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Kolonialgeschichtlicher Stadtrundgang

Ein inoffizieller Stadtrundgang, der in den 1990er Jahren von dem Verein Geschichtswerkstatt e. V.? und der Werkstatt Solidarische Welt e. V. entwickelt wurde. Es handelt sich im Folgenden also um einen "alten" Text mit "alten" Angaben. Den aktuellen Rundgang mit aktuellen Angaben kann man bei der Werkstatt Solidarische Welt e. V. buchen. Es soll eines Tages auch eine Print-Neuauflage des Rundgangs geben.

Allgemeines

Es mag makaber erscheinen, einen kolonialgeschichtlichen Stadtrundgang unter "Touristische Tipps" einzuordnen. Hier geht es um Blut, Schweiß und Tränen, um die Unterdrückung von indigenen Kulturen und das Töten von Menschen durch den Menschen. Das offizielle und bürgerliche Augsburg hört es nicht gern: Aber es gibt wenige andere deutsche, ja europäische Städte, deren Reichtum zu bestimmten Zeiten so sehr auf der Unterdrückung anderer Völker beruhte wie der Augsburgs. Hier im Augsburg-Wiki soll diesem Aspekt der Augsburger Geschichte ein großer Raum gegeben werden - auf der Basis eines alten Manuskripts der Autoren dieses Stadtrundganges, das dankenswerterweise von der Werkstatt Solidarische Welt e. V. zur Verfügung gestellt wurde.

Es gibt zu diesem Stadtrundgang auch heute noch offizielle und aktuelle Führungen mit aktuellen Angaben durch die Werkstatt Solidarische Welt e. V.. Wie gesagt: Das bürgerliche Augsburg tut sich schwer, seine dunklen Seiten anzusehen. Der Weg führt vom Stadtmarkt zum Welserhaus?, dann kann man einen x-beliebigen Tabakladen besuchen, eine x-beliebige Konditorei, geht zum Augustusbrunnen, zum Rathaus, zum Brechthaus, besucht zur Abwechslung einen x-beliebigen Jeansladen, dann die Fuggerei, geht zum Welt-Laden?, zum Judenberg, zu den Fugger-Häusern?, zum Hotel Drei Mohren und beendet den Rundgang mit einem Besuch im Schaezlerpalais.

Geschichte des Rundgangs

500 Jahre Kolonisation in Amerika war für die Initiatoren des Rundgangs Anlass in Augsburg nach Spuren einer kolonialen Stadtgeschichte zu suchen. Sie erarbeiteten eine kleine Stadtführung, die sie ab 1992 anboten und 1994 in Form einer Broschüre veröffentlichten. Heute gibt es nur noch das damalige veraltetet Manuskript, das hier zum größten Teil wiedergegeben ist.

Details

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Der Rundgang beginnt mit der Zeit, als der Militärstützpunkt Augsburg von römischen Truppen als Kolonie gegründet wurde, führt weiter zu den Epochen der großen Handelshäuser, die die Stadt zum Zentrum des internationalen Warenhandels machten, und führt bis in die Gegenwart, zu den vor Ort sichtbaren Auswirkungen globaler wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge. Die in der Augsburger Stadtgeschichte? vielfach beschworenen "Goldenen Zeiten" der Fugger und der Welser sind eng verbunden mit den damals entstandenen weltweiten Handelsbeziehungen.

Der Rundgang geht aber auch der Frage nach, welche Folgen die wirtschaftliche Ausbeutung von Rohstoffen und Früchten in der "Neuen Welt" während der letzten 500 Jahre auf die Menschen hier hatte. So veränderten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts die Konsumgewohnheiten, etwa durch die Einfuhr von "Kolonialwaren". Spuren des Kolonialfiebers, das damals in ganz Deutschland ausbrach, finden sich auch heute noch in Augsburg.

Der Stadtrundgang spricht auch die Folgen unserer gegenwärtigen Beziehungen zu den Ländern der sogenannten "Dritten Welt" an. Noch immer fließen weit mehr Gelder vom armen Süden in den reichen Norden als umgekehrt. Die verschuldeten Länder der "Dritten Welt" verloren schon 1994 alljährlich 50 Milliarden US-Dollar, die als Zinsen in die Industrieländer flossen. Nach einer Studie der Vereinten Nationen hätte der arme Süden damals jährlich 500 Milliarden US-Dollar mehr erwirtschaften können, wenn der wohlhabende Norden seine eigennützigen Handelsbeschränkungen aufgehoben hätte. An einigen Beispielen werden die Spielregeln des Welthandels deutlich gemacht. An Stationen, die eher Bestandteil des samstäglichen Stadtbummels sind, als dass man sie in einem historischen Stadtrundgang vermutet, kann man sehen, wie sehr wir die Welt nach wie vor durch eine "koloniale Brille" sehen.

Stadtmarkt

(siehe auch Stadtmarkt)

Die Welt deckt den Augsburgern den Tisch

Die "Entdeckung", Eroberung und Kolonisierung ferner Länder durch die Europäer hatte immer wieder ganz konkrete Auswirkungen auf die hiesigen Speisepläne. Neue Pflanzen gelangten nach Europa und - wenn auch mit einiger Verspätung - auf die Teller. Aus Amerika fanden nach 1492 beispielweise Ananas, Avocado, Stangenbohne, Tomate, Kartoffel, Mais, Kürbis und Vanille den Weg auf die Märkte Europas.

Andere Pflanzen und Genussmittel, die bis dahin nur für die Reichsten erschwinglich waren, wurden nun in Übersee in großem Maßstab angebaut und so zur billigen Massenware für jedermann. Heute decken uns ferne Länder den Tisch. Gemüse wird aus dem Nahen Osten im Frachtraum von Jumbo-Jets oder riesigen Airbus-Flugzeugen eingeflogen, unser Obst wird in Afrika geerntet und Früchte kommen per Schiff aus Südamerika. Das Geflecht dieses gigantischen ökologischen Austausches ist kaum durchschaubar.

Wir lernen schnell als Konsumenten "neue" Früchte kennen. Kaum ein Supermarkt, der nicht an einem "Exoten-Stand" fremde Nahrungsmittel anbietet. Immer mehr unserer Obst- und Gemüsegärten liegen auf der Südseite des Globus. Wir sind unabhängig von den hiesigen Jahreszeiten und mit einem gigantischen Transportaufwand jederzeit mit der Frucht versorgt.

Auch Gewürze sind heute billiger zu kaufen. Früher wurden sie auf Karawanenwegen und kleinen Segelschiffen unter großen Gefahren transportiert. Für kostbare Fracht wurden in Europa "gepfefferte" Preise verlangt und bezahlt. Gewürzhändler wurden bezeichnenderweise "Pfeffersäcke" genannt. Der Gewürzhandel beeinflusste die Weltgeschichte. Kriege wurden geführt und Intrigen gesponnen. Augsburger Familienkonzerne, wie etwa die Fugger und Welser, wurden auch durch den Gewürzhandel mit Fernost reich.

