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Karolinenstraße

eine Augsburger Straße in der Innenstadt?, die nach der Königin Karoline von Bayern? (1776 - 1841) benannt ist

Allgemeines

Die Karolinenstraße ist ein Teilstück der historischen Hauptachse Augsburgs und liegt in zentraler Lage. Hier war früher der Sitz von wichtigen Augsburger Zünften? wie z. B. der Weißgerber?, der Zimmerleute?, der Bäcker? oder Schäffler. Sie hatten nicht nur ihre Zunfthäuser? hier, sondern auch ihre Läden. Aber auch wichtige Augsburger Patrizier und Kaufmannsfamilien wie die Welser wohnten hier. Hier ist auch der Ursprung der ältesten nachweisbaren Augsburger Brauerei bzw. Bierschänke, der Goldenen Gans, die hier schon im 14. Jahrhundert ansässig war.

Zwar hat man nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, die Straße wieder in ihrer alten Form aufzubauen, aber natürlich gelang das nur zum Teil. Einiges von dem Charme der vielgestaltig gegliederten barocken und klassizistischen Fassaden der Bürger- und Patrizierhäuser ist im Schutt der Zerstörung untergegangen. Schaut man sich alte Bilder der Straße an, so kann man das nicht leugnen. Darauf sieht man, dass die Straße früher versuchte, dem Kaufgeschmack der höheren Augsburger Schichten gerecht zu werden.

Geschichte

Erstmals erwähnt wurde die Straße urkundlich im Jahr 1264. Damals als "wizmalergasse" (Weißmalergasse), ein Name, der auf die Weißgerber? zurückgeht. Sie sind bis 1534 in dieser Gasse bzw. Straße nachzuweisen. Der Name blieb der Straße bis ins Jahr 1806 erhalten. Erst in diesem Jahr erhielt die Straße den Namen der Gemahlin von Maximilian I.? und wurde um die Gemarkung Hoher Weg erweitert, weil damals Augsburg an Bayern fiel.

Um 1900 zählte die Karolinenstraße zu den teuersten Wohn- und Geschäftslagen Augsburgs.

1953 trennte man den Hohen Weg wieder von der Karolinenstraße ab und gab ihm seinen ursprünglichen Namen zurück.

Früher wurde an mehreren Tagen der Woche auf der Straße ein offener Markt abgehalten.

Ende des 19. Jahrhunderts brachten viele Hausbesitzer giebelartige und reich ausgestattete historisierende Aufbauten auf ihren Häusern an, um zum einen die Nutzungsflächen, zum anderen den repräsentativen Stellenwert als Verkaufsstätten zu erhöhen.

1944 wurde die Straße in der Februar-Bombennacht schwer getroffen. Damals wurden in dieser Straße das Bäcker-?, Welser-? und Zimmerleutehaus?, aber auch das Zunfthaus? der Schäffler und die Kapelle Sankt Leonhard? zerstört. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Originalbebauung der Straße verloren gegangen.

Noch Ende der 1970er Jahre hatte die Karolinenstraße einige kriegsbedingte Baulücken. Bis auf das "Baderhaus" stammen die Gebäude der Ostseite der Karolinenstraße aus der Nachkriegszeit.

Im Juli 2007 kaufte die Patrizia Asset Management GmbH, eine Tochterfirma der Patrizia Immobilien AG , zusammen mit zwei Pensionsfonds aus den Niederlanden und Dänemark als PATRoffice für 4,5 Mio. € einen Ladenkomplex an der Ecke Karolinenstraße / Karlstraße und sanierte das Gebäude, das zuvor einer Tochterfirma der HypoVereinsbank? gehörte und etwa 4.000 Quadratmeter Fläche ausweist. Mieter damals waren z. B. das Kino Mephisto oder das Eiscafé Cortina.

