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Kobelkirche

eigentlich Katholische Wallfahrtskirche Sankt Maria von Loreto; in Neusäß-Westheim

Allgemeines

Die Wallfahrtskirche ist wahrscheinlich die älteste Loreto-Wallfahrt Deutschlands. Sie ist ein Saalbau mit einem eingezogenen Chor. Nördlich ist eine kleine Kapelle angebaut und östlich befindet sich ein Dachreiter mit einem Haubendach. Gebaut wurde sie ein paar Kilometer westlich von Augsburg auf dem etwa 530 Meter hohen Kobel?. Sie ist das bekannteste Bauwerk in Westheim. Immer wieder wurde die Kirche saniert und renoviert, so dass sie bis heute im Inneren und Äußeren gut erhalten ist. Die Kirche wurde ursprünglich in der Form des heiligen Hauses von Loreto erbaut.

Die Kobelwallfahrt im Augsburger Land entstand während der Gegenreformation im 17. Jahrhundert. Eine Neubelebung erfuhr sie durch die Vertriebenen nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als sie zu einem Anlaufpunkt für verschiedene Vertriebenengruppen wurde.

Zur Kobelkirche führt das Naturdenkmal Lindenallee; auf dem Weg zum Kobel? stehen Stationen des Kreuzwegs. Sie finden sich in der Nähe der Kobelstraße am Westhang des Kobelberges? Es handelt sich um vier Bildstöcke mit jeweils drei Stationen. Diese sind Satteldachbauten mit einem dreiseitigen Schluss und umlaufendem, profiliertem Gesims. Sie stammen von Anton Kinseher, der sie in den Jahren 1936/37 errichtet hat.

Gleich neben der Kirche (Kobelstraße 36) ist der Standort des ehemaligen Benefiziatenhaus, also des Pfarrhauses, das zur Kobelkirche gehört. Der zweigeschossige Satteldachbau stammt von Joseph Ott und wurde 1747 erbaut. In der Mauer sind zwei Kreuzwegnischen, die aus der Zeit von 1877 bis 1884 stammen.

Geschichte

Die Kobelwallfahrt hat eine Vorgeschichte. Eigentlich geht sie zurück auf den Grafen Anton Maximilian Fugger?. Dieser erbaute nämlich im Garten seines Schlosses in Hainhofen 1582 eine Kapelle und stellte in ihr die Nachbildung der Muttergottesfigur des Doms von Loreto (Italien) auf. 1601 kaufte der evangelische Patrizier Wolfgang Paller? das Gut Hainhofen. Das bedeutete die Zerstörung der Kapelle. Die Marienfigur schenkte der Evangelische seinem katholischen Nachbarn Karl von Langenmantel? in Westheim.

1602 wurde der heutige Chor als Loretokapelle erbaut. Es war Karl von Langenmantel? aus Westheim, der auf dem Kobel? die Kirche errichten ließ. Ausgestattet wurde sie mit einer Marienfigur aus der Kapelle des Fuggerschlosses in Hainhofen. Möglicherweise handelte es sich bei der Kapelle um die erste deutsche Loreto-Wallfahrt. Jedenfalls wurde sie schon bald viel besucht. Heinrich von Langenmantel?, ein Vetter Karls von Langenmantel?, der damals Domherr in Regensburg? war, hatte für den Bau der Kobelkirche die Pläne des "Heiligen Hauses von Nazareth", zu dem nach Loreto in Italien gewallfahrtet wurde, mitgebracht, als er selbst dorthin gepilgert war.

1632 bis 1633 brachte man die Muttergottes-Figur der Kobelkirche vor den evangelischen Schweden in Sicherheit.

Schon 1657 wurde wegen der vielen Wallfahrer eine Erweiterung der Kapelle durch ein Langhaus notwendig.

1699 wurde ein ständiger Wallfahrtspriester installiert.

Das Langhaus der Kirche wurde 1728 durch Johann Paulus? auf die heutige Größe erweitert. 1758 erfolgte der Anbau der Schmerzhaften Kapelle im Norden des "Gnadenchors". Im gleichen Jahr malte der Augsburger Johann Wolfgang Baumgartner? die Deckenfresken des Langhauses.

1793 fertigte Johann Josef Anton Huber? das große Deckengemälde im Langhaus, das den Titel "Der englische Gruß" trägt.

1902 hat man die Westfassade neu gestaltet, 1933 den Dachreiter.

1932 wurde in der Kirche der "Christkind-Automat" aufgestellt.

