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Kraftwerk Gersthofen

ein Wasserkraftwerk in Gersthofen bei Augsburg; Lage Lech-Seitenkanal (Kanalkilometer 3,0)

Allgemeines

Eigentümer des Kraftwerks Gersthofen ist die Lechwerke AG, doch hat die Bayerische Elektrizitätswerke GmbH? die Betriebsführung übernommen. Das Kraftwerk Gersthofen glänzt mit einer gut erhaltenen schönen Jugendstilfassade, hinter der sich moderne und effiziente Technik verbirgt, die jährlich rund 67 Millionen Kilowattstunden Strom liefert. Damit können etwa 20.000 Haushalte ganzjährig mit CO2-freier Energie versorgt werden.

Das Kraftwerk Gersthofen muss im Zusammenhang mit der sich rasch entwickelnden regionalen Elektrifizierung um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und im Verbund mit dem Lech-Seitenkanal sowie den Kraftwerken Meitingen und Langweid? gesehen werden. Das in Gersthofen nördlich von Augsburg am 2. Oktober 1901 in Betrieb gegangene Wasserkraftwerk war das erste große Wasserkraftwerk am Lech und markiert den Beginn der flächendeckenden Stromversorgung in Bayerisch-Schwaben. Heute kombiniert man Stauwehr und Wasserkraftwerk im Flusslauf, was damals technisch noch nicht zu meistern war, weshalb die Ingenieure parallel zum Lech einen drei Kilometer langen Kanal aushoben, den so genannten Lech-Seitenkanal oder Lechkanal. Weil der Strombedarf in den folgenden Jahren rasch anstieg, baute die Lechwerke AG 1908 bei Langweid und 1922 bei Meitingen zwei weitere Wasserkraftwerke. Der Lech-Seitenkanal wuchs dabei auf seine heutige Länge von fast 20 Kilometern. Beim Kraftwerk Gersthofen und den beiden weiteren Anlagen am Lech-Seitenkanal handelt es sich Laufwasserkraftwerke, die rund um die Uhr mit der erzeugten Energie dazu beitragen, die Grundlast der lokalen Stromversorgung ökologisch abzudecken.

Geschichte

Gebaut wurde die Kraftwerksstufe bei Gersthofen in den Jahren 1898 bis 1901. Bauherr war die Elektrizitäts-Actiengesellschaft vormals W. Lahmeyer & Co (EAG) aus Frankfurt a. M. Damals war es eines der ersten größeren bayerischen Wasserkraftwerke.

Im Jahr 1903 übernahm die damals neu gegründete LEW das Wehr und baute 1904 eine Dampfkraftanlage, die 3.000 PS bzw. 2.220 kW leistete. 1924/27 baute die LEW das Wasserkraftwerk um. Bei dem Umbau legte man eine Ausleitungsstrecke von drei Kilometern zu einem Chemiewerk an (heute Clariant), wo für die Fabrik in Turbinen Strom gewonnen wurde und wird. Durch einen Vertrag zwischen dem Werk Gersthofen der Farbwerke vorm. Meister Lucius & Brüning, Hoechst/Main, später Hoechst AG und der LEW musste diese für die großtechnische Produktion von künstlichem Indigo einen Teil der Kraftwerksleistung an die Chemiefirma abgeben. Kurz darauf hat man den Lech-Seitenkanal auf 18 Kilometer verlängert und an ihm weitere Kraftwerke gebaut. Heute betreibt die LEW hier drei Laufkraftwerke.

1959 bis 1961 wurde das Kraftwerk Gersthofen grundlegend überarbeitet und saniert.

1981 brach man den hinteren Kraftwerksbau mit seinen zwei Schornsteinen ab.

Zwischen 1989 und 1993 erneuerte die Lechwerke AG die Triebwasserentlastung (Wehranlage) des Kraftwerks Gersthofen und beschichtete das Bett des Lech-Seitenkanals neu, um Strömungsverluste zu verringern. So konnte die Ausbauleistung des Kraftwerks noch einmal gesteigert werden. Heute beträgt sie 125 Kubikmeter pro Sekunde.

Im September 2011 feierte die Lechwerke AG ihr 110-jähriges Jubiläum mit etwa 350 Gästen im Hochbau des Dampfkraftwerks Gersthofen. Man hatte das Kraftwerk Gersthofen gewählt, weil hier mehr oder weniger die Geschichte der Lechwerke AG begann.

Am 21. Juni 2013 wurde am Reinigungsrechen des Wasserkraftwerkes Gersthofen eine Wasserleiche gefunden.

Details

Bei seiner Gründung war das Gersthofener Wasserkraftwerk mit fünf horizontalen Francis-Zwillingsturbinen von der MAN ausgestattet. Vier dieser Turbinen hatte man mit einem Drehstromgenerator und einer Gleichstrommaschine gekuppelt, eine Turbine nur mit einem Drehstromgenerator.

Das nutzbare Gefälle betrug zunächst 10 Meter und jede der Turbinen konnte pro Sekunde 16 Kubikmeter Wasser verarbeiten, was einer Leistung von 1.500 PS/1.100 kW entsprach. Der Durchmesser der Turbinen betrug 6,60 Meter, was zu einer niedrigen Drehzahl von 94 Umdrehungen pro Minute führte. Damals legte man einen Reserveweiher an, der 150.000 Kubikmeter Wasser speichern konnte und eine Absenkungshöhe von einem Meter hatte. Später wurden fünf Kaplanturbinen von Voith in horizontaler Lage und Drehstrom-Synchrongeneratoren eingebaut. Man entfernte den Speicherweiher und beseitigte die Dampfkraftmaschinen.

Aus der Gründungszeit des Kraftwerks sind noch zwei Hochbauten vorhanden, der Hochbau des Turbinenhauses (1898/1901) und der Hochbau der Dampfkraftanlage (1904) sowie eine Laufkranbrücke (1898).

Der Unter-Wasserkanal des Wasserkraftwerks Gersthofen bildet in seiner Verlängerung den Ober-Wasserkanal für das Kraftwerk Langweid, ohne dass ein neues Wehr zum Ableiten des Lechs errichtet werden musste.

Das Kraftwerk Gersthofen ist mit einer Fischtreppe an der Stauhaltung ausgestattet, die im Charakter eines Wildbaches gestaltet ist. Dazu kommen strukturierte Schotterflächen sowie eine hohe Kiesböschung mit Spontanvegetation.

Adresse

Lechwerke AG
Kraftwerk Gersthofen
Adolf-von-Baeyer-Straße 1
86368 Gersthofen

Tel. 0821/328-3820
Fax. 0821/328-3840


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