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La Roche, Maria Sophie von

Die erste deutsche Romanautorin empfing in Augsburg ihre grundsätzliche Prägung. Außerdem gab sie als eine der ersten Herausgeberinnen eine Frauenzeitschrift heraus. Ihr bekanntestes von 23 Werken ist die "Geschichte des Fräuleins von Sternheim".

Leben

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Geboren wurde Maria Sophie am 6. Dezember 1730 in Kaufbeuren. Sie war das älteste Kind des Arztes Georg Friedrich Gutermann? und seiner Frau Regina Barbara Gutermann?. Der Arzt stammte aus Biberach an der Riß?, praktizierte nacheinander in Kaufbeuren, Kempten und Lindau, bevor er 1740 Dekan des medizinischen Kollegiums (Collegium Medicum?) in Augsburg wurde. Die Mutter Regina Barbara Unold (1711 - 1748) stammte aus Memmingen.

Die Kaufbeurener Zeit

Das Geburtshaus von Maria Sophie Gutermann von Gutershofen stand in der Ludwigstraße und war das Zollamtsgebäude, das so genannte Hörmann-Haus.

Der Vater war ehrgeizig, was seine erste Tochter betraf, wollte sie als Wunderkind sehen. Schon mit drei Jahren konnte Maria Sophie lesen, mit fünf hatte sie die ganze Bibel durch, schreibt sie später. Geschichte, Astronomie und Französisch gibt ihr der Vater, sie erhält Klavierunterricht. Natürlich wird sie auch in der Kochkunst und allen Hausfrauenpflichten unterrichtet. Auch der Leiter der evangelischen Lateinschule, Diakon Magister Johann Jakob Brucker? nahm sich der Kleinen an und brachte ihr vor allem die Geschichte nahe.

Schon als Kind engagierte sich die spätere Erfolgsautorin als "Bibliothekarin" ihres Vaters, der über den medizinischen Wirkungskreis in Augsburg auch überregional in Wissenschaftskreisen aktiv war. Er gehörte der Gelehrtengesellschaft von Johann Jakob Brucker? an und unterhielt selbst einen solchen Gelehrtenkreis. Durch ihre Tätigkeit für den Vater, kam Maria Sophie schon früh mit der Literatur in Berührung. So verwundert es nicht, dass Lesen und Schreiben auch ihr späteres Leben dominierte.

Schon 1737 zog die Familie Gutermann nach Lindau, weshalb der späteren Bestseller-Autorin nur wenig von ihrer Geburtsstadt in Erinnerung blieb. In ihren Schriften erwähnt sie, dass "unser schönes Haus nahe an einem Thore lag", womit wohl das Rennwegertor gemeint war. 1785 widmet ihr der Kanzleidirektor von Kaufbeuren, der Publizist und Literat Christoph Jakob Wagenseil? einen Gedichtband, in dem er Maria Sophie von La Roche den Kaufbeurer Mädchen als Vorbild empfiehlt.

Die Augsburger Zeit

Maria Sophie war die Älteste unter ihren vielen Geschwistern, von denen jedoch nur drei Mädchen und ein Bruder die Babyjahre überlebten. Sie verbrachte den größten Teil ihrer Kindheit und Jugend in Augsburg, wo sie streng pietistisch erzogen wurde. Mit neun Jahren schickt man sie für drei Jahre nach Biberach an der Riß? zu den Großeltern. Zurückgekehrt nach Augsburg, war ihr Vater in der Zwischenzeit Dekan der medizinischen Fakultät in Augsburg geworden.

Eine höhere Bildung war nicht vorgesehen für sie, Mädchen sollten heiraten. Als sie ihren Vater mit 13 Jahren bittet Latein lernen zu dürfen, zieht dieser eine Grenze. Eine solche "männliche" Bildung ist nichts für Mädchen und vermindert die Heiratschancen - und um eine gute Partie hat sich ein Vater für seine Tochter damals zu sorgen. Dennoch erwarb sie sich - zum Teil durch die Ausbildung von seiten des Vaters - eine umfassende Bildung - selbst in den Naturwissenschaften. In ihrem Lebensrückblick "Melusinens Sommerabende" aus dem Jahre 1806 schreibt sie über diese Zeit: "Im väterlichen Hause musste alle Tage, neben der Arbeit an der Seite meiner Mutter, eine Betrachtung in Arndts wahrem Christentume, am Sonntage eine Predigt von Frank in Halle gelesen und eine gehört werden ... Doch wurde ich daneben auch die beste Tänzerin, lernte französisch, zeichnen und Blumen malen, sticken, Klavier spielen, und Küche und Haushaltung besorgen." Weil ihr die höhere Schulbildung als Mädchen verschlossen war, musste sie sich autodidaktisch fortbilden.

