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Messerschmitt AG

ehemals Bayerische Flugzeugwerke AG?; ein in Augsburg ansässiger deutscher Flugzeughersteller, der nach dem Zweiten Weltkrieg auch PKW herstellte; 1968 zu Messerschmitt-Bölkow-Blohm fusioniert

Allgemeines

Die Messerschmitt AG war ein nationalsozialistischer Musterbetrieb und hatte ihren Hauptsitz in Augsburg. Zur Firmengruppe, deren Vorstandsvorsitzender ab Gründung Willy Messerschmitt war, gehörten jedoch noch Werke in anderen Städten Deutschlands bzw. der österreichischen "Ostmark":

Die Entwicklung der Firma war bis 1945 aufs Engste mit den nationalistischen Machthabern und ihren Vorstellungen verknüpft. Das zeigte sich u. a. darin, dass die Messerschmitt Firmengruppe von den Nationalsozialisten? dazu ausersehen war, zukunftsweisende Flugzeuge zu bauen. Diese Pläne verwirklichten sich in den Flugzeugtypen Me 262 "Schwalbe", die das erste serienmäßig produzierte Flugzeug mit Strahltriebwerk darstellte (als Düsenjäger verwendet) und in der Me 163 "Komet", die man mit einem neuartigen Raketentriebwerk ausgestattet hatte. Diese Entwicklungen waren in erster Linie die Leistungen des damaligen Flugzeugkonstrukteurs Alexander Lippisch.

Geschichte

NS-Musterbetrieb

Gegründet wurde die Messerschmitt AG am 11. Juli 1938. Sie ging wie oben angedeutet aus der Bayerischen Flugzeugwerke AG? hervor. Das ist der Grund, warum es bei der Typenbezeichnung von Flugzeugen des Werks einige Verwirrungen gab. Zwar wurden die ab 1938 entwickelten Flugzeuge mit dem Kürzel "Me" statt zuvor "Bf" versehen, doch behielten die bis dahin entwickelten Typen ihr Kürzel "Bf" und manchmal wurden neu entwickelte Typen in Dokumenten noch mit Bf abgekürzt, was z. B. für die Me 109 (Bf 109) und die Me 110 (Bf 110) galt.

Im Oktober 1938 besichtigte der Ozeanüberquerer Charles Lindbergh die Augsburger Messerschmitt-Werke. Der Völkische Beobachter vom 21. Oktober 1938 schrieb über den Besuch am Tag zuvor: "Oberst Lindbergh war sichtlich beeindruckt von dem hohen Stand der deutschen Luftfahrtindustrie". Er habe "großes Interesse für die hervorragenden Leistungen der Messerschmitt-Werke bezeugt, deren Maschinen auf allen fliegerischen Konkurrenzen der letzten Jahre viele Siege errungen haben", gezeigt. Nach dem Besuch schätzte Lindbergh aufgrund der Täuschungen durch seine Gastgeber die deutsche Flugzeugproduktion zum damaligen Stand auf 600 bis 800 Einheiten pro Monaten gegenüber etwa 120 Einheiten in England und Frankreich. Das führte dazu, dass Charles Lindbergh gegenüber seinen Gesprächspartnern aus Politik und Flugzeugindustrie der Alliierten bzw. der USA immer wieder seine Überzeugung von der Unbesiegbarkeit der Deutschen in der Luft zum Ausdruck brachte. Möglicherweise trug diese von Lindbergh mit Vehemenz vertretene These zu dem Defätismus bei, in dessen Geist Chamberlain und Daladier im Herbst 1938 das Münchener Abkommen unterzeichneten.

Zur Zeit des Nationalsozialismus? spielte die Messerschmitt AG eine wichtige Rolle in der Rüstungsindustrie?. Um dieser Rolle auch im Krieg gewachsen zu sein, unterhielt die Firma in Haunstetten ein eigenes Konzentrationslager?, von dem man weiß, dass es 1944 mit 2.695 Häftlingen belegt war. Welche Bedeutung die Firma für die Nationalsozialisten? hatte, wird daran deutlich, dass man das eigene Konzentrationslager? auf 4.500 Häftlinge aufstocken wollte und während des Krieges etwa 18.000 Menschen für Messerschmitt arbeiteten, wovon etwa 9.000 Menschen Zwangsarbeiter waren.

