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Lechkanäle

Meist künstlich angelegte Gewässer innerhalb des Stadtgebiets von Augsburg, die industriell genutzt wurden.

Allgemeines

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Im heutigen Augsburger Stadtgebiet legt der Lech etwa 20 Kilometer hinter sich. Neben der Wertach wurde der Lech schon früh als Energieträger genutzt. Die Wasserkraft bezeichnete man früher als "weiße Kohle". Gerade in Augsburg war sie für die industrielle und gewerbliche Entwicklung von großer Bedeutung. Und um die Wasserkraft des Lechs zu nutzen, legte man im Stadtgebiet die Lechkanäle an. Es sind 29 an der Zahl mit einer Gesamtlänge von 77,7 Kilometern.

Auch für den Transport von Gütern mittels der Flößerei zwischen dem Lech und der Stadt waren die Lechkanäle wichtig. Außerdem waren die Lechkanäle für viele Handwerke (Färberei?, Kürschnerei?, Gerberei? etc.) der ideale Niederlassungsort. Die billige Wasserkraft förderte vor allem das Handwerk der rund 2000 Weber? in der Stadt des 14. Jahrhunderts, aus der die Fugger hervorgingen. Rund um die Lechkanäle entstand so das Augsburger Lechviertel. Kein Wunder, dass sie den Fußgänger hier immer begleiten.

Geschichte

Nicht wenige Lechkanäle haben ihren frühen Ursprung in alten Flussrinnsalen, zum überwiegenden Teil aber sind sie auf eine künstliche Anlage zurückzuführen. 982 ist erstmals ein Wasserlauf durch die Stadt in einer Niederschrift bezeugt. Als Kaiser Friedrich I.? 1187 der Stadt erlaubte Wasser vom Lech abzuleiten und durch die Stadt, werden zum ersten Mal die Lechkanäle erwähnt.

Im Jahre 1276 zählte man in Augsburg fünf Lechkanäle mit zehn Mühlen. Die Mühlendichte stieg im 14. Jahrhundert auf 14 an.

Im Jahr 1761 erfahren wir aus Schriften des Stadtbrunnenmeisters Caspar Walter, dass es 93 Wasserkraftwerke mit 163 Wasserrädern und 63 Mühlen in Augsburg gab.

Wurde die Wasserkraft noch bis Ende des 18. Jahrhunderts durch Wasserräder nutzbar gemacht, setzten sich im 19. Jahrhundert Wasserturbinen durch, mit denen man die Wasserkraft in mechanische Energie umwandelte. Kurz vor dem Bau der ersten Produktionsanlage der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg im Jahr 1837 war eine Turbine erfunden worden, die 80 Prozent der Wasserkraft in Energie umsetzen konnte und nicht wie zuvor nur 40 Prozent. Im 20. Jahrhundert setzte man mehr und mehr Turbinengeneratoren zur Stromerzeugung ein.

Bevor man im Jahr 1910 die Schwemmkanalisation in Augsburg baute, dienten die Lechkanäle auch als probates Mittel, um Abwässer und Abfall zu beseitigen.

Ab den 1930er bis in die 1960er Jahren baute man die Lechkanäle zu, versteckte sie, wo es ging. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat man wegen des zunehmenden Autoverkehrs zunächst Lechkanal um Lechkanal mit Straßen überdeckt. Erst die Altstadtsanierung?, die Anfang der 1970er Jahre begann, hat die Lechkanäle wieder an das Tageslicht gebracht. Ein Glück: So hat die Altstadt? ihr romantisches Flair wieder gewonnen. Mit den aufgedeckten Kanälen kehrten auch die Brücken wieder nach Augsburg zurück. Manche meinen, Augsburg habe inzwischen mehr Brücken als Venedig.

Dienten die Lechkanäle im 19. Jahrhundert dem technischen Fortschritt in Augsburg, wurden sie im 20. Jahrhundert ein Hemmschuh und trugen zu einer wirtschaftlichen Stagnation bei. Denn während andere Industrieregionen schon im 19. Jahrhundert die Energiegewinnung durch Wasserkraft mit dem Einsatz von Dampfturbinen weiterentwickelten, geschah diese Umstellung in Augsburg zögerlicher. Der Grund dafür lag in der schlechten Anbindung Augsburgs an das Ruhrgebiet. Von dort musste die Kohle bezogen werden, die für die Einführung von Dampfmaschinen benötigt wurde. Und das war teurer als andernorts in Deutschland, was Augsburg für die Gründung neuer Fabriken oder neuer Industrien unattraktiv machte.

Details

Einzelne Lechkanäle

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Es gibt zwei Lechanstiche auf der linken Seite, deren Hauptfließrichtung von Süden nach Norden verläuft und die schon recht alt sind: den Lochbach und den Hauptstadtbach?.

Der Lochbach bekam im 17. Jahrhundert die Funktion, den Brunnenbach und den Brunnenlech? zu verstärken. Heute leitet man ihn aus der Lechstaustufe 22? bei Unterbergen ab und nutzt ihn als Industriekanal. Er hat eine Fließgeschwindigkeit von 3 Kubikmetern pro Sekunde, sein Geländeabfall beträgt etwa 2,8 Prozent auf einen Kilometer und er erbringt ca. 70 kW an Leistung. In der Augsburger Altstadt? bezeichnet man ihn als Vorderen Lech. Früher lagen an ihm die Stadtmühlen?. Sein Wasser fließt in den Stadtbach?.

Der Hauptstadtbach? hat eine Fließgeschwindigkeit von 36 Kubikmetern und wird am Hochablaß abgeleitet. Das Stadtviertel Spickel wird von ihm als Eiskanal und als Neubach umflossen. Am Damaschkeplatz teilt er sich in den Herrenbach? und den Kaufbach?. Der Herrenbach? hat eine Fließgeschwindigkeit von 24 Kubikmetern pro Sekunde, der Kaufbach? eine von 12. Der Herrenbach? teilt sich bei der Reichenberger Straße in den Hanreibach und den Proviantbach. Zwischen diesen Kanälen und dem westlichen Strang des Kaufbachs? sind unzählige namenlose Verzweigungen zu finden, die industriell genutzt wurden oder werden. Der Kaufbach? fließt durch den Osten der Altstadt? und nimmt den Vorderen Lech und vom Stadtgraben ausgehende Bäche auf, bevor sich im Norden der Stadt in der Wolfzahnau alle Kanäle wieder vereinigen und in den Lech zurückfließen.

Neben dem Vorderen Lech gibt es auch noch den Mittleren Lech und den Hinteren Lech.

Links des Lechs

Rechts des Lechs

Weitere Lechkanäle

Weblinks


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