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Martini GmbH & Co. KG

Ein traditionsreiches Augsburger Familienunternehmen, das früher in der Textilindustrie tätig war, sich aber heute hauptsächlich auf die Immobilienwirtschaft spezialisiert hat. Auch Martini & Cie.

Allgemeines

Heute ist die Firmengruppe Martini eine mittelständische Holding, die sich in den Bereichen Immobilien, Forstwirtschaft und Energieproduktion aus regenerativen Energieträgern widmet, nachdem sie in früheren Zeiten als einer der führenden Augsburger Textilbetriebe bekannt geworden war. Früher war die Firma eines der ältesten und bedeutendsten Unternehmen der europäischen Textilveredelung.

Geschichte

Bleicherei und Färberei Martini.jpg
Bleicherei und Färberei Martini“ von Stadtarchiv Augsburg - Walter Settele: Haunstetten, Brigitte Settele Verlag, Seite 44. Lizenziert unter PD-alt-100 über Wikipedia.

Gegründet wurde die Firma Martini in Augsburg im Jahr 1832 von Clemens Martini, dem sein Bruder Fritz Martini als engster Mitarbeiter zur Seite stand. Der erste Schritt zu dem neuen Unternehmen war der Kauf einer Leinwandbleiche in Haunstetten am Lochbach. Das erworbene Bleichgut bestand schon seit einiger Zeit, als es die Martinis kauften. Die "Molo-Rebay´sche Bleiche" hatte allerdings Konkurs anmelden müssen, so dass die Martinis die Firma für 7.000 Gulden kaufen konnten. Gebleichte leinene Garne und Gewebe lieferte man nach Augsburg, Ulm, Kaufbeuren oder Heidenheim. Der Betrieb florierte, so dass die Unternehmer die Manufaktur 1935 in eine Fabrik umbauen und sowohl die Baumwoll-Stückbleicherei wie eine Baumwollfärberei ergänzen konnten.

Dazu kam 1847 die frühere Froelich´sche Bleich ("Fröhlich´sche Bleicherei und Appreturanstalt") am Hanreibach hinzu, auch Provinosche Tabakmühle genannt. Sie gehörte erst seit kurzer Zeit Johann Georg Käß?, der sie Wilhelm Butz sen.? abgekauft hatte. Johann Georg Käß? war mit Clemens Martini weitläufig verwandt und stieg als Teilhaber in die Textilveredelungsfirma ein.

Im Jahr 1860 stieg man mit der Firma in die Färberei ein. Noch im gleichen Jahr trennten sich die Teilhaber wieder und Johann Georg Käß? übernahm das Haunstetter Werk. Zusammen mit seinem Bruder, der jetzt auch Teilhaber wurde, baute Clemens Martini das Augsburger Werk aus und benannte es in "Martini & Cie" um. Unter anderem entstanden hier auf dem Gelände am Schäfflerbach? auch Werkswohnungen.

Nach dem Tod des Gründers im Jahr 1862 leiteten seine Neffen Wilhelm und Viktor die Geschicke der Firma bis 1882. In den 1870er Jahren beschäftigte man 80 bis 120 Mitarbeiter. Immer wieder waren die Geschäfte schwierig, weil Konkurrenz aus dem Elsass und aus Schlesien dem Werk zusetzte.

1882 traten die Söhne von Wilhelm Martini, Clemens (II.) und Ludwig, in das Unternehmen ein. Damals arbeiteten etwa 200 Menschen in dem Werk, das durch eine Textildruckerei erweitert wurde.

Es folgten nun Schlag auf Schlag viele Neuerungen. So führte man 1885 eine eigene Krankenversicherung für die ArbeiterInnen ein und ergänzte sie drei Jahre später durch eine betriebliche Altersversorgung. 1888/89 war auch das Jahr des Rückkaufs der Haunstetter Betriebsstätte, die nun von Ludwig Martini geführt wurde. Dazu war es gekommen, weil nach der Trennung 1860 das Haunstetter Textilveredelungswerk sich nur auf Massenartikel spezialisiert hatte, damit aber immer weniger zu verdienen war. So wurde daraus eine "Filiale" des Augsburger Werks, die von 1890 bis 1893 reorganisiert und modernisiert wurde. 1894 konnten 120 Arbeiter in der Außenstelle etwa 150.000 Textilien von 60 Meter Länge bleichen und etwa 50.000 Stück färben.

