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Kreativwirtschaft

Eine der größten Wachstumsbranchen in Deutschland. Die Branche, bei der ein künstlerischer Akt Ausgangspunkt der Wertschöpfung ist. Unter Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, welche überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen/kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen. (...) Der wirtschaftlich verbindende Kern jeder kultur- und kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der sogenannte schöpferische Akt.

Allgemeines

Moderne Macher mit individueller Klasse sind die Impulsgeber für die Ökonomie der Zukunft. Und sie sammeln sich in der Kreativwirtschaft. Zwar war die Kreativwirtschaft schon immer ein wichtiger Teil der traditionellen Wirtschaft, doch hat 2008 das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen eine Studie zu ihr veröffentlicht, in der die Kreativwirtschaft am Knotenpunkt von Kunst, Kultur, Technologie und Geschäft sieht und ihr die größte Chance einräumt, intellektuelles Kapital als Rohstoff zu nutzen. Dies ist für Deutschland, ein rohstoffarmes Land, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Leider erhält die Kreativwirtschaft in Deutschland bei Wirtschaftsfachleuten aber immer noch nicht den Stellenwert, der ihr zukommt, denn die glamouröse Seite etwa des Showgeschäfts oder anderer Bereiche des Entertainments verdecken oft die soziale und wirtschaftliche Rolle dieser Industrie.

Die Kreativwirtschaft befindet sich in einem großen Umbruch. Zunächst wurde dieser Strukturwandel in der Musik- und Entertainment-Industrie spürbar, in der Zwischenzeit erfasst er immer mehr Teilbranchen. Dieser Strukturwandel ist mit dem Ende der Monokulturen und dem Beginn eines neuen Crossovers verbunden, das Musik, Design, Games, Technologie und und Literatur immer mehr ineinander fließen lässt. Dazu kommt die Digitalisierung der Wissensgesellschaft, die jedem Zugang gibt, die jeden zum Drucker, Musiker, Künstler machen kann, der seine Werke verbreiten kann. Über eine neue Palette von Plattformen kann jeder seine Inhalte verbreiten, frühere Institutionen wie Verlage sind in ihrer Existenz gefährdet und müssen sich neu erfinden, ihre Fähigkeit ausbauen, Inhalte über eine Vielfalt von Plattformen zu vertreiben. Es ist besonders die Kreativwirtschaft, die vor allen anderen Branchen die Folgen der digitalen Revolution im Guten wie im Schlechten erfährt, weshalb ihre Entwicklung in der Internetgesellschaft auch Modellcharakter hat. Der Digitalisierung-Tsunami wirft viele Modelle, Geld mit der eigenen Leistung zu verdienen, über den Haufen, doch die Frage, wie man in der digitalisierten Gesellschaft, in der digitale Inhalte fast schon zu öffentlichen Gütern geworden sind, noch Geld verdienen kann, beschäftigt natürlich gerade die Kreativwirtschaft.

2008 gab es in Deutschland fast 240.000 Unternehmen der Kreativbranche, doch erst 2009 wurde in Deutschland der erste Staatsekretär für die Kreativwirtschaft eingesetzt. Etwa 90 % der Kreativunternehmen sind kleine oder kleinste Betriebe. Und dennoch erwirtschaftet die Branche pro Jahr etwa 130 Milliarden Euro (Stand 2010), also etwa so viel wie die Automobilbranche oder der Maschinenbau, die aber in Deutschland ungleich mehr Förderung erfahren. So langsam setzt sich aber auch in Deutschland die Erkenntnis durch, dass die kreative Ökonomie das Gegenteil der alten Industrie-Branchen ist und viel Potential hat, weil in der Zukunft Masse gegenüber der Individualisierung weniger Chancen hat. In vielen Städten hat man damit begonnen, den Verbleib oder Zuzug von Kreativwirtschaftlern zu fördern. Sie besiedeln als nachhaltige Treiber und Förderer des Wandels Industriebrachen, die von den noch fordistisch funktionierenden Industrien hinterlassen wurden.

