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Maro Verlag

Ein Augsburger Buchverlag.

Allgemeines

Der Maro Verlag hat ein exklusives literarisches Programm, das durch Veröffentlichungen im Bereich Textiles Werken und Sozialpolitik/-pädagogik ergänzt wird. In der Backlist stehen etwa 200 Titel (Stand 2010). Als Kleinverlag hat er seit seiner Gründung die Gegenliteratur in der Bundesrepublik stark beeinflusst. Der Verleger wählt die Titel aus, druckt und verschickt die Bücher. Nur wenige Verlage können mit dem spontanen Maro Verlag verglichen werden, der nur etwa sechs Bücher pro Jahr veröffentlicht, aber seine Backlist möglichst lange pflegt und immer wieder auflegt.

Geschichte

Gegründet wurde der Verlag von Benno Käsmayr? und seinem Freund Franz Bermeitinger? 1969 bei einem Besuch der Frankfurter Buchmesse. Schon zuvor hatte Benno Käsmayr? im literarischen Umfeld gearbeitet: Nach dem Abitur 1968 arbeitete er an der „Maistrassenpresse“ mit, die Autoren wie Herbert Achternbusch, Peter Handke und G. F. Jonke veröffentlichte. Sie war 1963 von Wolf Peter Schnetz in München gegründet worden.

Das erste Produkt des Verlags war die Zeitschrift „UND - zeitschrift für angebliche literatur und andere branchenunübliche kommunikationsformen in dementsprechender aufmachung“. Ab dem Frühjahr 1970 erschienen auch Bücher in dem Kleinverlag. Der Maro-Verlag sei in einem Dachzimmer untergebracht, hieß es 1971 in einem Verlagsprospekt. "Und besteht aus: 1 Schreibmaschine, 5 Leitzordnern, 1 Schneidemaschine, 1 Adresskartei, einer Menge fertiger und halbfertiger Bücher."

Das Programm wurde vor allem vom dichterischen Nachwuchs bestritten, der stark an amerikanischen Vorbildern ausgerichtet war, aber selten bei den etablierten Verlagen unterkam. So nannte das „Darmstädter Echo“ den Verlag einmal „Wagenbach der 80er“.

Manche Werke wurden mit Spiritus-Matrizen vervielfältigt, weil sich der Offsetdruck für die Kleinauflagen, die der Verlag herausgab, nicht lohnte. Das hinderte aber z. B. den Rowohlt Verlag 1971 nicht, eine Taschenbuchlizenz vom Maro Verlag zu erwerben. Außerdem gab der Verlag Kataloge mit dem Motto „Bücher, die man sonst nicht findet“ heraus. Darin konnten sich Kleinverlage mit ihren Programmen dem Buchhandel vorstellen.

Der Durchbruch für den Verlag kam mit dem amerikanischen Autor Charles Bukowski, der Anfang der 1970er Jahre in Deutschland keinen Verlag finden konnte. 1974 erschien als erster Titel im Maro Verlag „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“. Dieses Buch brachte Erfolg und Publicity. Neben dem Verlag konnte man jetzt eine Kleinoffsetdruckerei etablieren. Zuvor war immerhin Tiny Strickers „Trip Generation“ bei Maro erschienen, das auf der Mainzer Minipressenmesse zum Alternativ-Buch des Jahres gewählt wurde.

Der Maro Verlag baute in der Folgezeit sein amerikanisches Programm aus und veröffentlichte W.S. Burroughs, Jack Kerouac, John Fante, Raymond Carver, Paul Bowles und natürlich Charles Bukowski. Aber auch deutsche Autoren betreute der Verlag: Günter Ohnemus, Andreas Mand, Uli Becker, Michael Schulte etc.

1976 begann der Maro Verlag ein DIN-A6-Heft mit dem Programm an Interessenten zu verschicken. Bis 2011 erschienen in dieser Form fast 40 Hefte. 2011 musste die Papierform dieses Heftes wegen neu entstandener Bezugsmöglichkeiten von Büchern eingestellt werden.

Ab den 1980er Jahren gestaltete Rotraut Susanne Berner die Buchumschläge des Verlags, die fast ausschließlich als sog. Offset-Lithografien in der eigenen Druckerei von handgezeichneten Farbauszügen in Echtfarben gedruckt gedruckt wurden und womit sich die Optik der Maro-Bücher von den üblichen 4-Farbdrucken absetzte. Schon für die ersten drei Umschläge erhielt R.S. Berner den Piatti-Preis für Buchgrafik. In der gleichen Technik gedruckt erschienen ab 1991 die von Armin Abmeier in loser Folge herausgegebenen „Tollen Hefte“ (seit 2001 in der Büchergilde Gutenberg), begleitet von der Reihe „Die tollen Bücher“.