Als sie 15 Jahre alt ist, wird Maria Sophie, wie es Sitte ist, in die Augsburger Gesellschaft eingeführt, denn, wie gesagt, es geht um eine gute Partie. Und dafür macht sie keine schlechte Figur, ist sie doch hübsch, anmutig und eine gute Tänzerin. Es dauert nicht lange, bis ihr ein Bewerber gefällt: der katholischen Leibarzt des Fürstbischofs von Augsburg Giovanni Lodovico Bianconi (1717 - 1781), der aus Bologna stammte. Sie verlobte sich mit dem Italiener. Leider gefällt das nur der Mutter Gutermann, die bald stirbt, aber nicht dem pietistischen Vater, der die Hochzeit hinauszögert. Nach einem Besuch der Familie Biaconi in Bologna macht Maria Sophies Vater die Heirat davon abhängig, dass alle weiblichen Nachkommen der Ehe evangelisch getauft werden, was bei dem Bräutigam in spe auf Widerstand stößt. Er versucht Maria Sophie zu einer Flucht zu überregen, was diese aber ablehnt. Der Vater zwingt seine Tochter die Verlobung wieder lösen und schickt die Neunzehnjährige nach Biberach an der Riß? zu der verwandten Familie von Thomas Adam Wieland.

Dort begegnet sie dem 17 Jahre alten Christoph Martin Wieland, die beiden befreunden, verlieben und verloben sich im Sommer 1750. Später schreibt Wieland über die Dichterin: "Nichts ist wol gewisser, als daß ich, wofern uns das Schicksal nicht im Jahre 1750 zusammengebracht hätte, kein Dichter geworden wäre." Das Paar entlobt sich allerdings wieder (obwohl die Liebe ein Leben lang währt) und Maria Sophie heiratet 1753 überraschend einen Verwaltungsbeamten, einen Katholiken, den kurmainzischen Rat und Privatsekretär bei Friedrich Graf von Stadion: Georg Michael Frank von La Roche. Wahrscheinlich kannte sie ihren Ehemann von Augsburg her. Ganz offen erklärt sie ihm, dass sie ihn zwar schätze, aber weder Bianconi noch Wieland vergessen könne. Ihr zukünftiger Mann akzeptiert es - und die jetzt 23 Jährige beginnt mit ihm eine Ehe, die recht glücklich verläuft.

Konvenienzehe und erste schriftstellerische Arbeiten

Zunächst zieht die frisch Getraute zu Georg Michael Frank von La Roche nach Mainz. Ihr Mann war elf Jahre älter als sie. Nachdem ihre Mutter 1748 gestorben und ihr Vater sich danach wieder verheiratete und den Stiefsohn als Erben einsetzte, fand sie bei La Roche ihre Versorgung. Ihr Mann war das dreizehnte Kind eines armen Chirurgen, möglicherweise aber auch das illegitime Kind des Grafen Stadion, der ihn annahm und ihm den Adoptivnamen "La Roche" gab. Bei dem Grafen genoss er eine gute Erziehung und feine Bildung. Er blieb immer die rechte Hand seines Adoptivvaters.

Georg Michael Frank von La Roche macht Karriere und wird später Geheimer Rat des Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus. Die Eheleute haben acht Kinder zusammen, von denen aber nur fünf das Kindesalter überlebten. Alle Kinder wurden im Stadionschen Schloss zu Mainz geboren.

