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Landauer, Fritz

ein jüdischer Architekt, der zeitweilig in Augsburg lebte und arbeitete; Architekt der Augsburger Synagoge

Leben und Wirken

Geboren wurde Fritz Landauer am 13. Juni 1883 in Augsburg als Sohn von Joseph (1853-1929) und Anna Landauer (1861-1913). Sein Vater wie seine Onkel waren Söhne von Moses Samuel Landauer? (1808-1894). Er stammte aus Hürben (Krumbach), war Weber und gründete in Oberhausen die Textilfabrik M. S. Landauer?, die 1938 von den Nationalsozialisten? enteignet wurde, nach dem Zweiten Weltkrieg aber von Dietrich Bahner? bis 1995 als Elbeo betrieben wurde.

In den Jahren 1902 bis 1907 studierte Fritz Landauer zunächst in Karlsruhe und dann an der Technischen Hochschule München? Architektur.

1906/07 war er Mitarbeiter von Friedrich von Thiersch, der damals das Kurhaus Wiesbaden und die Festhalle Frankfurt baute.

Von 1909 bis 1934 arbeitete Fritz Landauer als freiberuflicher Architekt in München, die ersten Jahre noch zusammen mit Hans Brühl. Zunächst prägte ihn München mit seiner späthistoristischen und heimatverbundenen Architekturtradition, doch konnte er sich in den 1920er Jahren davon befreien und zu einer modernen Architekturauffassung finden. Mit ihr unterschied er sich zunehmend von anderen süddeutschen Architekten.

Aus dem Jahr 1913 stammen erste Grabmals-Arbeiten, die er zusammen mit dem Münchener Bildhauer Walter Sebastian Resch ausführte.

Fritz Landauer wurde in Augsburg vor allem durch den Bau der Synagoge von 1913 bis 1917 bekannt, bei dem er jedoch weniger seine eigenen Vorstellungen durchsetzen konnte, sondern mehr den Vorstellungen der Bauherren entsprechen musste.

In den Jahren 1919 bis 1928 gewann Fritz Landauer in München und Oberbayern? zahlreiche Architekturwettbewerbe und wurde immer bekannter. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Landauer im Bereich der Grab- und Denkmalskunst so bekannt, dass ihn die großen jüdischen Gemeinden in Nürnberg und München, mit der Gestaltung von Kriegsgefallenen-Denkmälern beauftragten. Damit wollten sie neben der Totenehrung auch Propagandistisches erreichen: Die Opferbereitschaft und Vaterlandsliebe der deutschen Juden sollte dargestellt werden, denn die Deutschen wurden antisemitischer – bis dahin, dass das von Fritz Landauer in Nürnberg geschaffene jüdische Gefallenendenkmal 1937 durch die Nazis als "Siegesmal der jüdischen Weltverschwörung" diffamiert wurde.

1928 bis 1930 errichtete Fritz Landauer die Synagoge in Plauen, die zu den Hauptwerken des modernen Sakralbaus in der Weimarer Republik zählte. Sie war in Ausstattungsprogramm, Licht- und Raumwirkung der Augsburger Synagoge ähnlich, doch bestand der Unterschied darin, dass die Plauener Synagoge in Formen, Materialien und Techniken für die Architekturauffassung des Neuen Bauens stand. Hier konnte Landauer seinen Gedanken verwirklichen, dass die Architektur im Kultbau eine logische Konsequenz aus zeitbedingten Wandlungen in Lebensart und Religionsauffassung abbilden sollte. Sachlichkeit und religiöse Versenkung bildeten für ihn in der Plauener Synagoge keinen Gegensatz. Von Außen hätte man das Gebäude nicht erkannt, wäre nicht der Davidstern als Fensteröffnung in der Wand eingebaut gewesen. Die Synagoge in Plauen war ein avantgardistisches Kultgebäude in der Provinz und umfasste eine Hauptsynagoge, eine Wochensynagoge, einen Gemeindesaal und Verwaltungsräume. Diese Räume brachte Fritz Landauer in einem hellen verputzten Kubus unter, der auf einem verklinkerten Sockel ruhte und den Eindruck erweckte, als schwebe er. Möglich war das durch die Konstruktion, denn der Kubus ruhte auf einem nicht sichtbaren Stahlgerüst. Die Synagoge in Plauen war so perfekt und zeitgemäß ausgefallen, dass sie 1930 in der Stuttgarter Ausstellung „Kultbauten der Gegenwart“ und 1931 in der Berliner Schau „Deutsche Bauausstellung“ als vorbildlich vorgestellt wurde. Darüber hinaus zeigte sie, dass sich das Judentum nicht mehr wie früher an christliche Sakralbauten anlehnen wollte, die sich von diesen nur in ihrer orientalisierenden Form absetzte – wie noch die Augsburger Synagoge, die allerdings schon eine Ablehnung des sakralen Eklektizismus bedeutete, indem sie nach einer vereinheitlichten Formensprache suchte, die Anklänge an den Jugendstil beinhaltet.