Blumen – Liebesgrüße für Millionen

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Die meisten Deutschen kennen und erkennen nur vier Blumensorten: die Rose, die Tulpe, die Nelke und die Chrysantheme. Während in der Natur die Artenvielfalt abnimmt, sorgen die Bundesbürger dafür, dass es wenigstens in den eigenen vier Wänden grünt und blüht - und das ganz unabhängig von der Jahreszeit. Und viele dieser Blumen wachsen sehr weit entfernt.

Neben Holland ist z. B. Kolumbien einer der größten Blumenexporteure der Welt. Für Kolumbien sind Blumen, neben Kaffee und Bananen, inzwischen eines der wichtigsten Ausfuhrgüter geworden. Dieser transkontinentale Handel mit schnell verwelkenden Schnittblumen setzt eine gigantische Infrastruktur voraus. In kolumbianischen Gewächshäusern ernten die Arbeiterinnen frühmorgens die Blüten und sortieren die "Stiele", wie die Händler die Schnittblumen nennen. Mittags hebt bereits das Flugzeug mit Kartons voller Blumen im Bauch in Bogota ab und landet am nächsten Morgen mit der gekühlten Fracht auf einem deutschen Großflughafen. Auf dem nächsten Blumengroßmarkt schnell verkauft, sind die Blüten im Kühllaster unterwegs, um schließlich im Blumenladen ausgeladen zu werden. Schon 36 Stunden nach der Ernte können kolumbianische Blumen bei uns zu Hause in der wohnzimmerlichen Vase stehen.

Die Arbeit mit Blumen ist zum größten Teil Frauensache. Meist ohne Versicherungsschutz werden die Arbeiterinnen nur zur Saisonarbeit eingestellt. Die Arbeit in den Gewächshäusern ist monotone Akkordarbeit und schlecht bezahlt. Setzlinge werden gesteckt, Pflanzen geschnitten, sortiert und verpackt. Der Arbeitstag hat zehn Stunden. Meist verdienen die Frauen weniger als den staatlich festgesetzten Mindestlohn. Männern sind die gehobeneren Arbeiten vorbehalten. Sie sind Aufseher oder verspritzen hochgiftige Pestizide, von denen etliche hierzulande längst verboten oder nicht zugelassen sind. Deutsche Chemiefirmen wie Bayer und Hoechst machen gute Geschäfte mit der kolumbianischen Blumenindustrie.

Die wirtschaftliche Lage in Kolumbien lässt Arbeitssuchende nicht wählerisch werden. Eine schlechte Entlohnung und gesundheitliche Probleme wegen der Pestizide an den Blumen verbinden die kolumbianischen Blumenarbeiterinnen mit den Verkäuferinnen in den deutschen Blumenläden. Wie die Kolumbianerinnen nehmen auch die deutschen Blumenverkäuferinnen Gifte von den Pflanzenblättern und Blüten über die Haut auf. Allergische Hautausschläge sind bei deutschen Floristinnen als Berufskrankheit anerkannt. Nirgendwo auf unserem Globus werden mehr Blumen gekauft als bei uns in der Bundesrepublik. Ein Viertel der Weltproduktion am Schnittblumen wird allein in Deutschland gekauft.

Fleisch oder wie das Vieh der Reichen das Getreide der Armen zu fressen begann

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Mitte des 19. Jahrhunderts änderten die Deutschen ihre Ernährungsgewohnheiten. Fleisch und Wurst standen immer häufiger auf dem Speiseplan. Die Bedeutung von Getreide als direktes menschliches Nahrungsmittel nahm ab. Getreide wurde zunehmend an Vieh verfüttert.

Würde die Hälfte der Weltgetreideernte, die heute als Viehfutter eingesetzt wird, direkt zur menschlichen Ernährung eingesetzt, könnten 2,5 Milliarden Menschen mehr davon satt werden. Die Landwirtschaftspolitik der Industrieländer ist eine der Ursachen des Hungers im Süden. Europäische Nahrungsmittelüberschüsse werden mit großem finanziellen Aufwand verbilligt auf dem internationalen Markt angeboten. Dort konkurrieren sie direkt mit den Lebensmitteln, die in Ländern der "Dritten Welt" geerntet werden. Aber diese ärmeren Länder können es sich nicht leisten, teure Subventionen zu zahlen. Sie können nur selten im internationalen Handel gegen die Dumpingpreise des Nordens bestehen. Die Vermarktung der Überschussproduktion des Nordens bringt die Bauern im Süden in Existenznöte. Dazu ein Beispiel: Die EU-Behörden exportieren tiefgefrorenes Fleisch aus den großen EU-Rindfleischbergen. Seit 1984 ließ es sich die Europäische Union viele hundert Millionen Euro kosten, Rindfleisch in Westafrika um ein Viertel billiger anbieten zu können als die dortigen Viehzüchter. Ein sehr gut funktionierender Erwerbszweig Westafrikas wurde so durch europäisches Preisdumping ruiniert. Die lokalen Viehzüchter haben einen großen Teil ihres regionalen Marktes durch teuer verbilligtes EU-Fleisch verloren.

Unsinnig ist auch der Import von Futtermitteln aus Westafrika. So wurden z. B. schon 1990 500.000 Tonnen im Wert von damals etwa 126 Millionen DM nach Europa importiert und verfüttert. Diese europäische Nachfrage verteuerte die Futtermittelpreise in Afrika, so dass dort Versorgungsengpässe auftraten. Betroffen und benachteiligt von diesem verrückten Fleisch- und Futtermittelhandel waren und sind vor allem Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Gambia, Nigeria, Kamerun, Senegal, Tschad und Kongo.

Sowohl die Europäische Union als auch die Bundesrepublik haben in den vergangenen Jahren die westafrikanische Fleischwirtschaft zunächst durch Entwicklungshilfe gefördert – und dann mit ihrer Agrarpolitik zarte Erfolge wieder zunichte gemacht.

Die sozialen und ökologischen Kosten einer industrialisierten Landwirtschaft werden von uns erst allmählich erkannt und bewertet. Getreide bekommt nicht der, der es am nötigsten braucht, sondern der es bezahlen kann. Hunger herrscht dort, wo es an Kaufkraft mangelt. Für die europäischen Viehbestände wird gut gesorgt. Jeder EG-Bürger ist als Steuerzahler mit vielen hundert Euro im Jahr am Unterhalt des gegenwärtigen europäischen Agrarsystems beteiligt. Kritiker und Agrarpolitiker rechnen vor, dass mit den vielen Milliarden Euro pro Jahr, die wir als Deutsche und EU-Bürger an Agrarsubventionen aufbringen, auch die ökologische Landwirtschaft zu finanzieren wäre.

"Bio-Bauern" bieten mit ihren qualitativ hochwertigen Produkten und ihren angepassten und umweltschonenden Arbeitsweisen eine Alternative. Das bedeutet nicht nur höhere Lebensqualität für die europäischen Verbraucher. Auch entwicklungspolitisch macht der biologische Landbau Sinn.

Welserhaus

(siehe auch Welserhaus?)

