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Merkurbrunnen

ein Augsburger Prachtbrunnen, der nach Merkur, dem römischen Gott des Handels, benannt ist

Allgemeines

Merkurbrunnen Augsburg, Detail 2011 - (c) by Ludwig Aeckerle

Schon die Römer verehrten Merkur im Augsburg der Antike. Er war für sie der Gott des Handels, aber auch der Diebe. Indem die Augsburger im 16. Jahrhundert den Merkurbrunnen errichteten, knüpften sie an diese Tradition an und wollten durch ihn auf Augsburg als Handelsmetropole der damaligen Zeit aufmerksam machen. Der Merkurbrunnen ist der kleinste der drei Prachtbrunnen in Augsburg.

Als Vorbild für die Brunnenfigur des Merkur gilt der von Giovanni da Bologna (Giambologna) geprägte Typus des "Mercurio volante". Adrian de Vries? war ein Schüler Giambolognas in Florenz. Allerdings scheint der Augsburger Merkur zwischen Enteilen und Bleiben zu verharren. Jedenfalls ist die Merkurfigur eine sehr eigene Interpretation von antiken Vorbildern oder auch den Stand- und Schwebfiguren, die de Vries in Florenz kennenlernte (etwa den Merkur im Bargello von Cellini). Der Brunnen mit seinen vier Seiten steht in einem zehneckigen Becken aus Marmor. Das Wasser fließt in dünnem Strahl aus den Bronzen am Pfeiler: zwei Hundeköpfe, zwei Medusenhäupter, zwei Löwenmasken und vier Adlerköpfe, Symbole der Gefahren, die Handel und Verkehr bedrohen und vor denen Gott Merkur schützen soll.

Der Merkurbrunnen steht in der heutigen Maximilianstraße auf dem Platz vor der Kirche Sankt Moritz und dem Weberhaus. Weil die Unterbringung in Innenräumen die beste Konservierungsmethode für eine Bronze bietet, ließ die Stadt Augsburg das Original des Bronzebildwerks im mit einem Glasdach überdeckten Innenhof des Maximilianmuseums unterbringen. Die Brunnensäule auf dem Platz vor der Moritzkirche wird von einem Bronzeabguss der Merkurfigur bekrönt. Der Pfeilersockel, auf dem der Merkur steht, ist mehrfach profiliert.

Geschichte

Bereits 1414 befand sich an der Stelle des heutigen Merkurbrunnens ein Brunnen, der an dieser wichtigen städtischen Straßenkreuzung zur Wasserversorgung Augsburgs gehörte.

Modelliert wurde der heutige Augsburger Merkurbrunnen in den Jahren 1596 bis 1599 von dem niederländischen Künstler Adrian de Vries?. Wolfgang Neidhart?, der Augsburger Stadtgießer, setzte de Vries´ Planungen um, indem er die Figurengruppe im Wachsausschmelzverfahren goss.

Markus Welser? publizierte 1595 (nach anderen Quellen 1590) in seinen "Antiqua Monumenta" ein römisches Merkurrelief aus dem 2. Jh. n. Chr., das im Jahr 1500 bei Sankt Ulrich und Afra gefunden worden war und die Bedeutung dieses Gottes für Augsburg verdeutlichte. Das Merkurrelief befindet sich heute im Römischen Museum.

1556 entfernte man den Vorgängerbrunnen und legte mit weißem Kalkstein den Grundstein für den neuen Brunnen. Die Brunnengruppe mit den Protomen, plastischen Kunstwerken, die den vorderen Teil eines Tieres oder Menschen darstellen und meist mit einem anderen Objekt verbunden sind, goss Wolfgang Neidhart? im Jahr 1599.

1614 stach Wolfgang Kilian? den Merkurbrunnen als letztes Blatt seiner berühmten Brunnentrias, die er mit Legendenhinweisen ausschmückte.

1661 musste man den Merkurbrunnen ein erstes Mal restaurieren. Wahrscheinlich lag es an der Unerfahrenheit des jungen Bronzegießers Wolfgang Neidhart?, dass die Brunnenfiguren schon bald Schäden zeigten. Haarrisse ermöglichten das Eindringen von Wasser und so vergrößerten sich die gussspezifischen Eisenarmierungen im Gusskern, was zur Sprengung der Bronze an manchen Stellen führte - Risse und klaffende Öffnungen waren die Folge.

