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Keller, Jean

eigentlich Johann Heinrich Cornelius; ein wichtiger Augsburger Architekt

Leben und Wirken

Jugend und Etablierung

Geboren wurde Jean Keller am 28. März 1844 in Darmstadt als Sohn eines Zimmermeisters. Dort schloss er auch noch seine Ausbildung mit dem Besuch der TH Darmstadt ab, um anschließend nach Augsburg zu ziehen.

Jean Keller trat 1867 in das Augsburger Baubüro von Friedrich Beckmann ein und übernahm es 1872. Jean Keller war Architekt, ein Beruf, der damals als Zivil-Ingenieur bezeichnet wurde. 1871 hatte er die Augsburgerin Justine Dietrich geheiratet und 1875 bekam Keller das Augsburger Bürgerrecht?. Nach der Übernahme des Baubüros ging es mit Kellers Karriere und Wohlstand ziemlich schnell aufwärts. In Augsburg kam damals die Industrialisierung zum Höhepunkt und in der Ära, die man als Gründerzeit bezeichnet, gab es viele große Bau-Aufträge für den Mann, der am 28. März 1844 mit dem urkundlichen Namen Johann Heinrich Cornelius Keller in Darmstadt als Sohn des Zimmermeisters Georg Keller und dessen Gattin Sybilla von Kaick auf die Welt gekommen war. Jean Keller, wie er sich später nannte, besuchte dort die Gewerbe- und die Technische Schule. Sein Lehrer in Darmstadt war der Architektur-Professor Balthasar Harres. Keller unternahm auch Studienreisen nach Prag und Wien. Als seine erste Gattin Justine verstarb, fackelte Keller nicht lange und nahm praktischerweise gleich deren Schwester Johanna Auguste zur nächsten Gattin.

Vielseitig und gefragt

Jean Keller war ein vielseitiger Architekt. Er gestaltete nicht nur Gebäude, sondern auch Möbel und die Inneneinrichtungen von Büros, Kaufhäusern, Kirchen oder Festsälen. Er wurde zum Stammarchitekten des Unternehmers Friedrich von Hessing?, der mit seiner erfolgreichen orthopädischen Klinik in Göggingen damals weltweit berühmt wurde. Jean Keller übernahm die Umgestaltung der ersten Hessing´schen Kuranstalt sowie den Neubau der gesamten Anlagen für die neue Klinik mit diversen Kur- und Wirtschaftsgebäuden. Das bekannteste Gebäude, das von Jean Keller für Hessing errichtet wurde, ist in der Gegenwart das Kurhaus Göggingen, korrekt Parktheater im Kurhaus Göggingen.

Jean Keller plante in Augsburg Mietshäuser, Verwaltungs- und Ausstellungsgebäude. Für wohlhabende Bürger oder neureiche Fabrikdirektoren, Geschäftsleute und Bankiers errichtete er repräsentative Villen und besorgte ihre Einrichtung. Im Stil der Zeit. Man nannte das "gründerzeitlichen Großstadtstil". Eine Mischung aus diversen nationalen und internationalen Stilen, was auch als "Historischer Eklektizismus" bezeichnet wird. Jean Keller kombinierte als Hommage an den früheren Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl gerne Renaissance mit französischer Schlossarchitektur. Dies gilt besonders für die fantasievollen Bauten, die Jean Keller für Friedrich von Hessing? errichtete, der gedachte, wohlhabende Patienten, auch aus dem Ausland, in seine orthopädische Klinik im provinziellen Göggingen zu locken. Damals eine Gartenstadt vor dem Gögginger Tor?, im Südwesten von Augsburg.