Die Welser – Augsburger Eroberer

In der Augsburger Fußgängerzone?, genauer: in der Annastraße erinnert eine Gedenktafel an den "Kolonisator" Bartholomäus Welser?, der dort gewohnt haben soll. Tatsächlich hatten die Welser, eine angesehene Augsburger Patrizier- und Handelsfamilie, im Jahr 1526 als Gegenleistung für die Kredite an Kaiser Karl V.? die Provinz Venezuela zur Ausbeutung überschrieben erhalten. Über die Kolonisation im Auftrag der Welser berichtet der Mönch Bartholome de las Casas:

"Sie kamen mit etwas mehr als dreihundert Mann in dies Land und fanden an den Bewohnern desselben eben so sanfte, ja noch weit sanftere Lämmer, als alle anderen Indianer dieser Gegenden waren ... Ich denke aber, sie wüteten weit grausamer unter ihnen als alle bereits erwähnten Barbaren; ja noch viehischer und rasender als die blutigen Tiger und wütigsten Wölfe und Löwen. Vor Geiz und Habsucht handelten sie weit toller und verblendeter als alle ihre Vorgänger, entsannen noch abscheulichere Mittel und Wege, Gold und Silber zu erpressen, setzten alle Furcht vor Gott und dem Könige und alle Scham vor Menschen hintenan; und da sie so große Freiheiten genossen, und die Jurisdiktion des ganzen Landes in Händen hatten, so vergaßen sie beinahe, dass sie Sterbliche waren."

Die Statthalter der Welser fanden in Venezuela aber nur wenig Gold, vielmehr interessierten sie sich für den Sklavenhandel, der hohe Gewinne abwarf. 1528 erwarben die Welser für 20.000 Dukaten ein Monopol für den Sklavenhandel.

Die Kolonisation Venezuelas endete für die Welser in einem Fiasko: Bartholomäus Welser? wurde auf dem letzten erfolglosen Goldraubzug von einem Konkurrenten hinterrücks erschlagen. Im Jahr 1556 wurde den Welsern "ihre" Kolonie aberkannt. 1614, ein halbes Jahr später, brach das Welsersche Handelsimperium in der Folge des spanischen Staatsbankrottes endgültig zusammen.

Im "Kolumbusjahr" 1992 ließen die Vereine, Werkstatt Solidarische Welt e. V. (damals noch Partnerschaft Dritte Welt) und die Geschichtswerkstatt e. V.? eine indianische Basisinitiative aus Venezuela und eine Reihe anderer Organisationen im Augsburger Stadtrat einen Antrag stellen, der die Anbringung einer weiteren Gedenktafel am Welserhaus? zum Ziel hatte, um an die indianischen Opfer der europäischen Eroberer zu erinnern. Gutachter wurden bemüht, Expertisen geschrieben, der Antrag zwischen verschiedenen Referaten hin- und hergeschoben. Es stellte sich heraus, dass die bestehende Gedenktafeln dort zu Unrecht hängt, weil Bartholomäus Welser? dort nie gewohnt hat. Es wurde beschlossen, die heutige Gedenktafeln vom Haus zu entfernen, was aber bis heute nicht geschehen ist.

Tabakladen

Als Tabak noch getrunken wurde

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Steinreliefs der Maya aus dem fünften und sechsten Jahrhundert zeigen die ersten Raucher. Mayapriester rauchten zu kultischen Zwecken oder aus Anlass von Friedensschlüssen. Tabak wurde von Indianern gegen Verdauungsbeschwerden, Kopfschmerzen und zur Wundbehandlung genutzt. Mit Kolumbus entdeckten auch die Europäer das Kraut. Er beschrieb die Wirkung des Tabaks wie folgt: "Die Indianer haben eine Pflanze, deren Rauch sie mit Entzücken und Wonne einatmen, wodurch die Beruhigung im ganzen Körper besteht, die bis zu einer Art Rausch ausartet."

Die Europäer hatten von Anfang an ein zwiespältiges Verhältnis zu dem indianischen Genussmittel. Schon 1627 sorgt sich Johan Joachim von Rusdorff: "Ich kann nicht umhin, mit einigen Worten jene neue, erstaunliche und vor wenigen Jahren aus Amerika nach unserem Europa eingeführte Mode zu tadeln, welche man eine Sauferei des Nebels nennen kann, die alle alte und neue Trinkleidenschaft übertrifft. Wüste Menschen pflegen nämlich den Ruch von einer Pflanze, die sie Nicotiana oder Tabak nennen, mit unglaublicher Begierde und unauslöschlichem Eifer zu trinken und einzuschlürfen."

Die Tabakpflanze wuchs zunächst nur in den Ziergärten des europäische Adels und wurde in Apotheken als Heilmittel verkauft. Das Rauchen selbst war aber offiziell verboten. Doch es fand unter den Söldnern der vielen Kriege im 17. und 18. Jahrhundert rasch Verbreitung, wie auch der Zigarette, dem industriellen Lustbefriedigungsmittel der Moderne, im ersten Weltkrieg der Durchbruch gelang.

Die Regierenden haben bis heute ein merkwürdiges Verhältnis zur "weichen Droge" Tabak behalten. Einerseits warnt der Gesundheitsminister auf jeder Zigarettenschachtel vor den gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens und es gibt in der Zwischenzeit allerlei Einschränkungen für Raucher, andererseits kassiert der Bundesfinanzminister von jedem Euro, der für Zigaretten ausgegeben wird, etwa drei Viertel als Tabaksteuer und nimmt viele Milliarden Euro pro Jahr dadurch ein.

Wegen des relativ hohen Verkaufwertes des Tabaks und guter Erträge ist der Tabakanbau gerade bei den Kleinbauern in "Dritte Welt"- Ländern begehrt. Die ökologischen Folgekosten aber schlagen mit großem Landverbrauch und Waldverlust zu Buch. Für das Trocknen des Tabaks werden Wälder abgeholzt. Um einen Hektar Tabak pro Jahr zu trocknen, wird etwa ein Hektar Wald abgeholzt. Für rund 300 Zigaretten fällt ein Baum. Jeder bundesdeutsche Durchschnittsraucher lässt pro Jahr nicht nur etwa 1.800 Zigaretten, sondern gleichzeitig auch 6 große Bäume in Rauch aufgehen.

Konditoreien

Zart und bitter – Kakao und Schokolade

Das Wort "Schokolade" ist eines der wenigen Worte, die aus indianischen in europäische Sprachen übernommen wurde. Es leitet sich von "Xocoath" ab. So nannten die Maya, was später die Azteken als "cacahuetl" bezeichneten. Während die mexikanischen Mayas den Kakaobaum kultivierten, gebrauchten die Azteken Kakaobohnen als Zahlungsmittel.

Wer kennt sie nicht die Herren- oder Prinzregententorte mit ihrem Schokoladenüberzug? Schon die Namen erinnern noch an die aristokratische Herkunft der Schokolade. Denn der Genuss von Schokolade war lange Zeit ein Privileg und Modegetränk des Adels, das über den spanischen Hof Einzug in Europa hielt. Das Schokoladetrinken wurde vom Adel oft als Genuss inszeniert, bei dem orientalische Gewänder angezogen wurden. Nicht selten hatte ein "Mohr", also ein Sklavenkind, das Getränk zu servieren. Die Werbefigur "Sarotti-Mohr" erinnert an diese höfischen Gebräuche.

