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Kaya, Ibrahim

Ein Augsburger Architekt und Schriftsteller mit türkischem Migrationshintergrund.

Leben und Wirken

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Ibrahim Kaya wurde am 8. September 1966 in Divriği/Türkei geboren.

Schon mit 12 Jahren begann Ibrahim Kaya Prosa und Lyrik zu schreiben.

Er lebt seit Anfang der 80er Jahre in Augsburg.

Seit 1983 veröffentlichte er sowohl in türkischsprachigen Zeitschriften als auch in deutschen.

Von 1991 bis 2001 schrieb Ibrahim Kaya in der Literaturzeitschrift Zeitriss.

Zusammen mit dem Literaten Gerald Fiebig, den er bei Zeitriss kennenlernte, schrieb er 2001/2003 das interkulturelle Langgedicht "Zweistromland". Die beiden Autoren führen es bisweilen auch als Text-Klang-Collage auf. Der Text soll ein Versuch sein, das dialogische Prinzip, das der Sprache und der Literatur zugrunde liegt, zu veranschaulichen und zu feiern. Gespräche über Gott und die Welt, Alltägliches und Albernes, Politik und Kunst fließen ebenso ein wie die konkrete Erfahrung der städtischen Umgebung, in der der Text entstand.

Ibrahim Kaya arbeitet u. a. aktiv im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt mit. Dort gehört er dem Redaktionskollektiv der Zeitschrift "Tarantel - Zeitschrift für Kultur von unten" an, die in einigen Wiener Buchhandlungen und Locations erhältlich ist.

Auch in der Augsburger Slammer-Szene ist Ibrahim Kaya eine nicht wegzudenkende Größe (siehe Lauschangriff).

Hauptberuflich arbeitet Ibrahim Kaya als Architekt.

Werk

Architektur

Als Architekt zeichnete Ibrahim Kaya für das Cem-Haus? der Augsburger Aleviten mitverantwortlich, das Ende 2007 eingeweiht wurde. Auf 2600 Quadratmetern sind Mehrzweckraum, Küche, vereinsgeführter Lebensmittelladen, Büro- und Gästeräume, Partykeller und Versammlungsraum für Jugendliche, Seminar- und Konferenzzimmer, ein Café mit Biergarten sowie eine Hausmeisterwohnung untergebracht. Von außen fällt das Gebäude durch seinen sachlichen Stil mit orientalischen Akzenten und leuchtend rote Fensterrahmen auf.

Bücher

  • Ibrahim Kaya/Gerald Fiebig, Zweistromland - Gedichte, Edition Blackbox & Medien Streu im Verlag Peter Engstler, Bielefeld/Ostheim 2004

Beispielgedicht

Ibrahim Kaya auf der Ostermarschkundgebung der Augsburger Friedensinitiative am 7. April 2007 auf dem Königsplatz:

Hasankeyfs smaragdene Tränen

Der Atemlauf der Zeit zerklüftet die Städte
In den Felsen ruht die Vergangenheit
Der verschüttete Stein harrt aus
Als Zeuge der ungesehenen Epochen bis in unsere Zeit
Gehört uns die Zeit, gehört uns der Raum?
Zu Staub zerfällt, was mit Großmut aufrecht stand

Deine Blicke sind die Ebenen,
die sanften Züge der Hügel gewohnt
Aus Träumen gerissen wächst die Wahrnehmung
und umarmt trunken die Burgen Hasankeyfs
Mit zitternder Hand will ich die weiten Berge streicheln.
Im Schritt der Zeit, verfangen sich unsere Zeilen

Nie entdeckte Welten sind verschüttet
Unter den Schichten dessen was nicht war
Sie gruben sich ein in den Bodensatz unserer Träume
Trunken durch die bizarre Klarheit wird deutlich was war

Geschichte wird sichtbar, öffnet einen Raum
Trägt uns auf den weißen Flügeln des Windes in die Ebenen

In den smaragdenen Augen des Pfaus
strahlt ein Licht von ungeäusserter Zärtlichkeit

Ahnungslos verfing ich mich in deinen smaragdenen Blicken
Der Wind trägt mich fort über die Täler
Deine Worte geben preis, was den Stein zu Stein macht, das Wasser zu Wasser
Es ist keine Hast, kein gewissenloser Zufall die uns in dieses Tal führt
In den geschwungenen Felswänden sind Hallen eingeschlagen
Die Architektur der Worte erklärt sich selbst
Wenn die Räume auch verschlossen sind
Der Bau der Träume verlässt uns nicht.
Wer liebt durchwühlt den Berg, um die Ebenen zu bewässern
Die smaragdenen Augen tränen nicht
der verschollenen Schätze wegen

Lass unsere Arme zwischen den Bergen und dem Fluss spannen
Gibt es einen Ort, der je beginnt und endet?
Hier haben die Felsen und der Flusslauf
ein Gesicht geschnitten, das sie erkennen lässt,
das sie zum Träger der Zeit macht
Deine smaragdenen Tränen zergehen
Hasankeyf soll unwiederbringlich im Wasser untergehen
Die Wellen aus Stein erliegen den Zwängen dieser Zeit
Jedoch bleibt ein salziger Widerhall in meiner Erinnerung
und der Geschmack auf meiner Zunge
ist von den smaragdenen Träne

Das Gedicht wendet sich gegen einen Staudammbau in Anatolien, durch den er Ort Hasankeyf zerstört würde.

Auszeichnungen

Sonstiges

2004 gestaltete Ibrahim Kaya zusammen mit Michael Tonfeld? und Gerald Fiebig in der Staudenbahn eine interkulturelle literarische Eisenbahnfahrt mit dem Titel "Von Bobingen über Istanbul nach Markt Wald?, an der rund 100 Hauptschüler aus der Hauptschule Bobingen? teilnahmen. Im Mittelpunkt dieser Fahrt stand Ibrahim Kayas authentische Einreisegeschichte.

Im Rahmen einer Einladung von attac Augsburg? engagierte sich Ibrahim Kaya mit einem Vortrag im Annahof im Januar 2008 gegen den Bau des Ilisu-Staudamms in Anatolien, weil er Landschaft, Lebensraum und Sozialstrukturen dort zerstöre. Man will den Tigris in einem Gebiet von 300 Quadratkilometern aufstauen und Strom im Umfang eines Atomkraftwerks und im Wert von 300 Mio. Dollar pro Jahr erzeugen. Ein internationales Konsortium, an dem das Bauunternehmen Züblin und die Deka Bank? beteiligt sind, will – nachdem mehrere Anläufe bereits wegen unzureichender Umweltverträglichkeitsprüfungen gestoppt wurden – das Projekt nun verwirklichen. Das Problem: Die Gegend ist seit 10.000 Jahren besiedelt und weist reiche archäologische Schätze auf. Bauern aus mehreren Ortschaften müssten umziehen - nur für 50 Jahre Laufzeit des Staudamm, der schnell versandet, so dass nach 50 Jahren keine nennenswerte Stromerzeugung mehr möglich ist. Als Alternative zum Staudammprojekt setzt sich Ibrahim Kaya für eine Stromerzeugung durch Sonne und Wind ein.

Presse

"Ein ‘Minimal Art’-Vergnügen, das Arbeitswelt und so alltägliche Befindlichkeiten wie das ‘Sitzen am Küchentisch’ aber auch die ‘Angst vor dem Abgrund, dem Atomaren’, verbindet." (Augsburger Allgemeine über die Live-Fassung von "Zweistromland")

Adresse

Kontaktmöglichkeit per E-Mail:
ikaya50(@)gmail.com

Weblinks


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