1713 spendierte man dem Merkurbrunnen zum Schutz ein Brunnengitter.

Am Brunnengesims hat man 1752 zwei Rocaillekartuschen angebracht. Gleichzeitig erneuerte man den Brunnenpfeiler in Rotmarmor und barockisierte damit den Brunnen. Das geschah durch den Stadtsteinmetz J. W. Schindel.

1766 schreibt der Stadtbrunnenmeister? Caspar Walter seine "Anweisungen" und würdigt darin sowohl die Aufgabe als auch die Funktion des Merkurbrunnens.

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Als die Gusshaut der Figuren des Merkurbrunnens wieder starke Risse aufwies, ließ man die Statuen 1914 in der Riedinger Bronzefabrik? mit der neuen Technik des autogenen Schweißverfahrens restaurieren und entschied sich damit gegen den Rat des Münchener Erzgießers Fritz von Miller, die die konventionelle Methode auf kaltem Weg empfohlen hatte. So jedenfalls Otto Holzer im Jahr 1917. Damals entfernte man den Gusssand und das korrodierte Eisen. An der Außenseite des linken Unterschenkels des Merkur kann man noch heute eine damalige Reparaturstelle erkennen - möglicherweise ist sie jedoch schon auf einen älteren Reparaturversuch zurückzuführen.

Während der Osterkämpfe, in denen die Räteherrschaft 1919 in Augsburg niedergeschlagen wurde, schlug an der Innenseite des linken Oberschenkels des Merkur eine Kugel ein. Man hat ein rundes Kupferstück eingeschlagen, um diese Wunde zu schließen. Wegen der andersartigen Korrosion ist diese Schussverletzung noch heute gut zu erkennen.

1928 entwarf Theodor Fischer? Pläne, den Brunnen um einige Meter zu verlegen. Diese Verlegung aus verkehrstechnischen Gründen wurde jedoch erst 1936 umgesetzt - allerdings in modifizierter Form.

1940 brachte man die Figuren des Merkurbrunnens (wie übrigens auch des Herkulesbrunnens oder drei Figuren der Michaelsgruppe des Zeughauses) zum Schutz vor Bombenangriffen in das Kloster Ottobeuren?.

Nachdem 1988 zwei der Greifenprotome des Merkurbrunnens gestohlen worden waren, ersetzte man alle Protome durch Repliken und erarbeitete ein Restaurierungskonzept für die stark durch die Umweltbedingungen geschädigten Bronzen.

1990 brachen Feiernde im Rahmen eines Brunnenfestes den rechten Flügel des Schlangenstabes ab. Leider wurde die anschließende Schweißreparatur schlecht ausgeführt und nur nachlässig überarbeitet, was dazu führte, dass sie im Umfeld verbrannte Patina hinterließ und so die Verbindungen der Flügel mit dem Stab nur schlecht erkennbar sind.

In den Jahren 1996 und 1997 restaurierte man den Merkurbrunnen unter Aufsicht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dabei dokumentierte man alle erkennbaren Schäden, die Reparaturen, aber auch Beobachtungen zur Technologie und Herstellung der Figurengruppe. Man legte die Originalfigur mit dem Skalpell frei und konservierte den Merkur mit mikrokristallinem Wachs, bevor man eine Kopie fertigte.

Im Juli 1997 stellte die Stadt Augsburg die Kopie der Bronzefigurengruppe auf die Brunnensäule am Moritzplatz. Die originale Bronzefigur ließ man für 566.000 DM restaurieren und stellte sie im Frühjahr 2000 im neugestalteten Innenhof des Maximilianmuseums in der Philippine-Welser-Straße auf.

Unter dem Titel "Bella Figura – Europäische Bronzekunst in Süddeutschland um 1600" fand zwischen dem 6. Februar und 25. Mai 2015 im Bayerischen Nationalmuseum in München eine entsprechende Ausstellung statt. Aus Augsburg kam u. a. der Abguss der Merkurstatue des Merkurbrunnens. Augsburg warb damit für seine Bewerbung als Weltkulturerbe. Anfang Juni 2015 kehrte Merkur wieder auf seinen Platz in Augsburg zurück. Der Stadt Augsburg durch die Reinigung und Pflege mit Spezialwachs keine Kosten, denn die übernahm das Bayerische Nationalmuseum.

