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Hübner, Jacob

ein Augsburger Kupferstecher, Naturforscher und Lepidopterologe (Schmetterlingsforscher; von manchen weitergehend auch als Entomologe, Insektenforscher, bezeichnet)

PortraitHuebner
Portrait von Jacob Hübner um 1790. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Leben und Wirken

Geboren wurde Jacob Hübner am 20. Juni 1761 in Augsburg, wo er am 13. September 1826 auch starb. Sein familiärer Hintergrund war ärmlich, denn er wurde als fünftes Kind des Habnichts? (wir würden heute "Tagelöhner" sagen) Johann Georg Hübner geboren. Daran änderte sich auch nichts, als sein Vater später Ratsherrnbediensteter wurde.

Weil Jacob Hübners zeichnerische Begabung schon früh erkannt wurde, schickte man ihn zum Unterricht in der Zeichnungsschule des Gymnasiums bei Sankt Anna (1777), an deren Besuch sich von 1778 bis 1780 eine zweijährige Lehrzeit im Radieren und Formstechen anschloss. Damit erwarb Jacob Hübner die Voraussetzungen für eine Anstellung als Modelschneider und Musterzeichner in einer Augsburger Kattunfabrik (bei Anton Christoph Gignoux?). Aber ebenso für seine spätere wissenschaftliche Arbeit, die sich dadurch vorbereitete, dass sich Jacob Hübner neben seiner beruflichen Tätigkeit autodidaktisch in die Schmetterlingskunde (Lepidopterologie) einarbeitete. Ein Glück für die Wissenschaft, dass sein Arbeitgeber ihm dabei keine Steine in den Weg legte. So konnte sich der Junge aus ärmlichen Verhältnissen vom Stoffmusterzeichner zum international anerkannten Wissenschaftler hocharbeiten, den selbst die englischsprachige Wikipedia rühmt.

Die ersten kolorierten Schmetterlingskupferstiche fertigte Jacob Hübner 1783. Die erste Veröffentlichung Hübners stammt aus dem Jahr 1785. Andere Forscher setzen Hübners erstes öffentliches Werk 1786 an. Damals veröffentlichte Jacob Hübner Kupferstiche bis dahin weitgehend unbekannter Schmetterlinge. "Dieses Werk verdeutlichte bereits die gute Arten- und Literaturkenntnis Hübners", schrieb die deutschsprachige Wikipedia dazu.

Ein wichtiger Augsburger Kontakt Hübners war Ritter Joseph Paul von Cobres?. Möglicherweise hatte Anton Christoph Gignoux? den Kontakt dieser beiden Männer vermittelt. Auch Ritter Joseph Paul von Cobres? war ein Naturforscher. Im Gegensatz zu Jacob Hübner besaß er eine kostbare naturwissenschftliche Sammlung und Bibliothek, die er Hübner zum Selbststudium öffnet.

Zwischen August 1788 und Frühjahr 1789 hielt sich Jacob Hübner in Wien auf, wo er Ignaz Schiffermüller (1727 bis 1806), einen Zoologen, traf, der ihm wichtige Anregungen für seine wissenschaftliche Forschung gab. Beide Naturforscher blieben bis an ihr Lebensende befreundet. Auch in Frankfurt und Leipzig besuchte Jacob Hübner in dieser Zeit bekannte Insektenforscher.

1789 war Jacob Hübner wieder nach Augsburg zurückgekehrt. Jetzt begann er an seinem Lebenswerk zu arbeiten und entwickelte eine wissenschaftliche Methode, um Schmetterlinge zu klassifizieren. Diese Klassifikation ist in ihren Grundzügen noch heute gültig. Veröffentlicht hat er dieses Werk als sein Gesamtverzeichnis zwischen 1816 und 1826. Aufgeführt sind fast 4.200 Schmetterlingsarten, die er auf einzelnen Druckbogen nach ihrer Verwandschaft angeordnet hat.

Am 22. Februar 1796 kaufte Jacob Hübner das so genannte "Hübner-Haus" im Augsburger Ersten Quergässchen. Es ging für 1425 Gulden von dem Zimmerer Andreas Kofer an Jacob Hübner und hatte einen Garten, ein Sommerhaus und ein Plätzchen unter einer Stiege, über die man das Sommerhaus erreichte. 1808 umfasst sein Haushalt hier zwei Personen.

Während der napoleonischen Kriege verarmte Jacob Hübner. Er verlor seine Frau und eine schwere Krankheit überschattete seine letzten Lebensjahre. Noch kurz vor seinem Tod reiste er nach Straßburg, um dort den entomologischen Nachlass eines Freundes zu ordnen.