Heute gilt der Kakaoweltmarkt als ein sehr unsicherer Rohstoffmarkt. Seit Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts belastet ein starker Preisverfall die Wirtschaft der Erzeugerländer. Auf nur fünf Staaten entfallen drei Viertel der Weltkakaoproduktion: Ghana, Nigeria, Kamerun, Brasilien und die Elfenbeinküste. In Ghana wurde der Kakaoanbau erst 1890 von den Kolonialherren eingeführt. 80 Jahre später waren zwei Drittel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche des Landes mit Kakao bepflanzt. Noch heute ist Ghana vom Kakao abhängig, denn die Hälfte seiner Exporteinnahmen stammen aus dem Kakaogeschäft. Der Preisverfall für Kakao auf dem Weltmarkt trifft das Land hart.

Verbreitet und verkauft wird Kakao jedoch überwiegend in den Industrieländern. Mit einer rigorosen Zollpolitik sichern sich diese den Zugriff auf die lukrative Weiterverarbeitung der Kakaobohnen. Nur zwei Firmen kontrollieren drei Viertel des Kakaowelthandels. Sie heißen "S. W. Berisford" und "Gill & Duffus" und verdienen prächtig am Geschäft mit Schokoladenriegeln und anderen Kakaoprodukten. Deutsche verspeisen alljährlich mindestens 600.000 Tonnen Schokolade im Wert von zig Milliarden Euro. Das sind etwa 12 Prozent der Weltkakaoernte.

Zuckerbrot und Peitsche

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Wer kann sich das Leben heute noch ohne die Dinge, die das Leben versüßen, vorstellen? Und doch gab es vor 1492 Zucker nur als Luxusartikel für Adel und Klerus, die anderen Europäer süßten – wenn überhaupt - mit Honig. Zucker musste mühselig aus Asien importiert werden. Erst der massenhafte Anbau von Zuckerrohr in Plantagen auf den klimatisch günstigen Westindischen Inseln und die Ausbeutung "importierter" afrikanischer Sklaven ermöglichte die Verbreitung von Zucker in Europa. Sklaven musste kein Lohn für die Schwerstarbeit mit der Machete in den Zuckerrohrfeldern gezahlt werden. Jetzt lohnte sich der internationale Handel mit Zucker. Die kurze Formel hieß: Keine Sklaven – kein Zucker! Grundlage für dieses Geschäft war der so genannte "Dreieckshandel". Aus Europa wurden zunächst Gewehre, Branntwein und Baumwollstoffe nach Afrika transportiert. Die Waren wurden dort mit gutem Gewinn verkauft oder direkt gegen Sklaven eingetauscht. Sklaverei war in Afrika nicht unbekannt. Ebenso wie in Europa bestand auch in Afrika die (Un-)Sitte, Kriegsgefangene als Sklaven zu benutzen. Aber erst die Europäer organisierten im 16. Jahrhundert einen Sklavenhandel in bis dahin unvorstellbaren Größenordnungen. Mindestens 14 Millionen Menschen wurden wie Vieh über den Atlantik transportiert. Europäische Sklavenhändler schürten in Afrika Kriege, schickten Menschenjäger aus, entvölkerten weite Gebiete, töteten Unschuldige und verschleppten die Erbeuteten nach Amerika.

Die afrikanischen Sklaven galten als "robuster" und ersetzten indianische Sklaven, deren Völker zum Teil schon sehr bald nach ihrer Entdeckung vertrieben oder ausgelöscht waren. Auch die Augsburger Welser beteiligten sich am lukrativen Menschenhandel. 1528 erwarben sie beispielsweise ein Sklaven-Monopol für 20.000 Dukaten. Sobald die Sklaven in Amerika angekommen waren, wurden sie auf Auktionen gewinnbringend verkauft und arbeiteten auf den Plantagen der Kolonialherren. In Brasilien z. B. kamen zeitweise auf jeden Weißen 200 importierte Afrikaner. Auf den Plantagen angekommen, hatten die Sklaven eine durchschnittliche Lebenserwartungen von etwa 7 Jahren. Was sie auf den Pflanzungen erarbeiteten, fand den Weg zurück nach Europa. Dort wurden Zucker, aber auch Baumwolle, Tabak und Kaffee teuer verkauft.

Europa wurde nach Jahrhunderten des Rohrzuckerimportes dank der Zuckerrübe selbst zum Zuckerexporteur. Heute werden etwa 60 % des Zuckers aus Zuckerrohr und 40 % aus Zuckerrüben gewonnen. Die EU produziert heute neben Fleischbergen und Milchseen auch Zuckerberge, die seit einiger Zeit verbilligt auf dem Weltmarkt angeboten werden. Die zusätzlichen europäischen Exporte ließen den Zuckerpreis auf dem Weltmarkt in den Keller rutschen und brachte die klassischen Zuckerproduzenten, wie etwa Kuba, China, Brasilien oder Indien zeitweise in Existenznöte.

Zucker trifft auch uns am Lebensnerv. Im statistischen Durchschnitt schluckt der Bundesbürger täglich 100 Gramm Zucker. Eine Firma, die mit Zahnpflegemittel handelt, veröffentlichte folgenden Werbetext: "Mit einem Jahr können die meisten Kinder laufen. Mit fünf viele schwimmen. Mit sieben haben 90 Prozent Karies."

Augustusbrunnen

(siehe auch Augustusbrunnen)

Als Augsburg die "Colonia Augusta Vindelicum" war

Die Gründung Augsburgs erfolgte im Rahmen einer imperialen Expansion. Um 15 vor Christus eroberten Drusus? und Tiberius?, Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus, mit ihren Heeren Teile des Voralpenlandes? und errichten hier ein Militärlager?. Auf die Soldaten folgten bald römischen Siedler, die zwischen Lech und Wertach die Siedlung Augusta Vindelicum? gründeten.

Diese Ortschaft entwickelte sich zur Provinzhauptstadt? der Provinz Raetien. Die Römer brachten ihre "Zivilisation" zu den germanischen Barbaren, mit lang andauernden Folgewirkungen: vom Recht bis zur Sprache. Viele deutsche Worte sind lateinischen Ursprungs: von "Fenster" bis "Tafel". Noch heute wird an Augsburger Schulen? Latein, die Sprache der Eroberer und Kolonisatoren, gelehrt. Die römische Zirbelnuss steht im Stadtwappen?.

Seit mehr als 400 Jahren schmückt das Standbild des Stadtgründers? Augustus den Platz vor dem Rathaus. Der Brunnen symbolisiert den Stand der Augsburger adligen Familien, der Patrizier, die sich damit in die Tradition der römischen Kolonialherren stellten. Auch in Südamerika erinnern Gedenktafeln und Denkmale an die europäischen "Gründerväter". In Maracaibo/Venezuela etwa wird so der Welsersche Vize-Gouverneur Federmann geehrt.

