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Lechhausen

Planungsraum VI in Augsburg, bestehend aus den Stadtbezirken

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Allgemeines

Um von der Innenstadt Augsburgs nach Lechhausen zu kommen, muss der Lech überwunden werden.

Lechhausen weist Kleinstadtcharakter auf und gilt als Industriegebiet Augsburgs und als Arbeitervorort. Lechhausen hat eine Vereinskultur, die in Augsburg hervorsticht und es leben zahlreiche Nationen friedlich nebeneinander.

Im Norden Lechhausens prägt der Lech mit seinem Lechauwald? die Natur. Hier breitet sich eine stark landwirtschaftlich genutzte Feldflur aus, die früher wegen hoher Grundwasserstände als Wiesen oder Feuchtwiesen genutzt wurde.

Hier verlaufen der Höhgraben und der Branntweinbach mit dem Chardonnaybach?. Um die Lebenräume rund um diese beiden Bäche zu schützen und ihre Artenvielfalt zu sichern, hat die Stadt Augsburg hier ein Flurneuordnungsverfahren in die Wege geleitet und umgesetzt. Damit erreichte man, dass Grundstücksflächen, die dem ökologischen Ausgleich dienen, in die Uferbereiche der beiden Bäche gelegt wurden, die zwischen den Bachläufen liegenden Ackerflächen aber weiterhin der landwirtschaftlichen Nutzung vorbehalten blieben.

Geschichte

Die erste Lechbrücke, die Augsburg mit Lechhausen fest verband, wird urkundlich erwähnt im Jahr 1130. Damals nutzte man die Lechhauser Flur als Viehweide. Weil der Lech damals noch in vielen Schleifen hier verlief, war das Gebiet wegen seiner sumpfigen Böden wenig ertragreich, was sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts änderte, als man den Lech begradigte.

Weil Lechhausen im Mittelalter zu Bayern gehörte und das Gebiet eine zollpolitische und strategische Bedeutung für beide Seiten hatte, spielten sich hier immer wieder Auseinandersetzungen ab. Schon im 13. Jahrhundert gab es zwischen den bayerischen Herzögen und der Freien Reichsstadt? erste Konflikte um den Besitz des Gebietes, die lange die Geschichte prägten. Dabei ging es nicht nur um das Zoll- und Weiderecht, das beide Seiten beanspruchten, sondern auch um die Dorfgerichtsbarkeit, denn diese führte zu Einkünften. Bis 1603 kam es deshalb zu mehreren kleinen Scharmützeln um das Dorf Lechhausen, in denen es zweimal völlig zerstört wurde und mehrmals den Besitzer wechselte. Weil es Anfang des 17. Jahrhunderts unrentabel zu sein schien, überließ Augsburg das mehrfach überschwemmte Lechhausen dem bayerischen Herzog.

18. Jahrhundert

Wohl noch im 18. Jahrhundert zogen die Gebrüder Brentano?, die in Augsburg zuwanderten und gemeinsam mit Anton Pelloux? 1793 in Augsburg Göggingen eine Seidenfabrik gegründet hatten mit ihrem Betrieb für Seidenspinnerei und -weberei nach Lechhausen um. Lechhausen war damals bayerisch und er damalige bayerische Herzog galt als "industriefreundlich". Von ihm bekamen sie für Lechhausen ohne Probleme eine Genehmigung für den Bau einer Seidenfabrik. Anfangs mangelte es noch an geeigneten Arbeitskräften und die Dorfordnung von Lechhausen erschwerte damals noch den Zuzug von fremden Personen, die in Lechhausen einer Erwerbstätigkeit nachkommen wollten. Auch die napoleonischen Kriege erschwerten damals die Startphase der Fabrik, doch nach und nach entwickelte sich die Lechhauser Seidenfabrik vorzüglich und Mitte des 19. Jahrhunderts brauchte sie keine europäische Konkurrenz mehr zu fürchten. Südlich der Seidenfabrik lag zum Lech hin eine Maulbeerbaumplantage, deren Blätter als Futter für die Seidenraupen diente, die man hier selbst züchtete, um teuere Importe von Rohseide zu sparen. Allerdings musste die Seidenraupenzucht, die Seidenraupenspinnerei und -weberei in Lechhausen 1875 geschlossen werden, denn die Eigentümer versäumten technische Veränderungen und fanden keine Antwort auf steigende Konkurrenz.

