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Konsumverein

auch Konsumgenossenschaft oder Verbrauchergenossenschaft; eine Genossenschaft im Einzelhandel, die vor allem Nahrung, Genussmittel und Waren des täglichen Bedarfs beschafft und verkauft

Allgemeines

Konsumvereine wurden von Gewerkschaften? oder Sozialreformern gegründet, um für ärmere Volksschichten die Lebenshaltung durch günstigere Waren des täglichen Bedarfs zu verbessern. In Europa entstanden sie in der Phase der Industrialisierung? und richteten sich vor allem an die Arbeiterschicht. In Konsumvereinen fanden sich Arbeiter und Handwerker zusammen, um ihre Versorgungslage zu verbessern. Zunächste in England, wo auch Grundlinien der Konsumgenossenschaftsbewegung ausgearbeitet wurden. Solche Grundprinzipien waren gleiches Stimmrecht unabhängig von der Höhe der Einzahlung, gleiche Beitrittsbedingungen, Rückvergütung der Überschussbeteiligung abhängig von der Höhe der Einkaufssumme, Verkauf nur gegen Barzahlung, Lieferung unverfälschter Ware mit vollem Gewicht und politische wie religiöse Neutralität. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und bis kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert gründeten sich auch in Deutschland im Zusammenhang mit der wachsenden politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung immer mehr Konsumvereine.

Konsumverein Augsburg

Der Augsburger Konsumverein wurde 1890 von Gustav Lenehne?, einem "Zugereisten" aus Sachsen, gegründet. Er hatte dort schon viele Erfahrungen mit gewerkschaftlicher Selbsthilfe gesammelt, die er mit nach Augsburg brachte, wo seine Ideen begeistert aufgenommen wurden und sich der Konsumverein schon nach kurzer Zeit etablieren konnte. Im Jahr 1900 zählte er schon 3.660 Mitglieder und war damit ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor in Augsburg geworden, der die sozialistische Arbeiterschaft auch politisch erwachen ließ.

Das zeigt sich z. B. an der Entwicklung der Augsburger SPD, die in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts praktisch bedeutungslos geworden war, weil man parteiintern heftig stritt, die Arbeiterschaft politisch unterdrückt wurde und die Augsburger Unternehmer es durch eine pazifizierende Wohlfahrtspolitik geschafft hatten, die Untergebenen ruhig zu halten. Erst durch den Aufbau eines Netzes von parteinahen Organisationen wie Arbeiter-Sänger, Arbeiter-Turnvereine, Baugenossenschaft, Naturfreunde-Verein und eben den Konsumverein fand die Augsburger SPD wieder zu einer gewissen Stärke, was sich zum ersten Mal im Jahr 1905 zeigte, als es dem SPD-Politiker Hans Rollwagen? gelang, in den Bayerischen Landtag? einzuziehen.

Es war deshalb kein Zufall, dass vier Häuser von der Geschäftsstelle des Augsburger Konsumvereins entfernt (Donauwörther Straße 8; damals Gastwirtschaft "Germania") der Arbeiterverein Hettenbach (SPD) gegründet wurde. Menschen, die dem Augsburger Konsumverein beitraten und dort einkauften, galten als "Rote".

In den Augsburger Genossenschaftsläden konnten die Genossen günstig Grundnahrungsmittel, Milch, Fleisch, Backwaren u. a. kaufen.

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