Die Jahre 1761 bis 1770 sind die schönsten von Maria Sophie. Sie lebt mit ihrer Familie als Gesellschafterin des pensionierten Grafen von Stadion auf dessen Schloss Warthausen. Um den Grafen herrschte eine aufgeklärte Atmosphäre, so dass sich das Schloss zu einem Musentempel entwickelte und Maria Sophie ihren Verstand, ihre Seele und ihren Geschmack bilden konnte. Hier begann sie mit ihrem ersten Roman ("Geschichte des Fräuleins von Sternheims"). Es gab auch eine umfangreiche Bibliothek mit etwa 1.400 Bänden, die heute zum größten Teil im böhmischen Schloss Kozel bei Pilsen aufbewahrt werden. Als Gesellschafterin verfasste sie ihre Korrespondenz in der französischen Sprache, wie es am Hof üblich war, und begleitete den Grafen oft auf dessen Landsitz nach Bönnigheim?, zu dessen Oberamtmann ihr Mann im Testament des Grafen bestellt wurde.

Den Kontakt zu Wieland ließ Maria Sophie auch nach ihrer Heirat nicht abreißen. Schon ab 1766 betreute Wieland ihren begonnenen Roman editorisch. Durch die Beziehungen der La Roches erhielt er 1769 an der kurmainzischen Universität Erfurt eine Professur und zog dorthin.

1770 zog ein Teil der Familie nach Bönnigheim?. Die Töchter werden in einem Kloster erzogen, was die Mutter in Depressionen stürzt. Um sie zu bekämpfen, beginnt Maria Sophie wieder zu schreiben. Später schreibt sie: "Ich wollte nun einmal ein papiernes Mädchen erziehen, weil ich meine eigenen nicht hier hatte, und da half mir meine Einbildungskraft aus der Verlegenheit und schuf den Plan zu Sophiens Geschichte…" Unterstützt wird sie von Johann Jakob Brechter (1734-1772), Pfarrer im drei Stunden entfernten Schwaigern bei Heilbronn, Verfasser von Schriften mit erzieherischem Charakter. Er rät ihr den auf Schloss Warthausen begonnenen Roman zu beenden. Es war ihr Jugendfreund Christoph Martin Wieland, übrigens schon auf Schloss Warthausen ein gern gesehener Gast, der den Roman schließlich herausbrachte - zunächst anonym. Der Roman schlug ein und die Autorin fand überall Anerkennung, so dass er auch ins Russische, Holländische, Französische und Englische übersetzt wurde. Goethe meinte zu dem Buch: "...das ist kein Buch, das ist eine Menschenseele." Und viele Literaturwissenschaftler sehen darin schon einen Vorläuferroman zu Goethes Werther, jedenfalls schon einen Vorboten des Sturm und Drang.

Bönnigheim? war für Maria Sophie viel zu ruhig. Das gesellschaftliche Leben von Warthausen? fehlte ihr. Aber immerhin war hier der erste von einer Frau verfasste Roman Deutschlands war entstanden: "Das Fräulein von Sternheim". Der erste Teil des Romans wurde im Juni, der zweite Teil im September/Oktober 1771 veröffentlicht. Wie gesagt: Veröffentlicht wurde es nicht unter den Namen La Roche, sondern anonym von Wieland als Herausgeber. Damals wäre es noch undenkbar gewesen, eine Frau als Autorin zu nennen. Trotzdem wurde Sophie von La Roche hierdurch über Nacht berühmt und man sah in ihr das "ganze Ideal von Frauenzimmer".

Koblenzer Glanzzeiten

Schon acht Monate nach dem Umzug nach Bönnigheim? heißt es wieder die Koffer packen. Diesmal zieht die Familie nach Koblenz?, genauer nach Ehrenbreitstein?. Maria Sophies Mann war Konferenzminister des Kurfürsten von Trier geworden. Hier unterhält die Schriftstellerin einen großen literarischen Salon und empfängt viele bedeutende Künstler und Literaten. Besucher waren z. B. Basedow, Heinse, die Gebrüder Jacobi, Wieland und Goethe, der ihren Salon in „Dichtung und Wahrheit“ beschreibt. Goethe war gerade 22 Jahre alt, als er im Gespräch war, ihre Tochter Maximiliane zu heiraten, doch nahm die Mutter das nicht ernst, hatte doch Goethe als kleiner Gerichtsreferendar keinen richtigen Brotberuf. Armut galt als Makel und Hindernis, die eigene Persönlichkeit zu entfalten. Maria Sophie selbst hatte dank ihres Mannes keine Geldsorgen und konnte ihre Honorare für wohltätige Zwecke spenden. Ihre Tochter Maximiliane musste eine Konvenienzehe mit dem reichen Witwer und Kaufmann Peter Anton Brentano eingehen. 13 Kinder entsprangen dieser Verbindung, darunter auch Bettina und Clemens Brentano. Maximiliane selbst starb beim 13 Kind im Wochenbett. Goethe aber schrieb "Die Leiden des jungen Werthers": Die schwarzen Augen Lottes entsprechen denen der Maximiliane.

