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Landauer-Haus

Das Landauer-Haus in Krumbach beherbergt die Forschungs- und Beratungsstelle für Trachten und Kleidungskultur in Schwaben. Sie ist eine Einrichtung in doppelter Trägerschaft: des Bezirks Schwaben und des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege e. V.?

Das Ziel der Forschungs- und Beratunsstelle für Trachten und Kleidungskultur in Schwaben ist es, Quellen zur Kleidungsforschung zu sammeln, die regionale Tracht unter verschiedenen Blickwinkeln zu erforschen und das Wissen zur Trachtenpflege weiterzugeben.

Die Trachtenberatung des Bezirks Schwaben setzt die Trachtenberatung in Kursen und Handarbeitstreffen praktisch um. Daneben gibt sie das Wissen um die schwäbischen Trachten theoretisch in Publikationen weiter. Die Ergebnisse der Arbeiten der Trachtenberatung werden bei Modenschauen oder auf Trachtenmärkten gezeigt.

Kurze Geschichte des Hauses

Die Sippe mit dem Namen Landauer ist weit verzweigt. Der Stammesname ist sehr alt. Der älteste Landauer soll 1718 aus Thannhausen vertrieben worden sein, aber schon 1699 taucht ein „Landau“ in Memminger Gerichtsakten auf.

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Um 1800 brachte es Leopold Raphael Landauer zu beträchtlichem Reichtum, indem er mit Franzosen und Österreichern, die Krieg gegeneinander führten, handelte. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss konnte er mit seinem Geld die Kunstgegenstände aufgelöster Klöster aufkaufen und es so weiter mehren. Auch in der Folgezeit blieb der Sippe das finanzielle Glück hold, was an Hand vieler Dokumente zu belegen ist. Leopold Raphael Landauer und der Sohn Raphael bauten das Landauer-Haus. Unten wohnte der Vater, oben der Sohn mit Familie. Jede Wohnung hatte sechs Zimmer und eine Küche, dazu kommen Dachboden, Stall, Holzhütte und Hofraum.

1872 kaufte Jakob Lazarus Guggenheimer das gesamte Haus und legte später die beiden Wohnungen zusammen.

100 Jahre lebten Juden in diesem Haus, bis 1902 das Anwesen an den Nichtjuden Karl Schwarz verkauft wurde. 1929 verkaufte es die Familie Schwarz an den Bezirksarzt Dr. Noll. In der Folgezeit gibt es einen häufigen Besitzerwechsel. Schließlich kam das Haus so sehr herunter, dass sogar an einen Abriss gedacht wurde, doch die Tatsache, dass das Haus unter Denkmalschutz stand verhinderte diesen Plan.

Ein Zufall führte zur Wiederbelebung und Renovierung des Hauses. 1992 tagte der Schwäbische Heimattag zum zweiten Mal in Krumbach und hatte die Thematik „Jüdische Geschichte in Schwaben“. Auf diesem Heimattag wurden die Delegierten auf die Problematik des Landauer-Hauses aufmerksam, was zu einer Resolution zum Erhalt des Hauses führte, die von Politik und Presse aufgenommen wurde.

1996 nahm dann die Geschichte des Hauses eine glückliche Wendung, denn der Bezirk Schwaben engagierte sich und kaufte das wertvolle Gebäude, um hier die Trachtenberatungsstelle unterzubringen. 1999 konnte diese Institution in dem restaurierten Haus einziehen.

Sammlungen


Landauer Haus
(C) by Trachtenberatungsstelle
Schwaben

Präsenzbibliothek: Hier stehen über 1.000 Bände zu den Themen Textilien, Trachten und Kleidung. Man kann hier in Ruhe lesen und arbeiten. Auch ist es möglich, einen Auszug aus den Beständen zu einem Thema zuzuschicken, damit man sieht, ob sich ein Besuch in der Bibliothek lohnt.

Textilarchiv: Das Textilarchiv zeigt eine Trachtensammlung, die ständig wächst. So besaß das Landauer-Haus schon 2003 mehr als 650 Stücke. Ein Teil der Sammlung wird immer gezeigt, meist bezieht sich die Auswahl auf laufende Projekte oder Ausstellungen. Alle Bestände können nach Absprache ausgepackt und besichtigt werden. Immer wieder werden auch Trachten neu genäht. Sie werden bei Trachtenschauen gezeigt, können im Rahmen von Beratungen aber auch angezogen werden. Überhaupt werden am Computer Schnitte nach individuellen Maßen erstellt, die aber in den Proportionen entsprechend alter Trachten entwickelt wurden. Unter anderem passen z. B. Trachten aus der Biedermeierzeit oder dem Rokoko auch heute noch gut. Grundschnitte von Leibchen, Jacken oder Westen kann man sich im Landauer-Haus schon ab 15 Euro machen lassen.

