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Luther, Martin

Luther und Augsburg

Zwei Wochen hielt sich Martin Luther, der Mönch aus Wittenberg, in Augsburg auf. Im Oktober 1518 verweigerte er beim dreitägigen Disput mit Kardinal Cajetan in den Fuggerhäusern todesmutig – den für "Ketzer" vorbestimmten Tod auf dem Scheiterhaufen vor Augen – den Widerruf seiner Thesen. Das war das erste Mal, dass in der Fuggerstadt Augsburg ein Meilenstein der Reformationsgeschichte gesetzt wurde.

Martin Luther profitierte davon, dass sich der Buchdruck am Ende des Mittelalters ausbreitete und konnte so viele Schriften veröffentlichen. Aber nicht nur Martin Luther wollte die Kirche reformieren. Allein in Augsburg gab es damals sechs Reformbewegungen, was kein Zufall war, denn Augsburg um 1500 war ein Machtzentrum in Europa. Hier fanden Reichstage? statt. Die Fugger und Welser lenkten hier Handelsimperien. Augsburg war eines der größten Zentren für den Druck von Büchern und Flugblättern. Auch Martin Luther ließ in Augsburg seine Werke drucken, obwohl hier auch Jakob Fugger, sein größter Gegner saß, der für den Papst den Ablasshandel organisierte und in Luthers Augen ein Wucherer war, da er für verliehenes Geld Zinsen nahm. Beide stehen auf ihre Art für den Aufbruch in die Moderne. Beide sahen die Notwendigkeit von Reformen in der römischen Kirche, doch zusammen konnten diese beiden nicht kommen. Zu sehr war der eine – Martin Luther – Mönch und Kirchenmann, und zu sehr der andere – Jakob Fugger – Manager und Konzernlenker. Martin Luther schimpfte auf die "verdammte Fuckerei" und die großen Augsburger Bank- und Handelsgesellschaften. Ablasshandel, Zinswucher, Fürkauf und Monopole der Augsburger Fugger und Welser, Höchstetter? und Co. wurden seinerzeit im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation – zwischen Nordsee und Tirol, Elsass und Wien – erregt diskutiert. Jakob Fugger verhöhnte den Reformator als Mitverursacher des Bauernkriegs, dessen Niederschlagung er mitfinanzierte. Sein Neffe und Nachfolger Anton Fugger finanzierte die Truppen des Kaisers in zwei Glaubenskriegen, dem Schmalkaldischen Krieg von 1546/47 und dem Fürstenaufstand von 1552. Anton Fugger versuchte, zwischen der überwiegend evangelischen Reichsstadt? und dem Kaiser zu vermitteln. Mit seinem Fußfall vor Kaiser Karl V.? soll er 1547 seine vom Kaiser besiegte Heimatstadt vor der Zerstörung und Plünderung bewahrt haben.

In Augsburg musste sich Luther auch vor dem päpstlichen Legaten Kardinal Cajetan verantworten. Die Lutherstiege in Sankt Anna lässt die Zeit der Reformation lebendig werden.

Weil Martin Luther berechtigt Angst hatte, als Ketzer auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, floh er 1518 nachts heimlich aus Augsburg. Angeblich soll ihn ein Bürger von Sankt Gallus zum Steffinger Tor? begleitet und anschließend seine Tat auf die Mauer gegenüber Sankt Gallus gemalt haben, wovon heute eine Gedenktafel zeugt. Danach kam Martin Luther nie wieder nach Augsburg.

An Martin Luthers Aufenthalte in den Jahren 1512 und 1518 erinnern unter anderem Lutherporträts in der evangelischen Hauptkirche der Stadt – Sankt Anna – und in der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche?. Im Kloster bei Sankt Anna war Martin Luther 1518 zwei Wochen lang untergekommen. Im ehemaligen Konventsgebäude dokumentiert das theologisch-historische Museum Lutherstiege? multimedial die dramatischen Tage von 1518 und Augsburgs Stellenwert für die Reformationsgeschichte. Denkmäler wie die Fugger-Kapelle in Sankt Anna, die Doppelkirchen von Sankt Ulrich und Heilig Kreuz, der Dom Unserer Lieben Frau und die Fuggerhäuser sind nur einige jener Stationen, die in Augsburg an Luther beziehungsweise an das darauffolgende konfessionelle Zeitalter mit seinen Glaubenskonflikten und -kriegen erinnern. An der Fassade der fürstbischöflichen Residenz am Fronhof zeigt ein Gedenkstein, dass 1530 im Vorgängerbau dieses Stadtschlosses das Augsburger Bekenntnis verlesen wurde.

Sonstiges

Martin Luther spielt für die Tourismus -Wirtschaft Augsburgs eine große Rolle, denn hier befinden sich viele Stätten der Reformation. Das zeigte sich vor allem zum Reformationsjubiläum 2017. Schon 2016 spürte die Regio Augsburg Tourismus GmbH eine starke Nachfrage nach Werbematerial und ein steigendes Interesse der Medien. Die Regio Augsburg Tourismus GmbH hatte erst im Frühjahr 2016 eine 68-seitige Broschur "Martin Luther in Augsburg. Wege in der Reformationsstadt" (Martin Kluger, erschienen im context verlag Augsburg) herausgegeben. Die Druckauflage von 15.000 Exemplaren war im September 2016 schon beinahe vergriffen.

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