Details

Merkurbrunnen Augsburg, Detail 2011 - (c) by Ludwig Aeckerle

Die Merkurgruppe

Die Brunnengruppe dominiert Merkur. In seiner rechten Hand hält er einen Schlangenstab (Caduceus), der als Symbol des Glücks und Friedens gilt. Ein geflügelter Helm (Petasus) schirmt seinen Kopf und an den Füßen trägt er Flügelschuhe (Talaria). Die Brunnengruppe ist etwa zweieinhalb Meter hoch. Zu Füßen des Merkur sitzt ein geflügelter Amorknabe. Er ist mit einem Bogen ausgestattet und will dem Gott Merkur seinen geflügelten Schuh entweder lösen oder binden. Dieser knieende Eros bildet den kompositorischen Dreh- und Angelpunkt der Figurengruppe. Ein "echtes" Vorbild für den Augsburger Merkur ist nicht bekannt. 1941 vermutete H. R. Weihrauch in dem Münchener Jüngling, der im Bayerischen Nationalmuseum steht, ein Modell für den Augsburger Merkur. Dieser Gedanke konnte sich jedoch nicht durchsetzen. Adrian de Vries? ging das Thema Merkur später noch mindestens zweimal an: So steht im Louvre die Arbeit "Merkur und Psyche" von ihm und in Drottningholm zeigt man sein Werk "Merkur mit Löwe".

Interessant am Augsburger Merkur ist darüber hinaus, dass er ohne seine Chlamys dargestellt ist. Die Chlamys (altgriech. χλαμύς) war in der Antike ein kurzer Reit- und Reisemantel, der aus Makedonien oder Thessalien stammte und sich bald in ganz Griechenland, später im ganzen Römischen Reich verbreitete; sie bestand grundsätzlich aus einem rechteckigen Stück Tuch, das über die linke Schulter geworfen und auf der rechten Schulter mit einer Spange zusammengehalten wurde. In Augsburg wird Merkur gegen jede Tradition als Aktfigur dargestellt. Deshalb hat man im Blick auf den Merkurbrunnen von einem Kabinettstück unter freiem Himmel gesprochen. Kabinett nennt man ein Zimmer oder eine Abteilung für ausgezeichnete, durch Kostbarkeit oder Seltenheit besonders wertvolle Gegenstände der Künste oder Wissenschaften, die, als Kabinettstücke, nicht allgemeinen Sammlungen einverleibt werden.

Der Schlangenstab, den Merkur trägt, setzt sich durch seine graugrüne Patina von der sonstigen Merkurgruppe ab. Sichergestellt ist, dass sich der Schlangenstab in der Legierung von der Merkurgruppe absetzt. Zwar ist der Griff des Stabes eindeutig zusammen mit dem Merkur gegossen worden, doch ist es möglich, dass der Stab an sich nicht mehr original ist. Darauf weist auch die Bohrung mit Gewinde am Griff des Schlangenstabs hin. Hier konnte man den in das Griffstück eingesteckten Stab durch eine Schraube arretieren. Heute ist der Stab mit Weichlot in den Griff gelötet, die Schraube entfiel. Die Schlangen sind mit einer Vierkantnietung an dem Stab befestigt.

Inschriften

Am Pfeilerpostament des Merkurbrunnens finden sich Inschriften, die von der Errichtung des Brunnens und mehreren Ausbesserungsarbeiten berichten.

Auf der Brunnen-Nordseite kann man lesen: IOANNES VELSERUS OCTAVIANUS SECUNDUS FUGGERUS II VIRI (= duum viri) LOCAVERUNT ANNO POST CHR. N MDXCVI = Johann Welser (und) Oktavian Sekundus Fugger, die (beiden) Stadtpfleger, haben die Errichtung veranlasst im Jahre 1596 n. Chr.

Auf der Brunnen-Südseite steht: OCTAVIANUS SECUNDUS FUGGERUS QUIRINUS RELINGERUS II VIRI PROBAVERUNT ANNO POST CH. N. MDIC = Oktavian Sekundus Fugger (und) Quirin Rehlinger, die (beiden) Stadtpfleger, haben (den Brunnen) abgenommen im Jahr 1599 n. Chr.

