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Kapuziner

Die Kapuziner stellen den dritten Zweig des ersten Ordens des hl. Franziskus dar und sind ein Reformzweig der Franziskanerobservanten. 1528 fand der Orden die päpstliche Anerkennung. Die kirchliche Abkürzung lautet OFMCap, was lateinisch heißt: Ordo Fratrum minorum Cappucinorum. Kapuziner ist also die Kurzform für: Orden der Minderen Brüder Kapuziner. Der Name des Ordens ist von der Kapuze des Franziskanerhabits abgeleitet. Die Kapuziner sind ein Bettelorden wie die Franziskaner? (OFM) oder die Minoriten (OFMConv), die beiden anderen Zweige des ersten Ordens des hl. Franziskus.

Allgemeines

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Die Kapuziner wollen die von Franziskus aufgestellte Ordensregel möglichst wortgetreu verwirklichen und leben als "gemäßigte Eremiten". Dennoch versuchen sie unter den Menschen zu wirken, vor allem durch ihre volksnahen Predigten. Weil sie sich immer für Arme, Notleidende, Kranke und Obdachlose engagiert haben, sind sie unter den Menschen anerkannt und beliebt.

Kapuziner betonen das kontemplative Gebetsleben auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Nähe zu den Menschen.

Kapuziner kann man oft an einem Bart, einem braunen Habit, mit Strick gegürtet, und einer braune Kapuze erkennen.

Geschichte

Die ersten beiden Kapuziner kamen im Jahr 1600 heimlich nach Augsburg. Es waren die Patres Prinz Ludwig von Sachsen und Niccolo aus Mantua und sie kamen aus Graz. Markus Fugger? hatte die Kapuziner mit dem Anliegen nach Augsburg gerufen, das religiöse Leben der katholischen Minderheit in der Reichsstadt zu stärken. Zunächst wohnten die beiden Mönche bei den Augustinerchorherren? von Heilig Kreuz?. Markus Fugger? war es auch, der ein Jahr später für die Kapuziner Grundstücke an der Klebsattlergasse?, der heutigen Kapuzinergasse, und an der Schönauergasse? kaufte.

Schon im Jahr 1602 weihte man das Kloster des hl. Franziskus und seligen Gualfardus? samt Kirche ein. Bischof Heinrich von Knöringen? vollzog die Weihe. Die bescheidene Kirche beherbergte eine Reliquie des seligen Gualfardus und wohl auch eine von Wolfhart?, einem gebürtigen Augsburger, der das Sattlerhandwerk erlernte, als Eremit in Norditalien lebte und als Mönch 1127 in Verona starb. Wolfhart wurde als Patron der Sattler verehrt.

Der Konvent der Kapuziner wurde von den Fuggern mit einer Donation von 10.000 fl ausgestattet, was aber nicht reichte, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Und so mussten die Kapuziner anderswo Beichte hören und Krankenseelsorge betreiben, wofür sie von den Stiften Sankt Georg, Heilig Kreuz?, Sankt Moritz, Sankt Ulrich und Afra und dem Kloster Sankt Katharina mit Geld und Nahrungsmittelhilfen bedacht wurden. Selbst Stifte und Klöster des Umlands wie Altomünster? oder Oberschönenfeld? versorgten die Bettelmönche mit Naturalien. Dazu kam, dass die Kapuziner bei den einfachen Leuten als Beichtväter und Prediger beliebt waren und mit Spenden unterstützt wurden.

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1606 wurde der Augsburger Konvent in die Tirolische Provinz des Ordens aufgenommen, was einen gewissen organisatorischen Rückhalt gab. Nun richteten die Augsburger Kapuziner eine Tuchmanufaktur ein, von der die Kapuzinerklöster der Provinz ihren Kuttenstoff bezogen.

Zwischen 1627 und 1634 wütete in Augsburg die Pest, eine Zeit, in der die Kapuziner durch ihren selbstlosen Krankeneinsatz viel Ansehen erwarben. Bis zur Säkularisation betreuten sie vor dem Stephingertor das dort gelegene Pest- und Siechenhaus und die Sebastianskapelle? samt Kaplanshaus, die von Elias Holl im Jahr 1612 errichtet worden war.