Details

Interessante Gebäude

Karolinenstraße 12: Bei diesem prächtigen Gebäude, in dem die Buchhandlung Pustet? und die Gaststätte König von Flandern? untergebracht sind, handelt es sich um ein ehemaliges dreigeschoßiges Bürgerhaus, das im Kern auf das 16./17. Jahrhundert zurückgeht. Sehr schön sind die geschweiften Zwerchgiebel und die Fassade aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Haus hat fünf korbbogige Ladenöffnungen. Sie führen in eine geräumige Halle im Erdgeschoß, über deren Rundpfeiler sich ein Kreuzgratgewölbe zieht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zerstört, danach aber wieder aufgebaut. 1986 erfolgte eine umfangreiche Sanierung. Das Gebäude verfügt auch über große Kellergewölbe. Früher nannte man das Gebäude auch "Bader-Haus". Lange war es Sitz des Geschäftes "Kolonial-Bader", wo noch bis 1988 so genannte "Kolonialwaren" verkauft wurden.

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Karolinenstraße 15: Dieses Bürgerhaus ist ein Stilmix mehrerer Jahrhunderte. Im Grund geht das Gebäude auf das 16. Jahrhundert zurück. Die drei Geschoße sind durch einen Flacherker geschmückt. Bis zur Traufe stammt die Fassade aus der Zeit um 1800, der darüber gebaute Zwerchgiebel aus dem Jahr 1912. Die Fassade ist mit kollosalen Pilastern gegliedert und weist klassizistisches Stuckdekor im Zopfstil auf (um 1800). Die Ausstattung stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und ist sehr qualitätvoll. Der Zwerchgiebel wurde in historisierenden Formen errichtet, ist geschweift, hat für eine Madonna eine Figurennische aufzuweisen und zeichnet sich sogar durch einen Erkerbalkon aus. Vor dem Umbau 1912 stand die Madonna über der mittelachsigen Toreinfahrt, die von niedrigen Ladeneinbauten mit Ochsenaugenoberlichtern flankiert war. Der Dachstuhl des traufseitig gebauten Hauses hat vier Zonen. Als man das Gebäude 1984 und 1985 grundlegend sanierte, riss man eine westlich angebaute Abseite mit ihrem Laubengang ab. Zu Beginn der 1930er Jahre war hier noch das jüdische Ladengeschäft Jo. Strauß Garne, Strümpfe und Kurzwaren. Marianne Strauß, die Eigentümerin, wohnte in der Hochfeldstraße, über dem Geschäft hatte die Kaufmannswitwe Babee ihre Wohnung.

Die Madonna des Hauses ist eine Holzskulptur der Maria Immaculata auf der Mondsichel. Sie wurde im 18. Jahrhundert im Stil des Barock? von einem unbekannten Bildhauer geschaffen. Die Immaculata ist ohne Kind dargestellt, ihr rechter Fuß tritt auf eine Schlange, über ihrem Gewand in roter Lüsterfassung trägt sie einen goldenen Schultermantel. Über das lange Haar ist ein Schleier mit Rosenblüten gebunden, beide Hände sind vor der Brust gefaltet. Während der Sanierung 1984/85 ersetzte man die originale Madonnenfigur durch eine Gussstein-Kopie, die bis heute den Giebel des Hauses schmückt. Im Frühjahr 2013 fand sich die originale Hausheilige im Kunsthandel wieder. Die Firmengruppe der Monument Augsburg? erwarb die Madonna auf einer Auktion und stellte das Kunstwerk schließlich der altaugsburggesellschaft? zur Verfügung. Über sie fand die Skulptur eine neue Heimat in der Studiensammlung der Diözese Augsburg?.