Jean Keller scheute aber auch nicht davor zurück, die Augsburger Diakonissenanstalt (Frölichstraße?) im Look der norddeutschen Backsteingotik zu gestalten, womit sie ein streng kirchlich-caritatives Aussehen erhielt. Um 1900 macht sich auch bei Jean Keller der Einfluss des Jugendstils bemerkbar, der von seiner Heimatstadt Darmstadt auf ihn ausstrahlte. Aber auch die Wiener Schule ließ ihn nicht unberührt. Bemerkbar macht sich das bei Jean Kellers Ausgestaltung des Protestantischen Friedhofs an der Haunstetter Straße und bei der Wertachbrücke? in Pfersee. Allerdings setzte Jean Keller nach 1900 auch Neugotik, Neurenaissance und Neubarock ein und hatte keine Hemmungen, sich bei den Bauten des berühmten Architekten Friedrich Schinkel dies und das abzuschauen.

Bleibender Erfolg

Das spektakulärste Bauprojekt von Jean Keller neben dem Kurhaus Göggingen bildeten wohl die Gebäude zur "Schwäbischen Kreisausstellung 1886". Im Auftrag des damaligen Augsburger Stadtbaurates? Ludwig Leybold? durfte Keller nicht nur das Café als mysteriöses Märchenhaus, sondern auch die beeindruckende Ein- und Ausgangs-Fassade des Hauptgebäudes für die Messe planen und errichten. Mit drei turmartigen Portalbauten faszinierte er die Besucher der Ausstellung. Die Portalbauten waren durch Kolonnaden verbunden, wirkten durch kulissenhaft-theatralische Elemente, waren üppig ausgestattet mit Schmuck und Gliederungseffekten, kombiniert mit extremer Farbigkeit.

Auch über Augsburg hinaus wirkte Jean Keller. Im Landkreis Augsburg baute er in Fischach-Elmischwang?, Haus Nr. 1, das ehemaliges Schloss (heute Altersheim) 1902/03 historisierend um. Auch das Schloss in Hurlach? erfuhr durch ihn 1898/99 einen Umbau. Im Allgäu war Jean Keller in Immenstadt? in der Adolph-Probst-Straße 6 tätig. Dort erbaute er die Villa von Edmund Probst, Inhaber der „Mechanischen Bindfadenfabrik“, ab 1882 (nach anderen Quellen 1890/1895). Heute heißt das Gebäude „Villa Edelweiß“ und wird als Städtische Musikschule genutzt. Von 1914 bis 1917 errichtete man in Tiefenbach? bei Oberstdorf? in der Wasachstraße 41 das „Wasach-Sanatorium“, eine Tuberkulose-Lungenheilanstalt. Heute ist der Bau Fachklinik für Orthopädie und Rheumatologie der Deutschen Rentenversicherung Schwaben. Auch in Franken? stammen Gebäude von Jean Keller. In Zusammenarbeit mit Friedrich von Hessing? erbaute Jean Keller außerhalb von Augsburg ein Kurhaus in Bad Kissingen?, in Marktbreit? (Landkreis Kitzingen?) eine Ökonomieanlage und die große Kur-Anlage "Wildbad" bei Rothenburg ob der Tauber, woher Friedrich von Hessing? stammte.

Jean Keller gehörte zwischen 1880 und 1920 mit Karl Albrecht Gollwitzer?, Albrecht Jack & Maximilian Wanner, Walter Kraus und Hermann Dürr zu den besten Architekten in Augsburg. Das Wohngebäude für sich und seine Familie baute sich Jean Keller in der Volkhartstraße 2. Nur ein paar Meter von seinem Büro in der Kasernstraße? entfernt.

Nach dem Tod ihres Vaters am 22. November 1921 übernahmen seine Söhne Karl und Heinrich, die schon lange im väterlichen Architekturbüro mitarbeiteten, das väterliche Geschäft. Aber die Aufträge gingen zurück. Karl wurde Berufsschullehrer bei der Stadt Augsburg. Ein Verwandter namens Adam Keller, der auch aus Darmstadt kam, übernahm von Heinrich das Baubüro und führte es fort. Es existiert noch in der Gegenwart (Adam Keller Baugeschäft).

Bauten in Augsburg

Hier einige eindrucksvolle Bauten von Jean Keller in Augsburg:

Viele Gebäude von Jean Keller wurden teilweise oder ganz zerstört, entweder durch Abriss oder im Krieg durch Bomben.

Weblinks


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