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Lueginsland

eine ehemalige Bastion der Augsburger Stadtbefestigung; höchste Erhebung in der Innenstadt mit einem reizvollen Blick über das nördliche Lechtal und Augsburger Industriegebiete des frühen 19. Jahrhunderts; hochdeutsch: "Schau ins Land"

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Allgemeines

Die Hügelspitze der Wall-Anlage im Norden der Innenstadt? erhebt sich rund 500 Meter über dem Meeresspiegel. Als Lueginsland wird heutzutage allgemein das Gelände an der alten Stadtmauer zwischen Fischertor, MAN, Papierfabrik UPM und dem Stephingerberg bezeichnet. Hier befindet sich seit einigen Jahren ein Biergarten und eine begehbare Anlage mit Park, Treppen, Terrassen und Brunnen. Die Aussicht reicht auf dem höchsten Lueginsland-Punkt bei klarem Wetter weit in den Norden und Osten. Blickt man Richtung Osten, schweift der Blick hin zur Lechleite?.

Der Punkt liegt in der nörlichsten Ecke der Augsburger Altstadt?. Direkt vor dem Lueginsland liegen die Fabrikanlagen von MAN und UPM.

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Geschichte

Ausbau der Anlage

Man nimmt an, dass schon die römische Militärsiedlung Augusta Vindelicum?, gegründet 15 v. Chr. zwischen Lech und Wertach, hier an der höchsten Erhebung im Norden mit Holzpfählen und einem aufgeworfenem Damm als befestigte Siedlung ausgebaut war.

Es soll aber erst der deutsch-ungarische König Sigismund?, der Sohn von Kaiser Karl IV.?, gewesen sein, der bei einem Spazierritt im Jahre 1430 durch Augsburg an dieser Erhebung vorbei kam und meinte, hier solle man doch einen großen Aussichtsturm bauen. Damit man "ins Land luegen" kann. Luegen bedeutete nicht "lügen", sondern "schauen". Es war im gleichen Jahr, in dem in Augsburg der erste Büchsenschützen-Verein gegründet wurde, womit das Aufkommen der Feuerwaffen in Augsburg belegt ist.

Der damalige Stadtrat von Augsburg mit dem Bürgermeister Stephan Hangenor? hörte auf Sigismund? und baute einen Aussichtsturm auf den Hügel am Stadtgraben, der vor der hohen Stadtmauer ringsum verlief. Dieser frühe Lueginsland-Turm wurde 1438 fertig gestellt, aber nicht als Wehrturm in die Stadtmauer integriert, sondern er diente nur der Aussicht und der Beobachtung der Umgebung. Die Baukosten für den Turm, der auf Stadtgelände gestellt wurde, das man wegen seiner vielen Gärten, von denen einige bis heute geblieben sind, damals auch "Vogelsang" nannte, waren nicht gering. Das vermeldet die Augsburger Chronik. Immerhin war er einer der höchsten Türme zu dieser Zeit in Augsburg. Der Ideengeber Sigismund? starb kurz darauf im Jahre 1437, nachdem er 1433 in Rom zum deutsch-römischen Kaiser gekrönt worden war. 1440 hat man den Turm sogar bemalt.

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Die Augsburger konnten sich einige Jahrzehnte über ihren Aussichtsturm freuen. Dann schlug im Jahre 1498 (nach anderen Quellen 1499) der Blitz ein. Das Bauwerk brannte ab. Ein mitternächtlicher Spaziergänger wird in der damaligen Sprache zitiert: "Am Dienstag nach der äscheren Mittwuchen hat es in der neinten Stund feindlich plitzget und dunnreth und hat ein Fuirstrahl in den hohen Turm Lueg ins Land geschlagen."

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts, Augsburg war damals eine der reichsten Städte weltweit, wurde der Aussichtsturm auf dem Hügel wieder als prächtiges Bauwerk errichtet (1515). Der nunmehr zehneckige Turm bekam acht Stockwerke und rundherum Erker. Glasierte Ziegeln bedeckten das Dach, Windfahnen zierten Türmchen und Erker. Adolf Daucher? lieferte den Entwurf zu diesem neuen Turm, die Bemalung unternahm Ulrich Mauermüller?. Da man zum Schutz vor der feindlichen Artillerie und zum eigenen Einsatz von Kanonen neue Wallanlagen benötigte, wurden an den Ecken der Stadt die alten Wehrtürme aus dem Mittelalter überflüssig. Jetzt wurden an den Ecken der Stadtbefestigung Erdwälle aufgeschüttet, die Kanonenkugeln und andere Geschosse auffangen sollten. Deshalb wurde auf Befehl des Rates der Lueginsland-Turm 1533 teilweise abgetragen und die Mauern rundum zur Abwehr als Bastion angelegt. Der alte Aussichtsturm hielt diese baulichen Veränderungen nicht aus und spaltete sich langsam. Manche Quellen führen seine Teilabtragung auch auf einen neuerlichen Blitzschlag im Jahr 1532 zurück. Wie auch immer: Das war das Ende des Aussichtsturms. Er wurde Stein für Stein abgetragen und verschwand. Allerdings behielt die Gegend, wo er stand, seinen Namen.

