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Katholische Heilig-Kreuz-Kirche

eine ehemalige Augsburger Stiftskirche, Gegenstück der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche

Augsburg Ichnographicae Alte Ev Kreuzkirche
Die alte Evangelische Creutz-Kirche mit der darbey stehenden Catholischen Kirchen, aus: J. J. Kraus: Ichnographicae atque scenographicae delineationes templi Cruciani Evangelici Augustani. Das ist: Wahre und eigentliche Abbildung der alten Evangelischen Kirchen zum H. Creutz in Augsburg ..., wie auch der heutigen auf den alten Platz weit herrlicher und schöner neu-erbauten Evangelischen Kirchen. Zum andernmahl aufgelegt und vermehret und von M. S. H. mit wohlgefaßten Versen gezieret. Anjezo aber auf ein neues mit viel Sinnbilder außgezieret worden durch Johann Ulrich Kraußen. Augsburg 1703; von Unbekannt (Zisska & Schauer) [Public domain], via Wikimedia Commons

Allgemeines

Katholisch Heilig-Kreuz ist ein spätgotischer Hallenbau mit drei Schiffen und einem Glockenturm, der heute barockisiert erscheint. Nach Außen wirkt die Kirche schlicht, im Inneren ist das Kirchenschiff mit seinen schlanken Rundpfeilern lichtdurchflutet. Heute tragen die Rundpfeiler ein Nachkriegsschalengewölbe. Nur noch unter der Orgelempore ist ein Teil des spätgotischen Netzrippengewölbes erhalten.

Zusammen mit der evangelischen Heilig-Kreuz-Kirche ist katholisch Heilig-Kreuz ein Symbol für die in Augsburg ausgehandelte Parität der Konfessionen? und bildet mit ihrem Pendant eine charakteristische Baugruppe ähnlich wie Evangelisch Sankt Ulrich und Sankt Ulrich und Afra.

Geschichte

Die Geschichte der Kirche beginnt wahrscheinlich mit dem Armen- und Pilgerhospiz zum Heiligen Kreuz?. 1194 (nach anderen Quellenangaben 1172) übertrug der Augsburger Bischof Udalskalk? dieses Hospiz den Augustiner-Chorherren?, die eine erste feste Heilig-Kreuz-Kirche errichteten. Im Hospiz wurden Pilger und Sieche behandelt. Damals lag es noch außerhalb der Stadtmauern. Vor den Augustiner-Chorherren? stand hier eine Holzkirche, die angeblich Ulrich von Augsburg weihte. Möglicherweise gehörte der untere Teil des Turms der Holzkirche zu der Augsburger Stadtbefestigung, jedenfalls hat man hier romanische Elemente neben eingebauten römischen Grabsteinen und eine Schießscharte entdeckt.

In der von den Augustiner-Chorherren? auf den Resten der Holzkirche errichteten Heilig-Kreuz-Kirche soll sich 1199 ein Hostienwunder ereignet haben. Angeblich hat eine Augsburgerin nach der Kommunion heimlich die Hostie aus ihrem Mund genommen, um sie zu Hause mit Wachs zu umgeben und aufzubewahren. Fünf Jahre soll sie die Hostie zu Hause bewahrt haben, bevor sich ihr Gewissen bemerkbar machte und sie die Tat gestand. Weil sich die Hostie in dem Wachs in der Zwischenzeit seltsam verändert hatte, informierte man den damaligen Bischof darüber, der sie in den Dom Unserer Lieben Frau bringen ließ, wo die Hostie vor den Augen vieler Menschen während einer Messe so angeschwollen sein soll, dass sich das Wachs von alleine ablöste. Deshalb brachte man in einer feierlichen Prozession die Hostie wieder nach Heilig-Kreuz zurück, nachdem der Bischof das Wachs und die blutrote Hostie in ein Kristallgefäß hatte einschließen lassen. In Heilig-Kreuz richtete man für den 11. Mai das "Fest des Wunderbarlichen Gutes" ein, das über Jahrhunderte gefeiert wurde. Nach einer anderen Version der Geschichte beichtete eine Frau dem Stiftsprobst Berthold von Heilig-Kreuz den Frevel. Der habe sich die Hostie bringen lassen und versucht, das Wachs von der Hostie zu lösen. Dabei erschien das Innere blutrot und von Adern durchzogen. Im Dom, wo man die wundersame Hostie hinbrachte, schwoll sie während eines Gottesdienstes weiter an. Nicht verwunderlich war, dass Bischof Udalskalk? das Geschehen als Wunder erkannte und die Heilig-Kreuz-Kirche zu einer Pfarrkirche erhob.