Abstieg der Familie

Man lebte großzügig im Haus La Roche - bis ihr Mann, der 1775 in den Adelsstand erhoben worden war, wegen seiner liberalen und kirchenkritischen Einstellung im Jahr 1780 seine Stelle beim Kurfürsten von Trier Clemens Wenzelslaus verlor. La Roche hatte als Amtmann 1771 anonym die "Briefe über das Mönchswesen" veröffentliche, deren Kritik ein anderer Schriftsteller aufgriff und noch verschärfte. 1780 kam heraus, dass der ursprüngliche Verfasser dieses Werkes Georg Michael Frank von La Roche hieß.

Plötzlich war die Familie mittellos und man musste das elegante Leben hinter sich lassen. Ein befreundeter Domherr in Speyer? nahm die in Armut geratene Familie auf. Nun versuchte Maria Sophie mit ihrem Schreiben Geld ins Haus zu holen, musste aber erkennen, dass sie mit ihrem Schreiben zwar Ansehen erwarb, aber nicht die Familie ernähren konnte. Außerdem kränkten ihre Versuche durch Schreiben Geld zu verdienen ihren Ehemann, der nicht erlauben wollte, dass sie einer Verdienstarbeit nachging. Maria Sophie ließ sich jedoch nicht entmutigen und brachte 1783 die erste deutsche Frauenzeitschrift heraus: "Pomona für Teutschlands Töchter". Sie brachte ihr sowohl Erfolg als auch ein ansehnliches Honorar. Insgesamt erschienen 24 Hefte dieser Zeitschrift. Den Namen "Pomona" wählte sie, weil dies die Göttin des Herbstes ist und sich die Herausgeberin im Herbst ihres Lebens fühlte. Sie war die erste Frau, die sich öffentlich als Herausgeberin einer Zeitschrift zu erkennen gab.

In den folgenden Jahren reiste Maria Sophie viel: 1784 in die Schweiz, 1785 nach Frankreich, 1786 nach England. In ihren Reisetagebüchern, die kulturgeschichtlich noch nicht ausgewertet sind, hielt sie alles fest.

Nur langsam ging es mit der Familie La Roche in Speyer? wieder aufwärts und 1786 konnte man mit Hilfe der Brentanos sogar wieder umziehen und in Offenbach am Main? das so genannte Grillenhäuschen in der Domstraße erstehen. Von dort aus unternahm die Dichterin mehrere Reisen und veröffentlichte anschließend Reisetagebücher. Leider hielt das Glück nicht lange, schon 1788 starb ihr Mann an den Folgen eines Schlaganfalls und Maria Sophie wurde Witwe. 1791 starb überraschend ihr Sohn Franz, 1793 starb auch ihre Tochter Maximiliane und sie nahm sieben ihrer unmündigen Enkelkinder bei sich auf. 1794 fiel ihre Witwenversorgung durch die französische Besatzung des linken Rheinufers weg. Wieder versuchte sie durch ihr Schreiben den Lebensunterhalt ihrer Familie zu sichern.

Die Jahre der französischen Besatzung waren schlimm für Maria Sophie und erst 1799 begab sie sich wieder mit ihrer Enkelin Sophie Brentano auf Reisen. Christoph Martin Wieland hatte die beiden nach Oßmannstedt? bei Weimar? eingeladen, wo sie mehrere Monate lebten und für kurze Zeit in den Mittelpunkt der Weimarer literarischen Gesellschaft rückten. Allerdings passte die 68 jährige Schriftstellerin nicht in die Weimarer Gesellschaft, der sie nur als "Dilletantin" galt. Sie konnte die Weiblichkeitsvorstellungen der Klassik einfach nicht mehr erfüllen und seit dem Sturz ihres Mannes war sie zur gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Dennoch brachte Maria Sophie mit Wielands Hilfe wieder Bücher zur Veröffentlichung: "Schattenrisse abgeschiedener Stunden" und "Mein Schreibetisch".