Rathaus

(siehe auch Rathaus)

Goldener Saal - Augsburgs goldene Zeiten

Der ehemalige Prunksaal des Augsburger Rathauses wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und erst anlässlich des 2000jährigen Stadtjubiläums 1985 mit großem finanziellen Aufwand rekonstruiert. Damit versucht die Stadt auch noch heute die "Goldenen Zeiten Augsburgs" zu feiern, die aber zur Zeit des Rathauses unter Elias Holl (1615-1620) zu Ende waren. Bert Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ hätten auch nach einem Besuch im Goldenen Saal entstehen können. In diesem Gedicht fragt Brecht z. B., wer das siebentorige Theben erbaut hat und kommt zum Schluss, dass immer nur die Namen von Königen und Cäsaren genannt werden, wenn es um die Leistungen der Weltgeschichte geht, aber nie die Namen der Arbeiter, die tätig waren.

Brechthaus

(siehe auch Brechthaus)

Augsburger Flüchtlinge

Bert Brecht war einer derjenigen, die aus politischen Gründen im Dritten Reich verfolgt und in die Emigration getrieben wurden. Viele Deutsche fanden auch in lateinamerikanischen Ländern Zuflucht. Aufgrund dieser Erfahrungen Tausender wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im Grundgesetz ein Recht auf Asyl verankert, das 1993 im Wesentlichen eingeschränkt wurde. Im Brechthaus erzählt eine Ausstellung im 1.Stock von den Stationen der Emigration Bert Brechts. Sie ermahnt zur Gastfreundschaft gegenüber Fremden, die heute bei uns Zuflucht suchen. Flüchtlinge, die in Deutschland um Aufnahme suchen, stammen aus Ländern, in denen Menschenrechte missachtet werden. Sie kommen aus Gebieten, die Kriege und Bürgerkriege verwüsten. Mitunter fliehen sie aus Ländern, in denen die wirtschaftliche Verelendung immer weiter voranschreitet und die Menschen die Hoffnung auf eine Lebensperspektive in ihrer Heimat verloren haben.

Das UNO-Flüchtlingskommissariat zählt weltweit viele Millionen Menschen, die auf der Flucht sind. Die meisten Flüchtlinge überschreiten nicht mehr als eine Landesgrenze, um Schutz zu finden. Vier Fünftel von ihnen finden in den Ländern der "Dritten Welt" Schutz. Auf das wohlhabende Europa entfallen knapp 5 Prozent.

Seit das Asylrecht Zankapfel der politischen Parteien in Wahlkampfzeiten ist, wurden die einschlägigen Gesetze immer wieder geändert, bis vom verbrieften Menschenrecht auf Schutz vor Verfolgung nicht mehr viel übrig blieb. Das neue Asylrecht verwehrt allen Flüchtlingen, die Deutschlands Nachbarstaaten durchreisen, den Zugang zu einem Rechtsverfahren. Sie bleiben ausgesperrt oder werden zurückgewiesen. Während weltweit die Zahl der Flüchtlinge steigt, nimmt bei uns die Zahl der Asylbewerber ab. Schlimme Folgen hatte die Art und Weise, wie die Asylrechtsdebatte geführt wurde, für hier lebende Flüchtlinge. Rassismus schwingt nicht nur offen in Politikeransprachen mit, er ist alltäglich erfahrbar geworden. Bundesdeutscher Alltag wurde auch die offene, brutale Gewalt gegen "Ausländer".

"Der Pass ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt nicht auf so einfache Weise zustande wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandekommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne einen gescheiten Grund, aber ein Pass niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird." So Bert Brecht über Pässe.

Jeansladen

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Ein gerade 18-jähriger Auswanderer, heute würde man sagen "Wirtschaftsflüchtling", verließ das fränkische Fachwerkdörflein Buttenheim? Mitte des letzten Jahrhunderts. Er reiste in die USA und fand in New York Arbeit und Unterkunft bei seinen Brüdern, die dort einen Textilhandel betrieben. Zur gleichen Zeit hatte der Goldrausch den Westen erfasst. Für die Goldgräber nähte der Exil-Franke robuste Hosen, versah sie mit Nieten und färbte sie mit Indigo, einer Farbe, die aus einer tropischen Hülsenfrucht gewonnen wird, blau. Die "Blue Jeans" war geboren. Ihr Erfinder hieß Levi-Strauss und aus dem Habenichts wurde ein Millionär. Eine legendäre amerikanische "Tellerwäscher-Story".

Indigo war damals als Farbstoff begehrt. Er wurde als "Kolonialware" teuer gehandelt. Aber 1881 entwickelte der deutsche Chemiker Adolf von Bayer aus Steinkohleteer künstliches Indigo. Das war der Beginn der Chemieindustrie in Deutschland und zugleich der Beginn der späteren "IG-Farben". Das synthetische Indigo verdrängte schnell das natürliche. US-Soldaten machten die Jeans in Europa bekannt. Der deutschen Nachkriegsgeneration war die "Amihose" so verpönt wie der "Rock’n’ Roll" der Besatzungssoldaten, der als "Negermusik" galt. 1955 soll der Schlagersänger Freddy Quinn öffentlich in Blue Jeans aufgetreten sein und damit ein Tabu gebrochen haben. In den 60er Jahren wurden Jeans zur jugendlichen "Protestuniform". Sie waren als langlebige, praktische Kleidung ein Symbol für ein einfaches Leben und standen für die Kritik an einer Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft.

Obwohl Textilhändler mit aufwendigen Werbekampagnen die Jeans zur Designer-Ware, zur Edelklamotte oder zum sündteuren Statussymbol hochjubeln wollen, bleiben die Hosen für die allermeisten das, was sie schon immer waren: robuste Beinkleider. Und so werden drei Viertel aller Jeans als Freizeit- und Urlaubshosen in der Zeit von März bis Juli gekauft.

Fuggerei

(siehe auch Fuggerei)

Von Syphilis und Tropenwäldern

Die Syphilis, aus dem "entdeckten" Amerika von Seeleuten eingeschleppt, war eine der wenigen negativen Auswirkungen, die die "Vergewaltigung" Amerikas auf Europa hatte.

Die Syphilis ist schmerzhaft und kostete viele Europäern das Leben. Sie hatte jedoch dennoch nicht die katastrophalen Folgen der Krankheiten, die die Europäer nach Amerika brachten. Grippe und Windpocken, Typhus, Masern und Tuberkulose rafften die Indios zu Tausenden dahin. Was die Waffen der Eroberer nicht schafften, besorgte die "biologische Kriegsführung".

In der Hermanngasse? 40-42 befandet sich früher das "Holzhaus". Hier wurden bedürftige Syphilis-Kranke mit dem als Heilmittel geltenden tropischen Guayak-Holz behandelt. Früh hatten sich die Fugger und auch die Welser im gewinnbringenden Handel mit dem sündteueren Holz aus Südamerika engagiert. Die Kranken, die sich hier im "Holzhaus" kurieren lassen wollten, nahmen nach einer Beichte einen bitteren Sud aus geraspeltem Guayak-Holz zu sich. Wer nach der Prozedur nicht geheilt war, der zweifelte natürlich an der Wirksamkeit der Medizin. Die geschäftstüchtigen Händler traten solchen Kritiken beispielsweise mit Argumenten entgegen, die Beichte des Kranken wäre nicht umfassend genug ausgefallen. Der berühmte Arzt Paracelsus (1494-1541) schimpfte in seinen Büchern über seine leichtgläubigen Zeitgenossen und den Missbrauch des Guayak-Holzes. Die Fugger sahen ihre Geschäfte gefährdet und gaben Gegengutachten in Auftrag. Sie erreichten, dass einige Bücher Paracelsus’ nicht mehr verlegt wurden. Die "Wundermedizin" Guayak war aber ganz offensichtlich nicht so wirksam wie von vielen erhofft. Das Geschäft mit der Angst, der Syphilis und dem kostbaren Tropenholz ging bald zurück.