Die ehemalige Augustiner-Chorherren? -Stiftskirche, die später eine Dominkanerpriorats- und Wallfahrtskirche wurde, begann man 1492 zu erbauen. Für die spätgotische Hallenkirche musste die ursprüngliche romanische Kirche zum größten Teil weichen. 1508 war der Bau vollendet. In seinen Grundzügen ist dieser Bau bis heute erhalten. Beauftragt wurde der Bau von dem damaligen Probst Vitus Fackler. Unsicher ist, wer die Pläne ausarbeitete und umsetzte: möglicherweise Burkhard Engelberg? (1447-1512), möglicherweise auch Hans Hieber? (um 1470-1522). Die Hallenkirche mit ihren schlanken Stützen galt damals als modern und wurde Vorbild für viele andere Kirchen (etwa die Innsbrucker Hofkirche 1553-63).

Kaum war die Heilig-Kreuz-Kirche fertig gestellt, erhöhte man 1514 den Turm. 1676/77 erhöhte der Vorarlberger Baumeister Michael Thumb den Glockenturm ein zweites Mal und versah ihn mit einer Zwiebelhaube. Michael Thumb soll kurz darauf auch das Stift umgebaut haben.

Schon 1677 begannen erste Barockisierungen. In den Jahren 1716 bis 1719 erfolgte die komplette Barockisierung des Kircheninnenraums, "Renovatio" genannt. Die Pläne dazu folgten der Stadtpfarrkirche Sankt Moritz und stammten von Johann Jakob Herkomer? (1648 - 1717). Auch in Heilig-Kreuz kam dem Allgäuer Baumeister die hohe und lichte Raumdisposition der dreischiffigen Hallenkirche bei der Barockisierung sehr entgegen. Er ließ die Fenster und Säulen verändern und über der Bluthostie ("Wunderbarliches Gut") eine Kuppel bauen.

1732 hat der bischöfliche Hofmaler Johann Georg Bergmüller die Kirche ausgemalt. Möglicherweise stammte von ihm auch der Gesamtplan zur Barockisierung der Kirche. Der spätbarocke Freskenzyklus des Innenraums kreist um das Thema "Heiliges Kreuz". Er ist Ausdruck des regen kulturellen Lebens, das sich unter dem damaligen Propst Ludwig Zöschinger an der Heilig-Kreuz-Kirche entfaltete. Insbesondere war ihm die Musik wertvoll. Hier war deshalb auch Wolfgang Amadeus Mozart zu Gast.

Kurz vor der Säkularisation war Heilig-Kreuz das reichste Kloster in Augsburg. 1803 mussten die Augustiner-Chorherren? das Kloster verlassen und man brach das Kloster ab. Nach der Säkularisation nutzte ab 1808 das Militär die ehemalige Klosterfläche als Kaserne, worauf noch heute die Kasernstraße? beim Theater Augsburg hinweist. Zum Glück blieb das Kirchengebäude erhalten, weil es als Garnisonskirche genutzt wurde.

1932 übernahmen Dominikaner? die Seelsorge an der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche in Augsburg.

Bei den Bombenangriffen im Februar 1944 wurde die Kirche im Innenraum vergleichsweise wenig beschädigt, doch stürzte nach dem Angriff das Dachtragwerk ein, so dass viele Gewölbe einstürzten, weil man nicht schnell genug Notdächer aufbringen konnte. Die restlichen Gewölbe musste man aus Sicherheitsgründen abtragen.

Nach dem Krieg wurde die Kirche bis 1949 wiederhergestellt. Die Zwiebelhaube des Turmes wurde allerdings erst im Oktober 1989 wieder aufgesetzt. Glücklicherweise hatte man die nicht wandfesten Kunstwerke rechtzeitig vor der Bombardierung der Kirche ausgelagert, so dass sie später wieder in der Kirche aufgestellt werden konnten. Die beiden Architekten Michael Kurz? (1876 - 1957) und Robert Pfaud? (1905 - 1992) lieferten die Pläne für den Wiederaufbau. Dabei lehnten sie sich formal an den schlichten spätgotischen Raum der Kirche an, was von einer "Regotisierung" des Kirchengebäudes sprechen lässt. Während des Wiederaufbaus zogen die Arbeiter ein Schalengewölbe aus Gussbeton ein.