19. Jahrhundert

1803 ging die Freie Reichsstadt? Augsburg im Reichsdeputationshauptschluss an Bayern, womit sich die Besitzfrage im Falle Lechhausens endgültig erledigte. Der Lech, der zuvor noch eine Bedeutung als Grenze hatte, verband nun die Stadt Augsburg und das Dorf Lechhausen.

Die Industrialisierung stellte Lechhausen vor große Probleme, denn sie zog immer mehr Menschen vom Land zur Arbeit in den Augsburger Fabriken. Doch in der beengten Stadt Augsburg, in der es kaum Wohnraum für Zuzügler gab, konnten die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter nicht siedeln, weshalb sie sich in Dörfern oder Vororten niederließen, die vor den Toren der Stadt lagen. So schwollen Orte wie Lechhausen schnell an. Während Lechhausen 1855 erst 3.500 Menschen zählte, waren es zum Zeitpunkt der Eingemeindung 1913 schon 19.000. Die Bevölkerung hatte sich also in sechs Jahrzehnten mehr als verfünffacht.

20. Jahrhundert

1900 erhob man Lechhausen zur Stadt. Ihr Wappen zierte die Gaststätte "Zur Lände", die neben der Lechhauser Lechbrücke stand. Stadt blieb Lechhausen bis 1912. Schon 15 Jahre vor Augsburg führte das gerade zur Stadt erhobene Lechhausen 1902 die künstliche Straßenbeleuchtung ein, wohl um nachts den entsprechenden Glanz zu verbreiten.

1913 wurde das ehemalige Städtchen nach Augsburg eingemeindet?. Der Grund dafür lag in den Problemen, die sich in dem Ort durch die Industrialisierung Augsburgs aufgetürmt hatten und denen die Gemeinde nicht mehr Herr werden konnte. Durch eine Verfünffachung der Bevölkerung in wenigen Jahrzehnten kam Lechhausen beim Straßenbau, mit der Kanalisation, der Trinkwasserversorgung und dem Gesundheitswesen den Bedürfnissen der Bevölkerung nicht mehr hinterher, schlicht, weil es kein Geld hatte. Die Firmen, in denen die Zugezogenen arbeiteten lagen so gut wie alle auf Augsburger Gelände und mussten ihre Gewerbesteuer nach Augsburg zahlen. Schon lange versuchten die Lechhauser von der Stadt Augsburg Finanzhilfen zu erhalten, doch erst 1912 erließ der Augsburger Stadtrat die so genannte "Lex Hausen". Darin hieß es: "Die Umlegeberechtigung in Bezug auf Erträge aus stehendem Gewerbebetrieb ist nicht nur der Gemeinde, in der eine Betriebsstätte zur Ausübung des stehenden Gewerbebetriebs unterhalten wird, sondern auch der Gemeinde, in welcher die in diesem Betrieb beschäftigten Personen wohnen, zuzuerkennen." Weil die Eingemeindung Lechhausens nur ein Jahr später erfolgte, kam es nicht mehr zu den fälligen Infrastruktur-Ausgleichszahlungen Augsburgs an Lechhausen.

1910 stand ganz Lechhausen unter Wasser, weil der Lech damals ein erschreckendes Hochwasser? von den Alpen mit sich führte.

Als Lechhausen 1913 nach Augsburg eingemeindet wurde, musste man mehr als die Hälfte der Lechhauser Straßen umbenennen, weil ihre Namen schon in Augsburg vorhanden waren. Weil 1913 das 100-jährige Jubiläum der Leipziger Völkerschlacht gefeierte wurde, benannte man viele der umzubenennenden Straßen nach Namen von Militärs und Schlachten aus den Befreiungskriegen. So kam es, dass das Lechhauser Viertel rechts der Neuburgerstraße? von der Radetzkystraße über die Waterloostraße? bis zur Yorck- und Blücherstraße viele an Krieg und Militär erinnernde Namen aufweist. Straßen, die nach der Eingemeindung neu entstanden, bekamen wieder Namen, die an Lechhauser Personen oder Geschichte erinnern.