Mit 76 Jahren starb Maria Sophie von La Roche am 18. Februar 1807 in Offenbach am Main?.

Werke

Ihr Werk erregte großes Aufsehen, driftete aber in späteren Jahren ins Konventionelle ab. Vor allem in der Umbruchphase der Revolution passte ihr moralisierender Stil nicht mehr in die Zeit. Mit allem, was sie schrieb, wollte sie Lebensorientierung geben. Besonders das "Selbständigwerden der Frauen" lag ihr am Herzen. Die Aufklärung war ihr Leitmotiv, weshalb sie sich immer für den maßvollen Weg der Mitte, jenseits von Verschwendung und Extreme als Fundament der Zufriedenheit einsetzte.

Ein paar Worte zu ihrem Bestseller "Geschichte des Fräuleins von Sternheim". Das Buch erzählt eine unerhörte Geschichte, wie man sie bis dato nur aus französischen oder englischen Romanen kannte. Es geht um die Geschichte der tapferen und aufrechten Waise Sophie von Sternheim, die vielen Angriffen auf ihre Tugend ausgesetzt ist. So will man sie an einem Fürstenhof zur Mätresse machen, ein Schurke zwingt sie zu einer Scheinehe und sie gerät in Lebensgefahr. Die Leserinnen und Leser sind ergriffen und begeistert, man spricht über den Roman in ganz Deutschland. Die jungen Stürmer und Dränger erkennen in der Sophie von Sternheim ihr Frauenideal: emanzipationslustig und gefühlsselig lodernd, wie ihr Charakter ist. In La Roches Roman ist die Frau kein Opfer, sondern sie handelt aus eigener Kraft. Das Werk wurde ins Holländische, Russische, Englische und Französische übersetzt.

Mit diesem Roman war der Frauenroman geboren. In ihm schuf Maria Sophie von La Roche einen völlig neuen Charaktertyp von Frau, die "schöne Seele". Der Adel des Menschen liegt nicht mehr in Äußerlichkeiten wie Abstammung und Geburt, sondern in seinem edlen Charakter, seinem ethischen Handeln; es kommt auf die Tugend des Menschen an, die ihm allein Adel verleiht. Mit Hilfe der inneren Werte kann man die Fallstricke des Lasters umgehen und durch den Weg von der Eigenliebe zur Nächstenliebe kann man sich nützlich machen.

Als bekannt wurde, dass Maria Sophie von La Roche die Autorin dieses mutigen Buches war, glaubten viele Leser, sie schildere ihr eigenes Schicksal. Man wurde neugierig, mehr über sie zu erfahren. Und so geriet sie als Frau in den Blickwinkel der Öffentlichkeit, damals etwas Ungeheuerliches.

Ein weiterer Glanzpunkt ihres Wirkens war ihre Zeitschrift "Pomana". Sie bot eine ambivalente Mischung zwischen Eigenständigkeit und Tradition. Die Leserinnen bekamen eine Menge Infotainment: Artikel über Mode, Gesundheit, Medizin, Ernährung, Kunst und Porträts erfolgreicher Frauen sowie eine Leserbrief- und Ratgeber-Kolumne. Darin erteilte die Herausgeberin Hinweise für Haushalt und Schlafzimmer, womit sie den weiblichen Nerv der Zeit traf. Sogar die russische Zarin Katharina die Große abonnierte ihre Zeitschrift.

Schon im Vorwort des ersten Heftes macht die Herausgeberin klar, dass sie den von Männern herausgegebenen Frauenzeitschriften eine Blatt gegenüberstellen will, das von einer Frau geleitet ist. Mit "Pomona" wollte die La Roche vor allem die weibliche Bildung verbessern. Dazu dienten auch Sonderhefte zu einem bestimmten Land, die mit kulturhistorischen Betrachtungen gefüllt waren. Auch weitere Lektüre-Empfehlungen werden gegeben. Allerdings ist der Anspruch beschränkt, denn für die Frau gehe es vor allem darum, eine gute Gesellschafterin für den Mann zu sein, wahre männliche Gelehrsamkeit wird nicht angestrebt.

