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Jakobervorstadt

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Allgemeines

In der Jakobervorstadt wohnten früher kleine Leute und Proletarier, wie schon Wilhelm Heinrich Riehl 1858 schrieb: "Auf der Höhe dominierten die Patrizier, an der Höhe die Zünfte, unten in der Talsohle aber liegt die Vorstadt, vorwiegend das Viertel der kleinen Leute und der Proletarier."

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Die Jakobervorstadt in Augsburg ist ein gutes Beispiel, wie die Hierarchie der Ständegesellschaft rechtlich und politisch festgelegt festgelegt war und sich im wirtschaftlichen und sozialen Verhältnis von Ober-, Mittel- und Unterschicht ausdrückte. Die gesellschaftlichen Unterschiede zeigten sich in den verschiedenen Formen des sozialen Zusammenlebens. Die unterschiedlichen Lebensverhältnisse führten zu einer für Augsburg charakteristischen sozialräumlichen Gliederung, die teilweise noch bis heute besteht. In der Jakobervorstadt herrschten ungünstigste Lebensbedingungen. So hat sich keines der sonst zahlreich vertretenen Stiftsklöster hier angesiedelt. Denn hier war kein Geld zu holen. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts kommen etwa die Hälfte der Empfänger des städtischen Heiligen Almosens? aus der Jakobervorstadt.

Geschichte

14. Jahrhundert

Die Geschichte der Jakobervorstadt reicht weit in das Mittelalter zurück. Schon 1340 erfolgte die Einbeziehung der Jakobervorstadt in den Befestigungsring Augsburgs. Das Jakobertor wird 1346 zum ersten Mal erwähnt. Kurz darauf, im Jahr 1355, wurde die Jakobskirche als Pilgerkirche erbaut. Dann baute man am Jakobertor eine Brücke über den Graben und leitete den Lauterlech am Jakobertor vorbei. Schon 1374 begann man in der Jakobervorstadt stark zu bauen und 1375 hub man vor ihr einen Verteidigungsgraben aus.

Im 14. Jahrhundert siedelten sich hier schon kleine Handwerker an, die von den großen Verlegern? wie den Fuggern abhängig waren, daneben Menschen, die nach den Steuerunterlagen kein Vermögen hatten (so genannte "Habenichtse"). Dazu gehörten etwa Abdecker, Totengräber, Henker, also Menschen mit "unreinem" Gewerbe, aber auch Dienstboten, Fuhrleute oder Tagelöhner.

15. Jahrhundert

1406 bringt der Lech Hochwasser in in die Jakobervorstadt, die 1415 komplett von einer Mauer umschlossen war. In den Jahren 1421/1423 bis 1430 wurden die Gräben um die Jakobervorstadt vertieft und verbreitert, was die Vorstadtbewohner bezahlen mussten, wenn sie nicht beim Bau halfen. 1445 baute man als südlichen Eingang zur Jakobervorstadt das Vogeltor und vier Jahre später das Oblatterwalltor? als gesicherten Nordeingang, so dass Augsburg 1450 insgesamt 14 Tore besaß (der Fünffingerlesturm wurde erst 1454 errichtet. 1458 baute man am Oblatterwall auch einen Turm auf der Bastion (Oblatterturm?). Bei den sieben Kindeln stand das Bleichertörlein?, das auch "Neidbadtörlein" genannt wurde. Weil es ab 1465 ausgedient hatte, wurde es in der Nacht nicht mehr abgeschlossen.

Lückenlos gesichert und abgeschlossen wurde die Jakobervorstadt 1485, als im Westen des Oblatterwalltors? die Stadtmauer über den Stadtgraben auf der Hangkante vollendet war. Gleichzeitig war bei Sankt Ursula? die Stadtmauer auch am Vogeltor geschlossen worden. Auch heute noch begegnet man in der Jakobervorstadt auf einem Spaziergang gut erhaltenen Resten der ehemaligen Stadtbefestigung.

16. Jahrhundert

1519 wurden die Türme der Stadtbefestigung bis auf die Höhe der Mauerkrone abgetragen, wie auch sonst am Mauerring der Stadt. Außerdem wurden an allen Eckpunkten der Stadtbefestigung vorspringende Bollwerke erbaut. Auf einem Stadtplan von 1521 erkennt man, dass die nörliche und östliche Jakobervorstadt durch Mauern von der Kernstadt abgetrennt sind.

Nachdem man 1538 mit der baulichen Modernisierung des Festungsgürtels von Augsburg begonnen hatte, legte man 1543 den Oblatterwall und den Jakoberwall an und riss fast alle Mauertürme ab. 1544 kam am Jakobertor eine Bastei hinzu. Als eine der letzten Baumaßnahmen im Zuge der Modernisierung der Stadtbefestigung baute man 1558 an der Bastion beim Oblatterwall einen Turm.

17. Jahrhundert

Augsburger Steuerbücher? von 1610 zeigten für die Jakobervorstadt die höchste Nutzungsdichte pro Haus im Stadtvergleich auf. Teilweise wohnten bis zu siebzig (!) Familien in einem Haus. Die Steuerbücher? zeigen, dass damals 52,67 Prozent der Habnichts?, aber nur 45,37 der Mittelschicht und nur 1,94 Prozent der Reichen in der Jakobervorstadt lebten. Allerdings bildete in der Jakobervorstadt die Gruppe der armen Mittelschicht, die höchstwahrscheinlich keinen Grundbesitz hatte, die stärkste Gruppe innerhalb der Mittelklasse. Sie mussten nur 1 bis 15 kr Steuer? zahlen. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung der Jakobervorstadt lebte damals also in Armut.

1632 zog der Schwedenkönig Gustav Adolf? durch das Jakobertor und die Jakobervorstadt in Augsburg ein.

18. Jahrhundert

Als die Industrialisierung begann, zogen Fabrikarbeiter in die Jakobervorstadt, so dass der Anteil der Angestellten und Arbeiter hier schnell höher war als in der Innenstadt?. So stammten auch der Anarchist Most? und der sozialistisch ausgerichtete Dichter Bertolt Brecht aus der Jakobervorstadt und ihrem Arbeitermilieu.

Details

Der Jakoberwall war früher eine Eckbastion zum Schutz der Jakobervorstadt, die östlich des alten Augsburger Stadtkerns entstand. Weil man hier mehr Platz als in der Altstadt von Augsburg hatte, hielt man in der Jakobervorstadt die Märkte ab, die viel Raum benötigten, wie z. B. den Rossmarkt?, den Saumarkt? und den Rindermarkt?.

Nach der Frauenvorstadt befanden sich in der Jakobervorstadt die meisten Webereien - und die Weberei? war das bedeutendste Handwerk? im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Augsburg. Die Wohnverhältnisse der Weber? galten jedoch als schlecht und die meisten Weber? waren verarmt.

In der Jakobervorstadt finden seit 1883 sowohl die Frühjahrs- als auch die Herbstdult statt. Zunächst allerdings hatte man nur die so genannte Michaelidult (Herbstdult) in die Jakoberstraße verlegt. Heute finden sowohl die Frühjahrs- (Georgidult) als auch die Herbstdult zwischen dem Jakober- und dem Vogeltor an der Jakobermauer? statt.

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