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Luftkrieg

über Augsburg und der Region; auch Bombenkrieg genannt

Allgemeines

Weil die Stadt Augsburg zunächst eine große Entfernung zu den Basen der Royal Air Force und den amerikanischen Luftkräften in Großbritannien (8. USAAF) hatte, wurde sie erst im späteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs zum Ziel des Bombenkriegs.

Militärisch an sich war Augsburg nicht bedeutend. Auch symbolisch war die Gauhauptstadt Schwabens eher unbedeutend, ebenso administrativ. Eine etwas höhere Bedeutung besaß der Eisenbahnknotenpunkt Augsburg, weshalb er um die Jahreswende von 1945/1945 und in der amerikanischen Luftoperation "Clarion" am 22. und 23. Februar 1945 mit Bombenangriffen überzogen wurde.

Als Ziel im Luftkrieg war Augsburg vor allem durch seine Rüstungsproduktion zu rechtfertigen. Bedeutung hatten die MAN und die Messerschmittwerke. Die MAN produzierte U-Boot-Dieselmotore, sonstige Antriebsmotoren, Pioniergerät sowie zeitweise auch Geschütze. Die Messerschmittwerke in dem damals noch selbständigen Vorort Haunstetten waren ein erfolgreiches Glied der Luftrüstungsbranche im Nazireich. Sie fertigten zwar eine breite Palette von Flugzeugen, am bedeutungsvollsten waren aber Jagdflugzeuge vom Typ Me 109. Dazu kamen die Entwicklung und Produktion von Düsenjägern wie der Me 262. Und das machte den Alliierten in der Spätphase des Krieges ernsthafte Sorgen.

Geschichte

Einen ersten Luftangriff erlebte Augsburg im August 1940. Sechs Bomben fielen dabei auf eine Buntweberei. Ein Arbeiter an der Turbinenanlage der Fabrik erlitt dabei den Tod. Diesem Angriff folgten noch fast 20 weitere. Der schwerste dieser Luftangriffe war in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 zu verzeichnen.

Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944

Die Luftangriffe in dieser Nacht brachten die größten Zerstörungen der historischen Bausubstanz in Augsburg und etwa die Hälfte aller Luftkriegsopfer. Zunächst griffen im Rahmen der "Big Week" 199 Maschinen der 8. USAAF am 25. Februar gegen 14.00 Uhr die Messerschmittwerke an. Der so genannte Präzisionsangriff führte in Haunstetten zum Tod von mehr als 380 Menschen, davon 250 KZ-Häftlinge, die bei Messerschmitt Zwangsarbeit leisteten.

In der kommenden Nacht folgten zwei Angriffe der RAF gegen Augsburg: Zunächst kamen gegen 21.45 Uhr 248 Lancaster und dann um 00.55 Uhr 130 Lancaster und 115 Halifax. Extreme Kälte behinderte die Löscharbeiten. In dieser Nacht flüchteten etwa 80.000 Menschen aus der brennenden Stadt. 730 Tote und 1.335 Verletzte waren die Bilanz der Februar-Angriffe.

Nur etwa ein Drittel aller für Augsburg gedachten Bomben treffen in dieser Nacht tatsächlich ihr Ziel. Auf dem Rückflug werden über der Schwäbischen Alb drei Bomber abgeschossen: bei Frankenhofen, bei Großengstingen und bei Seeburg.

Luftkrieg gegen Augsburg: Tabellarischer Überblick

Zur Verfügung gestellt von Hans Grimminger (Augsburg)

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Angriff von US-Bombern auf die Rüstungsstadt Augsburg (1944); zur Verfügung gestellt von Thomas Werthefrongel, Stadtbergen.

Nicht aufgeführt sind einzelne Jagdbomberangriffe gegen Kriegsende.

