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Idler, Salomon

Ein Schuhmacher, Luftfahrtpionier und Erfinder, der in Augsburg lebte und starb (der fliegende Schuster von Augsburg).

Leben und Wirken

Solomon Idler wurde am 11. Februar 1610 in Cannstadt in der damaligen Fischgasse und heutigen Brählesgasse geboren.

Wie er nach Augsburg kam, ist unbekannt. Aber wir wissen, dass er Schuster war und nebenbei auch Theaterstücke schrieb, weil er beim Augsburger Stadtrat versuchte, die Erlaubnis zu erhalten, mit einer Schauspieltruppe auftreten zu dürfen, was ihm aber untersagt wurde.

Nach den Meistersingerakten hat er als erster Augsburger Segelflugversuche unternommen. Die entsprechenden Meistersingerakten stammen aus dem Jahr 1665 (nach anderen Quellen von 1659). Die Flugversuche zuvor stattgefunden haben, viele vermuten um 1640. Eigentlich plante Salomon Idler, mit seinen an Vogelschwingen angelehnte Flügel vom hohen Perlachturm abzuheben. Ein Geistlicher soll den Tollkühnen dann aber glücklicherweise davon überzeugt haben, dass er zunächst von niedrigerer Höhe fliegen sollte. Im Rahmgartengässchen, wo 1970 vom Freiballonverein Augsburg? eine Gedenktafel zu seinen Ehren angebracht wurde, startete er vom Dach eines Schuppens aus mit seinen selbstgebastelten Flügel und stürzte auf ein Brückchen, das unter seiner Last einbrach und vier darunter gackernde Hühner erschlug. Es war Salomon Idlers erster und letzter Flugversuch und er soll über das Missglücken so verärgert gewesen sein, dass er seinen Flugapparat auf einem Oberhausener Feld zertrümmert haben soll.

Salomon Idler gilt als erster Deutscher, der nachweisbar das Fliegen probierte, 150 Jahre vor dem berühmten Schneider von Ulm. Die Doktorarbeit von Eugen Oskar Rindt aus dem Jahr 1942 schildert, dass die Meistersinger von Augsburg 1665 gegen Idler vor dem Stadtrat einen Prozess anstrengten. Er hatte nämlich als Schauspieldirektor agiert, was er nicht durfte. In den Meistersingerakten heißt es, Salomon Idler sei "hirnlos und luftsinnig", weil er seinen "närrischen Einbilden nach" vom Perlachturm herabfliegen wollte.

Salomon Idler muss ein Multitalent gewesen sein, denn nach seinem missglückten Flugversuch arbeitet er unter anderem als Dresseur von jungen Pferden, als Gaukler und als Theaterdirektor, was ihm den besagten Prozess einbrachte.

Verarmt starb er am 17. März 1670 in Augsburg.

Sonstiges

Wir wissen über Salomon Idler außerdem, dass Elias Holl bei seiner zweiten Heirat Hochzeitszeuge war.

Peter Dempf hat im Jahr 2000 das Buch "Der Teufelsvogel des Salomon Idler" bei Eichborn (Frankfurt) über den Flugpionier veröffentlicht. Auch wenn der Roman nicht allzu viel mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat, wurde dem Augsburger Flugpionier dadurch doch ein Denkmal gesetzt. Zum Inhalt des Buches: Der Augsburger Schuster Salomon Idler gelangt in den Besitz eines Manuskripts mit Plänen für ein Fluggerät. Sein Traum vom Fliegen bleibt in der von Krieg und Pest heimgesuchten Stadt nicht unbemerkt: Belagerte wie Belagerer versuchen die Pläne mit aller Gewalt in ihre Hände zu bringen. Als seine Frau durch die Folter in den Wahnsinn getrieben wird, findet Idler Schutz und Hilfe bei den Bettlern und Gauklern. Die Zeiten im Schatten der Belagerung sind mörderisch, doch seine große Vision vom Fliegen lässt Idler nicht ruhen ... Ein dramatisches Epochengemälde und eine mitreissende Hommage an den ewigen Menschheitstraum vom Fliegen. "Detailgetreu und atemberaubend realistisch beschreibt Peter Dempf eine Stadt und ihre Bewohner im Ausnahmezustand." (Brigitte)

Seit 1972 gibt es im Univiertel die Salomon-Idler-Straße in der Nähe der Universität Augsburg.

Strümpfelbach bei Cannstadt ist Stammsitz der Idler-Sippe, die alle fünf Jahre ein Idler-Treffen mit Idler-Sekt organisiert, zu dem fast 400 Teilnehmer kommen.

Weblinks


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