Dokumentationsdioramen: In Dokumentationsdioramen werden nach Vorlagen schwäbischer Trachten schneidertechnische Detailarbeiten gezeigt. Manche der raffinierten Verarbeitungseinzelheiten erschließen sich erst bei ganz genauem Hinsehen. Sie werden hier dokumentiert, nachgearbeitet und in Kursen weitervermittelt.

Veranstaltungen

Schwäbischer Trachtenmarkt

In jedem Jahr findet am zweiten Oktoberwochenende im und um das Landauer-Haus der große Schwäbische Trachtenmarkt statt, zu dem viele Trachtenhandwerker, Trachtenhändler und Trachtenhersteller anreisen und ihre Kleidung und Künste präsentieren. Man kann sehen, wie Haubenschachteln genäht, Knöpfe umsponnen und Seegrasschuhe gefertigt werden. Auch die Kunst der Leinwandweberei und des Silberschmiedens wird gezeigt. Eine Waldhexe tritt auf und erzählt den Kindern ihre Geschichte. Auf einer Trachtenbörse kann man günstig an Trachten kommen. Es gibt also ein breites Spektrum an Waren, Wissen und Werten zur Trachtenkultur zu erleben. Hier wird ein Stück schwäbischer Trachtenkultur greifbar. Übrigens gibt es auf dem Trachtenmarkt auch einen Secondhand-Verkauf von Trachten.

Fortbildungen


Zeichnung Landauer-Haus
(C) by Trachtenberatungsstelle Schwaben

Die Seminare wechseln natürlich in ihrer Thematik von Jahr zu Jahr. Im Grunde aber werden immer wieder die folgenden „Klassiker“ behandelt:

Werktagsgewand: Hemden wie zu Großvaters Zeiten, Trachtenunterwäsche, Röcke, Schürzen, Kitteljacke, Seegrasschuhe, Soffe selbst gestalten, Modelstoffhanddruck, Kotze

  • Festtagsgewand: Mieder, Goller, Bruststück, wattierter Unterrock, Froschmaul mit Mausezahn, Posamentierknöpfe, Herrenwesten
  • Boarisch Gwand: Heugewand, Spenzer, Rock und Schürze
  • Protestantische Tracht der schwäbischen Alb: Rock, Leibchen und Schürze
  • Hauben: Stepparbeiten, Quilttechniken, Hohlspitze, Steinefassen, Haubenaufbau, Fältelhaube, Riegelhauben, Reginahauben, Haubenschachteln

Außerdem sind Klöppeln, Bauscht, Rosenkränze ketteln, historische Nähtechniken etc. Programmpunkte, die wiederkehren. Normalerweise können bis zu acht Personen an den Fortbildungen teilnehmen. Die Kurse sind auch vor Ort möglich, wenn ein geeigneter Raum zur Verfügung steht.

Sonstiges

Ausstellungen finden in regelmäßiger Folge statt. Dazu erkundigt man sich am besten auf der Webseite der Trachtenberatungsstelle.

Die Trachtenberatungsstelle hat schon mehrere Veröffentlichungen und eine Vielzahl von Dokumentationen zu Ausstellungen und Fortbildungen herausgegeben. Sie können zum einen auf der Webseite der Trachtenberatungsstelle erkundet und zum anderen über die Trachtenberatungsstelle bezogen werden – zum Teil sogar als Gratis-PDF.

Auch über aktuelle Projekte der Trachtenberatungsstelle informiert man sich am einfachsten über die Webseite der Institution.

Adresse und Öffnungszeiten

Landauer-Haus
Forschungs- und Beratungsstelle
für Trachten und Kleidungskultur in Schwaben
Hürbener Straße 15
86381 Krumbach

Tel. 08282/82 83 89
Fax. 08232/82 83 87
trachtenberatung@kleidungskultur.de

Die Besuchszeiten können telefonisch vereinbart werden.


Weblinks


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