Details

Glück im Unglück

Gehäufte Angriffe auf Augsburg wurden durch zwei Faktoren begünstigt:

  • technische Weiterentwicklungen wie Radar, Lancaster-Bomber, Langstrecken-Begleitjäger
  • Eröffnung der Luftfront in Italien durch die 15. USAAF

In der Geschichte der Luftkriege hat der RAF-Angriff vom 17. April 1942 (Operation "Margin") auf Augsburg Bedeutung. Damals setzte man zum ersten Mal den neuen Lancaster-Bomber ein. Ziel des Angriffs war die Augsburger Motorenproduktion für U-Boote in der MAN, wichtig vor dem Hintergrund der Atlantikschlacht. Im Tiefflug griffen zwölf Lancaster kurz vor 20.00 Uhr in einem Präzisionsangriff die MAN-Werke an. Die Augsburger Flak schoss drei Maschinen ab. Während des Angriffs kamen zwölf Zivilisten ums Leben, mindestens 20 wurden verletzt.

Zwar hat auch in Augsburg der zivile Luftschutz im Allgemeinen versagt, doch zeigten die Augsburger ein flexibles und situationsangepasstes Verhalten. Vor allem hatten sie aus den Erfahrungen anderer Städte die richtigen Konsequenzen gezogen. So konnten die Augsburger Fachleute aus der Hamburger Katastrophe von 1943 lernen und die Entstehung eines Feuersturms in Augsburg verhindern.

Etwa 1.500 Zivilisten ließen im Luftkrieg gegen Augsburg ihr Leben. 24 Prozent des Wohnungsbestands gingen verloren, ein mittelmäßiger Wert für Deutschland. Schwer wog, dass historische Bausubstanz vernichtet oder beschädigt wurde, darunter das Renaissance-Rathaus, der Neuer Bau, das Welserhaus?, die Maximilianstraße mit ihren Patrizierhäusern und die Fuggerei. Für die Augsburger, die auf ihre reichsstädtischen Tradition stolz waren, bedeutete das die schlimmste Heimsuchung seit der "Schwedenzeit" im Dreißigjährigen Krieg.

Luftkrieg von Augsburg aus

Am 10. Mai 1940 starteten in Landsberg? bei Augsburg 45 deutsche Bomber. Ziel war es, einen einen Flugplatz bei Dijon zu bombardieren. Ergebnis: 57 Tote, darunter 22 Kinder. Allerdings nicht in Dijon, sondern in Freiburg im Breisgau. Die Piloten hatten sich verflogen und die falsche Stadt bombardiert. Die NS-Propaganda schob den Alliierten die Schuld in die Schuhe. Reichspropagandaminister Goebbels bezeichnete diesen deutschen Fehlschlag als Beginn der "Terrorluftangriffe" der Alliierten.

Luftkriegsquellen

Quellen zum Luftkrieg, die im Stadtarchiv? aufbewahrt sind, zeigen, wie der lokale Luftschutz? organisiert war und welche Vorbeuge- und Fürsorgemaßnahmen geplant waren. Von Mitarbeitern des Luftschutz-Warnkommandos (Wako) gibt es interessante Ereignisberichte zum Luftangriff vom 25./26. Februar 1944. Die Tagesberichte des Wakos sind ebenfalls weitgehend im Stadtarchiv? erhalten, weshalb man die regionale Luftlage gut nachvollziehen kann. Aus dem Frühjahr 1945 stammen viele amerikanische Aufklärungsfotos. Eine eigene Bildsammlung des Stadtarchivs? dokumentiert die Zerstörung des historischen Baubestands.

Interessant sind auch Hinterlassenschaften im Staatsarchiv Augsburg. Dort sind die Stimmungs- und Lageberichte des SD-Unterabschnitts Friedberg (NS/2/1) aufbewahrt. Sie geben die Kriegsmoral der Zivilbevölkerung im Bombenkrieg wider.

Die Bestände des Bistumsarchivs? sind verloren, auch Teile des Firmenarchivs der Messerschmittwerke. Unterlagen der MAN geben Aufschlüsse über Rüstungsproduktion, Zwangsarbeiter im Luftkrieg sowie den Werkluftschutz.

Die United States Strategic Bombing Survey enthält Untersuchungen zur Stadt Augsburg und den beiden wichtigen Rüstungszielen Messerschmitt und MAN (ergänzende Quellen in den National Archives Washington,D.C., Record Group 243).

Weblinks


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