Die Brunnen-Ostseite bezeugt, dass schon nach 30 Jahren die erste Instandsetzung nötig war. Dort heißt es: HIERO.IMHOFF BERN.RELINGERUS II VIRI RENOVAR. ANNO POST CHR.N. MDCXXVIII = Hieronymus Imhoff (und) Bernhard Rehlinger, die (beiden) Stadtpfleger, haben die Renovierung veranlasst 1628 n. Chr.

Merkurbrunnen Augsburg im Sommer
Merkurbrunnen Augsburg im Sommer. Dahinter das Weberhaus. 2015 von Neitram (Eigenes Werk) [GFDL oder CC BY-SA 4.0-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

Eine weitere Brunnen-Überholung zeigten Inschriften an, die man auf der Nord- und der Südseite unter die schon bestehenden anbrachte: AEDILIUM CURA PRISTINO DECORI RESTITUIT MDCLXI IOANNE CASPARE REMBOLDO DAVIDE A STETTEN II VIRIS = Die Fürsorge der Baubeamten hat die Wiederherstellung im vorherigen Schmuck veranlasst, 1661, als Johann Kaspar Rembold (und) David von Stetten Stadtpfleger waren.

Die nächste Ausbesserung geschah 1713, was auf dem westlichen Wulst der Brunnensäule vermerkt wurde: DNO IOSEPHO ADRIANO IMHOFF DNO GOTTOFREDO AMMAN II VIRIS PREFECTIS AEDILES DNI IOANNES JACOBUS IMHOFF CHRISTOPHOR.ILSUNG IOANNES IACOBUS BEYER INSTAURAVERUNT A(nno) O(ribis) R(edempti) MDCCXIII = Als Herr Joseph Adrian Imhoff (und) Herr Gottfried Amman Stadtpfleger waren, haben die Baubeamten, die Herren Johann Jakob Imhoff, Christoph Siegmund Amman, Johann Christ. Ilsung (und) Joh. Jakob Beyer, für die Ausbesserung gesorgt. i.J. der Welterlösung 1713.

Im Jahr 1752 zeigte sich der verbreitete Rokokostil? auch am Merkurbrunnen. Diese letzte wesentliche Veränderung hielt eine Inschrift in den Kartuschen fest: LEOP.ANTON.IMHOFF MARC.CHRISTOPH.KOCH II VIRIS FRANC JOSEPH.IGN.IMHOFF IOANNES A STETTEN WOLFG.ANT.LANGENMANTEL PAUL.IOANN.MARCI AEDILIBUS A.O.R. MDCCLII FONTEM SALIENTEM TRACTU TEMPORIS RUINOSUM FORI ORNAMENTO CIVIUM COMMODO AUSPICIIS IIVIRORUM AEDILES ARE PUBLICO RESTITUERUNT AMPLIFICARUNT A(nno) S(alutis) R(ecuperatae) MDCCLII = Als Leopold Anton Imhoff (und) Markus Christoph Koch Stadtpfleger waren (und) als Franz Jos. Ignaz Imhoff, Johann von Stetten, Wolfg. Anton Langenmantel und Paul Johann Marci Baubeamte waren, i.J. der Welterlösung 1752, haben die Beamten den Springbrunnen, der im Lauf der Zeit schadhaft geworden, zur Zierde des Platzes, zum Wohl der Bürger, unter Aufsicht der Stadtpfleger mit öffentlichen Mitteln instand gesetzt und reicher gestaltet, i.J. des wiedergewonnenen Heils 1752.

Nicht mehr erhalten ist die Inschrift "Industriae/recti amore/Temperatae", was so viel heißt wie "Der durch die Liebe zum Rechten gezügelten Betriebsamkeit". Möglicherweise sollte diese Inschrift die "bremsende" Funktion des Amorknaben verdeutlichen, die dem Bewegungsimpuls des Merkurs Einhalt gebieten sollte.

