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Most, Johann

Sozialistischer Redner und Schriftsteller aus Augsburg, vor allem bekannt durch das antiklerikale Werk "Die Gottespest". Buchbinder, Agitator und Reichstagsabgeordneter der SPD, mehrfach in der Zeit der Sozialistengesetze inhaftiert, nach seiner Auswanderung aus Deutschland Wandlung zum Anarchisten und Kämpfer gegen die Sozialdemokratie, weil diese nur gesetzmäßige Veränderungen im Obrigkeitsstaat anstrebte, während er Gewalt im Kampf gegen den Staat befürwortete.

Johann Most3
Johann Most (Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts). See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Leben und Wirken

Abriss

  • 1846 (5. Februar) Geburt Johann Most in Augsburg
  • 1853 Schule und anschließend Lehre in Augsburg (1858-63)
  • 1863-68 Wanderzeit als Buchbinder
  • 1868 Most zieht nach Wien
  • 1860 Kurze Haft in Wien
  • 1869/70 Schwerer Kerker, in Österreich, nach Demonstration mit 40.000 Arbeitern
  • 1871 Chefredakteur in Chemnitz
  • 1872 Verhaftung, Gefängnis in Chemnitz und Zwickau
  • 1873 Ausweisung aus Sachsen / Heirat und baldige Scheidung
  • 1874 Abgeordneter im Reichstag, Haft in Berlin
  • 1877 Wiederwahl in den Reichstag
  • 1878 Verhaftung in Folge der Sozialistengesetze, Gefängnis in Zwickau und Berlin
  • 1879 Herausgabe der "Freiheit" in London
  • 1880 Die SPD schließt Most aus
  • 1881 Verurteilung zur Zwangsarbeit (Most jubelt über Attentat gegen Zaren)
  • 1882 Auswanderung nach USA/New York
  • 1883 Mitorganisator des Pittsburger Kongresses / Die "Gottespest" erscheint.
  • 1886 Most wird wegen Attentat in Chicago festgenommen und eingesperrt
  • 1887 Veröffentlichung der Internationalen Bibliothek
  • 1891 Haftstrafe als Anarchisten-Anführer
  • 1901 Most wird wegen einem alten Artikel eingesperrt
  • 1906 (17. März) Tod bei Vortragsreise in Cincinnati
Freiheit
Titelblatt der Freiheit vom 10. März 1888. By Koroesu (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Jugendjahre in Augsburg

Einer der mutigsten deutschen Denker, Journalisten, Politiker, Freiheitskämpfer, Atheisten und Anarchisten wurde am 5. Februar 1846 in der Jakobervorstadt von Augsburg geboren: Johann Most. Wahrscheinlich kam Johann Most in der Augsburger Straße Lauterlech auf die Welt, in einer Gegend mit Kanälen und Werkstätten, in der einst hauptsächlich Arbeiter, Handwerker und Kleinbürger lebten. Sein Vater war Sekretär auf einem Amt, seine Mutter verlor Most mit zehn Jahren wegen der Cholera. Später litt er unter der Prügelpädagogik seiner Stiefmutter und wehrte sich früh dagegen. Auf Rosen war Johann Most also nicht gebettet, als er in einem Viertel aufwuchs, in dem es von Wirtschaften wimmelte, in denen auch die hartgesottenen Flößer und Fuhrleute einkehrten. Das war rund 50 Jahre, bevor hier Bert Brecht als Schüler von seiner Wohnung in der Bleich? durch den Lauterlech zu seiner Volksschule in der Jakobervorstadt ging.

In seiner Kindheit verunstaltete eine Kiefer-Operation sein Gesicht, was er später unter einem Vollbart verbarg.

Schon als 13jähriger Schüler begehrte Johann Most gegen die Ungerechtigkeiten in der Schule auf. Deswegen wurde er von seiner damaligen Schule verwiesen. 1861 wurde Johann Most als 15-jähriger Schüler sogar zu einer Woche Gefängnis verurteilt, weil er sich weigerte den Religionsunterricht zu besuchen.

Most machte in Augsburg, der Stadt der Verlage, eine Lehre als Buchbinder. Dann ging er auf Wanderschaft durch Deutschland, Ungarn und die Schweiz.

