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Koelle, Fritz

ein deutscher Bildhauer, der in Augsburg geboren wurde

Leben und Wirken

Jugend und erste Erfolge

Fritz Koelle wurde am 10. März 1895 in Augsburg geboren. Von seiner Kindheit in Augsburg ist wenig bekannt, außer dass er der Sohn des Fabrikanten Adolf Koelle, der Eisenkonstruktionen für Warmwasser-Heizanlagen und Gewächshäuser produzierte, und seiner Frau Walburga (geb. Graf) war. 1906 besucht er in Augsburg die Realschule, später die Realschule in Nördlingen?. 1908 (nach anderen Quellen 1909) lebt er wieder in Augsburg, um hier eine Spenglerlehre (nach anderen Quellen eine Klempnerlehre) zu absolvieren. Diese Ausbildung war ihm als Künstler später eine nützliche technische Grundlage. 1911 belegte Koelle an der Fachschule für Edelmetall-Industrie in Schwäbisch Hall Kurse, um das Ziselieren und Gravieren zu erlernen In den Jahren 1912/13 macht Koelle bei dem Goldschmied J. B. Haag eine Ausbildung. Noch 1913 wechselt er an die Kunstgewerbeschule bis 1914 (Staatsschule für angwandte Kunst) und stellt im königlichen Glaspalast in München eine Glasplastik aus. 1914 beendet er die Kunstgewerbeschule, um sich als Kriegsfreiwilliger beim 1. Bayerischen Fußartillerieregiment zu melden. In diesem Regiment kämpft Fritz Koelle bei Verdun und an der Somme. An der Westfront erhält er einige Tapferkeitsmedaillen.

Blockwalzer
"Blockwalzer", 1929 von Fritz Koelle, 11. September 2010. By own photo, sculpture by Fritz Koelle (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

1916 kann Fritz Koelle einen großen Erfolg feiern. Aus dem königlichen Glaspalast in München kauft König Ludwig III.? seinen Löwen auf drei Kugeln. Dieser Löwe ist eine Bronze auf 3 vergoldeten Kugeln aus dem Jahr 1914 (Höhe 11, Länge 16,5 Zentimeter). Nach dem königlichen Ankauf kam er in das Stadtmuseum München?, später in die ehemalige Sammlung Kohl-Weigand und soll heute in Privatbesitz sein.

Koelle besucht von 1916-1924, nach anderen Quellenangaben von 1917-1923, die Kunstakademie München und lernt bei Prof. Hermann Hahn. 1917 kauft die Stadt München einen Frauenakt von Koelle. Während dieser Zeit geht 1920 eine seiner Studienreisen nach Norddeutschland und Dänemark. Ebenfalls 1920 gibt ihm die Stadt München den Auftrag, die Münchener Reichenbach-Brücke durch eine Muschelkalkfigur eines sitzenden Mädchens zu schmücken ("Spiel der Wellen"). 1921 wird Fritz Koelle Mitglied der Münchner Neuen Sezession (nach anderen Quellen erst 1923), bei der er schon 1920 erstmals ausstellte, und 1922 besucht er zum ersten Mal Hütten und Gruben im Saarland, was er bis zu seinem Tod immer wieder macht. Koelle führt mit den Grubenarbeitern ein und entwickelt einen Stil, der versucht, realistisch die hart arbeitenden Menschen darzustellen. Es entstehen selbstbewusste Darstellungen des Arbeiters, die jedoch nicht pathetisch oder ideologisch überhöht erscheinen. 1922 stellte Koelle zum ersten Mal im Münchener Kunstverein aus. 1923/24 war er in Kollektivausstellungen bei Caspari und bei Thannhauser in München vertreten. 1924 folgt ein Studienaufenthalt in Italien, wo er sich mit den Plastiken aus Antike und Renaissance auseinandersetzt. In diesem Jahr entsteht das erste Selbstbildnis Koelles als Porträtkopf. Nach dem Abschluss des Studiums schreibt Prof. Hermann Hahn am 25. Dezember 1924: "Herr Koelle geht zu meiner Freude eigene Wege, die aus einem stark künstlerischen Gefühl entspringen; wer wird durch seinen Fleiß sowie seine Rührigkeit sein hoch gestecktes Ziel sicher erreichen."