21. Jahrhundert

2009 wurde die städtebauliche Erneuerung des Stadtteilzentrums in die Städtebauförderung aufgenommen. 2011 wurde sie Teil des Programms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren". Mit den Akteuren vor Ort wurde ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) mit einer Vielzahl von Verbesserungsvorschlägen erarbeitet. Am 24. März 2011 hat der Stadtrat zugestimmt und die Verwaltung? beauftragt, die Umsetzung der Maßnahmen vorzubereiten.

In Lechhausen lief zum Jahresende 2011 das Projekt „Stärken vor Ort“ aus. Damit waren zwischen 2009 und 2011 mehr als 100 Projekte in Lechhausen (z. T. auch im Herrenbach? und in Kriegshaber) gefördert worden, die der schulischen, sozialen und beruflichen Integration Jugendlicher dienen sollten. Unter den geförderten Projekten befand sich das Müttercafé Koki?, dessen Anschlussfinanzierung gesichert war. Die Einrichtung für Migrantinnen, Alleinerziehende und Schwangere wurde weitergeführt.

Während des gesamten Jahres 2013 wurde der Eingemeindung Lechhausens nach Augsburg 100 Jahre zuvor gedacht. Der eigens gegründete Verein Lechhausen 2013? initiierte z. B. das Festival "Colors of Steps", das die Buntheit der Lechhauser Gesellschaft abbilden und die verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen zusammenbrachte. Tanz spielte dabei die Rolle des verbindenden Elements mit dem Ziel, interkulturelle Brücken zu schaffen. Begleitend fanden Workshops statt, in denen die Künstler ihr Wissen und ihre Kultur an die Teilnehmer weitergaben. In das Programm integriert wurden Lechhauser Traditionsvereine, afrikanische Trommler oder Tänzer aus Haiti. Auch der Gastgeber Alevitisches Gemeindezentrum Augsburg? bereicherte mit anatolischen Tänzen das Programm.

Im Juli 2013 wurden Pläne zur Erweiterung einer Moto-Cross-Anlage in Lechhausen bekannt. Die GRÜNEN forderten die die Stadtregierung und den damaligen Umweltreferenten? auf, die Entscheidung zu verschieben und zuerst den Umweltausschuss und den Naturschutzbeirat einzubeziehen. Schon zuvor hatte das Stadtplanungsamt? die Erweiterung aus ökologischen Gründen abgelehnt hat und auch der Bauausschuss? hatte gegen eine Erweiterung votiert.

Details

Migration

In Lechhausen leben mehr Menschen mit Migrationshintergrund als im Augsburger Durchschnitt. Der Durchschnitt 2012 lag bei etwas über 16 % Ausländeranteil, in Lechhausen waren es mehr als 20 %. Während der 1950er Jahre gab es in Lechhausen einen Oberpfälzer und einen Tiroler Verein, was deutlich macht, woher die Migranten damals vornehmlich nach Lechhausen kamen. Heute leben in Lechhausen Menschen aus mehr als 80 Ländern.

Wappen

Im Wappen des Augsburger Stadtteils Lechhausen ist der Lech symbolisch dargestellt. Einst wurde das Leben und die Wirtschaft der selbständigen Gemeinde durch den Fluss, aber auch durch einen sehr hohen Grundwasserspiegel geprägt.

Sankt-Anton-Siedlung

Die Sankt-Anton-Siedlung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren für Heimatvertriebene? errichtet. Damals gehörte sie zu Stätzling?, lag aber an der Stadtgrenze zu Augsburg. 1970 erstellte man einen Bebauungsplan für die Siedlung. Anfang Mai 1978 wurde die Siedlung nach Augsburg eingemeindet?. In der Siedlung gibt es Einrichtungen zur Deckung des täglichen Bedarfs wie z. B. Einkaufsmöglichkeiten, Kindergarten und Schule?. Pendler nach München können wegen der Nähe der Anschlusstelle Augsburg-West der A 8 München in einer Fahrzeit von etwa 40 Minuten erreichen. Außerdem gibt es eine gute Anbindung durch die Bushaltestelle zur Innenstadt.

Weblinks


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