Sozialdemokratie und Sozialismus

1867 lernte er in der Schweiz (Le Locle), wo er als Etuimacher arbeitete, sozialistische Gesinnungen kennen. Zum ersten Mal las er Ferdinand Lassalle und schloss sich in Zürich, wohin er weitergezogen war, einer Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation an. Mit dem bekannten Sozialisten Herman Greulich schloss er dort Freundschaft.

Nachdem er im Oktober 1868 nach Wien gelangt war, wurde Johann Most in der Sozialdemokratie durch sein Engagement und seine Rednergabe eine geachtete Persönlichkeit, ohne ein offizielles Amt zu bekleiden. Schon im Mai 1869 verurteilte man ihn zu einem Monat strengen Arrests, weil er auf einer Arbeiterversammlung gegen das Bürgerministerium gewettert hatte.

Im Dezember 1869 kam es noch schlimmer. Most war Mitorganisator einer Arbeiterdemonstration vor dem Parlament, zu der Zehntausende gekommen waren und wurde wegen Hochverrats mit fünf Jahren schweren Kerkers bestraft. Aus dieser Zeit stammt sein Proletarierlied „Wer schafft das Gold zu Tage?“ 1871 konnte Johann Most wegen einer Amnestie den Kerker verlassen. Anschließend unternahm er eine erfolgreiche Agitationsreise in die Provinz, wurde aber nach seiner Rückkehr nach Wien aus Österreich ausgewiesen.

So versuchte er den Sozialismus in Bayern zu festigen und zu verbreiten, doch wurden von ihm organisierte Versammlungen immer wieder von der Polizei aufgelöst. Vielleicht deshalb zog Most nach Leipzig, wo er auf Wilhelm Liebknecht und August Bebel traf, aber genauso polizeilich bedrängt wurde wie in Bayern.

In Chemnitz wurde er Chefredakteur der "Chemnitzer Freien Presse", deren Auflage er durch seine interessanten Artikel enorm steigern konnte. In Leipzig traf er August Bebel und Karl Liebknecht. Weil die Obrigkeit mit der Meinung von Most nicht einverstanden war, der für die Menschen keine Unterdrückung und Ausbeutung, sondern Freiheit wollte, sah sie ihn als geistigen Rebellen. In Chemnitz nahm Johann Most als Delegierter an einem Kongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei teil. Nach und nach erhielt er Anzeige um Anzeige, Geldstrafe um Geldstrafe. Auch ins Gefängnis musste er hier wieder, redigierte aber seine Zeitung weiter. Noch in Chemnitz gründete er die erste linke Satirezeitschrift („Nussknacker“).

Die Verfolgung hinderte Johann Most nicht, sich immer wieder mit dem Bürgertum anzulegen. Er organisierte weiterhin Demonstrationen und agitierte in Westdeutschland. Als er sich in Hof? aufhielt, deportierte man ihn nach Sachsen, wo man ihn wegen Majestätsbeleidigung acht Monate in die Strafanstalt von Zwickau schickte. Die Zeit verwandte er, um das Kapital von Karl Marx für den einfachen Arbeiter zu kompilieren („Kapital und Arbeit“). Das Buch, gedruckt in Chemnitz, trug wesentlich zur Popularisierung des Marxismus in Deutschland bei.

Nach seiner Entlassung wirkte er kurz bei der Süddeutschen Volkszeitung, bevor ihn die Arbeiter von Chemnitz am 10. Januar 1874 in den Reichstag wählten. Johann Most konnte mit seinen Ansichten und Reden die kleinen Leute begeistern, die durch ihre Unterdrückung nach mehr Rechten lechzten. 1874 war er der jüngste deutsche Abgeordnete im Reichstag. Im Reichstag wurde er zum Anti-Parlamentaristen. Statt vom Reichstag sprach er vom Reichskasperletheater. Johann Most war hier ab 1875 Vertreter des sozialrevolutionären Flügels der Sozialistischen Arbeiterpartei. Wegen seiner ketzerischen Ansichten gegen die Herrschenden fand sich Most schon bald wieder im Gefängnis, diesmal in Plötzensee. Im Plötzenseer Gefängnis schrieb Johann Most neben Historischem auch politische Pamphlete. Als er wieder entlassen war, übernahm er die Redaktion der „Freien Berliner Presse“ und schrieb für viele weitere Zeitungen, sogar für die russische Revue Slowo. Schon bald aber musste Johann Most erneut ins Gefängnis – diesmal wegen Gotteslästerung. Seine Auftritte wurden schon im Voraus verboten, weil die Obrigkeit seine Reden und deren Wirkung im Volk fürchtete. Most konnte einfachen Menschen auch komplizierte Zusammenhänge in der Gesellschaft leicht verständlich machen. Zudem konnte er sie mit seinen mitreißen Worten für ihre Freiheit begeistern. Regierung, Justiz und Polizei scheuten nicht vor Gewalt zurück, um Most und seine Anhänger zu drangsalieren.

