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Mittelalter

Schon vor der Erhebung Augsburgs zur Freien Reichsstadt? hatte die Stadt einen bedeutenden Handelsverkehr – vor allem mit Köln.

Noch unter den Hohenstaufern? erreichten die Augsburger den Status einer Freien Reichsstadt?. Die kaiserlose Zeit vor der Regentschaft Rudolph von Habsburgs? nutzten die Augsburger, sich ganz von der kirchlichen Herrschaft zu befreien. Rudolph von Habsburg? bestätigte nach seiner Wahl die Freiheiten und Vorrechte Augsburgs, stellte die Stadt unter seinen Schutz und gab ihr ein Gesetz, das ihre „Reichsfreiheit“ für alle Zeiten festschrieb (am 9. März 1276). Von ihm bekam Augsburg auch das Stadtbuch?, in dem Gewohnheitsrechte und gewerbliche Gesetze gesammelt waren. Nun verschärften sich die Auseinandersetzungen zwischen den Augsburger Bürgern? und dem Augsburger Bischof. Ihren Höhepunkt erreichten diese Streitigkeiten mit dem Umzug der bischöflichen Residenz nach Dillingen?. Nun übernahmen die Patrizier die Herrschaft in der Stadt.

In der Folge entwickelten sich Gewerbe und Handel? Augsburgs freier als zuvor. So spricht schon das Stadtbuch? von einem Handel mit Italien. Bozen, Venedig und Kärnten werden als Handelsplätze genannt, mit denen Augsburger Kaufleute besonders verbunden waren. Um die eigene Wirtschafts- und Handelstätigkeit zu festigen, erhob die Stadt auf fremde Waren damals einen Zoll. Das Stadtbuch? schützte auch den „Gewerbsmann“ durch Verordnungen vor Kaufleuten und Krämern, falls deren eingeführte Waren ihre Geschäfte vernichteten oder in Bedrängnis brachten. Besonders geschützt wurden die Silberschmiede gegenüber den Silberhändlern, die Weber und Gewandschneider sowie etwa die Gerber und Schuster.

Aus dem Jahr 1320 ist eine Schützengilde bekannt, in der sich Bürger? zusammenfanden, die sich eine Schusswaffe leisten konnten. Ihre Schießübungen hielten sie im Graben vor dem Gögginger Tor? ab. Vor Schießübungen trommelte ein Tambour die Schützen eines Stadtquartiers zusammen. Die Schützen durften ihren nächtlichen Wachdienst im Wehrgang der Stadtmauer verrichten, während die "Spießbürger" bewaffnet mit einer Hellebarde oder einem Spieß selbst bei eisigen Temperaturen nachts durch die Straßen Augsburgs patrouillieren mussten, um jede Stunde mit dem Nachtwächterhorn die Stunden anzublasen. Aus dem Jahr 1360 stammt eine Urkunde, die 18 Torhüter (Torwarte) an den Stadttoren aufzählt, 20 Wächter auf den zehn damaligen Stadttürmen? sechs Wächter als Beobachtungsposten und 40 Scharwächter als Nachtwachen. Die Urkunde übertrug die früher von Bürgern? übernommenen Dienste jetzt Angestellten der Stadt.

Noch wurde der Stadtrat nur aus den Patriziern, also Mitgliedern des städtischen Adels gewählt, doch gehörten ab 1368 auch Mitglieder der Zünfte? zum Stadtrat. Zuvor hatte es zwischen den Patriziern und den städtischen Zünften? der Handwerker Auseinandersetzungen gegeben. Es kam 1368 zu einem Aufstand der Zünfte?, aus dem die Handwerker? gegenüber den Patriziern siegreich hervorgingen. Sie erreichten die Einführung einer Zunftverfassung?, die ein Mitregieren der Handwerker? garantierte. Dieses Mitregieren endete erst 1547, als die Kaufmannsfamilien der Fugger und Welser die Stadtregierung übernahmen.

1368 aber bedeutete die Zunftverfassung? einen größeren Einfluss wirtschaftlicher Fragen in der Stadtverwaltung und Entscheidungen, die sich nach den Erfordernissen von Handwerk? und Handel? richteten.

In der Regierungszeit König Sigismunds (1411 - 1437) erhielt Augsburg als erste Reichsstadt? die Erlaubnis, Trompeten erschallen zu lassen (1426). Allerdings nur zu Anlässen wie etwa der Ankunft des Landesherren. Ansonsten bliesen die Turmwächter das Signalhorn. Die Reichsstadt? Augsburg beschäftigte damals und bis 1599 allerhand Musiker (bis zu sieben), die neben der Posaune alle damals üblichen Holzblas- und Saiteninstrumente bei feierlichen Anlässen spielten - etwa bei den Geschlechtertänzen?.

Da zwischen 1500 und 1582 viele Reichstage? in Augsburg stattfanden, mussten die Stadtmusiker? oft den Kaiser und sein Gefolge mit der vierstimmigen "Kaiser-Fanfare" begrüßen, die mit Pauken und Trompeten intoniert wurde. Auch die Kurfürsten hörten zum Reichstagseinzug "ihre" jeweiligen Fanfaren.

Auf dem Augsburger Reichstag? von 1500 wurde die so genannte Reichsexekutionsordnung? beschlossen. Die war die rechtliche Grundlage, den Landfriedensbruch zu bekämpfen und Reichskammergerichtsurteile zu vollstrecken. Auch wurde damals die Einteilung des Reichs in zunächst sechs, später in zehn Reichskreise? beschlossen. Die Reichskreise? waren überterritoriale Verwaltungseinheiten. Augsburg selbst wurde 1500 dem Schwäbischen Reichskreis zugeordnet und blieb es bis 1803.

Auch nachfolgende Kaiser zeigten sich Augsburg gegenüber offen und wohl gesonnen, so dass Augsburg zu Zeiten der Renaissance zu einer der gewerbereichsten Städte Deutschlands aufstieg. Erst in der Folge der Reformation verlor Augsburg seine herausgehobene Stellung.

Der dann folgende Dreißigjährige Krieg tilgte die letzten Spuren der glänzenden Epoche Augsburgs. Danach dauert es lange, bis mit der Textilindustrie? Augsburg wirtschaftlich wieder eine Bedeutung erlangt („Manchester Deutschlands“).


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