Heute werden im Tropenholzhandel weltweit große Umsätze gemacht. Jeder dritte geschlagene Urwaldriese wird nach Japan transportiert. Jeder fünfte Tropenbaum landet in Europa. Lange war Afrika Deutschlands bevorzugter Lieferant. 1970 waren noch 85 % der Importe afrikanisch. Dort ist der Tropenwald mittlerweile bis zur Hälfte abgeholzt. Die deutschen Firmen Danzer, Feldmayer und Lüttgens hatten in den 1990er Jahren noch große Einschlagskonzessionen in West- und Zentralafrika.

Die internationalen Händler kaufen zunehmend in Asien Edelhölzer zu Schleuderpreisen ein. 65 % der deutschen Tropenholzimporte stammten in den 1990er Jahren aus den noch bestehenden asiatischen Regenwäldern. Mit den schwindenden Wäldern verlieren auch die dort wohnenden Menschen, das waren damals etwa 300 Millionen, ihren Wirtschafts- und Lebensraum. Deren Kulturen sind – ganz im Gegensatz zu unseren - in höchstem Maß an ihre Umwelt angepasst.

War das wertvolle Tropenholz früher noch für Bootsbau, Kunst- und Möbeltischlerei bestimmt, so wird es jetzt für banale Aufgaben eingesetzt. Aus Regenwäldern werden Papier und Pappe, Sperrholz und Spanplatten, Fensterrahmen und Türen, Garagentore und Parkbänke, Gartenmöbel und Fußgängerbrücken, Treppen und Geländer, Särge und Rolläden, Leitern und Leisten, Besteckgriffe und Frühstücksbrettchen, Furniere und Besenstiele, Zigarrenkistchen und Toilettenbrillen. Für jeden dieser Zwecke würden sich auch europäische Hölzer eignen.

Weltladen Augsburg

(siehe auch Weltladen Augsburg)

Kolonialwaren und Entwicklungspolitik

1980 gründete eine kleine Gruppe Engagierter die Augsburger Dritte Welt-Laden GmbH. Sie wird im wesentlichen vom Verein Partnerschaft Dritte Welt? und der Werkstatt Solidarische Welt e. V. getragen. Heute organisieren etwa 40 Frauen und Männer ehrenamtlich die Ladengeschäfte in der Weißen Gasse, halten das Geschäft offen und suchen das Gespräch mit der Kundschaft. Seit 1990 gibt es in Göggingen am Klausenberg 1 eine kleine Filiale: das Gögginger Welt-Lädchen.

Ungefähr hundert Augsburger Aktionsgruppen bieten in Zusammenarbeit mit dem Weltladen "Kolonialwaren" aus alternativem Handel in Kirchengemeinden und Schulen an. Dieser alternative Handel arbeitet nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es werden Kaffee, Tee, Zucker, Kakao, Gewürze, Wein, Honig, Textilien, Juteartikel, Schmuck, Lederwaren, Korbwaren, Keramik, Glaswaren, Holzspielzeug und anderes aus 30 Ländern der Erde importiert. Die Produkte stammen von Gruppen und Organisationen, die demokratische Strukturen haben. Es sind vor allem Selbsthilfegruppen, Kooperativen und Genossenschaften. Die ProduzentInnen gehören benachteiligten Gruppen an. Sie bekommen durch den alternativen Handel wesentlich bessere Preise und Löhne bezahlt als im kommerziellen Handel. Hier wird nicht mit Mengen, Preisen oder Terminen spekuliert. Es werden faire Verträge geschlossen, und die ProduzentInnen können sich auf eine langfristige Zusammenarbeit verlassen.

Was der alternative Handel mit etwa höheren Preisen erwirtschaftet, das finanziert meist Gemeinschaftsprojekte, die z. B. Bildungsmaßnahmen und medizinische Versorgung zum Ziel haben. Damit sind die ProduzentInnen-Gruppen in der "Dritten Welt" nicht EmpfängerInnen von Almosen, sondern sie erhalten einen gerechten Lohn für ihre Arbeit, der ihnen im kommerziellen Handel verweigert wird. Der alternative Handel bietet in Augsburg die Möglichkeit, als Kunde im Weltladen mit einem bewussten und kritischen Verbraucherverhalten aktiv zu werden.

Kaffee – Braune Bohnen und goldene Bilanzen

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1592 schreibt der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolff in seinem Bericht Reise in die Morgenländer: "Unter anderem haben sie ein gutes Getränk, welches sie hochhalten tun. Chaube wird es bei ihnen genannt: Das ist gar nahe wie Tinte schwarz und in Gebresten des Magens gar dienstlich. Dieses pflegen sie Morgens früh, auch an offenen Orten zu trinken." Im 10. Jahrhundert kannte die arabische Welt Kaffee als Medizin. Er wurde dort im 15. Jahrhundert ein weit verbreitetes Volksgetränk und gelangte zwei Jahrhundert später über Karawanenstraßen nach Europa. Kaffee wurde zum anregenden Lieblingsgetränk des aufkommenden Bürgertums. Kaffeehäuser eröffneten in Europa.

Das Kaffeehaus – heute vor allem gemütlicher Treffpunkt - war lange Zeit der Inbegriff des Fortschritts. Hier trafen sich nüchtern kalkulierende Geschäftsleute und Journalisten. Im Londoner "Looyd’s Coffeehouse" etwa trafen sich Schiffseigener, Kaufleute, Kapitäne und Versicherungsagenten. Frühe Wirtschaftsjournalisten gaben dort die "Lloyd’s News" heraus, ein Nachrichtendienst für zeitgenössischer Manager. Aus diesem Londoner Coffee-House entwickelte sich die lange Zeit größte Versicherung der Welt: "Lloyds".

Seit dem 18. und 19. Jahrhundert begannen auch einfache Leute zu Hause Kaffee zu trinken. Weil die Männer der Geschäftswelt allen Frauen den Zutritt in die Kaffeehäuser verwehrten, trafen sich diese im privaten Rahmen zu geselligem Kaffeetrinken. In dieser Zeit entsteht also das "Kaffeekränzchen".