1939 flog eine modifizierte Me 109 von Augsburg aus den damaligen Geschwindigkeitsweltrekord eines Flugzeugs - 755,1 km/h. Im gleichen Jahr siedelte sich Alexander Lippisch mit zwölf Mitarbeitern in Augsburg an und arbeitete im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums bei der Messerschmitt AG. Es gelang u. a. ihm und seinen Mitarbeitern, die Me 163 zu entwickeln, die durch einen Raketenmotor von Hellmut Walter angetrieben wurde. 1941 flog sie horizontal 1.003 km/h. Das war das erste Mal in der Geschichte der Luftfahrt, dass ein Flugzeug eine Geschwindigkeit von mehr als 1 000 km/h erzielte. Danach verließ Alexander Lippisch Augsburg wieder, promovierte 1942 in Heidelberg mit einer Arbeit über die flugmechanischen Beziehungen beim Raketenantrieb und wurde 1943 Leiter des "Luftfahrt-Forschungsinstituts" in Wien, wo er an Überschallflugzeugen mit Deltaflügeln sowie Staustrahl-Triebflügeln nach Ideen von René Lorin arbeitete. Sein letztes NS-Projekt war ein Deltaflugzeug in umgekehrter T-Form, das von Studenten in Prien? am Chiemsee fertiggestellt wurde.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges arbeiteten in den Augsburger Messerschmitt Flugzeugwerken etwa 18.000 Beschäftigte. Von ihnen waren etwa 3.000 KZ-Häftlinge und 8.700 so genannte "Fremdarbeiter?", d. h. Kriegsgefangene?, freiwillig hier arbeitende Ausländer und Zwangsarbeiter?, die von den Nazis hierher deportiert worden waren. Insgesamt sollen Messerschmitt-Flugzeuge während des Krieges von etwa 27.300 Menschen gefertigt worden sein.

Schon die Bayerischen Flugzeugwerke? in Augsburg hatten dank bester Beziehungen zu den Nationalsozialisten? ab 1933 Aufträge für die getarnte Luftrüstung des Dritten Reichs bekommen. Noch besser lief es ab 1938 für die Messerschmitt AG. Sie produzierte mit der Me 109 in verschiedensten Varianten bis Kriegsende den deutschen Standardjäger und fertigte bis 1945 insgesamt etwa 30.000 Exemplare allein dieses Flugzeugs.

Nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen die Messerschmitt-Werke in alliierte Hand. Deshalb stellte Messerschmitt die Produktion um und fertigte Nähmaschinen, Fertighäuser und später den Messerschmitt Kabinenroller.

1955 legten die Allierten die Messerschmitt AG wieder zurück in (west)deutsche Hände. Sofort betätigte sich die Firma wieder im Flugzeugbau und ging nach einigen Jahren in der Messerschmitt-Bölkow-Blohm AG? auf. Diese wiederum wurde nach weiteren Jahren in die Deutsche Aerospace? (DASA) aufgenommen, die zum Konzern Daimler-Benz gehörte.

Details

Die Stammarbeiter bei Messerschmitt gehörten zu den privilegiertesten Augsburger Arbeiter unter den Nationalsozialisten?. Das galt für den Verdienst, der sehr hoch war, und dafür, dass sie selten zum Kriegsdienst eingezogen wurden, weil ihre Arbeit wehrwichtig war.

Ganz anders erging es den in Barackenlagern nahe beim Werk untergebrachten KZ-Häftlingen und Fremdarbeitern?. Sie mussten unter erbärmlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, die viele KZ-Häftlinge mit dem Leben bezahlten, wenn sie nicht durch Misshandlungen zu Tod kamen. Nur mit Hilfe dieser Arbeitssklaven der Nationalsozialisten? konnte die Produktion der Messerschmittwerke bis 1945 aufrechterhalten werden. Unter ihnen auch der spätere französische Kommunistenführer Georges Marchais. In den 1980er Jahren wurde bekannt, dass er als Fremdarbeiter? in den Augsburger Messerschmittwerken beschäftigt war. Damals diskutierte man sowohl in Frankreich als auch in Augsburg darüber, ob er sich damals freiwillig zu dieser Arbeit gemeldet hatte, oder von den Nationalsozialisten? dazu gezwungen wurde, allerdings ohne Ergebnis.

Weblinks


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