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Maria-Ward-Schwestern

eigentlich Congregatio Jesu (CJ); ursprünglich Institutum Beatae Mariae Virginis (IBMV), auch "Englische Fräulein" genannt; ein katholischer Frauenorden, der von der Engländerin Mary Ward (Maria Ward) 1609 in Flandern gegründet wurde, um Mädchen zu erziehen und zu bilden; nach der Gründerin spricht man von den Maria-Ward-Schwestern

Allgemeines

Mary Wards apostolische Gemeinschaft richtet sich nach dem Vorbild der Jesuiten? aus. Deshalb steht der Dienst an den Menschen im Zentrum der Spiritualität der Maria-Ward-Schwestern. Die Maria-Ward-Schwestern wollen Menschen einen Zugang zu der heilenden Botschaft Jesu vermitteln, was in der Seelsorge, aber auch im Bereich Erziehung und Bildung sowie im sozialen Einsatz geschehen kann, weshalb sie heute als Gemeinde-und Pastoralreferentinnen, Seelsorgerinnen in Krankenhäusern, Altenheimen und im Gefängnis, als Lehrerinnen und Schulseelsorgerinnen, Mitarbeiterinnen in kirchlichen Medien, Erlebnispädagoginnen, Referentinnen in Bildungshäusern, Hochschullehrerinnen und in vielen ähnlichen Aufgaben arbeiten. Traditionell stand in Augburg die Erziehung und Bildung im Focus der Arbeit.

Die Augsburger Niederlassung ist nach der Münchener Niederlassung der Congregatio Jesu die zweitälteste des Ordens in Bayern.

Geschichte

Mary Ward
Portrait von Maria Ward um 1600; von NN [Public domain], via Wikimedia Commons

Weil Mary Ward ihrem Orden den Auftrag der Frauenbildung gab, ging daraus der erste Schulorden für Frauen hervor. Schnell wurde die Gemeinschaft in ganz Europa aktiv und 1662 kamen Mary Poyntz (1604-1667), eine englische Adelige, und fünf weitere Maria-Ward-Schwestern aus England nach Augsburg, wo sie eine Niederlassung gründeten. In der Literatur wird oft statt dem eingedeutschten Namen Mary Poyntz auch der englische Name Mary Points of Acton Ireton genannt. Die Maria-Ward-Schwestern kamen auf Anregung des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern nach Augsburg und gründeten hier zunächst eine kostenlose Elementarschule für katholische Mädchen.

Es ging schon von Anfang auch in dem damals überwiegend protestantischen Augsburg darum, Mädchen eine Bildung zu ermöglichen. Deshalb sollten sie religiöse Lehren, Ehrfurcht und gute Sitten lernen, aber auch Lesen und Schreiben, Rechnen, Handarbeit, Kochen und Haushaltsführung. Das brachte den Maria-Ward-Schwestern viele Anfeindungen, gab es doch damals noch genug Männer, die Bildung nur für Jungen vorsahen. Auch innerhalb der Kirche hatten Maria Ward und ihre ersten Nachfolgerinnen viele Kämpfe gegen Widersacher zu bestehen, schien doch damals ein Seelsorge- und Bildungsauftrag für Frauen nicht vorstellbar.

Erst nach dem Tod von Maria Ward, die der Häresie verdächtigt worden war, änderten sich allmählich die Denkweisen und 1680 befürworteten die Bischöfe von Augsburg und München die Arbeit der Maria-Ward-Schwestern, sprich sie verliehen ihnen die Privilegien einer geistlichen Gemeinschaft, was in ihren Diözesen zu einem Aufblühen des Ordens und zu weiteren Schulgründungen für Mädchen führte. 1877 gewährte man den Maria-Ward-Schwestern die päpstliche Anerkennung und es dauerte noch bis 1909, bis man Mary Ward offiziell als Ordensgründerin betrachten durfte und sie von allen Verdächtigungen freigesprochen wurde.

Die Augsburger Ordensschwestern, die 1662 von England hierher gekommen waren, lebten bis 1687 zunächst in den verschiedensten Augsburger Häusern, bevor sie in der damaligen Kautzengasse?, heute Frauentorstraße? ein bleibendes Domizil fanden. Bis sie ein regelmäßiges Einkommen in Augsburg hatten, waren die Maria-Ward-Schwestern auf Kostschülerinnen und Spenden angewiesen. Aber schon bald konnte Mary Poyntz eine Elementarschule für Mädchen in Augsburg gründen und schließlich eine Schule für höhere Bildung. Gefördert wurden die Schwestern von Bischof Johann Christoph von Freyberg? schon ab 1665. Ihm und Mary Poyntz ist der Aufschwung der Augsburger Ordensniederlassung vornehmlich zu verdanken.

Von 1680 ist ein bischöflicher Stiftungsbrief erhalten und 1690 erhielten die Maria-Ward-Schwestern auf Betreiben von Kaiser Leopold I.? das Augsburger Bürgerrecht?. Weil die Institutskapelle, in der die Maria-Ward-Schwestern Andachten zum Heiligsten Herz Jesu hielten, auch von der Bevölkerung gut besucht wurde, errichtete man eine Kirche mit dem Patrozinium Herz Jesu, die 1706 eingeweiht werden konnte.