1985 feierte der Verlag seinen 15. Geburtstag mit dem Motto: „Überleben ist alles - Man weiß nie, wozu es noch mal gut ist.“

In den 1990er Jahren entstand der Verlagszweig mit den so genannten „Ausgrabungen“ - vergessene Bücher, die als Reprint oder Neuausgaben aufgelegt wurden. Darunter waren Titel aus dem Bestand des März Verlages, Typografie-Klassiker von Jan Tschichold und Paul Renner, die Beat-Anthologie des Rowohlt-Verlages, Bertolt Brechts „Ernte“ etc.

In diesen Jahren beteiligte sich der Verlag auch an den so genannten "egroups", einer Art Facebook-Vorläufer, und hinterlegte dort sein Programm und zusätzliche Infos, doch wurden die "egroups" im Jahr 2000 an Yahoo verkauft. Da die Werbung in den "egroups" nun immer penetranter wurde, zog sich der Verlag hier zurück, aber auch das Verschicken von E-Mails in Textform an Interessenten war keine Werbe-Alternative.

Eines der interessantesten Buchprojekte legte der Verlag 1997 auf: das „Mulligan-Stew-Projekt“. Sorrentinos Buch „Mulligan Stew“ galt nicht nur als unübersetzbar, sondern auch als unverkäuflich. Das Projekt sah 100 nummerierte und signierte Vorzugsausgaben zum stolzen Preis von 360 DM vor. Die Bücher waren allen Skeptikern zum Trotz in drei Wochen verkauft und vorausbezahlt.

In den letzten Jahren des ersten Jahrzehnts des 3. Jahrtausends kam zum literarischen Programm noch ein Ratgeberzweig hinzu: Man übernahm 2007 die Zeitschrift „Verfilzt und zugenäht“ und gab Bücher zum Textildesign und zur Textiltechnik heraus.

Seit 2011 pflegt der Maro Verlag eine Facebook-Seite, auf der Neuerscheinungen, Infos zu Maro-Autoren und vieles mehr aus der Buchwelt präsentiert werden.

Details

Von Beginn bis heute verlegt der Maro Verlag kleine und feine Bücher, die im etablierten Literaturbetrieb (noch) keine Chance hatten oder haben. Jörg Fauser, Andreas Mand, Günter Ohnemus, Charles Bukowski, Gilbert Sorrentino, Danny Sugerman u.a. fanden im Maro Verlag ihre erste Heimat, ehe sie feuilletonfähig wurden.

Es gibt die Reihe „Die tollen Bücher“ (herausgegeben von Armin Abmeier), die sich durch ihre außergewöhnliche Ausstattung auszeichnet. Daneben ist fast jedes 5. Buch des Verlags ein lyrisches Buch. Berühmt sind die Jahresgaben, die zu Beginn eines jeden Jahres für Buchhändler und Freunde des Verlags erscheinen. Die jüngste Kategorie bei Maro sind die Hörbücher.

Schon fast von Beginn an gehörte zum Verlag auch die Herstellung von Büchern und Broschüren in kleinen und mittleren Auflagen. Alle Buchobjekte werden direkt von Dateien auf Offsetdruckplatte (CtP) ausgegeben. Ideal dafür sind prepress-PDFs, Dateien aus Pagemaker, XPress und InDesign. Auch mit Office-Dokumenten kommt man zurecht.

Bis auf 4-Farb-Druck wird alles bei Maro Druck produziert: Satz, Scan und Proof, Druck, Klebebindung (haltbare Dispersion) und Versand (auch im Auftrag an Kunden). Bei Versand an den Buchhandel profitiert man vom Büchersammelverkehr (Libri, KNV, Umbreit, Hera), dem sich Maro angeschlossen hat, was Qualitätskontrolle und Terminsicherheit gerade bei brandeiligen Objekten garantiert. Seit 2005 bietet Maro Druck auch Printing on Demand (PoD). Die Dateien müssen jedoch PDF-Dateien sein! Umschläge werden aber grundsätzlich im Offsetdruck gefertigt, die Bindung geschieht aus Qualitätsgründen nur mit Dispersionsleim.

Auszeichnungen

2002 erhielt Benno Käsmayr? den Kurt-Wolff-Preis zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene

Adresse

Maro Verlag + Druck e.K.
Zirbelstraße 57a
86154 Augsburg

Tel. 0821/416034
Fax. 0821/416036
E-Mail: info(@)maroverlag.de


Weblinks


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