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Judenberg

Der Judenberg liegt im ersten Stadtbezirk (Lechviertel östliches Ulrichsviertel), gehört zum Planungsraum I (Innenstadt) und hat die Postleitzahl 86150.

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Allgemeines

Der Judenberg ist ein schmaler Fußgängerberg, der sich vom Lechviertel mit einer Linkskurve in die Innenstadt zur Maximilanstraße beim Moritzplatz hochzieht. Unten im Lechviertel Augsburgs trifft der Judenberg auf die Stelle, wo die Weiße Gasse im Hunoldsgraben endet.

Der Name Judenberg weißt darauf hin, dass sich hier im frühen Mittelalter Juden? ansiedelten. Die Gemarkung wird auf einer Seite von den Rückseiten des Bankhauses Hafner?, der Stern-Apotheke und des Gastronomiebetriebs Capitol gebildet, deren Haupteingänge sich in der oben gelegenen Maximilianstraße befinden. Wenn man den Judenberg hinunter geht, vermutet man nicht, dass das Bistro Altsadtcafé? im gleichen Gebäude wie das Bankhaus Hafner? untergebracht ist. Das ist nur an dem Schriftzug über dem Café zu erkennen. Auf einer Hälfte des gepflasterten Judenbergs gestalten flache, lang gezogene Stufen das Aussehen des schmalen Fußgängerweges. Die Dächer der Judenberg-Häuser bilden ein wunderbar verschachteltes Wirrwarr, wie es sich für eine echte Altstadt gehört.

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Die alten Gaslaternen, die den nächtlichen Judenberg beleuchten, werden durch eine moderne Industrielampe ergänzt. Seit einiger Zeit bringt Efeu, das sich an manchen Wänden des Judenberges hochrankt, etwas Grün in die Häuserschlucht, die sich von unten nach oben ziemlich verengt, von etwa fünf Meter am Fuß des Berges auf vielleicht zwei Meter am Moritzplatz, wo noch bis 2013 der Eingang zum Pow Wow? war, das sich in einem nach dem Krieg erstellten provisorischen Flachbau befand. 2013 begann man hier ein neues in der Höhe der Umfeldbebauung angepasstes Büro- und Wohngebäude zu bauen.

Die fensterlose Mauer, die sich samt Geländer auf der gegenüberliegenden Seite dahinzieht, wurde früher vom Café Pow Wow? als Raucher-Terrasse betreut. In der Biegung des Judenberges befand sich ein Werbekasten des Jugendcafés. Blickte man 2012 von unten kommend nach oben, war das Pow Wow? an der rechten oberen Ecke in einem Flachbau untergebracht, der nach dem Zweiten Weltkrieg in einer Bombenlücke entstanden und bis 2013 hier stehen blieb. Noch früher war hier die Eisdiele Cortina?, kurz auch ein Harlekin-Spielsalon? mit historischen Spielautomaten; das Cortina? ist jetzt an der Ecke Karlstraße / Karolinenstraße zu besuchen.

Inzwischen ist der Judenberg der beliebte Eingang zum Spazierweg vom Moritzplatz zur Einkaufspassage City-Galerie beim Vogeltor geworden.

Geschichte

Wo heute der Judenberg liegt, wurde in Steuerurkunden bereits 1366 ein jüdischer Wohnbezirk, damals der zweite jüdische in Augsburg, festgehalten.

Das erste Mal taucht der Augsburger Straßenname Judenberg in einer Steuer-Urkunde aus dem Jahre 1404 schriftlich auf. Es gab damals im Mittelalter noch zwei weitere Ortsbezeichnungen, die auf jüdische Bürger in Augsburg hinwiesen: den Judenwall und die Judengasse. Die heutige Karlstraße war von 1361 bis 1825 die Judengasse. Der Judenwall war eine Befestigungsanlage. Die Juden siedelten sich nach den ersten amtlichen Aufzeichnungen von 1212 bei der heutigen Karlstraße und unterhalb des Judenbergs bei den Handwerkern zwischen den Lechkanälen an.

