handwerker hätte mindestens drei Jahreseinkommen, etwa 50 Dukaten, bezahlen müssen, um sich zehn Meter eines solchen Stoffes leisten zu können. Während Schüle? mit solchen Luxusstoffen seinen Reichtum erwarb, beschäftigte er Hunderte Menschen, die er so entlohnte, dass sie nur knapp über dem Existenzminimum leben konnten.

Das NAK-Archiv mit seinen Musterbüchern wurde 1996 in die Liste der nationalen Kulturgüter aufgenommen und nach langen öffentlichen Diskussionen über die weitere Nutzung zunächst Bestandteil des Stadtarchivs?.

Die Sammlung ist weltweit einmalig und enthält 560 meist großformatigen Musterbücher mit etwa 1,3 Mio. Stoffmustern von 1792 bis zum Konkurs der NAK, rund 90.000 Musterzeichnungen aus den letzten sechs Jahrzehnten, zahlreiche Druckmodeln, historische Arbeitsgeräte, Rezeptbücher für die Farbenherstellung und eine Fotosammlung. Heute sind die NAK-Musterbücher im Tim erhalten und zum Teil zu besichtigen.

Weblinks


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