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Marstaller Hof

eine ehemalige Augsburger Gaststätte mit Posthalterei in Kriegshaber

Allgemeines

Ehem. Gasthaus mit Posthalterei Augsburg Kriegshaber
Ehem. Gasthaus mit Posthalterei, sog. Marstaller Hof, Augsburg Kriegshaber am 29. September 2013. By Mailtosap (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Der Marstaller Hof ist ein langgestreckter Satteldachbau, der auf das 17./18. Jahrhundert zurückgeht. Er liegt gegenüber dem Spectrum Club? und ist denkmalgeschützt?. Da schon seit vielen Hunderten von Jahren an dieser Stelle gastronomisch gearbeitet wird, ranken sich um das Gebäude manche Geschichten, etwa dass hier der "Marstaller-Geist" sein Unwesen treibe.

Seinen Namen hat der Hof von dem Beruf des Marstallers. Da hier früher eine Posthalterei bestand, gab es einen Marstaller. Dabei handelte es sich um einen Stallmeister, der den praktischen Dienst in einem Marstall (Pferdestall eines Fürstenhofs oder eines Herrenguts) leistete. Später wurde die Berufsbezeichnung gelegentlich für einen Pferdeknecht angewandt. Der Marstaller konnte also ein Rossknecht, ein Rossaufseher, ein Rossarzt oder der Hofmarschall sein. Im Fall des Marstaller Hofs sind sicherlich die Rossknechte oder Rossaufseher für die zahlreichen Pferde der Posthalterei gemeint. 1742 heißt es in einer Schweizer Quelle zum Marstaller: "seine pflicht ist, zu den oberkeitlichen pferden fleißig sorg zu tragen und niemand ohne bewilligung der herren stallherren eines auszulehnen. es bleibts einer sein lebtag."

Geschichte

Aus dem Jahr 1357 sind im Stadtarchiv Augsburg Akten zum Heilig-Geist-Spital erhalten, in denen neben dem Argenhof? auch der Marstaller Hof beurkundet wurde. Beide Höfe waren als bischöfliche Lehen an wohlhabende Augsburger Bürger verliehen und unterstanden dem Aufgebot der bischöflichen Kämmerer von Wellenburg?. Den Argenhof? (später Mittelbauernhof) verkaufte Heinrich Hagenohr an seinen Bruder Johann um 80 Pfund Pfennig, während der Marstaller Hof (damals Mayerhof genannt) von Luitpold Wohfahrts Erben 1361 für 103 1/2 Pfund Pfennig an Conrad Ilsung? überging. Dieser wiederum verkaufte das Lehen 1391 für 132 ungarische und böhmische Gulden an das 1252 errichtetete Heilig-Geist-Spital.

Dieser Wohlfahrtsanstalt erließ - im Zusammenhang mit dem Testament der Witwe Anna Probstin (von 1365) - Bischof Eberhard, Graf von Kirchheim, 1408 durch einen Donationsbrief die Lehenschaft dieses Ilsunghofes. Damit erhielt der Marstaller Hof ohne aus dem bischöflichen Obereigentum auszuscheiden im Heilig-Geist-Spital seinen selbständigen Grundherrn. Ihn behielt er bis ins 19. Jahrhundert.

1408 übertrug der Bischof dem Hans Hagenohr jun., seiner Mutter und seinen Geschwistern den vom Vater überkommenen Argenhof? (Mittelbauernhof). Schon 1413 ist an der Stelle des heutigen Gebäudes des Marstaller Hofs eine Wirtschaft nachgewiesen.

1805 soll hier Napoleon genächtigt haben, bevor er am nächsten Tag in Augsburg einzog und dessen Reichsfreiheit? beeindet.

1935 legte die Dissertation von Luis Dürrwanger die frühe Geschichte des Marstaller Hofes dar.

1982 renovierte man den Marstaller Hof. Anschließend betrieb die Kette "Wienerwald" hier bis in die 1990er Jahre eine Gaststätte.

2009 zog das Rock-Cáfe? hier ein, das zuvor in Stadtbergen betrieben wurde. Weil dort aber ein Teil des Gewerbegebietes Stadtberger Markt? 2009 aus Privatbesitz an englische Investoren samt dem früheren Rock-Cáfe? -Gebäude verkauft wurde, musste das Café Ende 2009 aus dem früheren Pavillon nach 19 Jahren ausziehen.

Details

Im Gastraum des Marstaller Hofs kann man Holzbalken an der Decke sehen und im Dachstuhl eine geschnitzte Holzkonstruktion, die nur gekalkt und mit Holzdübel befestigt ist. Im Nebenraum des Gastraums findet sich eine Stuckdecke.

Im Nebenzimmer des Marstaller Hofs ist ein museales Deckenornament erhalten. Es zeigt das Emblem des österreichischen oder habsburgerischen Doppeladlers, das sowohl als Wappen mittelalterlicher jüdischer Gemeinden wie vom Augsburger Rathaus genutzt wurde. Es geht auf die Zeit zurück, als Kriegshaber noch zur Markgrafschaft Burgau? gehörte.

Lage

Kriegshaberstraße 4


Weblinks


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