Heute ist Kaffee zum Alltagsgetränk geworden. Der Durchschnitts-Deutsche trinkt pro Jahr knapp zweihundert Liter Kaffee. Im selben Zeitraum werden zum Vergleich etwa 150 Liter Bier getrunken. Kaffee ist nach Erdöl der zweitwichtigste international gehandelte Rohstoff auf dem Weltmarkt. Etwa zwei Drittel des Welthandels mit Kaffee wird von acht Konzernen kontrolliert. Darunter findet sich beispielsweise "Coca-Cola". Der bundesdeutsche Kaffeemarkt wird zu großen Teilen von sechs Firmen kontrolliert: Jacobs, Tschibo, Albrecht, Eduscho, Hag/Onko und Melitta. Während die Kaffeefirmen gut an der braunen Bohne verdienen, bleibt den Produzenten weit weniger. Nach 1989 war der Kaffeeweltpreis auf Talfahrt. 1994 zog er plötzlich steil an. Der Grund dafür waren Ernteausfälle und Spekulationsgeschäfte. Es kommt also ständig zu großen Schwankungen der Preise. Für die Anbauländer und die Kaffeebauern haben diese Preisschwankungen zum Teil katastrophale Auswirkungen, da sie seit Kolonialzeiten vom Kaffee abhängig geblieben sind. Die kaffeeproduzierenden Länder können ihre Interessen nicht gegen die Händler und kaffeeimportierenden Industrieländer durchsetzen.

Ein sicheres Geschäft ist der Kaffeehandel für den deutschen "Vater Staat" geblieben. Mit der Kaffeesteuer, mit Zoll und Mehrwertsteuer schöpft er rund ein Drittel des Endverkaufpreises ab. Ohne den sprichwörtlichen Finger krumm machen zu müssen, fließen jährlich Milliarden Euro in die Staatskasse. Dem selbständigen Kaffeebauern bleibt in diesem unfairen Spiel auf dem Weltmarkt vielleicht ein Fünftel des Endverkaufspreises. Ein Lohnarbeiter auf einer Kaffeeplantage muss mit einem Zwanzigstel sein Leben fristen. Kaffee aus fairem Handel, der zu besten Handelsbedingungen bei den Produzenten eingekauft wird, ist seit langem im Angebot der Dritte Welt-Läden. Seit 1993 verkaufen auch die Handelsriesen unter den Lebensmittelhändlern in ihren Supermarktketten einen "TransFair-Kaffee". Dieser Kaffee wird von einem unabhängigen Verein mit einem Siegel gekennzeichnet, wenn die Handelsbedingungen den Produzenten zumindest das Existenzminimum sichern.

Judenberg

(siehe auch Judenberg)

Pogrome In Augsburg

Der Name "Judenberg" blieb übrig von der ersten Augsburger jüdischen Gemeinde, die es seit dem 13. Jahrhundert mit ihren Wohn-, Bade-, Schul- und Geschäftshäusern (letzte vor allem auch in der heutigen Karl-, der früheren Judenstraße) gab. Die Augsburger Juden führten ein eigenes kulturell-religiöses Leben und verbrachten den Alltag oft getrennt von der übrigen Bevölkerung. Dazu wurden sie besonders im späten Mittelalter gezwungen. Sie waren nie sicher vor gewalttätigen Übergriffen. Die Juden zählten in jenen Zeiten zu den "unehrlichen Leuten". Traf man sie hier auf den Straßen, so erkannte man sie an den gelben Ringen und Spitzhüten, die sie wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit tragen mussten. Die jüdische Siedlung musste laut Vorschrift der Stadtoberen mit Seilen umgrenzt werden.

Den jüdischen Stadtbewohnern war auch die Zugehörigkeit zu den Handwerkszünften verboten. Daraus entwickelte sich die Betätigung der Juden im Kleingeldhandel. Mit dem gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Aufstieg christlicher Handelsfamilien, z. B. der Fugger und Welser in Augsburg, sowie mit dem durch die Kolonisation gestiegenen missionarischen Bewusstsein der "christlichen Welt" verschärfte sich die Judenfeindlichkeit. In Augsburg kam es u. a. im 15. Jahrhundert zu einem Pogrom. Den Juden wurde der Ausbruch der Pest zur Last gelegt. Neue jüdische Gemeinden entstanden in Pfersee und Kriegshaber, da diese Dörfer außerhalb des Augsburger Hoheitsbereiches lagen.

Weberhaus

(siehe auch Weberhaus)

Warum die Augsburger ihr Rathaus stürmten

Das Weberhaus wurde im Jahr 1389 von der damals bedeutendsten Handwerkerzunft, den Webern?, gekauft. Die Zünfte regelten im Mittelalter die Zulassung der Meister, Qualitätskriterien, Preise und Löhne, die Zahl der Webstühle etc. Darüber hinaus übernahm die Weberzunft? auch den Einkauf der Rohstoffe und den Verkauf von Fertigprodukten. Dieser Form genossenschaftlicher Selbstverwaltung setzte das Aufkommen frühkapitalistischer Wirtschaftsformen im 15. und 16 Jahrhundert ein Ende.

Zu den Zeiten der Kolonisation Amerikas lebten 85 % der Augsburger Weber von städtischen Almosen. Die Leinen- und Barchentweberei, die ihre Rohstoffe wie den Flachs direkt aus der Region (Allgäu) bezogen, kam gegenüber der Tuchweberei, die Baumwolle aus Ägypten, verarbeitete, immer mehr ins Hintertreffen. Der Import der Baumwolle lief im Mittelalter über die Handelszentralen in Venedig. Im Industriezeitalter wurde die Baumwolle vor allem aus Nordamerika eingeführt. Der Baumwollanbau für den Export konnte dort nur im großen Stil mit Hilfe von Sklaven betrieben werden, die von Afrika nach Amerika verschleppt wurden.

"Zwischen Handwerk und Maschinenzeit liegt der Weber Kampf und Leid" ist an der Fassade des Weberhauses an der Philippine-Welser-Straße zu lesen. Die Wandbilder zeigen den Weberaufstand in Augsburg im Jahr 1794. Meister und Gesellen stürmten das Rathaus, um gegen die Zunftverstöße zu protestieren. Die Entwicklung zwischen Handwerk und Maschinenzeit, in der sich die Weberproduktion in die Manufakturen und Fabriken hinein verlagert, ist auf den Wandbildern, die von der Flachsernte bis zur Fertigung am Webstuhl erzählen, festgehalten. Mit der Industrialisierung der Textilproduktion ab 1840 konnten die heimischen Leinenweber endgültig nicht mehr Schritt halten. Der Baumwollwelthandel und die Importe aus Amerika, Afrika und Indien waren von nun an mit maßgebend für Aufschwung und Krisen in der Augsburger Textilindustrie.

Fuggerhäuser

(siehe auch Fuggerhäuser)

Die Fugger oder wie der Kapitalismus in Augsburg erfunden wurde

Die Fugger stiegen im 16. Jahrhundert von einfachen Webern? zu einem gigantischen Wirtschaftskonzern auf. Dessen Zentrale befand sich in der heutigen Maximiliansstraße, dem damaligen Weinmarkt?. Auf dem Höhepunkt ihrer Macht liebäugelten die Fugger mit der Übernahme der südamerikanischen Pazifikküste von Peru bis nach Feuerland. "Ich hab es für gut befunden", so sprach Karl V.? – der den Fuggern gerade 1,5 Mio. Gulden abgeknöpft hatte – und setzte 1531 seine Unterschrift unter den Vertrag mit den Fuggern, was ihn allerdings nicht daran hinderte, das Gebiet drei Jahre später gleichzeitig einem anderen "Conquistador" mit dem Namen Diego Almeda zu versprechen.