Veröffentlichungen

"Geschichte des Fräuleins von Sternheim", hrsg. von C. M. Wieland, Leipzig 1771 - Reclam, Stuttgart 1983
"Rosaliens Briefe an ihre Freundin Marianne von St.", Altenburg 1779-81 - Repr. Eschborn 1994
Zeitschrift: "Pomona für Teutschlands Töchter", Speyer 1783/84 - Repr. München 1987
"Tagebuch einer Reise durch die Schweiz", Altenburg 1787 - Repr. Eschborn 1994
"Tagebuch einer Reise durch Frankreich", Altenburg 1787 - Repr. Eschborn 1994
"Tagebuch einer Reise durch Holland und England", Offenbach 1788; - Repr. Karben 1997 "Briefe über Mannheim", Zürich 1791 - Repr. Karben 1996
"Schattenrisse abgeschiedener Stunden", Offenbach 1799 - Repr. Eschborn 1992
"Mein Schreibetisch", Leipzig 1799 - Repr. Karben 1997
"Fanny und Julia", Leipzig 1801 - Repr. Eschborn 1994
"Melusinens Sommer-Abende", hrsg. von C. M. Wieland, Halle 1806 - Repr. Eschborn 1993

Sekundärliteratur

Assig, Ludmilla, Sophie von La Roche, die Freundin Wielands; Berlin 1895
Becker-Cantario, Barbara, Freundschaftsutopie: Die Fiktionen der Sophie la Roche. In: Untersuchungen zum Roman von Frauen um 1800, Tübingen 1990, S. 92-114.
Feyl, Renate: Die profanen Stunden des Glücks, München 1996
Haag, Klaus, Vordestemann, Jürgen (Hg.), Meine liebe grüne Stube. Die Schriftstellerin Sophie von La Roche in ihrer Speyerer Zeit (1780-1886), Speyer 2005
Koenig-Warthausen, Gabriele von, Sophie la Roche geb. Gutermann, Schriftstellerin, Jugendliebe Wielands. In: Lebensbilder aus Schwaben und Franken, Bd. 10. Stuttgart 1966. S. 101-125.
Kreutzer, Helmut, Eine gute Mutter von Deutschlands Töchtern - Vortrag zum 200. Todestag der Sophie von La Roche. In: Literatur in Bayern 22. Jahrgang, Ausgabe Nr. 87, S. 53-59
Langner, Margrit, Sophie von La Roche – die empfindsame Realistin, Heidelberg 1995
Lowry, Helen Mary, „Reisen, sollte ich reisen! England sehen!“, A study in eighteenth-century travel accounts. Sophie von La Roche, Johanna Schopenhauer and others, Kingston, Ontario 1998
Mederer, Hanns-Peter, Romanschriftstellerin Sophie von La Roche - eine Tochter Kaufbeurens, in: Das schöne Allgäu 9, 1993, S. 40-42
Meighörner, Jeannine, „Was ich als Frau dafür halte“, Sophie von La Roche. Deutschlands erste Beststellerautorin, Erfurt 2006
Meise, Helga, Sophie von La Roche – Lesebuch, Königstein/Taunus 2006
Ottenbacher, Viia, Bock, Heinrich, Sophie von La Roche in Warthausen, Deutsche Schillergesellschaft Marbach, 1997
Strohmeyr, Armin, Sophie von La Roche. Eine Biografie, Leipzig 2006
Wiede-Behrendt, Ingrid, Lehrerin des Schönen, Wahren, Guten. Literatur und Frauenbildung im ausgehenden 18. Jh. am Beispiel Sophie von La Roche, Frankfurt u. a. 1987

Bedeutung

Maria Sophie von La Roche hat Frauen Türen geöffnet. Um Autorin zu werden, ja sogar erste deutsche Berufsschriftstellerin hat man sie genannt, brauchte sie viel Mut und Selbstbewusstsein, was damals für Frauen ungewöhnlich war. Sie gehörte zum bürgerlichen Stand, doch während Männer dieses Standes aufsteigen konnten und dem Adel Konkurrenz machten, waren bürgerliche Frauen von vielem, normalerweise auch von der Bildung ausgeschlossen. Der weibliche Lebensweg war durch Ehe und Kindererziehung vorgeprägt. Bildung beschränkte sich gewöhnlich auf Herzensbildung.