Technologie des Brunnens

Die Bronzelegierung der Figurengruppe weist einen außerordentlich hohen Zinngehalt auf (über 11 Prozent Zinn), was sich in einem inhomogenen Gefügeaufbau zeigt. Das äußert sich aber auch in einer hohen Anfälligkeit dieses Legierungstyps für eine unsichtbare interkristalline Korrosion. Sie verläuft entlang der Korngrenzen (Begrenzungslinien der Kristallite). Die zinnreicheren Kristallite korrodieren kaum und zeigen sich als glatte, silbrig schimmernde Oberflächen. Nur noch an wenigen Stellen des Original-Merkur sind glatte, geschlossene Oberflächen mit einer schönen dunkelgrünen Patina zu sehen. Diese enthalten Cassiterit, was eine Vorstufe der Erosion anzeigt. Andere Stellen der Figur, die nicht dem Regen ausgesetzt waren, zeigen schwarzgraue kristalline Auflagen, z. B. in der rechten Gesichtshälfte des Merkur im Maximilianmuseum. Diese Stellen enthalten Gips und Antlerit, weil hier die Schadstoffe vom Regen nicht weggespült wurden und sich bei sauren Umweltbedingungen anlagern konnten.

Wie zu Anfang beschrieben, wurde der Merkur mit seinem Amorknaben im Wachsausschmelzverfahren gegossen und anschließend überarbeitet. Das kann man z. B. auf der ovalen Plinthe nachweisen. Sie ist die Verbindungsgrundlage der zwei Figuren und zeigt mehrere Überfang- und Angüsse. Manche dieser Güsse sind überarbeitet, wie Punzen- und Feilspuren zeigen, andere wurden aber möglicherweise auch aus Stabilitätsgründen angebracht, denn die Plinthe weist Risse auf.

Eindeutig als Einzel- oder Angüsse nachzuweisen sind die Flügel und Riemen, die Merkur am rechten Fuß trägt. Ein Riementeil zwischen den Händen des Putto war ursprünglich angegossen. Doch es wurde vermutlich durch Gewalteinwirkung neben der Ansatzstelle gebrochen. Deshalb hat man es später mit Weichlot repariert. Nur das Lot ist an den Bruchstellen noch vorhanden. Vom Anmodellieren der Riemen in Wachs ist ein Fingerabdruck im Bronzeguß erhalten geblieben. Nur das Ende des Köcherkastens, der vorher mit der Plinthe modelliert wurde, ist ebenfalls angegossen.

Nach dem fertigen Guss mussten die Gussstutzen und Luftkanäle abgesägt oder überfeilt werden. Stümpfe von ihnen sind z. B. noch an der Oberseite des Sandalenflügels zu erkennen. Herausragende Eisenarmierungen wurden ebenfalls abgesägt. Das kann man z. B. noch am Ansatz des rechten Puttoflügels und an der linken Puttoferse erkennen. Die anderen abgesägten Eisenarmierungen hat man ausgemeißelt und die Öffnungen mit eingeschlagenen und vertriebenen, runden und vierkantigen Bronzedrähten geschlossen. So hat man es später auch noch gehalten, um kleinere Fehlstellen zu flicken. Bei größeren Fehlstellen meißelte man größere Rechtecke aus und setzte passgenaue Bronzeteile ein, etwa im Bereich der Armierung an der linken Puttoferse oder am Ellenbogen des linken Arms des Merkur. Daneben wurden Fehlstellen aber auch ausgegossen, so geschehen z. B. auf der rechten Handoberfläche des Merkur.

Ebenfalls zur Überarbeitung der gegossenen Figurengruppe gehörten das Schleifen und Glätten der Gussoberfläche, erkennbar noch heute an den feinen Riefen- und Feilspuren, die aber zum Teil wohl auch auf die Schweißarbeiten im Jahr 1913 zurückgehen. Damit man den Schriftzug an der Plinthe besser lesen konnte, hat man den Buchstabenhintergrund mit feinen Kugelpunzen mattiert. Nicht sicher sind sich die Wissenschaftler, ob die Figuren von Adriaen de Vries? künstlich patiniert wurden.

Die Sockelbefestigung der Merkurgruppe änderte sich im Lauf der Zeit. Weil man die originalen Bohrlöcher zur Aufnahme der Befestigungsbolzen an der Brunnensäule verwandte, musste man sie durch vier neue Bohrungen an der Plinthe ersetzen. Die alten Bohrungen füllte man anschließend mit Kalkzementmörtel. Hier sind halbrunde Einkerbungen zu sehen, die von Bohrungen zur Aufnahme von Sicherungsstiften kommen könnten.

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