Die Fugger – wohl gewarnt von der Pleite der Welser - ließen es auf sich beruhen und zogen ihre Gewinne aus dem Silberhandel, denn sie besaßen das Quecksilber-Monopol. Quecksilber war notwendig, um im Amalgam-Verfahren das in den Kolonien zu Tage gebrachte Silber zu gewinnen. Deshalb wurde tonnenweise Quecksilber aus den spanischen Almaden nach Neu-Spanien, insbesondere nach Potosi im heutigen Bolivien, gebracht. Die Fugger machten dabei prächtige und sichere Gewinne. 300 t Gold und 25.000 t Silber wurden allein bis 1650 per Schiff nach Europa geschafft. Das meiste Silber kam aus dem Silberberg "Cerro Rico" bei Potosi. Tausende von Indios kamen bei den Arbeiten ums Leben. Allein mit dem Silber könnte man, so hat es ein spanischer Chronist im 17. Jahrhundert ausgerechnet, eine 10.000 Kilometer lange, 14 Ellen breite und 4 Daumen dicke Brücke von Potosi bis ins spanische Sevilla, dem damaligen Übersee-Hafen, bauen.

Das aus Amerika nach Europa geschaffte Gold und Silber führte in Europa zu enormen Preissteigerungen. Die Löhne, etwa die der Weber?, hielten dabei nicht mit. Die Gewinnspanne der Händler zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis der Waren wurde immer größer. Diesen "Mehrwert" schöpften Verlagskaufleute wie die Fugger ab und wurden so reich: der Kapitalismus war geboren. Im 16. Jahrhundert bedeutete übrigens das Wort "fuggern" soviel wie "übers Ohr hauen" oder "betrügen".

Hotel Drei Mohren

(siehe auch Steigenberger Drei Mohren?)

Afrikanische Augsburger

Dass das Nobelhotel die Köpfe dreier Mohren in seinem Firmenemblem führt, soll es drei abessinischen Mönchen zu verdanken haben, die hier im 15. Jahrhundert vom Gastwirt Minner beherbergt wurden. Wie es allerdings dazu kam, dass sie den damals sehr beschwerlichen und jahrelangen Reiseweg vom fernen Abessinien (Äthiopien) nach Augsburg fanden, verrät die Legende nicht. Bekannt ist allerdings, dass eine abessinische Delegation zwischen 1439 und 1445 auf dem Konzil von Florenz vertreten war. Vielleicht machte sie auch einen kleinen Abstecher nach Augsburg.

Übrigens: in den Zeiten der Kolonisierung galt das christliche Königreich Abessinien für die europäischen Herrscher als „Brückenkopf“ zur Christianisierung des afrikanischen Kontinents.

Hier soll auf eine Frau hingewiesen werden, die in der Augsburger Stadtgeschichte eine wichtige Rolle spielt und wahrscheinlich ebenfalls aus Afrika stammt. Die heilige Afra trägt einen Namen, der schlicht "Afrikanerin" bedeutet. Sie könnte mit römischen Militärs oder Kaufleuten aus Nordafrika nach Augsburg gekommen sein. Als unter dem römischen Kaiser Diokletian Christen verfolgt wurden, floss im Jahr 304 auch in Augsburg Blut. Die Christin Afra starb damals der Überlieferung nach auf einem Scheiterhaufen auf dem Lechfeld. In der Basilika Sankt Ulrich und Afra findet sich ein Afraaltar und eine Afrakrypta, in der aber nicht die Gebeine Afras ruhen.

Schaezlerpalais

Europa als Nabel der Welt

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Der Schaezlerpalais ließ 1765 Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen? (1731 – 1810) erbauen. Er hatte sein Vermögen durch den Handel mit Silber und als Bankier erworben. Als innenarchitektonisches Schmankerl gilt der repräsentative Festsaal. Er liegt im ersten Stock des Stadtpalastes, weil die geladenen Gäste erst etliche Treppen aufsteigen sollten, bevor sie der Hausherr oben empfing. Wenn ein Gast am Fuß der Treppe begrüßt wurde, galt das als außerordentliche Geste.

Der Rokoko-Festsaal ist reich mit Ornamenten, Fenstern, Spiegeln und Leuchtern ausstaffiert, was ihn besonders bei Kerzenschein größer erscheinen lässt, als er ist. Hier gab von Liebhofen rauschende Feste oder zeigte seine Silberwaren. Bei diesen Gelegenheiten wird er wohl seinen Gästen das inhaltliche Programm der Saaldekoration vorgestellt haben. Das Deckengemälde von Gregorio Gugliemi? mit dem Titel "Die weltumspannende Macht des Handels" veranschaulicht eurozentristisches Denken. In der Mitte thront "Europa" auf Wolken, umringt von Symbolen europäischer Macht und hiesiger Zivilisation. Für die Kunst stehen Palette, Buch und Violine, für die Architektur der Zirkel, für Recht und Staatsgewalt Gesetzestafeln und Faszienbündel. Die Kriegskunst repräsentieren Kanone, Rüstung, Trommeln und Fahnen. Eine Ruhmesgöttin posaunt den Ruhm in alle Welt hinaus. Rechts unter "Europa" liegt Chronos, der Gott der Zeit, mit Früchten zu seinen Füßen. Der Handelsgott Merkur schüttet mit einem überquellenden Füllhorn den Reichtum aus, den der internationale Warenhandel Europa brachte. An den Rand gedrückt drei Erdteile und deren Schätze: "Afrika" zeigt Elfenbein und einen Vogel Strauß. "Asien" glänzt mit Perlen und Korallen. Für Amerika stehen eine Indianerin sowie ein Goldgräber. Dort sieht man im Hintergrund ein Schiff, das Verkehrsmittel, mit dem die Schätze transportiert und Europa reich gemacht wurde. Der Kontinent Australien fehlt, weil er damals den Europäern noch unbekannt war.

Das Deckenbild wirkt erstaunlich aktuell. Auch heute konzentriert sich die politische und wirtschaftliche Macht in den Industriezentren des Nordens. Nach wie vor fließen enorme Geldströme aus den Ländern der "Dritten Welt" in den reichen Norden, der sich seit Jahrhunderten auf Kosten des Südens entwickelt. Nach Kolonialismus, Ausplünderung und Zerstörung der Wirtschaften und Kulturen im Süden der Welt, hat die "Dritte Welt" noch immer Schulden bei den heutigen Industrienationen, die meist ehemalige Kolonialmächte sind. Es sind nicht die Entwicklungsländer, die uns etwas schulden, sondern wir schulden der "Dritten Welt" eine längst fällige Wiedergutmachung. Eine Vorraussetzung für ein gerechtes und solidarisches Wirtschaften und faires, gleichberechtigtes Miteinander-Auskommen ist die Bereitschaft, die eigene Nabelschau zu beenden.

Weblinks


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