1914 hatte man vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs etwa 1.000 Beschäftigte in den beiden Werken, doch führte der Krieg zu einer Stilllegung der Fabrikation in großen Teilen.

In den 1920er Jahren herrschte Hochkonjunktur, was dazu führte, dass Martini & Cie 1928 etwa 1.200 Beschäftigte zählte. 1930 hieß die Firma "Martini & Cie., G.m.b.H. Augsburg mit Zweigwerk in Haunstetten" und ergänzte "Bleicherei, Färberei, Druckerei und Appreturanstalt für baumwollene und kunstseidene Gewebe aller Art im Lohn". Man sah sich als eines der bedeutendsten Unternehmen der Veredelungsindustrie. Schon damals waren die Werksanlagen sehr ausgedehnt.

1936 wandelte man die GmbH in eine KG um. Der Zweite Weltkrieg sorgte für die Zerstörung des Werks zu etwa 85 Prozent, erst 1948 ging es deshalb mit der Produktion wieder weiter. Nur das Werk in Haunstetten blieb nahezu unzerstört und konnte schon einige Wochen nach Kriegsende wieder bleichen und färben.

1949 fusionierte Martini mit der Carl Freudenberg Weinheim zu der Firma "Fremawerk, Martini & Co KG". Ziel dieser Firma war die Herstellung von Vliesstoff für Haushaltstextilien. Markenname wurde "Vileda".

1950/51 stattete Martini sein Werk Haunstetten mit einer neuen Ausrüstungsabteilung für Oberbekleidung und modernsten Maschinen aus, denn der Wäsche- und Kleidungsbedarf war enorm.

Mitte der 1960er Jahre gingen die Boomzeiten in der Textilindustrie? zu ende und der Abschwung setzte ein. Das führte zu Firmenkonzetrationen durch Verkäufe.

1968 verkaufte Martini die Textildruckerei an die Prinz AG? und brachte 1972 die Martini & Cie. in einen Verbund der Dierig Holding AG? ein.

Noch bis 1962 war die Firma eine Familien-Kommanditgesellschaft.

In den Jahrzehnten vor dem Untergang veredelte Martini vor allem Baumwollgeweben sowie voll- und halbsynthetische Fasern und gehörte zu den großen textilverarbeitenden Firmen in Deutschland.

1992/93 legte Martini das Haunstetter Zweigwerk, aus dem die Firma hervorgegangen war, still. Letzter Name des Werks war "Martini MCA Textilveredelungswerke GmbH". Weil das Fabrikgelände am Rand eines Trinkwassereinzugsgebietes von Augsburg lag, kaufte es die Stadt Augsburg zusammen mit den Stadtwerken Augsburg und am 2. Mai 1994 ging der Besitz des mehr als 24 Hektar großen Geländes an die Erwerber über, die dafür 28 Mio. DM zahlten, um das Augsburger Trinkwasser vorbeugend zu schützen.

1995 riss man das Haunstetter Martini-Werk ab. Das Gelände der Augsburger Firma wurde nach und nach zum Industriegelände Martinipark umgewandelt, inklusive der aufwendigen Sanierung der Bürovilla, die vom Eingang des Geländes aus gut zu sehen ist. In Haunstetten mussten Stadt und Stadtwerke Augsburg noch fast 6 Mio. DM investierten, um das Firmengelände zu rekultivieren. Nur "Martini-Villa" (Martinistraße 94 b, die zugehörige Remise 94 a und das Wasserkraftwerk Lochbach? (ebenfalls von den Augsburger Stadtwerken gekauft) aus dem Jahr 1880 blieben erhalten.

2016 wurden Planungen der Firma bekannt, im Augsburger Textilviertel bis 2018/19 etwa 350 Wohnungen verschiedener Größe und in unterschiedlicher Ausstattung zu errichten und direkt zu vermieten.

Details

Das Gelände der früheren Textilfirma liegt an der Ecke Schäfflerbachstraße? und Reichenbergerstraße?. Hier waren früher die Bleicherei, Druckerei, Färberei und Appreturanstalt der Martini & Cie.

Adresse

Martini GmbH & Co. KG
Provinostraße 52
86153 Augsburg

Tel. 0821/56863-0
Fax. 0821/56863-30
E-Mail: info(@)martini-augsburg.de


Weblinks


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