1925 heiratet Fritz Koelle die Kunstmalerin Elisabeth Karmann (Elisabeth Koelle-Karmann, 1890-1974) aus Sankt Ingbert im Saarland. Fritz Koelle lernte die damalige Studentin 1923 auf der Kunstakademie in München kennen und verlobte sich mit ihr 1924. Sie studierte damals bei Prof. Karl Caspar Malerei. Aus der Ehe, die das ganze Leben lang hielt, ging Fritz Koelle jun. hervor.

Anerkennung

1926 hielt sich Fritz Koelle zu Studienaufenthalten in Italien und Frankreich auf. 1927 stellt Koelle in einer Kollektivausstellung in der Preussischen Akademie der Künste einzelne seiner Werke zusammen mit Käthe Kollwitz-Werken aus. Noch im gleichen Jahr kauft die Berliner Nationalgalerie sein Werk "Bergmann vor der Einfahrt" an. Das war ihr erster Ankauf aus Bayern, nachdem sie etwa 50 Jahre zuvor ein Werk von Adolf Hildebrand aus Bayern erworben hatte. Jetzt stellt ihm die Stadt München ein so genanntes "Staatsatelier" zur Verfügung.

1928 richten ihm die Röchling-Werke auf ihrem Werksgelände in Völklingen ebenfalls ein Atelier ein, wo im gleichen Jahr die Büste "Der Walzmeister" entsteht. In diesem und den folgenden Jahren bis 1933 entstanden Plastiken wie "Kohlenwäscherin", "Blockwalzer" (1930 auf dem Melusinen- heute Karl-Preis-Platz in München aufgestellt), "Hammermeister" und "Betender Bergmann". Letzgenanntes Werk wurde an der Fritz-Koelle-Straße aufgestellt und befindet sich heute im Besitz der Kunstsammlungen und Museen Augsburg.

1929 schlug Max Liebermann, damals Präsident der Preußischen Akademie der Künste, Fritz Koelle für eine Berliner Professur vor, doch Koelle lehnte ab, weil ihm die Münchener Akademie eine ordentliche Berufung versprach.

Nazizeit

Koelle Walzmeister.jpg
Koelle Walzmeister“ Standort: BBZ St. Ingbert, August 2008 von EPei. Original uploader was EPei at de.wikipedia - Transferred from de.wikipedia; transferred to Commons by James Steakley using CommonsHelper.

(Original text : selbst fotografiert). Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Nachdem die Nationalsozialisten? 1933 die Macht in Deutschland übernommen haben, gerät Fritz Koelle wegen seiner Arbeiterportraits und -skulpturen unter den Verdacht einer "bolschewistischen Kunstauffassung" und man verweigert ihm dei versprochene Professur an der Münchener Akademie. Vor allem seine Münchener "Blockwalzer"-Skulptur wird diffamiert, weshalb der Münchener Stadtrat die Plastik entfernen lässt, die aber 1976 als Leihgabe der Stadt Augsburg erneut in München aufgestellt wird. 1934 kommt es für Koelle noch schlimmer: Der Stadtratpräsident beantragt einen Haftaufenthalt für Koelle im Konzentrationslager Dachau, doch nach neun Verhörtagen durch die Gestapo im Wittelsbacher Palais entlässt man den aus Augsburg stammenden Künstler wieder und stellt ihn lediglich unter polizeiliche Kontrolle. Weil er ein hohes künstlerisches Ansehen hat und Wilhelm Pinder sich für ihn einsetzt, lässt ihn die Partei weiterarbeiten. Und die Gestapo führt bis 1945 Jahr für Jahr unangemeldete Atelierkontrollen durch. Nach den Verhören entsteht die Plastik "Betender Bergmann". Auf Befehl des Münchener Gauleiters werden sechs Koelle-Plastiken für öffentliche Ausstellungen verboten.