In den 1950er Jahren wurde die Kobelwallfahrt zum Ersatzziel vieler Vertriebener der Gegend für verlorene Wallfahrtsorte in ihren Heimatregionen. Da in den ersten Nachkriegsjahren für Flüchtlinge noch ein politisches Versammlungsverbot galt, gab ihnen diese Wallfahrt die legale Möglichkeit sich zu versammeln.

Noch in den 1960er Jahren fand zum "Frauendreißiger", der Zeit zwischen dem 15. August (Maria Himmelfahrt) und dem 15. September (Mariä Geburt), in der Kobelkirche jeden Tag eine Pilgermesse samt Predigt statt.

Zwischen 1982 und 1987 war die Stelle des Wallfahrtspriesters auf dem Kobel nicht besetzt.

2008 erhielt die Wallfahrtskapelle eine neue Innenbeleuchtung von Korona Leuchten?, um eine spirituellere Atmospäre zu schaffen.

Zur Adventszeit 2010 reparierte man den "Christkind-Automat", dessen Figuren von einem Dieb gestohlen worden waren.

Im Mai 2011 wurde Anton Wagner als Wallfahrtspfarrer in sein Amt eingeführt. Damals ließ das Bistum Augsburg das anbei gelegene Pfarrhaus für etwa 100.000 € renovieren.

Details

Seelsorge

Noch hat die Kobelwallfahrt Tradition. 2011 kamen zu Werktagsmessen noch bis zu 30 Gläubige, zu Wochenendgottesdiensten noch bis zu 200. Auch die Beichtpastoral und die Lebenspastoral ist auf dem Kobel? noch aktiv. So wurde z. B. 2012 von Segensfeiern für Schwangere in der Kobelkirche berichtet, auch Familiengottesdienste, Hochzeiten und Taufen werden hier gefeiert. In den letzten Jahren hat man auch die Tradition des "Frauendreißiger" wiederbelebt.

Ausstattung

Neben den in der Geschichte der Kirche erwähnten Fresken und Gemälden hat die Kobelkirche noch weitere bemerkenswerte Ausstattungsgegenstände: das Ölgemälde "Huldigung der vier Erdteile vor Maria" im linken Seitenaltar von dem Augsburger Maler Johann Georg Rothbletz? und das Altarbild "Tod Mariens" im rechten Seitenaltar von einem Maler aus der Werkstatt Johann Georg Bergmüllers.

Das Langhaus mit seinem ungewöhnlichen Tonnengewölbe und Sternenhimmel beherbergt viele verschieden Bilder, die in Verbindung zur Marienverehrung stehen. Bei manchen dieser Bilder wird eine Symbolik deutlich, die wir Heutigen kaum mehr verstehen. So gibt es z. B. ein Bild, in dem ein Engel einen Spiegel mit dem Buchstaben B in die Höhe hält. Dazu muss man wissen, dass in der christlichen Symbolik der Buchstabe A Christus selbst symbolisierte. Dem steht B am nächsten, weshalb B für die Mutter Jesu, also Maria, steht. An der Decke der Kobelkirche ist auch das Familienwappen der Langenmantels? zu sehen.

An der Wand der Kobelkirche sind einige Epitaphe angebracht. Auf der rechten Kirchenwand verweist ein Epitaph auf die Familie Langenmantel?. Dazu kommen noch viele verschiedene Votivbilder.

Gnadenbild

Das Gnadenbild ist an der geraden Schlusswand der Gnadenkapelle aufgestellt. Es ist eine nicht lebensgroße Standfigur der Muttergottes mit dem Kind aus Holz, farbig getönt. Bis 1855 war die Figur bekleidet, 1896 wurde sie neu gefasst und mit einem Strahlenkranz umgeben. Heute ist die Figur geschwärzt, was sie nicht immer war. Angeblich entstand die Schwärzung 1607 bei einem Blitzschlag im Turm. Wahrscheinlicher aber ist, dass sie absichtlich dem Originalgnadenbild von Loreto, das 1921 anbrannte, nachgebildet wurde.

Deckenfresko

Das Deckenfresko von Johann Wolfgang Baumgartner? stellt die Übertragung des "Heiligen Hauses" von Nazareth nach Loreto. Zu sehen sind Engel, die das Haus durch die Lüfte tragen und eine Frau mit einem Papststab, Sinnbild für die Römisch-Katholische Kirche.