Karolinenstraße 21: Bis zu den Zerstörungen im Jahr 1944 stand hier das Anwesen der berühmten Kaufmannsfamilie Welser. Seit 1422 war es im Besitz der Familie, ging aber auf das 13. Jahrhundert zurück. Auf alten Bildern sieht man ein recht ungewöhnliches Haus: Neben einem Erker befand sich ein Aufzugsanbau; die Giebelseite war bis auf einen aufsteigenden Arkadenfries fast ohne Schmuck, die Fassade sprang zurück ... An der Nordseite des Hauses stand die Kapelle Sankt Leonhard?, die um 1100 als "Sankt Linhardskapellen" von der Patrizier -Familie Ilsung? gestiftet worden war. 1241 war sie zum ersten Mal umgestaltet worden. 1503 erweiterten die Welser die Kapelle nach Osten und statteten sie im Inneren mit einem aufwändigen Skulpturenschmuck und einer komplizierten Gewölbe- und Raumstruktur aus. Bartholomäus Welser integrierte sie beim Umbau seines Wohnhauses 1539 als Hauskapelle in sein Anwesen, nachdem sie bis dahin freistehend war. Er ließ den Dachstuhl abreißen und stattdessen einen altanartigen Aufbau erbauen. Im 18. Jahrhundert kam es zu einem Eigentümerwechsel: Die Familie Hößlin übernahm das Gebäude, um es 1880 an den Seifenfabrikanten Freyinger zu verkaufen, der dort Seifen herstellte und verkaufte, aber auch wohnte. Später richtete man ein Eisenwarenlager ein, bevor das Haus 1913 zu einer Gaststätte umgebaut und mit mehreren Läden ausgestattet wurde. Durch die Bombenangriffe auf Augsburg im Februar 1944 wurde das Gebäude stark zerstört. Was noch von der spätgotischen Kapelle übrig blieb, trug man 1958 ab, lagerte die Säulen, Kapitelle und den plastischen Schmuck einige Jahre in der Dominikanerkirche? zwischen, bevor man sie 1963 in das Senioratsgebäude der Fuggerei einbaute. An der Ecke Karolinenstraße / Karlstraße entstand so eine Baulücke, die man durch ein modernes Geschäftshaus, das sich formal an das frühere Erscheinungsbild anlehnt, schloss.

Einkaufssituation

Die Einzelhandelsdichte der städtebaulich kompakten Straße ist hoch; sie ist eine gewachsene Haupteinkaufslage in der Augsburger Innenstadt? mit verschiedenen frequenzbringenden so genannten "Magnetbetrieben".

Eine Besonderheit der Straße sind die Passagen - ähnlich wie in der Annastraße oder der Steingasse. Sie haben eine kleinteilige Flächenstruktur und sind von Nischen- bzw. Spezialanbietern geprägt. Zum einen gibt es hier die Passage Karolinenstraße / Karlstraße mit einem indirekten Zugang zur Steingasse und eine Anbindung an den Hauptgeschäftsbereich vor allem über die Karolinenstraße. Im Bereich Karolinenstraße hat sie nur eine einseitige Ladenzeile, sie ist nicht barrierefrei, eingeschoßig, ziemlich dunkel und eher unattraktiv. Für den Handel hat sie keine besondere Bedeutung, schon durch die geringen Flächen, die nutzbar sind. Dazu kommt noch die Passage Karolinenstraße 21 / Mephisto mit ihrem indirekten Zugang zur Steingasse und ebenfalls einer Anbindung an den Hauptgeschäftsbereich über die Karolinenstraße. Diese Passage ist ebenfalls eingeschossig, aber deutlich attraktiver als die vorerwähnte. Sie ist - auch durch ein Glasdach - deutlich heller und hat mehr Einzelhandel aufzuweisen.

Frequenzzählungen in der Karolinenstraße aus dem Jahr 2010 zeigen, dass es kaum Unterschiede an den einzelnen Tagen der Woche gibt. Interessant ist, dass die Tagesspitze etwa zwischen 16 und 17 Uhr zu beobachten ist, was von der Tagesspitze zwischen 12 und 13 Uhr in anderen nahe gelegenen Straßen abweicht. In der Marketingsprache wird die Karolinenstraße als 1c-Lage klassifiziert.

Lage


Weblinks


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