Während junge Männer im öffentlichen Leben Karriere machen konnten, war der entscheidende Karriereschritt einer jungen Frau die Heirat. Ihre Stellung in der Welt, ihr Einkommen und ihre Lebenszufriedenheit hingen nur davon ab, dass sie "den Richtigen" gewählt hatte. Die Heirat diente also der Frau zur Lebenssicherung. Dabei übernahm der Bräutigam die Braut aus den väterlichen Händen und setzte deren Werk fort: bestimmend und beschützend. Und hier widersetzte sich Maria Sophie den Männern. In all ihren Werken macht sie die Leser mit ihrer Empörung und den Konsequenzen der Männerherrschaft bekannt. Sie schweigt nicht, sondern legt offen und klagt an. Und: Sie appelliert nicht an Mitleid, macht sich nicht abhängig, sondern befreit sich, wo sie kann. Indem sie den geschätzten, aber nicht geliebten La Roche heiratet, löste sie ihre persönliche "Heiratsaufgabe" so, dass sie sich einen Freiraum schuf an dem für sie Wichtigen in der Welt teilzunehmen ohne bevormundet zu werden. Auch in ihrem Bestsellerroman befreit sich die Heldin selbst, bevor die männlichen Retter auftreten, und entwirft damit ein neues Frauenbild.

Maria Sophie von La Roche zeigt in ihren Werken erste Ansätze eines Sozialprogramms nach dem Motto: "Hilf anderen, damit sie sich selbst helfen können!" Sie übt nicht nur Gesellschaftskritik, sondern macht auch konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Zustände. So denkt sie z. B. schon über Berufsschulen für Mädchen aus den ärmeren Schichten nach. Auch die Vorstellung, dass Frauen allein zur Gattin, Hausfrau und Mutter bestimmt seien lehnt sie ab und diskutiert in ihren Schriften die Vor- und Nachteile einer Heirat. In allem, was sie schreibt, ist sie allerdings nicht Revolutionärin, sondern will zum praktischen Christentum aufrufen.

Sonstiges

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg besitzt eine der größten Erstausgaben-Sammlungen sowohl der Dichterin als auch ihres Vater. Außerdem sind hier auch die wichtigsten Portraits der Schriftstellerin als Kupferstiche vorhanden.

Goethe äußert sich im dritten Teil, 13. Buch von "Dichtung und Wahrheit" folgendermaßen über die Dichterin empfindsamer Romane: "Sie war die wunderbarste Frau, und ich wüsste ihr keine andre zu vergleichen. Schlank und zart gebaut, eher groß als klein, hatte sie bis in ihre höheren Jahre eine gewisse Eleganz zu erhalten gewusst, die zwischen dem Benehmen einer Edeldame und einer würdigen bürgerlichen Frau gar anmutig schwebte ... die braune oder graue Kleidung gab ihrer Gegenwart Ruhe und Würde. Sie sprach gut und wusste dem, was sie sagte, durch Empfindung immer Bedeutung zu geben."

Auch Friedrich Heinrich Jacobi schwärmt in einem Brief an Graf Chotek in Wien von der Schriftstellerin, gerade als der erste Teil des Romans "Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim" erschienen ist: "Die Frau von La Roche ist eine schöne, vortrefflich gewachsene Dame von mehr als mittlerer Größe, dem Ansehen nach im Alter von 30 Jahren, ob sie gleich in der Tat bereits 40 zurückgelegt hat. Ihre Gesichtszüge lassen sich unmöglich schildern, weil sie das, was sie sind, nur darum zu sein scheinen, damit die schönste unter allen Seelen einen Ausdruck haben möge, den unsere Sinne fassen können ... Sophiens ganzes Wesen, ihre geringsten Handlungen zeugen von der ausnehmenden Feinheit ihrer Empfindung, und einer wunderbaren, und gleichsam unter allen ihren Seelenkräften abgeredeten Geschäftigkeit derselben, bei jeder Gelegenheit die Güte ihres Herzens tätig zu machen."

Weblinks


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