Johann Most
Johann Most als Reichstagsabgeordneter 1877–1879. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Johann Most textete auch viele Lieder, die veröffentlicht und gesungen wurden. In ihnen ging es meistens um den Kampf gegen den Terror der Despoten gegenüber der Bevölkerung. Singend machen sich die Unterdrückten mit seinen Liedern Mut. Most ließ auch Gefühle in seine aufrührerischen Liedtexte einfließen. Daneben schrieb Most antireligiöse Bücher wie "Die Gottespest", organisierte Massen-Kirchenaustritte und veranstaltete Theater für Arbeiter. Weil Most einige Zeit der Ansicht war, dass man der Gewalt von oben mit Gewalt von unten begegnen musste, verfasste er auch ein Buch zum Bau von Bomben. Most: "Ich habe nichts dagegen, wenn ein Herrscher durch ein Attentat umkommt, der selbst Tausende von Unschuldigen auf dem Gewissen hat. Das ist nur die gerechte Strafe."

1878 saß Johann Most zweimal wegen Kaiser-Attentaten, die andere versucht hatten, in Haft, bevor er aufgrund des Sozialistengesetzes aus Berlin ausgewiesen wurde. In Hamburg entschloss sich Most zur Emigration nach London, wo er im Dezember des Jahres ankam. Schon am 3. Januar 1879 gründete er die „Freiheit“, eine sozialdemokratische Zeitung mit radikalem Unterton, die nach Deutschland geschmuggelt wurde. Die "Freiheit" legte sich mit allen Unterdrückern an, egal ob Präsidenten, Könige, Kaiser oder Papst. Die "Freiheit" gefiel aber auch den führenden Sozialdemokraten in Deutschland nicht, weshalb sie eine eigene Zeitung (Der Sozialdemokrat) gründeten. Die hinter den beiden Blättern stehenden Richtungen bekämpften sich bald.

In dieser Zeit ergab sich ein Kontakt mit mehreren Anarchisten, was Johann Most immer radikaler und anarchistischer werden ließ, weshalb auch seine Beziehungen zu Marx und Engels abkühlten und schließlich ganz zum Erliegen kamen. In der Folge schloss die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Most 1880 auf einem Kongress in der Schweiz aus, weil er mit der Parteilinie nicht mehr übereinstimmte. Der Ausschluss hatte zur Folge, dass der Exkommunizierte den Untertitel seiner „Freiheit“ von „Social-demokratisches Organ“ in „Organ der Sozialrevolutionäre deutscher Sprache“ änderte und das Blatt in einer neuen Druckerei verlegte.

Weil er mit einem Kommentar in der "Freiheit" Sympathie für das Attentat auf Zar Alexander II. von Russland bekundete, wurde Johann Most 1881 in England zu einer 16-monatigen Zwangsarbeitsstrafe verurteilt. Diese ruinierte seine Gesundheit. Als sich die von einem Freund weitergeführte „Freiheit“ mit den irischen Republikanern solidarisierte, verbot das englische Königreich ihre Herausgabe, so dass sie in die Schweiz ausweichen musste. Im Oktober 1882 wurde Johann Most aus seiner Isolationshaft entlassen. Da war sein Entschluss, die „Freiheit“ in New York herauszugeben, schon gefallen und Ende des Jahres schiffte er sich auf dem Dampfer Wisconsin ein.