Michael Kurz? und Robert Pfaud? planten auch das angrenzende Dominikaner-Kloster, das mit seinen zwei Innenhöfen in den 1950er Jahren gebaut wurde. 1956 integrierte Walther Schmidt (1899 - 1993) die Fassade des früheren Prälatenbaus? in das Kulissenlager des Theaters Augsburg.

Hans Ladner (1930 - 2001) und Hubert Distler (1919 - 2004) veränderten in den 1970er Jahren nach dem Vaticanum II den Altarraum.

Details

Bekannt ist die Kirche besonders wegen des Altarblatts von Peter Paul Rubens oder seiner Werkstatt.

Aus der Zeit vor 1492 ist nur wenig erhalten. So etwa ein kleines Tympanon in südlichen Seitenschiff, das um 1200 entstanden ist. Ebenfalls aus der Zeit um 1200 stammen die Löwengriffe des Hauptportals.

Die Bomben des Zweiten Weltkriegs haben auch von der Barockausstattung nur wenig übrig gelassen. Zum einen das prunkvolle Abschlussgitter. Es stammt von Johann Michael Hoch und Johann Georg Rummel (1713 - 1796). Sie haben das Schmiedeeisengitter in dreijähriger Arbeit 1744 mit Früchte-, Blüten- und Rankendekor geschaffen. Man setzte es zur Trennung von Vorhalle und Langhaus der Kirche ein.

Auch barocke Tafelbilder haben sich erhalten:

  • Tempelgang Mariä (1616) von Johann Matthias Kager (1575 - 1634)
  • Kreuzeswunder der heiligen Helena (1. Hälfte des 17. Jhrdts.): Giuseppe Vermiglio aus Piemont zugeschrieben
  • Himmelfahrt Mariä von Peter Paul Rubens (1577 - 1640) oder aus seiner Werkstatt (1627)

Von Georg Petel? (1601/02-34) stammt ein Holzkruzifix, das Anatomie und Mimik Jesu ausdrucksstark wiedergibt und 1626 geschaffen wurde. Von Ignaz Wilhelm Verhelst (1729 - 1792) stammen einige Figuren, die von dem Tiroler Professor Hans Ladner in die Altarkomposition aus Holz eingebunden wurden, um das Kreuz Christi zu glorifizieren. Ebenfalls von Hans Ladner stammen die Marmoraltargruppe und der aus Laaser Marmor geschaffene Tabernakel.

Der Turm der katholischen Heilig-Kreuz-Kirche steht seitlich neben der Kirchenhalle. Die unteren Geschosse des Turms sind kubisch und noch romanisch. Drüber erheben sich die barocken Bauteile kräftig gegliedert mit acht Ecken. Ganz oben krönt die Zwiebelhaube in ihrer für Augsburg typischen prallen Form den Turm.

Der Chor ist fast so lang wie das Laienschiff. Die zerstörte Barockkuppel des Chors ist heute durch ein achteckiges Zeltdach ersetzt.

Den heutigen abstrakten Altar schuf Hans Ladner 1970. Er zeigt symbolisch die Leidenswerkzeuge und birgt drei Figuren, die Ignatz Wilhelm Verhelst (1726 - 92) im Jahr 1782 schuf:

  • die heilige Helena, die das heilige Kreuz entdeckte,
  • Kaiser Heraklus, der das heilige Kreuz wieder nach Jerusalem brachte,
  • und ein Page

Auch die Fenster von Hubert Distler (1970) sind abstrakt gestaltet wie der Altar. Sie hinterfangen den modern gestalteten Altarbereich mit einer Farbigkeit, die sich von unten nach oben aufhellt.

Nördlich an den Chor angebaut wurde die Sakristei, die noch besser erhalten ist als die Kirche. Der Hauptraum hat drei Joche mit einem reichen Netzgewölbe. 1504 ist auf einem Wappenschlussstein zu lesen. Die Schränke der Sakristei stammen aus der Zeit um 1600. In ihnen verwahrte man liturgisches Gerät und Paramente. Im Osten der Sakristei liegt ein Vorraum, dessen Netzgewölbe nur noch zum Teil erhalten ist. Im Obergeschoss der Sakristei lag früher die Prälatenkapelle, doch sind heute die Räume verändert.

Adresse

Heilig-Kreuz-Straße 5


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