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Industriedenkmäler

Allgemeines

Identität oder Kultur braucht Symbole, wenn sie sich weiterentwickeln soll. In diesem Zusammenhang muss heute ein Augenmerk auf die Gebäude des Industriezeitalters gelegt werden, bevor sie nicht mehr zur Identitätsstiftung genutzt werden können.

Entdeckung der Industriekultur in Augsburg

Augsburg hat in der Vergangenheit die Renaissance als identitätsstiftende Wegmarke gesehen und sich vor allem als Stadt der Fugger definiert. Das ist zu kurz gesprungen. Nur zögernd entdeckt sich Augsburg in den letzten Jahren auch als Stadt der Industriekultur, als Arbeiterstadt, als Stadt klassenkämpferischer Gedanken etwa eines Bertolt Brecht.

Dass man jetzt das staatliche Textilmuseum im Textilviertel auf dem Gelände der ehemaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei AG einrichtet, zeigt, dass hier in den letzten Jahren kleine Fortschritte und eine gewisse Akzeptanz der gesamten Augsburger Geschichte erreicht wurden.

Aber die Bewahrung und Stadtteilentwicklung geht immer noch viel zu langsam in Augsburg und vor allem hat die Stadt noch nicht genügend schlüssige Konzepte zur Umnutzung von ehemaligen Industriebauten vorgelegt. Zu selten wird noch die industrielle Vergangenheit Augsburgs in neue Projekte einbezogen – und das, obwohl viele europäische Städte mit der Umnutzung von Industriebauten gute Erfahrungen gemacht haben und obwohl sich Augsburg in seiner Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 als europäische Bürgerstadt präsentiert hat, die verantwortungsvoll mit ihrer Industrietradition umgeht.

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Stadt Augsburg ein Industriezentrum mit europaweiter Bedeutung. Hier entwickelte Rudolf Diesel in der MAN den Dieselmotor?, Zehntausende arbeiteten hier unter harten Bedingungen in Spinnereien, Webereien und Färbereien der Textilindustrie?, hier wurden innovative Druckmaschinen und – ab den späten 1920er Jahren – aufsehenerregende Flugzeuge, vor allem für das Militär, in Serie produziert. Nicht nur in Reiseführern nannte man Augsburg „deutsches Manchester“. Fabrikschlösser, Wasserkraftwerke, Fabrikantenvillen, Arbeitersiedlungen und öffentliche Bauten des Industriezeitalters sind in Augsburg noch immer zum Teil erhalten. Das Textilviertel östlich der Altstadt bezeichneten Experten schon mal als einen städtischen Raum, „der in seiner kulturellen, ökologischen und historischen Bedeutung seinesgleichen in Europa sucht“.

So langsam entdeckt unter anderem auch die Regio Augsburg Tourismus GmbH den Wert der in Augsburg verbliebenen „Perlen der Industriekultur“ – darunter das 2010 neu eröffnete Staatliche Textil- und Industriemuseum Bayern?, der Glaspalast, der Bahnpark, historische Wasserkraftwerke? am Lech oder das Gaswerk in Augsburg-Oberhausen und versucht daraus ein neues touristisches Angebot zu schmieden.

So gibt die Regio Augsburg Tourismus GmbH im Jahr 2010 zu Protokoll: „Beworben wird, was noch an spektakulären Fabrikanlagen zu sehen ist – zumal dann, wenn sie auch noch ein Museum beherbergen oder als Veranstaltungsort genutzt werden können. Führungen der Regio Augsburg Tourismus GmbH leiten aber auch zur Architektur des Industriezeitalters außerhalb der Fabriken: Das Zeitalter der Industrialisierung hat Baudenkmäler wie das Kurhaustheater?, die europaweit bedeutende Synagoge oder das Alte Stadtbad hervorgebracht. Die im Jugendstil errichtete Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Pfersee – auch sie ein Resultat dieser Epoche – feiert 2010 das 100. Jubiläum ihrer Weihe. Aber auch Fabrikantenvillen, Arbeitersiedlungen und die erste Gartenstadt Deutschlands werden in den Blick genommen. Als einziges Industriedenkmal im Landkreis Augsburg wird auch der Historismusbau des Wasserkraftwerks in Langweid beworben, in dem heute das Lechmuseum Bayern auch einige Kapitel der Augsburger Industriegeschichte präsentiert.“ Auch innovative Unternehmer und Ingenieure wie Rudolf Diesel, Heinrich von Buz?, Ludwig August Riedinger und seinen Sohn August (er befasste sich früh mit der Entwicklung lenkbarer Luftschiffe) sollen deutlicher in der Tourismus-Kommunikation herausgestellt werden.

Zum ersten Mal wurde dieses neue Konzept der touristischen Vermarktung Augsburgs 2010 auf der ITB in Berlin vorgestellt, verbunden mit der Herausgabe einer 24-seitigen Broschüre „Industriekultur. Architektur und Museen in Augsburg“ (concret Werbeagentur Augsburg).

Ein weiterer Schritt in diese Richtung markierte das Buch „Industriekultur in Augsburg” von Prof. Karl Ganser. Es wurde im November 2010 vorgestellt. Erschienen im context verlag? wurde es von der Regio Augsburg Tourismus GmbH herausgegeben und von den Stadtwerken Augsburg und der LEW AG? gefördert. Karl Ganser, „der Architekt des neuen Ruhrgebiets“, erklärte bei der Präsentation des Buches die Geschichte der Industriemetropole Augsburg und führte zu „Architekturperlen“ und Museen. Der international bekannte und ausgezeichnete Experte verband damit ein ebenso persönliches wie leidenschaftliches Plädoyer für die Erhaltung und sensible Nutzung der Zeugnisse einer innovativen Epoche. Diese innovative Epoche – so Ganser – könne man in Augsburg so kompakt und ausführlich erleben, wie sonst nirgends in Mitteleuropa. Dass die Zeugnisse und Denkmäler der industriellen Ära Akzente auch im touristischen Profil Augsburg seien, betonte Götz Beck, Tourismusdirektor der Region Augsburg. Johannes Hintersberger, MdL und Vorsitzender des Tourismusvereins Region Augsburg, wies zudem darauf hin, dass das Buch auch das Anliegen unterstütze, wirtschaftliche Impulse in der Region zu setzten, die an die Vergangenheit Augsburgs als Textilstadt anknüpfen – zum Beispiel mit Kohlefaserverbundtechnologie: In Augsburg stehe die weltweit modernste Produktionsanlage für Kohlefaserverbundstoffe.

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