Jacob Hübner starb am 13. September 1826 in Augsburg. Nach seinem Tod führte der Maler Carl Geyer?, der Hübner schon viele Jahre lang assistiert hatte, sein Werk fort. Hübners Nachlass kam auf unbekannten Wegen nach London zur "Royal Entomological Society". Die deutschsprachige Wikipedia will wissen, dass es 1935 von ihr angekauft wurde.

Werk

Die meisten Bücher über Schmetterlinge veröffentlichte Jacob Hübner im Selbstverlag. Unter anderem folgende Werke:

  • 1785 (1786): Abbildungen und Beschreibungen noch nicht abgebildeter und noch unbeschriebener Schmetterlinge mit illuminierten Kupfern
  • 1786–1790: Beiträge zur Geschichte der Schmetterlinge
  • 1791: Verzeichnis europäischer Schmetterlinge nach systematischer Ordnung durch Synonymen, Abbildungen und Anmerkungen
  • 1793: Sammlung auserlesener Vögel und Schmetterlinge, mit ihren Namen herausgegeben auf hundert nach der Natur ausgemalten Kupfern
  • 1793–(1842): Geschichte europäischer Schmetterlinge (nach Hübners Tod durch C. Geyer und G. A. W. Herrich-Schäffer ergänzt)
  • 1796–(1838): Sammlung europäischer Schmetterlinge (nach Hübners Tod durch C. Geyer und G. A. W. Herrich-Schäffer ergänzt)
  • 1806–(1838): Sammlung exotischer Schmetterlinge (nach Hübners Tod durch C. Geyer und G. A. W. Herrich-Schäffer ergänzt)
  • 1806: Tentamen
  • 1822: Systematisch-alphabetisches Verzeichnis aller bisher bey den Fürbildungen zur Sammlung europäischer Schmetterlinge angegebenen Gattungsbenennungen

Jacob Hübner beschrieb mehr als 1.500 Schmetterlingsarten, die zuvor nicht beschrieben worden waren, und katalogisierte sie. Deshalb wird hinter den wissenschaftlichen Namen der von ihm beschriebenen Falter auch der Name Jacob Hübner gesetzt.

Seine Kupfer hat Jacob Hübner mit größter Sorgfalt erstellt und koloriert, dabei große Liebe zum Detail gezeigt. Er war ein naturwissenschaftlicher Pionier nicht nur in der Beschreibung und Zeichnung der Schmetterlinge, sondern auch in der Betrachtung der verschiedenen Schmetterlingsstadien von den Larven über die Puppen bis zu den erwachsenen Insektenstadien. Er kam mit seinen Beschreibungen und Stichen zur rechten Zeit, denn nach Linné war es Mode, die Beschreibungen von Tieren durch Bilder zu ergänzen. Damit verkörperte Jacob Hübner die Grundlegung der Systematik der Arten im 18. und 19. Jahrhundert.

Nymphalis polychloros - Hubner
Nymphalis polychloros von Jacob Hübner, 1805 [Public domain], via Wikimedia Commons

Jacob Hübner und Augsburg

Leider hat die Heimatstadt Hübners nicht mehr viel von ihm zu bieten. Nur wenige Kupferstiche und Dokumente von Hübner sind in Augsburg erhalten. Auch das Hübner-Haus, in dem der Naturforscher mehr als 30 Jahre lebte, schien den verantwortlichen Augsburger Politikern nicht erhaltenswert, obwohl der damalige Heimatpfleger? (Hans-Jürgen Schiffler) zusammen mit dem Stadtarchäologen Stefan Wirth für den Erhalt des Hauses kämpfte. Das ist sehr bedauernswert, denn in dem so genannten "Sommerhaus" hatte Jacob Hübner seine Werkstatt, in der seine meisterlichen Schmetterlingskupfer entstanden. Im Garten hinter dem Hübner-Haus konnte der Schmetterlingsforscher viele seiner Forschungsgegenstände direkt beobachten, weil er die Pflanzen anbaute, die heimische Schmetterlinge anlockte. Auch die Lechauen und die Wertachauen? bei Augsburg boten dem Entomologen Hübner dank ihres Artenreichtums ein unerschöpfliches Forschungsfeld.

Neben Christian Friedrich Freyer? und den Illustratoren des Werkes "Unterhaltungen aus der Naturgeschichte" von Gottlieb Tobias Wilhelm kann Jacob Hübner als letzter bedeutender Vertreter des Augsburger Kupferstichgewerbes gesehen werden.

1953 benannten die Augsburger die Hübnerstraße? nach ihm.

Vanessa cardui - Distelfalter
Distelfalter - Vanessa cardui von Jacob Hübner [Public domain], via Wikimedia Commons

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