Besonders erwähnenswert ist ein kulturelles Ereignis am Judenberg: Das "Café Mercur" zeigte im Oktober 1896 die ersten cinematografischen Vorführungen in Augsburg, also einen schwarz-weißen Stummfilm mit ratterndem Projektor. Damit begann am Judenberg die Augsburger Kino-Geschichte. Damals gab es aber noch kein reines Kino, sondern nur gelegentliche Filmvorführungen mit begleitender Musik am Klavier zur Belustigung der Gäste. Das "Café Mercur", das später zum Metropol wurde, hatte damals eine Türe zur Maximilianstraße und eine zum Judenberg. In der Gegenwart wird es wieder nach einiger Zeit als "Wienerwald" von dem Gastronomen Armin Lochbrunner als "Bistro Mercur" mit Zugang und Terrasse am Merkurbrunnen betrieben. Vielleicht kam aufgrund der ersten Augsburger Filmvorführungen auch das Kino "Capitol", das seit einiger Zeit als Lokal benutzt wird, an diese Örtlichkeit? Es hat die Adresse Judengasse Nr. 2.

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Bevor der Judenberg zu Anfang des 15. Jahrhunderts seinen heutigen Namen bekam, soll er Hegniberg geheißen haben. In Fuggerberg wollte man ihn auch schon umbenennen, was sich aber nicht durchsetzen konnte.

Im gesamten 19. Jahrhundert war der Judenberg für die Augsburger Juden eine wichtige Straße, denn sie gingen ihn hinab zur Wintergasse, wenn sie in der damals dort liegenden Synagoge beten wollten, und sie gingen ihn hinauf, wenn sie an der Börse? handeln wollten, die damals noch auf dem Rathausplatz stand.

Die Nazis entfernten 1936 die Namensschilder am Judenberg.

Im Sommer 2010 wurde am Judenberg durch das Bemalen mit großformatigen Bildern der Künstler Silvia Kotzur und Jakob Krattiger das Experiment „Kunstberg“ vom Altstadtverein? aus der Taufe gehoben.

Im Mai und Juni 2017 musste man den Judenberg für sieben Wochen sperren wegen der notwendigen Erneuerung von Strom- und Fernwärmeleitungen als Verbindung von Altstadt und Innenstadt. Gleichzeitig wurde der Pflasterbelag durch das Tiefbauamt? der Stadt Augsburg erneuert. Die Fernwärmeleitung in diesem Bereich stammte aus den 1960er Jahren und musste erneuert werden. Zusammen mit dem Austausch der Fernwärmeleitungen und Stromkabel wurden Leerrohre für Glasfaserleitungen verlegt.

Details

Nach dem Augsburger Straßenverzeichnis gehören von insgesamt acht Häusern, die am Judenberg stehen, auch zwei Häuser zum Judenberg, die man eigentlich zur Weißen Gasse rechnen müsste: Das Haus Nr. 11 von Hasenbräu mit der ehemalige Gaststätte "Zur Sonne". Und das Haus Nr. 13 daneben, worin die "Schmuck- und Mineralien-Ecke" sowie der Bratwurstladen "Bosna-Inmbiss" mit seiner scharfen Kult-Wurst zwischen Tabasco und Zwiebeln schon länger die Kunden anlocken.

Lange Zeit befand sich am Fuße des Judenberges auch die "Bäckerei Schuster" mit einem Café. Die Bäckerei, deren Inhaber einmal der Innungsmeister der Augsburger Bäcker war, ist verschwunden, das Café wird ab und zu wiederbelebt, zuletzt im August 2012. Seit längerer Zeit halten sich am Judenberg kontinuierlich die drei Lokale "Pamukkale" (Kebap-Imbiss), "Altstadtcafé" (Bistro) und "Kichererbse" (vegetarischer Imbiss).

Im Imbiss "Kichererbse", der auch Falafel auf der Karte hat, befand sich vor einigen Jahren der Zeitungsladen von Frau Fleming, die auch eine kleine private Leihbücherei betrieb. Man konnte bei ihr auch gebrauchte Groschenhefte kaufen oder tauschen. Das Haus mit der "Kichererbse" hatte sich vor einigen Jahren der bekannte Müllentsorger Paul Mannert aus Lützelburg gekauft und vermietet.

