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Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg

auch Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Augsburg, Spinnerei und Weberei Augsburg und abgekürzt SWA; eines der ältesten Textil-Produktionsunternehmen in Deutschland; 1989 aufgelöst

Allgemeines

Die Gründung der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei in Augsburg gilt als der eigentliche Beginn der Textilindustrie? bzw. der Industrialisierung? in Augsburg.

Die SWA hatte in Augsburg vier Werke:

  • Werk I – "Spinnerei-Altbau"

Zu allen Zeiten ihres Bestehens hatte die SWA vor allem Frauen beschäftigt. Sie waren neben der enormen Doppelbelastung von Haushalt und Fabrikarbeit auch noch Arbeitsbedingungen ausgesetzt, die sehr gesundheitsschädlich waren. Vor allem die hohe Staub- und Lärmbelastung machte ihnen zu schaffen.

Geschichte

Initiiert wurde die Gründung der Spinnerei und Weberei durch Ferdinand Benedikt von Schaezler? 1837. In weniger als drei Wochen gelang es ihm 47 Aktionäre von seiner Idee zu überzeugen und ein Aktienkapital für die Aktiengesellschaft von 1,2 Mio. fl einzusammeln. Beteiligt waren unter anderem die folgenden Personen bzw. Banken:

Schon vor der Gründung der Aktiengesellschaft versuchten sich die Augsburger Weber? gegen die neue Firma zu wehren und forderten, dass in Augsburg nur eine Spinnerei errichtet werden dürfe, doch ohne Erfolg, wie die Tatsache belegt, dass in den Jahren zwischen 1847 und 1861 die Zahl der Weber? (Meister und Gesellen) von 858 auf 230 fiel.

1843 wurde Ludwig August Riedinger technischer Direktor der Firma.

1851 gründete die SWA eine Pensionskasse und den so genannten "Stiftgarten". Festgehalten ist dies auf einem Pensionsblatt, das den "Herrn im Haus", also den Fabrikunternehmer verklärt. Der dargestellte Direktor ähnelt vom Aussehen stark Ludwig August Riedinger. Unter einem göttlichen Strahlenkranz stehend hebt er seine Hand fürsorglich über einem Bienenstock, der die Arbeit symbolisieren soll. Darunter fließt der Ertrag der Arbeit aus einem Füllhorn. Links und rechts von dem Hauptteil des Pensionsblatts sind Bilder von Spinn- und Webvorgängen aufgeführt. Ein Gedicht auf dem Pensionsblatt fordert den Arbeiter auf, sich Gott anzuvertrauen, der oben als göttliches Auge in einem Dreieck symbolisch erscheint:

Gott sorgt für dich, wie sollst du zagen,
Wenn dir die Zukunft trübe scheint.
Es schweigen Kummer und das Klagen.

Gott ist dein Vater und dein Freund.
Er trägt die Seinen väterlich.
Verlass ihn nie, er sorgt für dich.

Um die Beschäftigten gegen die Gewerkschaften? zu immunisieren, begann die SWA 1885 fabrikeigene Vereine zu gründen. So 1885 den hauseigenen Sängerbund und 1907 den fabrikeigenen Turnverein. Die Freizeit war knapp bemessen und die Beschäftigung in Vereinen sollte die Arbeiter von gewerkschaftlichem Engagement abhalten.

Weitere Vereine der SWA entstanden in den 1920er Jahren, etwa ein Bergsteiger- und ein Schützenverein. Bis in die 1950er Jahre bestand der SWA-Fussballverein, in Augsburg auch FC-Wacker genannt.

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Zwischen 1969 und 1973 kaufte Hans Glöggler? ("Textilzar") fünf große Textilfirmen, darunter die SWA, auf. Vorhandene Sicherheiten verflüssigte er und verlor sie in Spekulationsgeschäften, die zum Konkurs führten. 1988 musste die Firma die Produktion einstellen.

Details

Werk I, "Spinnerei-Altbau"

Von dem Werk I ist nur noch ein Turbinenhaus am Proviantbach erhalten. Es lag zwischen Proviantbach, Johannes-Haag-Straße, Hanreibach und Lechhauser Straße.

Werk I wurde auch "die große Fabrik" oder "Spinnerei-Altbau" genannt. Der karge Industriebau wurde in den Jahren 1837 bis 1840 im Stil einer Kaserne errichtet und war für die damalige Zweit mit 180 Metern Länge, 18 Metern Breite und fünf Stockwerken ein riesiger Bau. In den Sälen konnten 500 Weber? an 800 Webstühlen und 300 Spinner an 76 Spinnstühlen beschäftigt werden. Weil die Webstühle sehr schwer waren, wurde mit der Produktion im obersten Stockwerk begonnen und im unteren geendet.

Rund um dieses Werk I entstanden im Laufe der Zeit Lagerhäuser, Dienstwohnungen sowie eine Villa für die jeweiligen Fabrikdirektoren. 1867 wurde hier auch die erste Arbeiterkolonie der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg errichtet. Sie stand bis in die 1970er Jahre an der Lechhauser Straße.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk I so zerstört, dass heute nur noch das erwähnte Turbinenhaus am Proviantbach erhalten ist, das die Betriebsenergie für das Werk lieferte.

Lage


Werk IV, "Werk Aumühle"

heute Glaspalast genannt

Weblinks


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