Die Augsburger spazierten weiter gerne zum Lueginsland. Hier war schon seit Hunderten von Jahren innerhalb der Stadtmauer eine Wirtschaft mit Biergarten, "wo man bei guten Speisen und süffigen Getränken eine herrliche Aussicht genießen" konnte. Allerdings wurde das beliebte Ausflugslokal auf dem Lueginsland im Jahre 1733 per Ratsverordnung geschlossen. Zu schlimm hatte sich der Sittenverfall dort vor und hinter dem Tresen entwickelt. Besonders an den Sonn- und Feiertagen soll es hier überaus sündig zugegangen sein, während zur gleichen Zeit brave Bürger in die Kirche gingen.

1703 und 1704 kämpften in Höchstädt?, nicht weit von der damals Freien Reichsstadt? Augsburg, die Franzosen und Bayern gegen Österreicher und Preußen. Es herrschte der Spanische Erbfolgekrieg?. Auf Befehl der französischen Truppen, die sich um 1704 auch in Augsburg verschanzten, musste auch das Lueginsland neu befestigt und zur Zitadelle ausgebaut werden. Der Hügel wurde nach Plänen der Franzosen eine mächtige Bastei mit einem Wachhaus, doch schon in den Jahren 1705/07 trug man die "französischen" Befestigungen wieder ab.

Nach dem Verlust der Reichsfreiheit

Viele Jahre später, Augsburg war durch Napoleon bereits zu Bayern gekommen und hatte 1806 seine Reichsfreiheit verloren, bummelten die Bewohner der einstigen Freien Reichsstadt? wieder zur neu eröffneten Freiluftschenke aufs Lueginsland. Die Anlage hatte man in der Zwischenzeit ganz geschleift.

Ende des 19. Jahrhunderts baute man die Herwartstraße?, was für die Bastion Lueginsland den Verlust großer Teile bedeutete. Man schüttete dabei auch Soldatenunterkünfte zu und verlegte Eingänge zur Bastion.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich auf dem Lueginsland noch ein Bierkeller.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch das Lueginsland durch Bomben zerstört. Schließlich war die Fabrik MAN, die auch Motoren für Panzer baute, gleich in der Nähe und damit ein Ziel für die feindlichen Flieger.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg wurde die Wall-Anlage Lueginsland wieder renoviert (1954). Zuerst dachte man an die Kinder und stellte Spielgeräte auf. Davon stehen heute noch einige wie große Schaukeln und kleine Wippen. Dann legte man den Seerosenbrunnen? an, in dessen Beckensohle eine aus Ziegeln gepflasterte Seerose erkennbar ist. Auch erinnerte man sich an den 1925 von dem Bildhauer Fritz Beck geschaffenen Hexenbrunnen, der 1959 an die Innenseite der Stadtmauer angebracht wurde, die vom Fischertor an der Thommstraße entlang zum Lueginsland führt. Für die Spaziergänger wurde innerhalb der Stadtmauer ein romantischer Verbindungsweg vom Fischertor am Hexenbrunnen vorbei bis zum Lueginsland gebaut, der zum Biergarten führt oder weiter zur gewaltigen Stadtmauer, über die man bei der Herwartstraße? tief in den hier noch breiten Stadtgraben hinunterblicken kann.

1983/84 kam es zu einer zweiten Erneuerung und 1987/88 folgte eine Generalsanierung der Anlagen.

Seit einigen Jahren führt die Augsburger Gastronomie-Familie Oblinger, die gleich in der Nähe ein Hotel und ein Gasthaus betreibt, auch die Freiluftbewirtung auf dem Wall und nennen ihn "Lug ins Land", was historisch korrekt ist. Dieser Biergarten, mit einer Aussicht über das Lechtal? bis zur Donau?, wird zu den schönsten in Augsburg gezählt.

2015 begann man die Bastion Lueginsland im Rahmen eines Projekts zur Stadtmauersanierung auf einer Strecke von etwa 400 Metern zwischen Lueginsland und dem Fischertor instand zu setzen, was ein Projekt über mehrere Jahre sein sollte. Für diese Maßnahme waren 460.000 Euro im städtischen Haushalt eingeplant. Damit sollte auch der historische Zugang in der Herwartstraße? wieder geöffnet werden.

Details

In der Nähe des Biergartens Lug ins Land? liegen die Straßen Am Lueginsland? und Lueginslandgässchen?. Beide Straßen und das Lueginsland selbst liegen im Stadtviertel 07. Bleich und Pfärrle, das zum Planungsraum I Innenstadt gehört. Postleitzahl des Gebietes ist die 86152.

Zum Lueginsland-Turm heißt es in Theodor Herbergers Buch „Augsburg und seine frühe Industrie“: „Von Hochbauten war die größte Zierde der Stadt der Luginslandthurm, der im Jahre 1430 dem Kaiser Sigmund? zu Ehren um eine außerordentlich große Summe erbaut wurde. Es war ein mit Ornamenten im deutschen Style reich verzierter Thurm, dessen Höhe nach der vorhandenen Zeichnung jene aller Thürme der Stadt übertroffen haben muß. Er war, wie es scheint, achteckig, mit kleinen Thürmchen auf der höhe der Kanten. Oben war er flach, so daß man auf ihm sich ergehen und in das Land lugen konnte.“

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Sonstiges

Nach dem historischen Aussichtsturm Lueginsland nannte sich auch ein Ausburger Stadtmagazin, das von 1977 bis 1980 monatlich erschien.

Lage


Weblinks


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