Geschichte

2009 waren etwa 15.000 Beschäftigte im Wirtschaftsraum Augsburg (Augsburg, Landkreis Augsburg und Landkreis Aichach-Friedberg) in etwa 6.000 Betrieben der Kulturwirtschaft beschäftigt. Das entsprach damals etwa 7,5 % der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Dieser Wert wurde damals in Deutschland nur von Berlin mit 0,5 % überschritten. In vorgelagerten und von der Kultur- und Kreativwirtschaft abhänigen Branchen waren 2009 im Wirtschaftsraum Augsburg weitere 5.000 Arbeitsplätze abhängig.

In Augsburg gab es 2013 mehr als 1.000 Selbständige und Unternehmen in diesem Bereich, dazu 200 Architekturbüros und selbständige Architekten, die Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg, den Augsburger Design Club? und einen Studiengang Energie Effizienz Design. Die genaue Aufteilung sah folgendermaßen aus:

  • 117 Erwerbstätige Musikwirtschaft
  • 354 Erwerbstätige Buchmarkt
  • 263 Erwerbstätige Kunstmarkt
  • 1.204 Erwerbstätige Pressemarkt
  • 146 Erwerbstätige Filmwirtschaft
  • 489 Erwerbstätige Werbemarkt
  • 172 Erwerbstätige Rundfunkwirtschaft
  • 1.307 Erwerbstätige Software- /Games-Industrie
  • 126 Erwerbstätige Markt für darstellende Künste
  • 188 Erwerbstätige Sonstiges

Damals erwirtschafteten 1.058 Selbsständige und Unternehmen der Kreativbranche in Augsburg 939 Mio € Umsatz, stellte 3.864 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Augsburg (7 Prozent Steigerung gegenüber 2009). Insgesamt 4.925 Erwerbstätige ergaben einen Anteil von Selbständigen und Unternehmen an der Gesamtwirtschaft in Augsburg von 10,3 Prozent in der Metropolregion München? (9,9 Prozent in München, im Bundesgebiet 7,6 Prozent).

Im Februar 2015 wurde in Augsburg ein Kultur- und Kreativwirtschaftsbeauftragter für die Stadt berufen. Augsburg schient erkannt zu haben, dass die Kreativwirtschaft im Wandel von der Produktions- zur Wissensgesellschaft zugleich Innovationsmotor und Zukunftsbranche ist. Seit Dezember 2015 bot das Wirtschaftreferat? Sprechtage für Unternehmen der Branche an, um ihnen Orientierungs- und Netzwerkhilfe zu leisten.

2016 arbeiteten in Augsburg insgesamt 7.592 Erwerbstätige in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Besonders stark waren die Bereiche Design, Software-/Games und Architektur in Augsburg vertreten. Die Branche in Augsburg hatte einen Umsatz von 939 Millionen Euro im Jahr erwirtschaftet - fast so viel wie der Einzelhandel. 2016 stellten die 1.058 Selbstständigen und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft 10,3 Prozent aller Augsburger Unternehmen. Das ist innerhalb der Metropolregion München? und auch im bundesweiten Vergleich ein überdurchschnittlich hoher Wert. Der Jahresumsatz von 939 Mio. Euro betrug beinahe so viel wie im Einzelhandel und fast doppelt so viel wie in der Gesundheits- und Sozialbranche. Mit insgesamt 7.592 Erwerbstätigen arbeiteten wesentlich mehr Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft als im Baugewerbe. Besonders stark sind die Bereiche Design, Software-/Games und Architektur.

Am 3. März 2016 fand bei der Martini GmbH & Co. KG das Netzwerktreffen "Kultur und Kreativwirtschaft in Augsburg" statt. Gäste waren Unternehmer und Selbstständige der Kultur- und Kreativwirtschaft. Anlass war die Veröffentlichung einer Studie des Kölner Büros für Kulturwirtschaftsforschung, in der erstmals detailliert für Augsburg die wirtschaftlichen Kennzahlen dieses Wirtschaftszweiges erhoben worden waren. In Augsburg waren über 1000 Unternehmer und Selbständige in den elf Teilmärkten Literaturmarkt, Musikmarkt, Markt für bildenden Kunst, Markt für darstellendes Spiel, Filmmarkt, Rundfunkwirtschaft, Pressemarkt, Designwirtschaft, Architektur, Werbemarkt und Software-/Gamesindustrie beschäftigt. Das waren 10,3 % aller in Augsburg ansässigen Unternehmer - ein überdurchschnittlich hoher Wert. Hinzu kommen noch etwa 900 Nebenerwerbsselbständige.