Kobelkrippe

Besonders zu erwähnen ist auch die Kobelkrippe, die 2010 aufwändig restauriert wurde, nachdem sie von Motten befallen worden war. Besonders die Gewänder der Figuren mussten erneuert werden. Es handelt sich um eine wunderschöne Barockkrippe, die schon 1734 erstmals erwähnt wurde.

In den Jahren 1894 bis 1896, als der Benefiziat Josef Scherer die Wallfahrtskirche betreute, wurde die Krippe geradezu gigantisch und wuchs auf 400 Tiere und 600 Figuren.

In den 1920er Jahren wurde die Krippe selten aufgestellt, erst mit dem Wallfahrtsseelsorger Oblinger änderte sich 1932 die Situation wieder, weil dieser sich wieder um die Krippe annahm. Zunächst ließ er die Figuren von dem Bildhauer Max Nothofer? aus Augsburg und dem Kunstmaler F. X. Zimmermann restaurieren. Als Pfarrer Oblinger 1937 starb, kümmerten sich der Nachfolger (Benefiziat Alfred Steuer), Max Nothofer? und der damalige Mesner Georg Seitz weiter um die Krippe. Während der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat man sie aber in manchen Jahren gar nicht mehr aufgebaut, weil nationalsozialistisch gesinnte Kinder und Erwachsene die Figuren umwarfen und über die "Judenhäuser" lästerten.

In den Jahren 1982 bis 1987 wurde die Krippe erneut nicht aufgebaut, weil es keinen Wallfahrtsseelsorger gab.

Von den ehemals 1000 Krippenfiguren sind heute nur noch etwas mehr als 100 erhalten. Viele wurden gestohlen, manche gingen verloren, die ein oder andere Figur wurde zerstört.

Christkind-Automat

Der Christkind-Automat besteht aus einer Kirche, die erleuchtet ist, einigen Figuren und dem Jesuskind, das nach einem Münzeinwurf aus der Kapelle heraustritt, in einer Hand die Erdkugel, mit der anderen Hand den Segen erteilend. Dabei hebt ein geschnitzter Mann ehrfürchtig seinen Hut und eine weibliche Holzfigur schlägt sich betroffen an die Brust. Initiiert hat Pfarrer Joseph Karl Oblinger das Schnitzwerk 1932. Geschnitzt hat es der Münchener Kunstmaler Gallus Roth. Seit Jahrzehnten gehen Familien mit Kindern zur Kobelkirche, um den Kleinen den Christkind-Automat zu zeigen. 1992 versagte die ursprüngliche Elektrik des Automaten, woraufhin ein Rentner ein neues System einbaute. Nach dem Diebstahl von Figuren des Spiels im Sommer 2010 musste das Jesusspiel erneut repariert werden. Seitdem ist es mit einem Schloss gesichert.

Lichtgestaltung

Bis 2007 gab es in der Kirche keine gezielte Lichtgestaltung. Seit 2008 ist eine Lichtanlage installiert, die spirituell-sakral wirkt und den bayerisch-barocken Marienaltar gut ausleuchtet. Herausgehoben werden die Holzschnitzereien in silbernem Weißgold und goldgelbem Blattgold, aber auch die relativ dunkle Marienfigur mit mit ihrem schwerem Brokatmantel wird mit ausreichend Licht versorgt. Tageslichtweiß und Neutralweiß heben die Weißgold-Teile und die weiße Taube hervor, Warmweiß und Amber verstärken Gelbgold-Teile, die Marienfigur und das rückseitige Wandfresko.

Das rußgeschwärzte Deckenfresko, dessen ursprüngliches Blau kaum noch zu erkennen war, wird durch eine Kombination blauer und neutralweißer LED wieder zum Leuchten gebracht. Das Deckengewölbe wird so in ein kräftiges Blauschwarz getaucht. Besondere Leuchten und unterschiedliche Abstrahlwinkel betonen die Gemälde an den Wänden und bieten ausreichendes Leselicht für Altar und Ambo.

Konzerte

Immer wieder werden in der Kobelkirche Konzerte veranstaltet. Als Beispiel nur eines, das im Juni 2010 aufgeführt wurde. Dabei präsentierte die Regio Augsburg Tourismus GmbH im Rahmen der Konzertreihe Die Fugger und die Musik ein Konzert mit Werken vom Barock bis zur Filmmusik. Das Musikertrio Angela Rossel (Violine), Ruth Maria Rossel (Cello) und Klaus Kuchling (Orgel) spielte Stücke von F. Mendelssohn-Bartholdy, G. F. Händel, A. Marcello, A. und R. M. Rossel, J. Brahms und J. Williams.

Lage

Kobelstraße 38


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