In den Jahren 1713 bis 1749 kam es zwischen der Gemeinschaft und den Augsburger Bischöfen zu Auseinandersetzungen darüber, wer die Oberaufsicht über das Institut habe. Dabei setzen sich die Augsburger Bischöfen durch, die bestritten, dass die Maria-Ward-Schwestern in Augsburg unter der geistlichen Oberaufsicht einer Generaloberin bzw. dem Münchener Hauptsitz des Ordens stünden.

Im 18. Jahrhundert wurde das Kloster in Augsburg zweimal zum Ausgangspunkt von weiteren Institutsgründungen der Maria-Ward-Schwestern. 1716 wurde von Augsburg aus die Niederlassung in Bamberg? gegründet und 1758 die Niederlassung in Günzburg.

Als 1802/03 die Säkularisation auch in Augsburg zum Verbot vieler Orden führte, waren die Maria-Ward-Schwestern davon ausgenommen, weil die Bildung und Erziehung von Mädchen als eine für den Staat sinnvolle Tätigkeit galt und so konnten sie unbeeinträchtigt weiter arbeiten, auch wenn ihr Kloster 1803 aufgehoben wurde und sie keine Postulantinnen mehr annehmen durfen.

1811 wurde eine Höhere-Töchter-Schule eingerichtet. Der Auftrag dazu kam vom Staat, der die Schwestern anwies, neben der Elementarschule eine "Königlich Bayerische Höhere Töchterschule" einzurichten und mit einem Pensionat zur Vorbildung zukünftiger Lehrerinnen zu betreiben. Ab 1815 durften die Augsburger Maria-Ward-Schwestern sogar wieder Novizinnen aufnehmen und 1816 erfolgte die Wiederherstellung des Klosters. 1828 entstanden Neubauten für Schule und Pensionat der Maria-Ward-Schwestern. Ab 1832 betrieb das Augsburger Institut in staatlichem Auftrag ein Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen. 1853 erweiterte man die Schule und das Mädchenpensionat in Augsburg. Die Maria-Ward-Schwestern mussten darüber hinaus Personal zur Neugründung anderer Lehrerinnen-Ausbildungsseminare stellen: für München-Nymphenburg 1835, für Neuburg a.d. Donau? 1847, Schrobenhausen? 1856, für Lindau 1857 und für Kempten 1861.

Beeinträchtigt wurde die Arbeit der Augsburger Maria-Ward-Schwestern erst wieder durch den Kulturkampf?.

1927 wurde die "Königlich Bayerische Höhere Töchterschule" der Maria-Ward-Schwestern in Augsburg zum Gymnasium für Mädchen erhoben.

Während des Dritten Reichs begannen ab 1936 Einschränkungen der Lehr- und Ausbildungstätigkeit des Ordens und 1941 kam es in Augsburg zur Schließung des Instituts, um den Maria-Ward-Schwestern die Möglichkeit zu nehmen, Mädchen in katholischem Geist zu erziehen. Während der Februar-Bombenangriffe 1944 wurden Schule, Kirche und Institut der Maria-Ward-Schwestern in Augsburg fast vollständig zerstört. Erst in den Jahren 1955 bis 1957 konnte das Institut nach Plänen von Michael Kurz? wieder an alter Stelle aufgebaut werden.

Mangels Nachwuchs mussten die Maria-Ward-Schwestern 1998 ihre Schulträgerschaft des Maria-Ward-Gymnasiums und der Maria-Ward-Realschule Augsburg an das Schulwerk der Diözese Augsburg abgeben.

Details

Mit der Übernahme der ignatianischen Konstitutionen 2003 sind die Maria-Ward-Schwestern praktisch der weiblichen Zweig der Gesellschaft Jesu?. Damit legen die Maria-Ward-Schwestern neben dem Versprechen der drei evangelischen Räte (Armut, Keuschheit, Gehorsam) noch ein viertes Gelübde ab, das den Gehorsam gegenüber dem Papst beinhaltet.

Das ehemals von den Maria-Ward-Schwestern unterhaltene Gymnasium trägt heute das Schulwerk der Diözese Augsburg, ebenso wie die Maria-Ward-Realschule Augsburg mit Internat und Tagesheim.

Die Maria-Ward-Schwestern betreiben das Zentrum Maria Ward als Exerzitien- und Tagungshaus für Einzelgäste und Gruppen. Hier stehen 31 Einzelzimmer mit Du/WC, Telefon, Internetanschluss (LAN-Kabel mit Passwort-Zugang) zur Verfügung, davon acht Zimmer als Doppelzimmer nutzbar. Es gibt einen Speisesaal für etwa 50 Personen, vier Tagungsräume für 20–35 Personen, zwei Gruppenräume, zwei offene Sitzgruppen, eine Kapelle, ein kleiner Meditationsraum, einen Raum der Stille, ein Stüble, hauseigene Parkplätze, eine Fahrrad-Ausleihe und ein Garten. Das Haus ist barrierefrei nutzbar.

Adresse

Congregatio Jesu Augsburg
Frauentorstraße 26
86152 Augsburg

Tel. 08 21 / 50 272-0
Fax 08 21 / 50 272-66
E-Mail: [email protected]


Zentrum Maria Ward
Karmelitengasse 9
86152 Augsburg

Tel. 08 21 / 907 946-0
Fax 08 21 / 907 946-100
E-Mail: [email protected]
E-Mail: [email protected]


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