Details

Branchen der Kulturwirtschaft sind das Verlagsgewerbe, die Filmwirtschaft, die Rundfunkwirtschaft, Musik, visuelle und darstellende Kunst, Journalisten- und Nachrichtenbüros, Kunstausstellungen und Museumsshops, Einzelhandel mit Kulturgütern, Architekturbüros und Designwirtschaft. Die Kreativwirtschaft umfasst alle Branchen der Kulturwirtschaft plus Werbung und Software/Games.

Die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft kann z. B. die Sicherung einer vorhandenen kulturellen Infrastruktur etwa durch günstige Raummieten geschehen. Dazu kommen die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit durch Preise und Wettbewerbe, der Aufbau eines Unterstützungsnetzwerkes, die Öffnung vorhandener Förderstrukturen für die Kreativwirtschaft etc. All dies kann dem Ziel dienen, Augsburg kulturelles Profil und Strahlkraft zu verleihen, damit sich die Stadt in der Konkurrenz der Städte behaupten kann. Wenn die Beteiligten eingebunden werden.

Die Augsburger Betriebe der Kreativwirtschaft sind geprägt durch einen hohen Vernetzungsgrad mit anderen Wirtschaftsbranchen, durch eine hohe Kooperationsbereitschaft und dadurch, dass 95 Prozent Klein- und Kleinstunternehmen waren.

Situation in Augsburg

Während andere deutsche Städte - ein gutes Beispiel ist Köln - die Bedeutung der Kreativwirtschaft immer deutlicher erkennen und einiges investieren, um kreative Köpfe anzuziehen, ist die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges in Augsburg erst in Ansätzen erkannt. Während andere deutsche Städte Netzwerke aufbauen, die vom Musiker bis zum Designer die Kreativen mit potenziellen Partnern, Abnehmern und Zulieferern von Inhalten zusammenbringen, beschränkt sich die Entwicklung zur Wissensgesellschaft in Augsburg noch sehr auf herkömmliche Industrien, deren Standort in Deutschland aber heute im Zeitalter der Globalisierung gefährdet erscheint.

Die Hochschule Augsburg spukt viele kreative Absolventen aus, die in Augsburg keinen Platz finden und aus der in ihre Vergangenheit verliebte Stadt etwa nach Berlin oder andere Städte mit einer lebendigen Kreativwirtschaft abwandern. Sprich: Augsburg züchtet kreatives Potential, bietet aber wenig Nachfrage dafür. In Augsburg bemühte sich die ehemalige Regenbogen –Regierung zwar, einen Platz für eine vitale und vielfältige Gesellschaft zu schaffen, doch fühlten sich Künstler in Zeiten der nachfolgenden CSU –dominierten Politik ins Exil getrieben, was zu gesellschaftlichem Verlust und geistiger Lähmung in Augsburg führte.

Zwar hatten die Die Grünen schon immer auf die Bedeutung der Kreativwirtschaft für Augsburg hingewiesen, doch setzte man städtischerseits erst am 11. Mai 2010 einen ersten Beratertag für Augsburgs Kreativwirtschaft an. Dazu hieß es, dass Augsburg mit Unterstützung des Wirtschaftsreferats der Stadt Augsburg und in enger Kooperation mit dem Büro für Popkultur? als wichtiger Standort der Kreativbranche ausgebaut werden solle. Dabei hatte die Bundesregierung schon 2007 die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft gestartet, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu fördern. Teil dieser Initiative der Bundesregierung ist die Einrichtung von Regionalbüros. Sie sollen Existenzgründerinnen und -gründern, Selbständigen und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft vor Ort individuelle kostenlose Orientierungsberatungen, Sprechtage und Möglichkeiten zur regionalen Vernetzung bieten. Kulturpolitik in Augsburg hätte also viel zu tun.

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