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Mühlbach

ein Augsburger Gewässer, das vor allem Pfersee prägt; zu unterscheiden vom Mühlbach? im Stadtwald Augsburg (Haunstetten)

Allgemeines

Den Mühlbach in Augsburg leitete man früher durch einen Düker in der Nähe des Eisernen Stegs? aus der Wertach ab. Es handelt sich also um einen der Wertachkanäle. Heute speist er sich nicht mehr aus der Wertach, sondern auch dem Wertachkanal und durchfließt Pfersee und Oberhausen, wo er zum Hettenbach? wird. Kurz vor der Wertachmündung in den Lech fließt der Hettenbach? wieder in die Wertach zurück. Früher gehörte auch der nicht mehr existente Hessenbach? zu seinem Wassersystem.

Augsburg-Pfersee Mühlbachviertel
Der Mühlbach im Mühlbachviertel von Augsburg-Pfersee am 8. April 2014. By Neitram (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Ausgeleitet wird der Mühlbach heute links der unteren Wertach am Ostrand der Luitpoldstraße? in Pfersee aus einem Siphon unter der Wertach hindurch vom rechten Wertachkanal her. Die Einleitung geschieht etwa 200 Meter südlich der Ecke Ahorner Straße? / Äußere Uferstraße? Oberhausen-Süd? von links in die unterste Wertach.

Der Mühlbach fließt über die Wertach, den Lech und die Donau? in das Schwarze Meer. Er gehört mit seinen etwa 1.900 Metern Länge zum Flusssystem der Donau?.

Geschichte

Um die Pferseer Mühle, von der er seinen Namen erhielt, zu betreiben, leitete man sein Wasser zunächst aus dem bei Göggingen entspringenden Lorbach? ab. Später verstärkte man den Mühlbach durch einen Anstich der Wertach. Jetzt konnte die alte Knochenmühle in Pfersee problemlos betrieben werden. Nach dieser Pferseer Mühle teilte sich der Mühlbach ehemals in den Hessenbach? und den Hettenbach? auf. Möglicherweise bekamen die beiden Bachläufe ihre Namen von Flurbezeichnungen, doch ist die Namensgenese nicht geklärt.

Augsburg-Pfersee Mühlbach Eberlestraße
Der Mühlbach in Augsburg-Pfersee an der Eberlestraße am 8. April 2014. By Neitram (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Zur Zeit der Industrialisierung lagen viele Fabriken in Pfersee und Oberhausen am Mühlbach. Sie bildeten sogar eine Mühl- und Hettenbach? -Genossenschaft, um gemeinsam die Wassernutzung der beiden Bäche zu regeln. Folgende Firmen gehörten zu der Genossenschaft:

Damals wurde der Mühlbach hauptsächlich genutzt, um Strom zu erzeugen. Ohne den Mühlbach hätte es wohl keine Industrieansiedlungen in Pfersee gegeben. Sein Wasservolumen beträgt rund zwei Kubikmeter/s. Von ursprünglich acht Wasserkraftwerken an seinem Lauf sind heute noch vier erhalten. Sie erzeugen zusammen jährlich 1,5 Mio. kWh Leistung. Neben dem Mühlbach war für die Industrialisierung Pfersees aber auch die Begradigung der Wertach 1812, denn sie schuf Freiflächen, auf denen sich die Industrie ansiedeln konnte.

Das erste Unternehmen am Mühlbach war die Baumwollspinnerei und Weberei J.G. Krauß & Sohn. 1866 kauften der Ulmer Unternehmer Johann Georg Krauß und sein Sohn Robert ein Grundstück am Mühlbach und errichtete darauf das Werk, das energetisch vom Mühlbach versorgt wurde.

Um sich vor Hochwasser? zu schützen, legte man 1876 das Flussbett der Wertach tiefer, wodurch der Wertachanstich den Mühlbach nicht mehr versorgen konnte. Um aber den Mühlbach weiter für den Betrieb der Maschinen in Pfersee nutzen zu können, legte man eine neue Einspeisung aus dem höher fließenden Wertachkanal als Düker an. Er kreuzt die Wertach bei der Pferseer Lokalbahnbrücke? unter seinem Kiesbett von rechts nach links. In Pfersee kommt er dann wieder an die Oberfläche.

1885 verwandelte man den Mühlbach in einen Kanal, um die Wasserkraft noch besser industriell nutzen zu können.

1992 beschloss der Stadtrat eine städtebauliche Maßnahme für Pfersee am Mühlbach. Es gab damals eine rege Beteiligung der Bürger.

2009 begannen die Betreiber der anliegenden Wasserkraftwerke am Mühlbach und zum Teil auch am Hettenbach? freiwillige ökologische Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen, weil sie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert wurden. Uferzonen wurden mit Steinen und Pflanzenbewuchs naturnah gestaltet, Flachwasserzonen geschaffen und die Strömungsgeschwindigkeit an einzelnen Stellen reduziert. Das hat den Industriekanal Mühlbach bachähnlicher werden lassen, was ihn für Menschen, Tiere und Pflanzen attraktiver machte.

In den folgenden Jahren investierte die Stadt Augsburg knapp 300000 €, um am Mühlbach eine grüne Oase für die Pferseer entstehen zu lassen. Das Bachbett des Mühlbachs wurde aufgeweitet, in den früheren kerzengeraden Fabrikkanal wurden Einbuchtungen eingegraben und Kiesstreifen aufgeschüttet. In dem flachen, langsam fließendem Gewässer entstand so neuer Lebensraum für die verschiedenen Pflanzen und Tieren.

Details

Augsburg-Pfersee Schwemmkanal an der ehemaligen Abzweigung des Hessenbachs
Schleuse am Beginn des Schwemmkanals an der ehemaligen Abzweigung des Hessenbachs vom Mühlbach in Augsburg-Pfersee am 9. April 2014. By Neitram (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Dort, wo früher die alte Pferseer Mahlmühle stand, die dem Gewässer den Namen gab, befindet sich heute das Kraftwerk Limmert Mühlbach?, ein kleines Wasserkraftwerk. Die Mühle gehörte früher der Sankt-Jakobsstiftung? in Augsburg, kam aber schließlich an die Firma Eberle, die hier 1885 mit der Produktion von Federn und Laubsägen begann. Die Kirchbergstraße hieß früher Mühlstraße? und führte zu der Mahlmühle.

Der Mühlbach wurde an der Stelle, wo früher die Spinnerei und Weberei Pfersee lag auf etwa 150 Meter Länge wieder bachähnlich gestaltet, um das Mühlbachviertel? und seinen kleinen Park aufzuwerten.

Das frühere Kraftwerk von Eberle am Mühlbach wird heute noch zur Energieversorgung Augsburgs benutzt. Der heutige Betreiber speist den "grünen" Strom in das Netz der Stadtwerke Augsburg ein. Allerdings wurde die Kaplan-Turbine, die Eberle noch bis zum Zweiten Weltkrieg betrieb, verkauft.

Augsburg-Pfersee Mühlbach-Kraftwerk bei Eberle
Das "Kraftwerk Limmert Mühlbach" am Mühlbach bei dem Unternehmen Eberle an der Eberlestraße in Augsburg-Pfersee am 8. April 2014. By Neitram (Own work) [GFDL or CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Lage


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