Ihre Blüte erlebten die Kapuziner in Augsburg nach dem Dreißigjährigen Krieg, als ihr Augsburger Kloster als Noviziat für die gesamte Tiroler Ordensprovinz diente. Damals war der Augsburger Kapuzinerkonvent der größte in der Provinz und hatte im Durchschnitt etwa 40 Mitglieder. Dann kam die josephinische Kirchenreform in Österreich und der Staat versuchte stärkeren Einfluss auf die religiösen Gemeinschaften zu bekommen, manche sogar aufzulösen. Um sich vor staatlichen Eingriffen zu schützen, gründeten die schwäbischen Kapuziner deshalb 1789 eine eigene Provinz, deren letzter Provinzial ein Augsburger Mitbruder war.

Der nächste Einschnitt in das klösterliche Lebens der Kapuziner in Augsburg kam mit der Säkularisation im Jahr 1802. Man gestattete den Kapuzinern jedoch zunächst noch in ihrem Kloster zu bleiben und selbst der bayerische Staat wusste nach der Übernahme Augsburgs im Jahre 1806 mit dem ärmsten städtischen Kloster nichts anzufangen, so dass noch 1807 dort 34 Kapuziner (21 Patres, vier Studenten und neun Laienbrüder) lebten, wovon elf geborene Augsburger waren. Erst 1809 wurde das Kloster an den Kaufmann Johann Baptist Fumasi veräußert. 1815 erfuhr das Kloster dann die Umwandlung in eine Brauerei.

Die Kapuziner waren allerdings nur bis 1843 aus Augsburg verbannt. Auf Bitten der Sebastiansbruderschaft? kamen sie wieder und gründeten ein neues provisorisches Kloster bei ihrer alten Sebastianskapelle?, von wo aus sie jetzt Sozialarbeit leisteten, denn im Zuge der Industrialisierung wuchs die Wolfzahnau vor ihrer Tür rasch an - mit all den sozialen Problemen, die diese Zeit mit sich brachte.

Im 19. Jahrhundert war das Beichthören eine wichtige seelsorgerliche Aufgabe der Augsburger Kapuziner.

Im Jahr 1869 riss man die Kirche bei dem Kloster des hl. Franziskus und seligen Gualfardus? ab.

Erst im Jahr 1907 bis 1909 kamen die Kapuziner in Augsburg mit der Kirche und dem Kloster Sankt Sebastian zu einem neuen, dauerhaften Domizil.

In der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 1930er Jahre verteilten die Kapuziner in Augsburg jeden Tag Hunderte von Mittagessen.

Seit 1966 nennt sich das Augsburger Kapuzinerkloster "Franziskanisches Zentrum Sankt Sebastian".

1968 eröffneten die Kapuziner das Franziskanische Zentrum als Bildungshaus.

1984 stieß Pater Guido Kreppold? zur kapuzinischen Gemeinschaft in Augsburg. Das ist deshalb erwähnenswert, weil er der Psychologe und Theologe in Augsburg eine Seelsorge für säkularisierte Menschen versuchte, ihnen mit Meditation, Gesprächen und Vorträgen neue Zugänge zu Gott eröffnen wollte und mit seiner Arbeit die Gemeinschaft bis zu ihrem Ende prägte.

Mitte Oktober 2009 wurde die Niederlassung der Kapuziner in Sankt Sebastian aufgelöst, die am Ende nur noch aus zwei Patres (Kreppold, Guido? und Siegbert Mayer) bestand. Gleichzeitig wurde auch das Franziskanische Zentrum in Sankt Sebastian geschlossen. Allerdings findet in Sankt Sebastian weiterhin Gottesdienst statt.

Das ehemalige Kapuzinerkloster wird heute von der Kroatischen Gemeinde? genutzt.

Sonstiges

Die Augsburger Kapuziner hatten einige bekannte und bedeutende Mitbrüder in ihren Reihen:

  • Emmerich von Wesel: Er war ein Mediziner.
  • Franz Borgias: Er tat sich als Kontroversprediger hervor.
  • Franz von Paula Tausch: Er war der Hoftheologe von Bischof Joseph Ignaz Philipp?.

Adresse

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Die historische, nicht mehr aktuelle Adresse:

Franziskanisches Zentrum
Sebastianstraße 24
86153 Augsburg


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