In Amerika

Vielen Sozialisten in Amerika war Johann Most längst ein Begriff. So ging er schon bald in Amerika auf Agitationsreisen und versuchte in der jungen sozialrevolutionären Partei sozialistisches und anarchistisches Gedankengut zu einen – etwa auf dem Pittsburger Kongress 1883, den er mitorganisierte. Für diesen Kongress hatte Johann Most die so genannte Pittsburger Proklamation geschrieben, eine Prinzipienerklärung für die International Working Peoples´ Association, die dort gegründet wurde. Auch die „Freiheit“ führte Most weiter – in einer amerikanischen und einer europäischen Version, die von London aus in Deutschland vertrieben wurde.

Amerika gab Johann Most die Zeit und Inspiration, seine bekanntesten Schriften zu verfassen: Die Gottespest, Die Eigentumsbestie und Die freie Gesellschaft. Sie verdeutlichten Mosts Hass gegen die Religion und seine Hinwendung zum kommunistischen Anarchismus, die in den 1890er Jahren durch die Schriften Peter Kropotkins noch verstärkt wurde.

Ohne dass Most eine Beteiligung nachgewiesen werden konnte, verhaftete man ihn wegen eines Attentats auf die Polizei in Chicago und sperrte ihn für ein Jahr auf Blackwell´s Island ein, wo er ein Buch über seine Gefängnisaufenthalte schrieb. Kaum entlassen begann Johann Most zwischen 1887 und 1888 die „Internationale Bibliothek“ herauszugeben, in der er Band um Band revolutionäre Propagandaschriften veröffentlichte. Nach einer Anklage als Anarchistenführer folgte ein dreieinhalbjähriger Prozess, der Most im Juni 1891 wieder ins Gefängnis brachte. Amerika war nicht weniger gegnerisch wie die Alte Welt.

Als im Juni 1892 in Pennsylvania ein Streik ausbrach und ein von Most beeinflusster Anarchist ein Attentat auf einen Fabrikmanager verübte, lehnte Johann Most dieses Attentat ab, weil es nicht mit seinem Konzept der Propaganda der Tat übereinstimme, sprich: weil es die Bevölkerung nicht zur Sympathie mit der anarchistischen Bewegung führe. Mit dieser Beurteilung machte sich Johann Most unter den amerikanischen Anarchisten wenig Freunde und viele Anhänger wandten sich vom Anarchismus ab, der in den 1890er Jahren seinen Schwerpunkt wieder in Europa fand.

Um die Jahrhundertwende erschienen in der "Freiheit" viele Artikel mit dem Hintergrund des revolutionären Syndikalismus, wohin sich Most immer mehr entwickelte. Als am 6. September 1901 ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten William Mc Kinley? verübt wurde, sah man den Anarchismus als Grund und verurteilte Johann Most für die Publikation eines 50 Jahre alten Artikels des deutschen radikalen Schriftstellers Karl Heinzen zu einem Jahr Gefängnis.

Das alles konnte Johann Most nicht davon abhalten, die ersten großen Kirchenaustrittsbewegungen oder Arbeitertheater – für Arbeiter kostenlose Theateraufführungen - zu organisieren. Wann immer es Most möglich war, ging er auf Rundreisen und hielt Vorträge und Reden über den Anarchismus. Etwa auf einer großen Vortragsreise im Jahr 1906, die ihn über die Ostküste und Pittsburgh nach Cincinnati führte, wo Johann Most am Erysipel erkrankte und am 17. März mit 60 Jahren starb. Weil die Polizei eine Überführung seiner Leiche nach New York verboten hatte, begrub man ihn in Cincinnati. Die von ihm gegründete Zeitung "Freiheit" überlebte den aus Augsburg stammenden Anarchisten nur wenige Jahre und wurde am 17. August 1910 eingestellt.

Johann Most schrieb über die Freiheit: "Was ist denn das höchste Glück des Menschen! Die grösstmögliche individuelle Freiheit, die Möglichkeit, alle seine geistigen und körperlichen Bedürfnisse nach allen Richtungen hin zu befriedigen. Eine solche individuelle Freiheit wird aber selbstverständlich nicht weiter gehen können, als bis dahin, wo die Ausübung derselben Anderen schadet, sonst fände eine Beherrschung des Menschen durch den Menschen statt. Ebenso sind viele menschheitliche Zwecke in einer zivilisierten Gesellschaft nicht erreichbar durch einzelne Individuen ..."