Inzwischen hat sich am Judenberg auch die Galerie am Judenberg? angesiedelt. Ebenso die Confiserie Becker?, die vom nahen Moritzplatz hergezogen ist. Dazu noch die beiden Geschenke-Läden grüßen+schenken? sowie Ideenreich?.

Ab und zu verkündet ein Banner des Altstadtvereins? am oberen Ende des Judenberges, wo sich auch eine öffentliche Überwachungskamera befindet, die Aktionen im unten gelegenen Lechviertel.

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Judenberg 2: Heute ist hier das Capitol. Die Giebelfassade blickt auf die Maximilianstraße. Im Kern geht das ehemalige Bürgerhaus auf das 16./17. Jahrhundert zurück, wurde aber so oft umgestaltet, dass das nicht mehr zu erkennen ist. Die letzte größere Umgestaltung nahm Paul Gerne in den Jahren 1920/25 vor. Das Eckhaus mit den vier Geschoßen liegt am Hang und hat ausgebaute Dachgeschoße. Paul Gerne hat die Giebelfassade umgestaltet, indem er gotisierende Dienste mit Figuren angebracht hat. Auch der eingeschoßige Erker über Steinkonsole an der konvexen Hangfassade geht auf den Umbau in den 1920er Jahren zurück. Im Inneren kann man noch gut den ehemaligen Kinovorführraum erahnen, der sich hier befand. Die Hangseite des Hauses besitzt einen alten Treppengiebel und an seiner tiefsten Stelle an der Rückseite ein Wirtschaftstor.

Judenberg 5: Dieser dreigeschoßige giebelständige Bau ist ebenfalls ein Bürgerhaus und ebenfalls im 16./17. Jahrhundert entstanden. Er hat ein Mansarddach und Ladenfenster aus der Zeit des Klassizismus?.

Judenberg 6: Diese Gemarkungsnummer gehört eigentlich zu Maximilianstraße 29, der heutigen Stern-Apotheke - als Rückfront.

Judenberg 10 und 11 sind Bürgerhäuser. Die Nummer 10 ist etwas jünger und geht auf das 17. Jahrhundert zurück, während sich die Nummer 11 bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Die Nummer 11 wird halb von der Nummer 13 überschnitten und hat drei Geschoße. Es handelt sich um einen giebelstänigen Mansarddachbau. Nur. 10 hat nur zwei Fensterachsen und ist recht schmal, dafür aber fünfstöckig mit einem Volutengiebel. Daneben rechts liegt in einer Fensterachse konisch auslaufend die Fassade eines Vorderhauses, das eine klassizistische Fassade hat und sich zur Maximilianstraße orientiert. Der Judenberg 13 glänzt mit einem polygonalen Eck-Erker, ist ein Giebelbau mit fünf Stockwerken und ist im Kern im 16./17. Jahrhundert entstanden.

Sonstiges

Eine Augsburger Stadtsage

Es gibt eine Augsburger Stadtsage, nach der sich im Mittelalter ein von den Stadtschergen gejagter Raubritter Hartmann Onsorg aus Wellenburg? bei dem Rabbiner Ben Aron am Judenberg verstecken durfte. Onsorg wollte verkleidet seinen Sohn Jobst aus dem Kreuzturm? zu Augsburg befreien. Als man Onsorg erkannte, flüchtete er zum Judenberg. Zufällig hastete er dort in ein Haus des Rabbiners Ben Aron. Diesem hatte der Raubritter vierzig Jahre zuvor vor üblen Verfolgern sichere Unterkunft in Wellenburg? gewährt - samt Ben Arons frisch vermählter junger Frau. Sonst wäre der Rabbi mit seiner Frau gefoltert worden. Eine Nacht bevor der flüchtende Onsorg in die Wohnung des Rabbiners Ben Aron am Judenberg platzte, war dessen Frau gestorben. Sie lag noch auf der Totenbahre in Ben Arons Haus. Angeblich soll Ben Aron den Ritter unter seine tote Frau gebettet haben, bevor die Stadtschergen in die Rabbiner-Wohnung eindrangen. So konnte sich Ben Arons Frau noch im Tod für die einstige Hilfe des Raubritters erkenntlich zeigen.

Lage


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