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Nach und nach passt sich Koelle den neuen Verhältnissen in der deutschen Kunstlandschaft an. So fertigt er etwa anlässlich der Rückgabe des Saargebiets an das Deutsche Reich eine Medaille. 1935 kann Fritz Koelle in einer Einzelausstellung im Kunstverein Augsburg einige Werke präsentieren. Das Regime sieht seine Anpassung positiv und gibt ihm zusammen mit seinem Freund Georg Kolbe (1877-1947) in Berlin 1936 öffentliche Aufträge. Unter anderem fertigt er einen Porträtkopf von Horst Wessel, dem "Blutzeugen der Bewegung", den die Nationalsozialisten? zum Märtyrer stilisieren. Ebenfalls 1936 hält sich Fritz Koelle einige Zeit in England auf. Dort überlegt er ins Exil zu gehen, doch kehrt er nach Deutschland zurück. Dort nahm er in den Folgejahren immer wieder an den vom Nazi-Staat organisierten "Großen Deutschen Kunstausstellungen" mit seinen jetzt dem NS-Kunststil angepassten Werken teil, etwa 1937 mit dem "Saarbergmann mit Grubenlampe" oder 1942 mit "Der Steinbrecher". Das Regime geht nun auf Fritz Koelle zu, indem es ihn ehrt, z. B. 1937 mit dem so genannten "Westmark-Preis". Damals wohnte er in Geiselgasteig (Grünwald bei München, wo er auch sein Atelier hatte. In diesem und dem folgenden Jahr schuf er für die Stadt München die Plastik "Der Isarflößer". 1938 erhält er von der MAN Augsburg den Auftrag, ein Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Werkarbeiter von MAN herzustellen. Es entsteht der "Hochofenarbeiter".

1941 ist Koelles Kunst von den Nationalsozialisten? so anerkannt, dass er es sich leisten kann, einen 12-Millionen-Auftrag des Regimes für die Prachtstraße zum geplanten neuen Münchner Bahnhofsgelände abzulehnen, ohne dass es für ihn negative Folgen hat.

Für die Walhalla? an der Donau? stellt Koelle die Büste von Friedrich List (1789-1846) her.

Die Nationalsozialisten? feierten Fritz Koelle als "Meister der der Darstellung der deutschen Arbeiterschaft" und vergaben immer wieder staatliche Aufträge an ihn. Selbst Adolf Hitler war von seiner Kunst angetan und ließ den "Betenden Bergmann" von 1934 in der Reichskanzlei Berlin aufstellen. Zu ihm und Goebbels hatte Fritz Koelle in seinem Ringen um eine realistische Darstellung der Arbeiter Kontakte. In einer Enzyklopädie des NS-Schrifttum vertreibenden Grabert-Verlags wird das Werk des "Sängers der deutschen Arbeit" als "eine Art Denkmal des unbekannten Arbeiters" gekennzeichnet.