Angesichts des Lebens dieses Anarchisten aus Augsburg wundert es nicht, dass er in einer Mischung von Respekt und heimlicher Angst in Extremistenkreisen als „wilder Hund“ galt. Für Most war es natürlich, dass sich Revolutionäre Sprengstoffe zu beschaffen wussten und die Kunst lernten, sie praktisch anzuwenden. Deshalb arbeitete Johann Most inkognito in einer Dynamitfabrik in Jersey City. Mittel des revolutionären Terrorismus waren für ihn selbstgebaute Brandbomben, mit Benzin gefüllte Büchsen und so genannte Apothekerfläschchen mit Schießpulver und Zündschnur. Er schrieb: „In dem Augenblick, wo Schnur oder Schwamm bis zum Pulver gebrannt ist, explodiert letzteres und bringt gleichzeitig auch das Benzin zur Explosion. Ringsumher fliegt das brennende Nass und übt seine verheerende Wirkung“. Wie wild er war, zeigt sich darin, dass er Terrorakte in großem Stil wollte, die wie ein Fanal wirken sollten. Hundert Mann, ausgestattet mit mehreren solcher einfachen Feuermacher über eine Stadt verteilt, könnten im Augenblick eines Aufruhrs mehr ausrichten als „20 Batterien regulärer Artillerie“ war Most überzeugt. Er selbst verübte jedoch - warum auch immer - nie ein Attentat.

Werke (Auswahl)

Die Gottespest

Die Gottespest zeigt, welch radikaler Atheist Johann Most sein Leben lang war. Sie wurde als „Meisterstück antiklerikaler Satire“ bis heute immer wieder aufgelegt. Wolfgang Harich sprach gar von der „kolossalsten Schmähung des Christentums, die die Literaturgeschichte kennt“.

Gleich im ersten Satz nennt Johann Most die Religion eine Geisteskrankheit. Manche kritischen Anmerkungen Mosts sind durch die Bibelkritik heute nicht mehr stichhaltig, wenngleich sie immer noch höchst amüsant zu lesen sind. Den Gott der Bibel sieht Most als Musterdespoten, launenhaft und rachgierig. Die christliche Lehre von der Trinität erscheint absurd und der Vernunft widersprechend. Überhaupt versuche die Religion Menschen von wissenschaftlicher Forschung und vernünftigen Welterklärungen fernzuhalten, damit unzählige Kirchenschafe in ihren kirchlichen Ställen Gott litaneimäßig anblöken. Damit stehe und falle die Macht der ausbeutenden Klassen, für die es eine Lebensfrage sei, dass das Volk religiös versimpelt wird. Religion als Opium des Volkes. Most hat seinen Feuerbach gelesen. Je dümmer das Volk, je mehr Angst vor Höllenstrafen, desto einfacher kann es regiert werden, so Most. Deshalb stünden alle Tyrannen mit den Pfaffen im Bund, die dem Volk den nötigen Sklavensinn und Obrigkeitshörigkeit ins Herz pflanzen. Mit Kerker, Schwert und Galgen halten Obrigkeit und Kirche den religiösen Wahnsinn aufrecht. Religiös Geisteskranke zu heilen ist sehr schwer. Ein erster Ansatz muss nach Most der Kampf gegen das Pfaffentum sein. Nur wenn das Volk wieder zu seinem Verstand kommt, kann es seine Freiheit erringen. Gegen die Existenz eines Gottes spricht die Tatsache, dass sie nicht zu beweisen ist und dass jede Religion eine andere Meinung über ihn verbreitet und sich so ein Chaos von Widersprüchen ergibt. „Gott ist nur ein von raffinierten Schwindlern erfundenes Gespenst, vermittelst welchem die Menschen bisher in Angst erhalten und tyrannisiert wurden“, fasst Most seine Auffassung zusammen.

Revolutionäre Kriegswissenschaft

Dieses Buch wurde noch 1995 in Deutschland indiziert. Anders als der Titel suggeriert, hat das Buch nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern ist ein Ratgeber zum Bombenbau. Es beschreibt unter anderem die Herstellung von Sprengstoff. Schon 1946 hatten die Alliierten und ihr Kontrollrat in Berlin die Befürchtung, das Buch könnte Widerstandsgruppen zum Bombenbau dienen. Nach der Wiedervereinigung indizierte die Bundesprüfstelle den Titel am 30. September 1995, der in Deutschland bis heute als jugendgefährdendes Medium betrachtet wird und damit den entsprechenden gesetzlichen Beschränkungen unterliegt.