1929 reichte Fritz Landauer Entwürfe bei einem Architekturwettbewerb für eine Synagoge in Hamburg ein. Dieser Entwurf zeigt, wie er angesichts der wirtschaftlichen Krise eine richtungsweisende Reduktion des traditionellen Raumprogramms einer Synagoge vornahm.

Der in München tätige Architekt galt in dieser Zeit als einer der wenigen Vertreter des Neuen Bauens in Süddeutschland? und war vor allem Spezialist auf dem Gebiet des Synagogenbaus vor dem Zweiten Weltkrieg.

1933 reiste der anerkannte jüdische Architekt nach London und entwarf erste Arbeiten für englische Kunden. Im gleichen Jahr schlossen ihn die Nationalsozialisten? wegen seiner Rassenzugehörigkeit aus dem Bund Deutscher Architekten aus und ein Jahr später erhielt Fritz Landauer Berufsverbot in Deutschland.

Noch rechtzeitig emigrierte Fritz Landauer mit seiner Familie 1937 nach London und war dort bis 1955 als freiberuflicher Architekt tätig. Dort gründete er 1940 auch die Monumental Art Ltd., die sich auf den Entwurf und die Ausfertigung von Grabsteinen spezialisierte. Diese Firma half Fritz Landauer im englischen Exil leben zu können. Seine Handschrift ist aber auch an verschiedenen Grabsteinen seiner Landauer-Verwandtschaft in der Region Augsburg erkennbar.

Als Architekt konnte sich Fritz Landauer trotz anfänglicher Erfolge in England nicht dauerhaft etablieren. Sein Leben dort war deshalb für ihn zunehmend deprimierend und auch in finanzieller Hinsicht nicht befriedigend.

1955 wurde Fritz Landauer von der Bundesrepublik Deutschland als Opfer des Nationalsozialismus anerkannt und er erhielt eine Kapitalentschädigung. Um diese Entschädigung hatte Landauer lange gerungen. Nachdem er sie erhalten hatte, konnte er seine Grabstein-Firma einstellen, die er immer als „Ersatz-Tätigkeit“ gesehen hatte.

Fritz Landauer starb am 17. November 1968 in London.

Werke in Augsburg und darüber hinaus

In München errichtete Fritz Landauer in den Jahren 1928 – 1930 am Walchenseeplatz die Großsiedlung der Gemeinnützigen Wohnungsfürsorge AG (Gewofag), in Plauen i. Vogtl., Ecke Senefelder- und Engelstraße, eine Synagoge (1928 – 1930/1938 zerstört), in London - Golders Green die North Western Reform Synagogue (1935 – 1936) und in London - Willesden Green die Willesden Green Federated Synagogue (1936 – 1937).

Die zwei Synagogen in Großbritannien entstanden noch vor Landauers Exil. In den Dimensionen sind es bescheidene Bauten, doch architekturgeschichtlich markieren sie in England den ersten Versuch, im Synagogenbau Errungenschaften des Neuen Bauens mit der traditionsgebundenen englischen Architektur zu vereinen.

Bekannt wurden auch sein Denkmal für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges (1921-22) in Nürnberg sowie zwei Wohnhäuser in Fürth? (1912-14 und 1930-31). Das Haus Kunreuther in der Kutzerstraße war von Landauer neuklassizistisch mit Walmdach entworfen, das Haus Hirschmann in der Würzburger Straße im Stil des Neuen Bauens, von denen es in den 1920er und 1930er Jahren in Bayern nur wenige Beispiele gab und gibt.

Daneben entwarf Fritz Landauer Zweckbauten, aber auch Möbel und wie schon erwähnt Grabmäler. Die Verfolgung und Vertreibung ließen ihn wie viele deutsch-jüdische Architekten unberechtigterweise in Vergessenheit geraten.

Schriften

Hin und wieder äußerte sich Fritz Landauer in Artikeln zu Fragen der Baukunst von Synagogen:

  • Synagogenbau-Kunst. Betrachtungen und Anregung, in: Bayerische Israelitische Gemeindezeitung, Seite 134 – 137
  • Kirchliche Kunst der Gegenwart, in: Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs vom 16.4.1931, Seite 20 – 21
  • Jüdischer Kultbau von heute, in: C. V.-Zeitung 1931, Seite 341 – 342
  • Israelitisches Gemeindehaus mit Synagoge in Plauen i. Vogtl., in: Baugilde 1932, Seite 359 – 360

Sonstiges

2001 fand im Jüdischen Museum Franken in Fürth? eine Ausstellung zu Fritz Landauers Werk statt, in der u. a. die Augsburger Synagoge als Gesamtkunstwerk vorgestellt wurde.

Der schriftliche Nachlass von Fritz Landauer befindet sich zum Teil in Kalifornien und zum Teil im Architekturmuseum Schwaben.

Zu dem jüdischen Architekten aus Augsburg gibt es folgendes Werk: Nerdinger, Winfried (Hrsg), Fritz Landauer (1883-1968), Leben und Werk eines jüdischen Architekten. Schriften des Architekturmuseums Schwaben, Band 4, Berlin 2001

Weblinks


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