Nach 1945

Gleich nach Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte Fritz Koelle eine Professur in München und Augsburg zu erhalten. Das führte zu Diskussionen, denn Kritiker sahen Koelles Arbeiten als Anpassung an die Kunsterwartungen des NS-Regimes und warfen ihm z. T. nationalsozialistische Kunstgesinnungen vor. Hans Eckstein veröffentlichte am 2. Juli 1946 in der Süddeutschen? den Artikel "Lehrer der Bildenden Künstler", in dem er Koelles Vergangenheit während der NS-Zeit beleuchtete. Er habe "nicht nur zu den bevorzugten Ausstellern im Haus der Deutschen Kunst" gezählt, "sondern auch mit seiner Horst-Wessels-Büste materielle Erfolge im Dritten Reich" erzielt. Es war wohl dieser Artikel, der Koelles Professur an der Münchener Akademie endgültig verhinderte. Noch im gleichen Jahr jedoch wurde Koelle als Mitglied der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes aufgenommen. Ebenfalls 1946 kommt es zu einer internen Ausstellung von Koelle-Werken im Bayerischen Kultusministerium. Und Fritz Koelle entwirft für einen Denkmalswettbewerb auf dem Gelände des KZ Dachau die Skulptur "Inferno". Den Auftrag dazu bekam er von Generalanwalt Dr. Auerbach. Der Entwurf zeigte einen Überlebenden mit einer schlaff herabhängenden Leiche eines Kameraden, womit er an einen mittelalterlichen Gnadenstuhl erinnerte. Manche meinten darin eine Art Rechtfertigung des Todes und der Qualen im KZ zu sehen und glaubten, Koelle wollte sagen, der Tod der KZ-Häftlinge sei so wenig sinnlos gewesen wie der Opfertod Christi. Ein gerade für Juden oder Kommunisten, die in Dachau starben unerträglicher Gedanke. Und überhaupt schockierte der "Inferno"-Entwurf die Betrachter so sehr, dass sie wegen Grausamkeit abgelehnt wird und Koelle die Plastik "Der KZ-Häftling" anfertigt, die angenommen und 1947 auf dem KZ-Gelände vor dem Krematorium aufgestellt wird. Statt eines Opfers zeigt Fritz Koelle jetzt einen Menschen, der von den überstandenen KZ-Erfahrungen gezeichnet ist, aber auch entschlossen mit asketischer Männlichkeit in die Zukunft schaut. Damit gleicht dieser Typ dem "Bergmann vor der Einfahrt" aus dem Jahr 1927, der ebenfalls gezeichnet, aber nicht gebrochen in einer ähnlichen Haltung erscheint.

Denkmal "Der unbekannte Häftling" von Fritz Koelle
Koelle-Statue, Aufschrift "Den toten zu Ehr, den Lebenden zur Mahnung", Nähe des Krematoriums im KZ Dacha, September 2010 by Miliko (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

1949 nahm Fritz Koelle eine Professur für Plastik an der Akademie in Dresden an, wo er noch im gleichen Jahr Dekan der Abteilung Plastik wurde, 1951 (nach anderen Quellen 1950) an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Schon Ende der 1940er Jahre hatte Fritz Koelle Kontakte mit Grotewohl und Pieck aufgenommen. Grotewohl soll Koelle schon im April 1947 in München kontaktiert haben, als der Grotewohl den Landesparteitag der bayerischen KPD besuchte. Schon wenig später schlug der Kommunist den Bildhauer für die Bebauung eines Ehrenfriedhofs sozialistischer Kämpfer in Friedrichsfelde vor. Schüler von Koelle, die er in Dresden und Berlin unterrichtete, waren u. a. Jürgen v. Woyski, Werner Rosenthal und Gerhard Thieme.

1951 entwarf Koelle für die Humboldt-Universität in Berlin sieben Standfiguren für die Hauptattika und kleinformatige Modelle dazu.

1952 fertigte der inzwischen im Osten Deutschland sehr anerkannte Künstler aus Augsburg eine Karl-Marx-Büste. Allerdings blieb ihm auch in der damaligen DDR Kritik nicht erspart. Manche sozialistische Kunstrichter warfen ihm Formalismus vor.

1953 verfügte Fritz Koelle in seinem Testament, dass alle in seinem Atelier befindlichen Werke der Stadt Augsburg gehören sollten. Er starb am 4. August 1953 bei Probstzella im Interzonenzug von München nach Berlin. Begraben wurde Fritz Koelle auf dem Protestantischen Friedhof in Augsburg. Auf seinem Grab steht eine Stele, die Thomas Wechs schuf. Das ungewöhnliche Kunstwerk zeigt einen abgebrochenen Bronzearm, der zum Gruß leicht erhoben ist.