Weitere Veröffentlichungen

  • Die Pariser Commune vor den Berliner Gerichten. Eine Studie über deutsch-preußische Rechtszustände. Braunschweig 1875
  • Mosts Proletarier-Liederbuch. Chemnitz 1875
  • Die Bastille am Plötzensee. Blätter aus meinem Gefängnis-Tagebuch. Braunschweig 1876
  • Die Lösung der socialen Frage. Ein Vortrag, gehalten vor Berliner Arbeitern. Berlin 1876
  • Der Kleinbürger und die Socialdemokratie. Ein Mahnwort an die Kleingewerbtreibenden. Augsburg 1876
  • Kapital und Arbeit. Ein populärer Auszug aus „Das Kapital“ von Karl Marx. Chemnitz 1876
  • Die socialen Bewegungen im alten Rom und der Cäsarismus. Berlin 1878
  • August Reinsdorf und die Propaganda der Tat. New York 1885
  • Acht Jahre hinter Schloss und Riegel. New York 1886
  • Stammt der Mensch vom Affen ab? New York 1887
  • Die Freie Gesellschaft. New York 1887
  • Die Eigenthumsbestie. New York 1887
  • Die Anarchie. New York 1888
  • Der kommunistische Anarchismus. New York 1889
  • Memoiren. Erlebtes, Erforschtes und Erdachtes. New York 1903-1907

Sonstiges

In Augsburg wird die Erinnerung an Johann Most verdrängt. Während die Stadt ansonsten nicht müde wird, jedem Augsburger Hühnervernichter (siehe Salomon Idler) ein Denkmal oder eine Gedenktafel zu setzen, erinnert in Augsburg niemand und nichts an den berühmten Augsburger. Eine Gedenktafel im Langen Sachsengässchen oder im Lauterlech - beide Straßen könnten Ort seiner Geburt gewesen sein -, vermisst man jedenfalls.

Dadaweb schreibt über Johann Most: "Er war ein Feuerkopf. In der deutschen Arbeiterbewegung der 1870er und 1880er Jahre gab es keinen Agitator, der ihm an Leidenschaft und Courage gleichgekommen wäre."

Lied von Johann Most

"Wer schafft das Gold zu Tage?"

Wer schafft das Gold zu Tage?
Wer hämmert Erz und Stein?
Wer webet Tuch und Seide?
Wer bauet Korn und Wein?
Wer gibt den Reichen all ihr Brot
und lebt dabei in bitt´rer Not?
Das sind die Arbeitsmänner
das Proletariat
Das sind die Arbeitsmänner
das Proletariat
Wer plagt vom frühen Morgen
sich bis zu späten Nacht?
Wer schafft für andere Schätze
Bequemlichkeit und Pracht?
Wer treibt allein das Weltrad
und hat dafür kein Recht im Staat?
Das sind die Arbeitsmänner
das Proletariat
Das sind die Arbeitsmänner
das Proletariat
Wer war von jeher geknechtet
von der Tyrannenbrut?
Wer musste für sie kämpfen
und opfern oft sein Blut?
O Volk, erkenn, dass du es bist
das immerfort betrogen ist
Wacht auf, ihr Arbeitsmänner
Auf Proletariat
Wacht auf, ihr Arbeitsmänner
Auf Proletariat
Rafft eure Kraft zusammen
und schwört zur Fahne rot
Kämpft mutig für die Freiheit
Erkämpft euch bessres Brot
Beschleunigt der Despoten Fall
Schafft Frieden bald dem Weltenall
Zum Kampf, ihr Arbeitsmänner
Auf, Proletariat
Zum Kampf, ihr Arbeitsmänner
Auf, Proletariat
Ihr habt die Macht in Händen
wenn ihr nur einig seid
Drum haltet fest zusammen
dann seid ihr bald befreit
Drängt Sturmschritt vorwärts in den Streit
wenn auch der Feind Kartätschen speit
Dann siegt, ihr Arbeitsmänner
das Proletariat!
Dann siegt, ihr Arbeitsmänner
das Proletariat!

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