Werk

Fritz Koelles Lebenswerk drehte sich um das Material Bronze und das Thema Arbeit. Ja man kann ihn zu den Künstlern rechnen, die am prägnantesten die Arbeitswelt darstellten. Damit war er nicht nur in seiner Zeit ein Außenseiter und Einzelgänger.

Lange hatten Künstler das Material Bronze links liegen lassen, bis das Metall von Künstlern wie Rodin oder Maillol wieder in seiner Eigenart entdeckt wurde. Auch Meunier entdeckte das Tektonische und Gewichtige des Materials und wandte es auf das Arbeiter-Thema an, Hildebrandt gab ihm feierliche und edle Formen, Kolbe ließ es schwebende Anmut entwickeln. Dies alles wusste Fritz Koelle und brachte es in seine Werke ein. Seine Zeichnungen waren nicht Selbstzweck, sondern Vorbereitung seiner Bronzekunst. In ihnen entwickelte Koelle seine formalen Überlegungen, die er später im Bronzewerk verwirklichte.

Nach dem Ersten Weltkrieg galt es für Fritz Koelle zunächst viele dramatische Erfahrungen zu verarbeiten. In seiner Kunst zeigte sich dies in der Form kleiner bronzener Tierplastiken. Auch andere Künstler (Franz Marc) sahen in Tieren die Reinheit, das Gute, das Edle und die Wahrheit verkörpert.

Der Vater seiner späteren Frau arbeitete als Bergmann in einem Bergwerk in Sankt Ingbert (Saarland) und lud Fritz Koelle 1922 in die Welt unter Tage ein. Das muss für den Bildhauer ein Schlüsselerlebnis gewesen sein, erlebte er hier doch, wie schwer die Bergleute in den Gruben körperlich arbeiten mussten. Das blieb ihm lebenslange Inspiration für sein Werk. Die Hüttenarbeiter und Bergmänner des Saarlands blieben lebenslang Inhalt seiner Werke. Immer wieder studierte er vor Ort ihr Leben, ihre Arbeit aus nächster Nähe. Seine Werke wurden so Denkmäler der Arbeit. An seinen Skulpturen und Plastiken lässt sich studieren, wie die Arbeit den Menschen formt. In lebensgroßen oder etwas größeren Arbeiterdarstellungen lässt sich das studieren. Seine Arbeiter wirken nie stumpf, sondern würdig, gutmütig, zäh, in den Werken unter den Nationalsozialisten? auch großartig und heroisch. So konnten Nazi-Kunstkritiker schreiben: "Im Kampf um die Saar wurden die Figuren Koelles berufen, den deutschen Charakter der Saararbeiter darzutun und zur Erinnerung an den Sieg der deutschen Sache an der Saar ist der `Betende Bergmann´ in der Reichskanzlei vor dem Arbeitszimmer des Führers aufgestellt."

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Selbst in der Nazi-Zeit versucht Fritz Koelle jedoch so viel Realismus in seinen Werken walten zu lassen, wie es das Regime zulässt. So stellt er auch in dieser Zeit die Plage dar, ausgemergelte Grubenarbeiter, einfache Menschen mit gespannten Mienen, billiger und derber Arbeitskleidung. Es fehlen aber jetzt die Züge von Bedrückung oder Deformation, die in den Werken vor 1933 ein Merkmal seiner Arbeitergestalten war. Unter dem Nazi-Regime strahlen seine Arbeiterplastiken trotz allem Energie, Überlegenheit und am Ende gar Heroik aus.

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Noch in den 1950er und 1960er Jahren schätzten die Saarländer "ihren" Fritz Koelle sehr und stellte z. B. in Sankt Ingbert im Oktober 1956 seinen "Walzmeister" neben einer Berufsschule auf. Auch "Der Saarbergmann" fand im Juli 1961 einen Standort in Sankt Ingbert - vor dem städtischen Schwimmbad. An den beiden Bronze-Bergleuten kann man studieren, was den Unterschied der Koelle-Arbeiten vor und nach der Nazi-Ära ausmachte. "Der Saarbergmann" entstand 1930. Hier verzichtete Fritz Koelle auf jede Monumentalisierung oder Heroisierung. Eine entspannte Stand-Spielbein-Anordnung und dass die Hände in den Taschen der Arbeiterhose verschwinden sorgen für eine lässige Haltung des Mannes, dessen leptosomer Körper von der Auszehrung durch die Grubenarbeit gekennzeichnet ist. Der Arbeiter wirkt müde und verbraucht. Ganz anders dagegen der "Walzmeister" von 1939. Dieser Arbeitertyp ist ein Kraftmensch, hat ein kraftvolles und willensstarkes Gesicht, Arme und Hände sind kräftig und muskulös, insgesamt ist die Form neoklassizistisch "glatt".

Sonstiges

Zum Freundeskreis von Fritz Koelle gehörten der Architekt Thomas Wechs, der Maler Max Liebermann, die Malerin Käthe Kollwitz, der Maler Fritz Zolnhofer sowie die Bildhauer Georg Kolbe, Artur Sansoni, Albert Holl, Fritz Cremer und Alexander Fischer.

1957 stellte die Stadt Augsburg die "Plastiksammlung Fritz Koelle" in vier Räumen des Schaezlerpalais aus. Und ab 1975 vergab die Stadt Augsburg besonders große Plastiken Koelles als Dauerleihgaben zur Ausstellung im Freien. 1958 benannte die Stadt Augsburg die Fritz-Koelle-Straße nach dem Bildhauer, der in ihr geboren wurde.

Fritz Koelles schriftlicher Nachlass liegt im Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum. 1974 übergab der Sohn von Fritz und Elisabeth Koelle den Nachlass seiner Eltern an das Deutsche Kunstarchiv. Er besteht aus persönlichen Fotografien und Werkfotografien, Nachlasssachen, Unterlagen zu Beruf und Werk, Drucksachen und Korrespondenz an das Deutsche Kunstarchiv. 1978 folgten noch Ausstellungsunterlagen aus der hauseigenen Ausstellung des Germanischen Nationalmuseums zu Fritz Koelle. In den 1980er Jahren kamen weitere Unterlagen von einer Berliner Galerie hinzu und 1993 schenkte der Sohn weitere Schenkung wie Personalia, Drucksachen, Publikationen und Korrespondenz. So sind heute dort personenbezogene Unterlagen, Personenstandsdokumente, ein Reisetagebuch über die Ud SSR? von 1952, Aufzeichnungen zum Leben, Veröffentlichungen über Koelle, Unterlagen zu seiner Lehrtätigkeit von 1949 bis 1953, über Ausstellungen zwischen 1927 und 1933, Korrespondenz, Werkreproduktionen, Ausstellungsunterlagen und Veröffentlichungen nach Koelles Tod, Unterlagen zum Werkverzeichnis, Unterlagen zu Aufträgen und Ankäufen und ein Teilverzeichnis zur Ehefrau Elisabeth Koelle (Personalia, Ehrungen, Ausstellung und Film zum 80. Geburtstag) aufbewahrt. Die Unterlagen umfassen auf etwa zwei Regalmetern Dokumente von 1896 bis 1993. Der Nachtrag von 1993 ist summarisch erfasst, spätere Nachträge sind unverzeichnet.

Seine Heimatstadt Augsburg zeigte vom September bis November 2003 die Ausstellung "Fritz Koelle - zum 50. Todestag" im Maximilianmuseum und in Sankt Ingbert veranstaltete das Heimatmuseum anlässlich seines 50. Todestages vom 7. Dezember 2003 bis zum 15. Februar 2004 die Ausstellung "Fritz Koelle und der Bergmann von der Saar".

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